Das erste Jahr in der Selbstständigkeit – Eine Achterbahnfahrt

Das erste Jahr ist für Selbstständige oftmals eine Herausforderung, denn alles ist neu und anders

Viel Arbeit, wenig Zeit, geringe Einnahmen und um alles muss man sich selbst kümmern. Geld für Assistenten oder Mitarbeiter haben Selbstständige zu Beginn oftmals keines. Und dann werden sie schnell vom Arbeitsalltag eingeholt – und der kann hart sein.

Die Entscheidung, sich selbstständig zu machen, ist bereits für viele eine schwere. Nicht selten geben sie ein geregeltes Einkommen und geordnete Arbeitszeiten auf, um ihre eigene Chefin zu werden und um unabhängig zu sein. Was viele Newcomer dabei unterschätzen ist die Tatsache, dass es nicht so leicht ist, Kunden zu gewinnen und dass Geld nicht sofort in großem Rahmen fließt. Sie müssen erst einmal hart und vor allem viel arbeiten, bis sie ein geregeltes und gutes Einkommen haben.

Und genau deshalb ist zunächst einmal die strategische Planung des eigenen Business das A und O eines jeden Selbstständigen. Ein gut durchdachtes und starkes Fundament kann mitunter den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg ausmachen. Daher sollte sich Selbstständige frühzeitig, wenn nicht sogar schon vor der eigentlichen Gründung geschehen, an den Businessplan setzen. Und hier gilt – niemand muss das allein machen. Gründer sollten sich Unterstützung suchen, und das bestenfalls gleich von Profis. Es kann selten jemand alles, daher sollten sich Neu-Unternehmerinnen erst einmal auf das fokussieren, was sie besonders gut können und sich dann für die unsicheren Punkte Hilfe holen. Wer also gut mit Zahlen umgehen kann, von Marketing allerdings nicht so viel versteht, sollte sich auf die Zahlen fokussieren und sich zu Marketingthemen Experten zu Rate ziehen.

Natürlich spielt hier der Faktor Budget eine große Rolle

Wer noch nicht die großen Einnahmen hat, tut sich schwer damit, professionelle Unterstützung einzukaufen. Dabei sollte man allerdings gerade in der Anfangsphase Geld in die Hand nehmen, um das Geschäft schnell auf die Beine zu stellen und zum Laufen zu bringen. Wer niemanden kennt oder tatsächlich nicht die finanziellen Mittel zur Verfügung hat, kann sich beispielsweise über Social Media Netzwerke passende Unterstützung suchen. Es gibt Netzwerke für Selbstständige und Gründer und hier sollte für jede eine passende Gruppe dabei sein. Und hier gibt es dann mit Sicherheit einige Antworten zu den Fragen, die sich jeder Anfänger stellt. Die Aussage „Das kann ich nicht und ich kenne auch niemanden, der es kann.“ ist heutzutage übrigens keine Ausrede mehr, denn Angebot gibt es zu genüge. Und zu finden ist es auch.

Interessanterweise lassen sich dennoch viele Neu-Gründerinnen oft nur ungern helfen. Hier spielen zwei Aspekte eine tragende Rolle. Zum einen, wie eben bereits genannt: „Ich kann es mir nicht leisten, einen Experten oder eine Expertin zu engagieren, der mein Problem schnell löst.“ Zum anderen aber auch die Denkweise „Ich bin jetzt Chefin, also muss ich das Problem ja auch allein lösen (können).“ Wirklich? Denn so vergeuden viele Anfängerinnen ihre Zeit mit Details, die sich schnell klären ließen, wenn sie sich einfach an jemanden wenden, der den Weg, den sie gehen wollen, schon gegangen ist.

Und das muss nicht gleich ein Experte sein, der Geld für seine Dienste verlangt. Denn eins ist auch in der Gründerszene nicht anders als im Angestelltendasein: Es kochen alle mit demselben Wasser. Die eigenen Herausforderungen hat sicher schon jemand anders erfolgreiche gemeistert – und daher gilt es Gleichgesinnte nach Hilfe zu fragen, um voran zu kommen. Und hier spielt das persönliche Netzwerk eine sehr große und wichtige Rolle.

Besonders in der Anfangsphase als Gründerin oder Selbstständige gilt

Raus gehen und sichtbar machen! Vernetze dich mit Gleichgesinnten, um dich auszutauschen und um dir Inspiration zu suchen. Im Gespräch mit anderen (bereits etablierten und erfolgreichen) Selbstständigen kann sich jede Neu-Gründerin auch ein bisschen was abgucken und vor allem Fragen stellen. Auch das ist zu Beginn essentiell. Fragen stellen und dazulernen. Denn mit der Einstellung, man schaffe es alles auch allein, ist selten jemand erfolgreich vorangekommen. Und wenn, dann sind das eher Ausnahmefälle. Klar ist auch: Bei all dem Networking kommt das Privatleben gern mal zu kurz, denn viele Netzwerkveranstaltungen finden oft abends statt. Aber besonders in der Anfangsphase ist Selbstständigkeit (mehr) als ein Vollzeitjob und das sollte sich jede bewusst sein.

Wer nicht raus geht und für sich und sein Business Werbung macht – und es parallel weiterentwickelt – muss später noch viel mehr Geld in die Hand nehmen, um auf sich aufmerksam zu machen. Mit dem richtigen Networking kann man sich durchaus eine Basis aufbauen für potentielle Kunden. Denn es kennt eigentlich immer jemand jemanden, der das sucht, was du anbietest.

Ein weiterer nicht zu unterschätzender Faktor in der Anfangsphase ist Fokus

Sich zu fokussieren und nicht alles auf einmal machen, damit tun sich erstaunlich viele Selbstständige im erstem Jahr sehr schwer. Aber Fokus ist nötig, denn sonst arbeitet man nur noch im Alltagsgeschäft und kümmert sich gar nicht darum, das Geschäft auch zum Wachsen zu bringen. Und das ist doch das Ziel eines jeden Gründers – nicht nur das Gründen an sich, sondern vor allem Erfolg und Wachstum.

Und erst mit genau diesem kommt auch finanzielles Wachstum. Ist in den ersten zwölf Monaten der finanzielle Druck oft sehr groß, lässt dieser mit wachsendem Erfolg nach. Und ein geregeltes Einkommen macht das Arbeiten an sich gleich sehr viel einfacher. Denn finanzielle Sorgen können Selbstständige sehr schnell entmutigen. Und dann hat sich der Traum von der Selbstständigkeit für viele auch sehr schnell wieder erledigt.

Am Ende des Tages kommt es aber vor allem auf das richtige Mindset an: Wie sehr will ich es wirklich? Mein eigener Chef sein? Gründerinnen und Selbstständige brauchen eine enorme Willenskraft, ihr Geschäft nicht nur zu gründen, sondern es vor allem nachhaltig zu etablieren. Und auch wenn es mal nicht so gut läuft, müssen sie weitermachen – und das erfordert Ausdauer und Willenskraft. Man braucht diesen bedingungslosen Willen, das durchzuziehen. Das Auf und Ab oder die Achterbahnfahrt der Selbstständigkeit ist vollkommen normal, und das merkt man auch, wenn man sich mit anderen Gründern austauscht.

Tanja Lenke

Tanja Lenke ist Business Consultant, Gründercoach und Mentorin für Unternehmerinnen und selbstständige Frauen. Mit she-preneur bietet sie Gründerinnen und Selbstständigen eine digitale Plattform als Anlaufstelle und begleitet sie als Gründungs- und Unternehmensberaterin auf ihrem Weg in eine erfolgreiche Selbstständigkeit. Auf ihrem Blog gibt es Tipps und Tools für Selbstständige und Erfahrungsberichte und Interviews von und mit selbstständigen Frauen zu finden.

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