Der ewige Kampf mit der Angst

Warum die Startup-Szene mehr (weiblichen) Mut braucht

Dienstagabend zur besten Sendezeit. Auch ich freue mich auf eine neue Folge der „Höhle der Löwen“ und fühle mich hierbei wie ein zusätzliches Jury-Mitglied, wenn ich mir die einzelnen Geschäftsideen der Bewerber/-innen anhöre.

Obwohl ich das Gefühl habe, das nicht nur bei den Investorenpaaren auf Geschlechterausgleich geachtet wird, finde ich es doch bemerkenswert, dass diese Fernsehsendung im Prinzip ein Spiegel der Gründerszene ist, in welcher Gründerinnen durchaus unterrepräsentiert sind.

Ich wollte mir das Ganze jedoch ein wenig genauer ansehen und stieß hierbei auf die erst kürzlich veröffentlichte Studie, dem sogenannten „Female Founders Monitor“.

Dieser wird in Kooperation mit Google for Startups und dem Bundesverband Deutsche Startups e.V. erstellt. Er basiert auf einer Untersuchung von 1.547 Startups in Deutschland und fokussiert sich vor allem auf Motive und Herausforderungen von Gründerinnen.

Auffällig ist hierbei, dass der Anteil von Gründerinnen in der Startup-Szene aktuell bei 15,1% liegt, nur 13,7% der Frauen sind hierbei in der IT- oder Softwareentwicklung tätig. 

Doch woran liegt es, dass mehr Männer als Frauen den „Sprung in die Selbstständigkeit“ wagen?

Eine der Gründe könnte das Gefühl der Angst sein. Der dänische Philosoph Søren Kierkegaard schrieb in seinem Werk „Der Begriff der Angst“ im Jahre 1844 hierzu folgendes:

„Angst kann man vergleichen mit Schwindel. Wessen Auge in eine gähnende Tiefe hinunterschaut, der wird schwindelig. Der Grund seines Schwindels aber ist ebensosehr sein Auge wie der Abgrund; denn gesetzt, er hätte nicht hinuntergestarrt! So ist die Angst der Schwindel der Freiheit, der aufsteigt, wenn (…) die Freiheit nun hinunterschaut in ihre eigene Möglichkeit und dabei die Endlickeit ergreift, um sich daran zu halten.“

Wer in Philosophie gerade so die Augen aufhalten konnte, dem sei diese auf das Unternehmertum übertragene Kurzfassung gegönnt:

Um frei zu sein, müssen wir den Sprung ins Ungewisse wagen. Viele (und darunter vor allem Frauen) haben jedoch nicht nur Angst vor dem Sprung an sich, sondern auch vor dem, was danach folgt (das Ungewisse – die Selbstständigkeit). Ihre Angst ist letztlich so stark, dass sie in ihrer Komfortzone verbleiben und sich dadurch ihrer eigenen Freiheit berauben.

Sichtbar wird dies oftmals an Aussagen wie: „Ich weiß nicht, ob ich qualifiziert genug bin“, „Ich fürchte das finanzielle Risiko“, „Was werden Andere denken?“ oder „Mein Job ist ja nicht der schlechteste…“.

Diese Aussagen könnte man endlos fortführen und man findet sie durchaus auch bei Männern wieder. Frauen neigen jedoch oftmals dazu, Prozesse zunächst zu „zerdenken“ und sich letztlich aus Unsicherheit gegen den Sprung zu entscheiden.

Und dies völlig unberechtigt! Denn Frauen sind, sobald sie den Sprung wagen, beeindruckende Gründerinnen, welche die Startup-Szene bereichern. 

Ob als Speakerinnen, Trainerinnen, Coaches, in der Technologie-Branche, in der Entwicklung oder Pharmaindustrie – Wo Frauen führen, folgen außergewöhnliche Ergebnisse.

Was können Frauen also tun, um den „Sprung“ zu wagen?

  1. Holt euch Unterstützung: Vorbilder, Netzwerke, Sparringpartner – Wer mit offenen Augen durch die Businesswelt schreitet, entdeckt zahlreiche Möglichkeiten, miteinander in Verbindung zu treten und voneinander zu lernen. Ist die Unternehmensgründung das Ziel, dann sucht euch Mitgründer. 
  2. Redet über eure Idee: Egal ob auf dem Spielplatz oder auf einer Unternehmensveranstaltung – redet über eure Ideen und euer Business! Holt euch Feedback und das auch außerhalb der Familie, denn diese ist entweder zu kritisch oder zu wohlwollend. Ihr braucht jedoch eine Meinung, die sachlich und klar auf den Punkt gerichtet ist. Lernt von denen, die bereits weiter sind als ihr.
  3. Kommt ins Handeln: Wer über seine Idee redet, hat bereits den ersten Schritt getan, doch der „Sprung“ erfolgt erst, wenn nach der Ankündigung eine konkrete Handlung erfolgt. Das kann die Verschriftlichung des Businessplans sein, die Erstellung der eigenen Website oder letztlich die Anmeldung der Selbstständigkeit.
  4. Gebt nicht auf: Viele Unternehmensgründungen scheitern nicht, weil die Idee schlecht war oder die Gründer nicht gut genug waren. Es hat am Ende einfach der „lange Atem“ gefehlt. Der Markt hat nicht mit offenen Armen gewartet, also schafft Vertrauen, macht euch sichtbar und das so lange, bis ihr ein Magnet für eure Zielgruppe werdet.
  5. Glaubt an euch und eure Idee: Es wird immer Menschen geben, die euch oder eure Ideen verspotten. DAS sind jedoch nicht eure Kunden/Kundinnen. Ihr werdet als Unternehmerinnen nicht „everybodys darling“ werden, denn dann hättet ihr (und hier bringe ich gerne Steve Jobs an) „Eisverkäufer/-innen“ werden sollen. Zeigt Mut und Entscheidungsfreude und steht zu den Konsequenzen, denn es gibt es kein Scheitern, am Ende heißt es nur: „win or learn“!

Letztlich geht es nicht darum, ob Frauen bessere Unternehmerinnen sind oder Männer eine dominante Vormachtstellung in der Startup-Szene einnehmen.

Ein klares Ziel sollte es sein, dass zukünftig mehr weibliche Gründerinnen in allen Branchen zum Vorschein kommen und nicht mehr über Quoten, Dominanz oder Know-how gestritten werden muss. Schließlich schätzen wir alle den Mehrwert einer heterogenen und mutigen Gründerszene und inspirieren uns so gegenseitig.

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Kinga Bartczak

Kinga Bartczak ist Geschäftsführerin der UnternehmerRebellen, zertifizierter systemischer Coach, Trainerin und Business-Bloggerin. Im Rahmen von Einzel- oder Gruppencoachings unterstützt sie als Female Empowerment Coach Frauen auf ihrem Weg zum persönlichen und beruflichen Erfolg. Als Expertin im Bereich Mindset Management berät sie zudem Unternehmen in den Themenfeldern Führungskultur, Organisationsentwicklung und Employer Branding.

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