Der Weg zur Gründung: Ein Start-up berichtet

Smarte Energiedienstleistungen werden im Zeitalter der Elektromobilität immer bedeutsamer. Auch für Start-ups eröffnet diese wachsende Branche erhebliche Geschäftschancen. Das Berliner Start-up urban ENERGY zeigt, welche Aspekte bei der Unternehmensgründung wichtig sind.

Es ist absehbar:

Die zunehmende Zahl an Elektroautos und Ladestationen wird zu erhöhten Lastspitzen und überlasteten Stromnetzen führen. Mit dem Ausbau der Netz-Infrastruktur ist es aber nicht getan, ebenso wichtig ist ein ganzheitliches, optimiertes Energie- und Lastmanagement. Die Lösung dazu reifte im Rahmen eines Ideenwettbewerbs des IT-Dienstleisters adesso AG: eine intelligente, leicht integrierbare Software, die Geräte dann auflädt, wenn die Netzauslastung und der Strompreis gerade niedrig sind. Energieerzeuger können damit Lastspitzen vermeiden, Energieverbraucher Kosten sparen.

Das Beispiel zeigt, wie ein boomender Sektor völlig neue Geschäftschancen hervorbringt. Doch welche Tipps kann man Firmengründern geben, die in diesem Zukunftsmarkt schnell Fuß fassen wollen? 

Tipp Nr.1:

ins Gespräch kommen. Wie für jede Branche gibt es auch für die Energiewirtschaft viele Messen und Veranstaltungen, die perfekt geeignet sind, um Partnerunternehmen, Kunden, aber auch Kapitalgeber kennenzulernen. Einige bieten dabei auch ein Start-up-Speeddating an. Ideal, um möglichst schnell Kontakte zu knüpfen und zu lernen, das eigene Produkt in drei knackigen Sätzen zu beschreiben – Stichwort Elevator Pitch. Gründerwettbewerbe sind natürlich auch eine gute Gelegenheit, am Produkt und am passenden Businessplan zu feilen, sich wertvolle Tipps erfahrener Business Angels zu holen und Kontakte zu knüpfen.

Um die passenden Termine zu finden, muss jeder Gründer sein Portfolio immer gut im Auge behalten, um die richtige Ziel- und Kundengruppe anzusprechen. Wir haben etwa die Erfahrung gemacht, dass unsere Lösung nicht nur für die Energiewirtschaft interessant ist, sondern auch für die Immobilienwirtschaft und für Logistik-, Gewerbe- und Industrieunternehmen, die einen Elektroautofuhrpark betreiben. Das heißt, anstatt immer nur auf E-Mobility- oder Energie-Messen vorbeizuschauen, lohnt auch der Blick über den Tellerrand und der Besuch von Veranstaltungen anderer Branchen. 

Tipp Nr. 2:

Nie den anfänglichen organisatorischen Aufwand unterschätzen. Eine eigene To-do-Liste hilft dabei. Zudem ist eine Priorisierung unerlässlich: Welche Punkte müssen eher abgearbeitet werden und welche haben eventuell noch etwas Zeit, obwohl sie anfänglich vielleicht sogar wichtiger erschienen? Bei der Vielzahl von unterschiedlichen Themen können wichtige To-dos schnell untergehen. In einem Team sollte man zudem Aufgaben klar verteilen, Verantwortlichkeiten benennen und Deadlines festlegen. Es ist wichtig, Aufgaben so aufzuteilen, dass sie am effizientesten bearbeitet werden können. 

Tipp Nr. 3:

Kosten im Blick behalten: etwa für Notar und Anwalt, aber auch für erste Marketing-Aktivitäten. Hilfestellung bieten hier Internetrecherchen, aber vor allem auch Netzwerke und Personen, die Start-up-Erfahrungen haben. 

Letztlich geht die Gründung eines Start-ups immer auch mit einem kontinuierlichen Lernprozess einher. Start-up-Unternehmer müssen sich mit Themen auseinandersetzen, die in ihrem Leben bisher vermutlich keinerlei Rolle spielten, etwa dem Steuerrecht, dem Schalten von Stellenanzeigen oder auch nur der Gestaltung von Briefpapier. Die Vielzahl und vor allem die Bewältigung dieser unterschiedlichen kleinen und großen Herausforderungen schafft für die persönliche Entwicklung jedes Gründers einen riesigen Mehrwert. 

Bei allen To-dos und Herausforderungen darf eines nie vergessen werden: Die Möglichkeit, sich selbst und seine Idee zu verwirklichen. „Herr“ oder „Frau“ über das eigene Unternehmen zu sein, ist eine bleibende und einzigartige Erfahrung.

Autor Paul Dittrich

Paul Dittrich lebt und arbeitet in Berlin und hat Betriebswirtschaft mit dem Schwerpunkt Energiemanagement studiert. Er war als langjähriger Berater für große Energieunternehmen und Übertragungsnetzbetreiber für die adesso AG tätig. Durch unterschiedliche Projekte im Bereich der Elektromobilität und der Netzplanung ist er mit zwei weiteren Kollegen auf die Idee von urban ENERGY gekommen. Mit der adesso AG und Phoenix Contact konnte er zwei starke Partner aus den Bereichen IT und Elektrotechnik davon überzeugen, das Start-up urban ENERGY zu gründen, in dem er als Geschäftsführer fungiert.

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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