Das Konzept der Selbstführung

Oft wird das Konzept, die Strategie oder die Messung von Führung und Selbstführung von Wissenschaftlern und Forschern sehr theoretisch und recht detailliert behandelt. Jedoch fühlen sich derartige Studien, gerade für neue Gründer, oft sehr abstrakt und fern an. Dennoch gilt: Um in der heutigen Arbeitswelt erfolgreich zu bestehen, müssen Unternehmen Flexibilität anstreben und das Führungsverständnis anpassen. Organisationen können sich von Grund auf falsch positionieren und gar nicht merken, warum die Führung mal schon und mal überhaupt nicht funktioniert. Trotz vermittelter Wichtigkeit entsteht dadurch so manches Mal eine wahrgenommene Distanz von Theorie und Praxis.
In diesem Blog möchte ich kurz beschreiben wieso dies nicht der Fall sein muss und warum gerade StartUp Unternehmen vieles richtig machen können.

Selbstführung für StartUps
Viele Unternehmensstrukturen oder Führungsstrukturen bei StartUps orientieren sich automatisch zunächst nach dem klassischen Konzept einer sog. “Top-down-Hierarchie”. Dabei gibt es eine Geschäftsführung und darunter liegende Abteilungsleiter wie Einkauf, Vertrieb, Produktion etc. Nach der online Zeitschrift “Harvard Business Manager”, ist es jedoch so, dass Unternehmen mit flachen Hierarchien sich meist besser entwickeln sollen als solche mit traditionellen Strukturen. Auch berichten viele weitere Blogartikel der StartUp-Szene von einem Abschied der alten Strukturen.

Eins der wichtigsten Erfolgsfaktoren die dabei angesprochen werden, ist die Führung durch Selbstführung

Doch was meint diese Aussage denn jetzt genau? Ganz einfach, Führungskräfte sollen vor allem eines tun: sich selbst führen. Vorgesetzte sollen nicht länger nur delegieren, sondern ebenfalls unterstützen und weiter vernetzen. Zur Anschauung: Den Chef der vom Einzelbüro aus thront soll es nach dem Modell so nicht mehr geben. Oftmals sind es dann die Mitarbeiter Ihres Fachs, die es “besser wissen” und wer dies so akzeptiert und konstruktiv nach vorne bringt beweist wirkliche Führungskompetenzen.
Diese Form der Führung wird insbesondere interessant und relevant bei einer dezentralen Organisationsform, wie sie bei StartUps immer häufiger zu beobachten ist. Im angloamerikanischen nennt sich diese Führungsform: “Super-Leadership”.

Im Kern bedeutet dies:
Führung ist nicht an wenige Personen gebunden, sondern wird durch Vorbilder in der ganzen Organisation verteilt.

Anwendung des “Super-Leadership“
Selbstführung ist im Grunde also die Summe von Kenntnissen und Fertigkeiten sich selbst zu führen und dies auch zu zeigen. Dieser Prozess wird angetrieben und geleitet durch individuelle Zielvorstellungen eines jeden einzelnen und wird stark vom eigenen Unternehmensumfeld beeinflusst. Insbesondere befriedigende Tätigkeiten auszuführen kann dabei helfen Führung durch Selbstführung zu vermitteln und zu entwickeln. Einige der berühmtesten Advokaten dieser Form der Führung sind die heute fast heiliggesprochenen Steve Jobs und Ben Franklin. Zu Produktionszeiten des iPhones war es Steve Jobs der keinen Drittanbietern Zugang zu seinen Produkten in Form von Apps gewähren wollte. Das Apple Management Team konnte den Innovationsguru dann doch überzeugen. In der Folge war es eine Mischung aus Entscheidungen zwischen dem Chef und seinen Mitarbeitern, welches die richtige Mischung zum Erfolg brachte. Ein weiterer Vertreter dieser Form ist Ben Franklin, dessen Autobiograph Walter Isaacson sein Führungscredo zusammenfasst als: „Führung durch Kollaboration und Teamwork.“ Dies sei beim Verfassen der Unabhängigkeitserklärung einer der Hauptfaktoren gewesen, ohne welche nicht das heutige Dokument nicht erschaffen werden könnte.
Zusammenarbeit durch alle Unternehmensstrukturen bildete daher schon vor langer Zeit und aktuell einer der Haupterfolgsfaktoren für ein erfolgreiches Unterfangen, nach dem sich heutige Unternehmen orientieren und leiten lassen sollten.

In der Praxis
Wie kann so eine Führung also konkret in der Praxis aussehen und sich umsetzten lassen? Nun die zuständigen Personen teilen Macht und Verantwortung zu und ermutigen Eigenständigkeit und Übergabe von wichtigen Aufgaben. Diese Form der Selbstführung kann so manches Mal dazu führen weitere Kompetenzen und Fähigkeiten aufzudecken und diese zu nutzen. Insbesondere (ungeahnte) Talente können so verwertet und erfolgreich entwickelt und eingesetzt werden. Gerade junge Unternehmen die eher “Allrounder” suchen und Fachkräftemangel haben, können davon stark profitieren.
Diese Art der Mitarbeiterförderung kann sich bis hin zur außerberuflichen Verwirklichung entwickeln und so zu einer gesamten Verbesserung der Work-Life-Balance beitragen. “Sich auf der Arbeit besser fühlen”, gilt dabei als nur eine Form der Belohnung aus der eigenen Tätigkeit (natural reward). Auch sollte dieses Thema nicht unterschätzt werden, da StartUps im Schnitt mehr in eine Unternehmung investieren in Form von Zeit und Aufwand, da diese vor allem mit Herzblut dabei sind. Weitere Faktoren die dadurch beeinflusst werden können sind beispielsweise Voraussetzungen für intrinsische Motivation, Selbstregulierung und Selbstkontrolle, auf die hier aber nicht weiter eingegangen wird.

Fazit
Das Konzept der Selbstführung passt zu dem derzeitigen Trend von neuen Gründungen und Projekten, als auch zu klein bis mittelständischen Unternehmen. Dezentral aufgebaut und mit verteilten Verantwortlichkeiten geht es nicht um Ränge oder Machtkampf, sondern vielmehr um konstruktives Miteinander. Dies lehrte schon einst Ben Franklin oder der frühere Innovationskopf von Apple Inc. Steve Jobs. Selbstführung soll vorleben, Kompetenzen aller Mitarbeiter entwickeln und zusammenarbeiten. Im Idealfall wäre diese Form sogar in die Unternehmenskultur und damit der Wiedererkennung des Unternehmens mit eingebettet.

David Herzmann

Dennoch gilt: Direkte Führung ist nicht zu ersetzen und nach wie vor nötig. Jedoch können Freiräume und Verantwortlichkeiten ungemein zur Mitarbeiterzufriedenheit beisteuern und demnach Ihren Beitrag zum unternehmerischen Erfolg leisten.

Weitere Ansätze zum Thema wie die Messung der Kompetenz sind nachzuschlagen im Buch von Müller (2004) oder Weibler (2012).

Über den Autor
David Herzmann ist Mitgründer der KI-unterstützten B2B Handelsplattform Kaufsafari, auf der StartUps und junge Unternehmer passende Händler und Vertriebspartner für ihre innovativen Produkte finden. Er ist studiert in der Betriebswirtschaft und mit internationaler Erfahrung der Ansprechpartner für Marketing und Personalfragen des Unternehmens.

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