Deine Korrespondentin Journalismus abseits des Mainstreams

Deine Korrespondentin von Frauen für Frauen

Stellen Sie sich und Ihr Startup Unternehmen „ Deine Korrespondentin “ doch kurz vor!
Wir sind ein digitales Magazin, das es nur online und nicht gedruckt gibt. Wir, das sind acht Korrespondentinnen auf der ganzen Welt und ich als Chefredakteurin. Mit http://www.deine-korrespondentin.de wollen wir die Sichtbarkeit von Frauen erhöhen– und zwar von engagierten Korrespondentinnen zwischen 30 und Mitte 40 genauso wie von inspirierenden Frauen, über die in der Mainstream-Berichterstattung kaum vorkommen. Unser Motto lautet: Wir bringen die besten Geschichten von Frauen aus der ganzen Welt. Dabei ist uns wichtig: Wir erzählen andere Geschichten und wir erzählen Geschichten anders.

Wie ist die Idee zu „ Deine Korrespondentin “ entstanden?
Ich war im Herbst 2014 drei Monate auf Recherchereise in den USA zum Thema „Zukunft des Journalismus“ und habe dort mit vielen Startup-Gründern gesprochen.Das hat mich inspiriert, begeistert und die Überzeugung reifen lassen: Jetzt ist die beste Zeit für ein Nischenmedium wie „Deine Korrespondentin“. Der Journalismus wird gerade komplett neu gedacht und wir wollen diesen Prozess aktiv mitgestalten. Es ist eine Pionierzeit, bei der wir nicht nur als Zaungast dabei zuschauen wollen, wie zum Beispiel Mobile Reporting auf den Weg gebracht wird oder neue Finanzierungsmodelle im Journalismus erprobt werden. Wir wollen selber Ideen einbringen und Neues ausprobieren.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Ich habe zunächst Stiftungen in Deutschland angesprochen und um Unterstützung geworben. Die wurde mir versagt, weil ich keine Körperschaft war, sondern ein einzelner Mensch mit einer Idee. Also haben wir die Anschubfinanzierung über Crowdfunding organisiert. Mitte März 2015 bekamen wir 6.555 Euro zusammen, mit denen wir einen Programmierer und die ersten Artikel bezahlen konnten. Anfang Mai ging unsere Webseite online, auf der wir zunächst drei „Schnuppermonate“ gewährt haben. Das heißt, der Content war komplett frei zugänglich. Im August und September haben wir eine Bezahlschranke ausprobiert – die allerdings kläglich gescheitert ist – so dass die Artikel seit Oktober wieder frei zugänglich sind. Im Moment arbeiten wir mit Hochdruck an einem nachhaltigen Geschäftsmodell, unabhängig von Stiftungsgeldern, Werbung und Abonnements. Das ist mit Sicherheit die größte Herausforderung. Nur wenn wir diese Herausforderung meistern, können wir in Zukunft bestehen.

Welche Themen findet man auf „ Deine Korrespondentin “?
Das Themenspektrum ist ganz unterschiedlich. Es reicht von Portraits wie der Pionierin Sophia Gatica, die in Argentinien dem Weltkonzern Monsanto die Stirn bietet bis hin zu einer ägyptischen Band, die mit ihrem Popalbum die Gesellschaft aufrütteln möchte. Wichtig ist uns: Wir wollen nicht am Partikularschicksal kleben bleiben, sondern im Kleinen das große Ganze aufzeigen. Die Geschichte über die ägyptischen Sängerinnen zeigt demnach nicht nur was diese Frauen im Speziellen beschäftigt sondern woran die Gesellschaft insgesamt krankt.

Was unterscheidet „ Deine Korrespondentin “ von anderen Magazinen?
Es gibt viele Regionen auf der Welt wie den Nahen Osten oder Indien, in denen nur Frauen zu anderen Frauen Zugang haben. Das ist das eine. Und das andere ist, dass wir über Frauen berichten, die eine interessante Initiative gestartet haben oder einen ungewöhnlichen Lebensweg hatten, über die aber Mainstream-Medien nie im Traum darauf kommen würden, zu berichten. Dabei können diese Frauen Leser in Deutschland, Österreich und der Schweiz inspirieren – und nicht zuletzt ein Stück weit dazu beitragen, die Welt ein bisschen besser zu verstehen. Gerade in Zeiten von permanenter Live-Berichterstattung und Informationsüberflutung ist es wichtig, Korrespondentinnen zu haben, die sich mit einer Region auskennen, die die Sprache sprechen und sich die Zeit nehmen, genau hinzuschauen – und zwar nicht einmal, sondern mehrfach. Eines unserer Ziele ist es, nachhaltig zu berichten. Das heißt, wenn die meisten Journalisten schon wieder weg sind, fragen wir noch einmal nach.

Was sind Ihre Ziele mit „ Deine Korrespondentin “?
Neben nachhaltiger, fundierter Berichterstattung ist unser Ziel, ein Experimentierlabor zu schaffen, in dem man Neues ausprobieren und Fehler machen darf. Ich war Mitte November 2015 in der Ukraine auf Recherchereise und habe zum ersten Mal „Snapchat“ ausprobiert. Das ist eine gute Möglichkeit, einen Blick hinter die Kulissen zu gewähren, denn wir wollen als Korrespondentinnen nahbar und ansprechbar sein. Wir wollen zeigen, was es bedeutet, heutzutage als Korrespondentin im Ausland zu arbeiten. Ich glaube, die meisten haben davon keine wirkliche Vorstellung. Außerdem wollen wir in Zukunft noch stärker Video-Content einbetten, zum Beispiel in Form von Mobile Reporting. Ich selber bin ein ARD-Gewächs, habe beim Bayerischen Rundfunk in München volontiert und vier Jahre als freie Auslandskorrespondentin in St. Petersburg gearbeitet. Ich weiß, wie träge dieser Tanker ARD ist. Wir werden nicht darauf warten bis sich dieser Tanker endlich mal bewegt. Die Medienrevolution ist in vollem Gange und mit „Deine Korrespondentin“sind wir mittendrin statt nur dabei.

Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
In den USA habe ich gelernt, dass es keinen Sinn macht, in Fünf-Jahres-Plänen zudenken. Sogar große Medienhäuser wie „The Atlantic“ planen nur fürs nächste Jahr. Schließlich ändert sich alles viel schneller als früher! Unser Plan für 2016 lautet, ein tragfähiges Finanzierungsmodell basierend auf mehreren Standbeinen zu finden, das den Korrespondentinnen, der Textchefin, dem Programmierer und auch mir als Chefredakteurin ein veritables Einkommen sichert. Bislang basiert das Projekt – wie bei den meisten Startups – vor allem auf dem Engagement aller Beteiligten. Das ist am Anfang völlig normal, aber es muss irgendwann auch der Punkt kommen, an dem sich die ganze Mühe und der Zeitaufwand lohnen. Journalismus ist kein Hobby für uns – wir leben davon. Natürlich ist es gerade im Startup-Bereich schwierig, mit Journalismus wirklich Geld zu verdienen, aber das ändert nichts daran, dass wir über kurz oder lang nicht umhin kommen, genau das zu tun.

Zum Schluss: Welche Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Im Silicon Valley sagt man „fail forward“ – „scheitere nach vorne“. Ich denke, da ist viel Wahres dran. Man sollte Mut haben, zu scheitern und Fehler zu machen – gerade im Content-Bereich. In den vergangenen Jahren haben Medienhäuser viel Energie darauf verwendet, den Status Quo beizubehalten. Aber das funktioniert nicht auf Dauer. Als Gründer ist man kein kleines Rädchen mehr im Getriebe sondern kann aktiv mitgestalten. Das ist berauschend und faszinierend zugleich. Gleichzeitig muss man sich mit vielen Dingen wie Steuern und Buchführung beschäftigen, die alles andere als sexy sind. Man darf dabei, das große Ganze nicht aus dem Blick verlieren. Mit einem Startup hat man die Möglichkeit, die Welt zu verändern. Diese Möglichkeit sollte man nutzen und dabei – ganz wichtig – sollte einem nicht die Puste ausgehen. Ein Startup zum Erfolg zu führen, kostet viel Kraft, Zeit und Ausdauer. Aber ich bin fest davon überzeugt: Es lohnt sich.

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Wir bedanken uns bei Pauline Tillmann für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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