Welches Problem wollt ihr lösen?

DEMECAN medizinisches Cannabis Made in Germany

Stellen Sie sich und das Startup DEMECAN doch kurz unseren Lesern vor!

DEMECAN, das steht für Deutsches Medizinal Cannabis. Wir sind spezialisiert auf Medizinal-Cannabis und das einzige deutsche Unternehmen, das die gesamte Produktionskette – vom Anbau über die Weiterverarbeitung und Lagerung bis hin zur Distribution an Apotheken – abdeckt.

Warum haben Sie sich entschieden ein Unternehmen zu gründen?

Wir drei Gründer haben uns vor ca. 15 Jahren an der Universität in Köln kennengelernt. Wir sind dann erst einmal eigene Wege gegangen in unseren jeweiligen Bereichen Jura, Wirtschaft und Medizin, haben im Ausland gearbeitet und geforscht. Als wir uns dann in Berlin wieder getroffen haben war klar: Wir wollen gemeinsam gründen. Es sollte nicht irgendein Unternehmen sein, sondern eines, das Menschen einen Mehrwert bietet und in dem wir unsere Kompetenzen gleichwertig einbringen können. 2017 öffnete sich der Markt für medizinisches Cannabis und wir haben den Mangel an Produkten mit verlässlicher Qualität gesehen. Die Idee zur DEMECAN war geboren.

Welche Vision steckt hinter DEMECAN?

DEMECAN haben wir mit dem Ziel gegründet, Patientinnen und Patienten in Deutschland mit medizinischem Cannabis zu versorgen. Von vornherein war unser Anspruch hohe Qualitätsstandards umzusetzen: Cannabis „Made in Germany“. Wir haben sehr intensiv recherchiert und uns die Entwicklung von Cannabis in anderen Ländern genau angesehen. Und wir waren in den Niederlanden, Kanada, England, Israel und den USA, aber auch in Neuseeland und Kolumbien. Wir haben viele Anlagen gesehen – mit Stärken und Schwächen. Daraufhin haben wir ein eigenes Konzept entwickelt und uns beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) für die Ausschreibung zum nationalen Anbau beworben. 

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?

Sicherlich war die Bewerbung für die Produktion im eigenen Land die größte Herausforderung, und das direkt zu Beginn unseres Gründerdaseins! Ohne den Zuschlag wären unser Geschäftsmodell und unsere Vision, eine flächendeckende Patientenversorgung mit medizinischem Cannabis in „Made in Germany“-Qualität zu gewährleisten, dahin gewesen. Am Ende hat sich die intensive Arbeit ausgezahlt: Wir haben mit unserem Konzept überzeugt und 2019 den BfArM-Zuschlag für den nationalen Anbau erhalten. Durch den Auftrag der Bundesregierung haben wir eine 100-prozentige Abnahmegarantie unserer Produktion. Das bietet auch unseren Investoren Sicherheit, bei denen wir in zwei Finanzierungsrunden Kapital eingeworben haben. 

Wer ist die Zielgruppe von DEMECAN?

Unser Fokus liegt klar auf medizinischem Cannabis und unser oberstes Ziel ist die Patientenversorgung. Daher haben wir stets das Wohl der Patientinnen und Patienten im Auge. Um das zu erreichen, pflegen wir immer auch einen engen Kontakt zu Ärzteschaft und Apotheken. 

Wie funktioniert DEMECAN? Wo liegen die Vorteile? Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Unser großer Vorteil liegt sicherlich darin, dass wir eine eigene Produktion in Deutschland aufbauen, daher also nicht von internationalen Zulieferern abhängig sind. Bei Dresden bauen wir aktuell eine bereits vorhandene Produktionsanlage um. Nach Fertigstellung der Betriebstätte sind wir eine unabhängige Lieferquelle im Inland und das erfüllt uns natürlich mit Stolz, denn mit dem nationalen Anbau kommen wir der flächendeckenden Patientenversorgung in Deutschland einen großen Schritt näher.

Wie hat sich ihr Unternehmen mit Corona verändert?

Die Corona-Krise fordert uns als Unternehmer auf eine ganz besondere Weise heraus. Wir sind in der pharmazeutischen Herstellung tätig und bauen derzeit eine Betriebsstätte auf. Das alles lässt sich nicht ohne Weiteres aus dem Homeoffice steuern. Bei einer möglichen zweiten Welle könnten sich Lieferzeiten verzögern und bestimmte Artikel, z.B. Schutzkleidung von Lieferengpässen betroffen sein. Das gilt es bei der weiteren Planung zu berücksichtigen. Allerdings hat uns die Pandemie auch in unserer Mission bestätigt, eine eigene Produktion in Deutschland aufzubauen, die nicht nur für die Struktur der Region gut ist, sondern auch unabhängig von den Liefer- und Versorgungsschwierigkeiten im internationalen Handel ist. 

Wie haben Sie sich darauf eingestellt und welche Änderungen haben Sie vorgenommen?

Wir haben schnell auf die Situation reagiert. Im ersten Schritt haben wir veranlasst, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sofern möglich, im Homeoffice arbeiten. Um dabei zu helfen, die Patientenversorgung in Deutschland aufrecht zu erhalten, die durch Corona-bedingte Lieferengpässe zusätzlich gefährdet war, haben wir uns im nächsten Schritt dazu entschlossen, schnell Abhilfe zu leisten. Nur wenige Wochen nach Erhalt der Zulassung für den Import von medizinischem Cannabis aus den Niederlanden, haben wir die Distribution von Produkten auf den Weg gebracht und beliefern seit Mai 2020 Apotheken in ganz Deutschland und seit kurzem auch über unseren neuen Onlineshop.

Wo sehen Sie in der Krise die Chance?

COVID-19 zeigt, wie anfällig internationale Handelswege sein können und daraus sollten wir lernen. Lieferketten waren gefährdet, weil Grenzen lange geschlossen blieben. Daraus resultierende Lieferschwierigkeiten können sich auf den deutschen Markt für medizinisches Cannabis auswirken und Versorgungslücken hervorrufen. Wir müssen deutlich mehr in die nationale Produktion investieren. Das gilt nicht nur für medizinisches Cannabis, sondern für den gesamten Arzneimittelmarkt. Wir müssen Deutschland unabhängiger von Importen machen und Arbeitsplätze sichern. Aktuell deckt die von der BfArM genehmigte Anbaumenge bei Weitem nicht den Bedarf, der bei deutschen Patientinnen und Patienten bereits besteht. So bleibt Deutschland bei medizinischem Cannabis von Importen abhängig. Wenn der politische Wille dafür besteht, stehen wir bereit, um erheblich mehr medizinisches Cannabis zu produzieren.

DEMECAN, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Neben einem weiterhin starken Wachstum ist unser oberstes Ziel eine flächendeckende, nationale Patientenversorgung mit medizinischem Cannabis in „Made in Germany“-Qualität– darauf konzentrieren wir uns. Außerdem wollen wir uns weiterhin aktiv an der Forschung zum Einsatz und der Wirkung von medizinischem Cannabis beteiligen und künftig die Extraktion betreiben. Langfristig wollen wir zudem ein cannabisbasiertes Arzneimittel zur Marktreife bringen.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Stellt Euch die Frage, welches Problem ihr mit Eurem Unternehmen lösen wollt. Lösungen für drängende Probleme vieler Menschen zu finden, ist nicht nur gut für die Gemeinschaft und motiviert einen selbst, es wird auch immer wirtschaftlichen Erfolg versprechen. Wer weiß, was die Menschen brauchen oder was ihnen das Leben leichter macht, hat schon so gut wie gewonnen. 

Qualität ist nicht nur in der Pharmazie das A und O. Wer ein qualitativ stimmiges Produkt hat und einen hohen Qualitätsanspruch an seine tägliche Arbeit richtet, wird langfristig im Markt bestehen. Macht die Arbeit also gründlich und legt Wert auf Qualität. Vor allem wenn es in der Anfangsphase bei der Gründung oft schnell gehen muss, darf die Qualität nicht vernachlässigt werden.

Habt nicht nur eine Vision und Mission, sondern auch einen Plan und am besten auch einen Plan B und einen Plan C. Es wird dann sowieso alles anders kommen, aber wer sich gut vorbereitet hat und gleich in mehreren Szenarien denkt, kann schneller und besser auf neue Herausforderungen reagieren. 

Bilder © DEMECAN

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Dr. Cornelius Maurer, Dr. Constantin von der Groeben und Dr. Adrian Fischer für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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