Daniel Attallah: Bleib fokussiert und verlier Dich nicht in 100 kleinen Dingen

Treffen Sie Daniel Attallah auf der StartupCon in Köln

Stelle dich doch unseren Lesern kurz vor!
Daniel Attallah: Mein Name ist Daniel Attallah, ich bin Baujahr 1963, verheiratet und Vater von 3 Kindern. Nach einer schnellen Industriekarriere im Computer-Umfeld entschloss ich mich 1999 zur Gründung von Pixum, dem damals ersten Online-Fotoservice mit Bestellfunktion klassischer Fotoabzüge.

Stelle uns doch bitte das Unternehmen Pixum vor?
Daniel Attallah: Pixum ist heute einer der Marktführer im Bereich Online Fotoservice. Wir fertigen aus den Fotos unserer Kunden individuelle Pixum Fotobücher, tolle Pixum Wandbilder oder Pixum Fotokalender sowie allerlei weitere Produkte wie Grußkarten oder Handy-Cover. Dabei legen wir großen Wert auf Service & Qualität, was neben vielen weiteren Auszeichnungen auch der Testsieg der Stiftung Warentest bei Fotobüchern und die Auszeichnung zu „DEUTSCHLANDS BESTEM ONLINESHOP“ des DISQ-Instituts belegen.

Hättet Ihr mit so einem schnellen Erfolg von Pixum gerechnet?
Daniel Attallah: Um ehrlich zu sein, JA. Und um noch ehrlicher zu sein, wir hatten sogar mit noch schnellerem Erfolg gerechnet, aber die Realität hat uns gezeigt, dass es digitale Transformationen gibt, die eine ganze Dekade dauern. Auch verändert sich der Markt auf dem Weg und man muss sein Geschäftsmodell anpassen. Pixum besteht nun seit fast 16 Jahren und wir können mit stolz sagen, dass wir in den vergangenen 63 Quartalen immer ein deutliches Wachstum zum Vorjahr ausweisen konnten. Wir arbeiten auf jeden Fall hart daran, dass die Geschichte auch so erfolgreich weitergeht.

Wie schwer ist es am Anfang die richtigen Mitarbeiter zu finden?
Daniel Attallah: Genauso schwer, wie es heute ist, die richtigen Mitarbeiter zu finden. Meines Erachtens hängt das weniger davon ab, ob man klein ist oder groß, ob man schon profitabel ist oder nicht. Mann braucht zu Beginn häufig andere Mitarbeiter als später. Wenn man klein ist, sind oft die Aufgaben noch nicht so stark abgegrenzt und man braucht etwas generalistischere Mitarbeiter. Zum Beispiel hatten wir damals nur eine Person für alle Disziplinen des Online-Marketings. Heute beschäftigen wir über 40 Marketing-Spezialisten/innen.

Wer sind eure Kunden?
Daniel Attallah: Jeder der schöne Bilder liebt. Junge, Alte, Frauen, Männer, frisch verheiratete, Junge Eltern, Reiselustige, ambitionierte Hobbyfotografen oder Gelegenheitsknipser. Jeder, der seine Erinnerungen festhalten will und dem es nicht genug ist, ein Ereignis nur auf Facebook zu posten, sondern der eine langfristige Erinnerung an den schönen Moment haben möchte, kauft ein schönes Pixum Produkt: „Bilder lieben ist Pixum“.

Bootstrapping oder einen Investor ins Boot holen?
Daniel Attallah: In dieser Reihenfolge… Heute braucht man mehr als nur eine Idee. Ein Prototyp ist schon fast Grundvoraussetzung für ein Investment. Wenn man es vermeiden kann, ist es natürlich klasse, wenn man keine Investoren hat. Aber üblicherweise geht es mit Investoren schneller und oft auch besser, weil ein guter Investor auch Hilfestellung gibt und unterstützt und nicht nur ein paar Hunderttausend € überweist.

Wie sieht ein normaler Arbeitstag von Daniel Attallah aus?
Daniel Attallah: Ich mag keine Würmer, deshalb hatte ich auch nie eine große Veranlassung früh aufzustehen. Mein Arbeitstag beginnt also eher gegen 8:45 / 9:00 Uhr. Üblicher Weise checke ich dann mein Mail und beantworte die Wichtigsten direkt morgens. Ab 10:00 beginnen regelmäßige Meetings, ich tausche mich mit meinen Managern aus, wir diskutieren aktuelle Themen und treffen wichtige Entscheidungen für das Unternehmen. Mittags nehme ich mir Zeit etwas zu essen und manchmal fahre ich nach Hause und esse mit der Familie. Der Nachmittag ist geprägt von 101s (Einzeltermine mit meinen Directs) in denen wir aktuelle Themen abstimmen. Zwischendurch diverse Abstimmungen mit Geschäftspartnern und die Bearbeitung von Investment-Themen. Die Position des CEO hatte in den vergangenen 15 Jahren sehr unterschiedliche Ausprägungen. Anfangs stand das „E“ von CEO für „Everything“ – heute steht es für „Executive“. Mein Arbeitstag ist heute also weniger operativ durchgetaktet als noch vor 5 Jahren.

Über welches Thema wirst du auf der StartupCon referieren?
Daniel Attallah: Es steht noch nicht 100% fest, aber es wird ein Thema aus meinen Erfahrungen als Unternehmer sein. Ich habe ein Unternehmen mit Venture-Capital von 0 auf mehr als 50 Mio. € Jahresumsatz entwickelt, in dem zwischenzeitlich mehr als 130 tolle, erfolgreiche Menschen arbeiten. Alle Phasen eines StartUps, alle Höhen und Tiefen habe ich erlebt und gestaltet. Die Einführung von Führungshierarchien, Verhandlungen mit VCs, Exit an ein Industrieunternehmen, etc, pp. Ich teile gerne meine Erfahrungen als Unternehmer und Coach.

Wie hat sich die Startup-Szene in den letzten Jahren verändert?
Daniel Attallah: Als ich damals gründete gab es quasi keine StartUp Scene. Der Begriff des Business Angels war unbekannt und vielleicht gab hier und da einige große VCs wie 3i oder Earlybird, die aber hatten kaum größere Budgets für Seed-Investments, sondern investierten in deutlich späteren Phasen. Es gab auch kaum Konferenzen oder Veranstaltungen zum Thema StartUp. Das ist heute komplett anders. Kaum ein Woche vergeht, in der es nicht eine tolle Veranstaltung gibt, gerade noch war der Pirate Summit, schon ist die DMEXCO oder die StartUp CON. Es gibt Inkubatoren oder Co-Working Spaces, wie den Startplatz oder das Headquarters, den HUB-Raum oder Plug & Play. Es gibt die NOAH oder andere Messen, wo es nur um Venture Capital geht. Heute ist es im Vergleich zu damals ein Gründerparadies!

Welches sind die größten Fehler Junger Gründer?
Daniel Attallah: Die meisten StartUps scheitern daran, den Fokus zu verlieren und sich zu stark darauf zu konzentrieren, dass die Unternehmensbewertung steigt, als sich darauf zu konzentrieren Wert zu schaffen. Auch zu schnelles Wachstum kann gefährlich werden, wenn man nicht gleichzeitig eine dynamische und gesunde Unternehmenskultur und stabile Prozesse etabliert.

Welches war das letzte Buch das du gelesen hast?
Sachbuch: „Schnelles Denken, langsames Denken.“ Roman: „Der Marsianer“. Derzeit: „Bedenke Phlebas“

Wo siehst du dich in den nächsten fünf Jahren?
Ich werde auch in 5 Jahren noch CEO von Pixum sein, weil es mir großen Spaß macht ein nachhaltiges, stabiles und profitables Unternehmen aufzubauen. Bis dahin wird Pixum ein 100 Mio. € Unternehmen. Parallel dazu werde ich sicher in ein paar größeren und schnell wachsenden StartUps als Coach oder Beirat meine Erfahrung einbringen. Vielleicht werde ich auch nochmals gründen, wer weiss?

Welche 3 Tipps hast du für Gründer?
1. Gründe, weil Du davon überzeugt bist, dass Deine Idee ein Problem löst, nicht weil Du reich werden möchtest. Das Eine folgt dem Anderen und nicht umgekehrt.
2. Bleib fokussiert und verlier Dich nicht in 100 kleinen Dingen.

Wir bedanken uns bei Daniel Attallah für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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