Gebt nicht auf – after rain comes sun

Daheim ist eine Videotelefonie-Plattform die Spracherwerb fördert und interkulturellen Austausch unterstützt

Stellen Sie sich und Ihr Startup Unternehmen Daheim doch kurz vor unseren Lesern vor!
Madita Best: ‘Daheim’ ist eine Videotelefonie-Plattform die Spracherwerb fördert und interkulturellen Austausch unterstützt. Geflüchtete, die Deutsch lernen möchten, treffen hier auf Engagierte, die ihnen die deutsche Sprache und Kultur gerne näherbringen. Auf diese Weise macht ‚Daheim‘ die deutsche Willkommenskultur mobil und unterstützt den Spracherwerb, um das Ankommen zu erleichtern – jederzeit, überall und kostenlos.

Wie ist die Idee zu Daheim entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Madita Best: Der Anstoß für ‘Daheim’ entstand während meines Studiums in Paris vor ca. 2 Jahren, als noch deutlich weniger Menschen in Europa Asyl suchten. Dort habe ich beobachtet, dass viele meiner internationalen Kommilitonen nach ihrem Abschluss Frankreich verließen, weil ihre Sprachkenntnisse für einen Job nicht ausreichten. Auch im Alltag hatten sie oft Schwierigkeiten sich zu verständigen und mit Locals Bekanntschaften zu schließen. In diesem Zusammenhang kam mir die Idee zu ‘Daheim’. Durch die sich verschärfende Flüchtlingssituation bekam ‘Daheim’ dann eine völlig andere Dimension und Dringlichkeit und ich konnte die anderen Teammitglieder sofort für die Idee begeistern. Insbesondere unserem Programmierer Gergö ist diese Problematik aus eigener Erfahrung bekannt und er war sofort dabei. Unser ganzes Team eint jedoch die Erfahrung bereits längere Zeit im Ausland verbracht zu haben und die Erfahrung wie schwierig es sein kann, sich in einem fremden Land zurechtzufinden und wohl zu fühlen. Aber wir haben auch erfahren, dass man sich am anderen Ende der Welt zu Hause fühlen kann, wenn man sich mit den Menschen vor Ort versteht und verständigen kann.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Tanja Denker: Wir haben uns zu Beginn vor allem selbst finanziert und wurden immer wieder durch kleinere Spenden sowie durch Familie und Freunde unterstützt.
Geld zu akquirieren war und ist eine besondere Herausforderung, da uns hierzu vor allem die personellen Ressourcen fehlen. Unsere Gemeinnützigkeit macht uns für viele Investoren uninteressant, für viele Stiftungen ist unser Ansatz “zu digital”. Aus diesem Grunde mussten einige unserer Teammitglieder bereits feste Jobs annehmen. Glücklicherweise sind wir alle intrinsisch motiviert, sodass wir auch viel abends und am Wochenende arbeiten und wir sogar noch einige Teammitglieder in den letzten Monaten dazu gewinnen konnten.
Auch bei Fragen der Buchhaltung, Wirtschaftsprüfung sowie bei rechtlichen und steuerlichen Fragen – wie beispielsweise Fragen zu der Gemeinnützigkeit – waren wir auf Unterstützung angewiesen, da Kenntnisse in diesen Bereichen durch unser Kernteam nicht abgedeckt werden. Durch unser Stipendium beim AndersGründer-Programm im Social Impact Lab Duisburg haben wir hierzu tolle Unterstützung bekommen.

Wer ist die Zielgruppe von Daheim?
Madita Best: ‘Daheim’ hat zwei Zielgruppen:
Menschen mit geringen Deutschkenntnissen, die in Deutschland leben und arbeiten möchten, z.B. Menschen mit Fluchterfahrung, Zuwanderer allgemein oder auch internationale Studierende. Wir möchten uns an Menschen aller Altersklassen richten, die ihre Deutschkenntnisse verbessern möchten. Damit jedoch Gespräche auf ‚Daheim‘ geführt werden können, wird ein Minimum an deutschen Sprachkenntnissen vorausgesetzt – andernfalls ist eine Unterhaltung, insbesondere online, nur schwer umsetzbar. Aus diesem Grund ist ‘Daheim’ auch nur auf deutscher Sprache verfügbar.
Deutschsprachige Menschen, die Zeit und Spaß mitbringen, um Neuankömmlingen das Deutschlernen zu erleichtern und die deutsche Kultur näherbringen. Hierfür konnten wir praktisch in allen Altersgruppen großes Interesse beobachten. Besonders interessiert haben sich bisher aber junge Arbeitnehmer und Studenten gezeigt, da sie ehrenamtliches Engagement flexibel, zeit- und ortsunabhängig in den Alltag einbauen möchten.

Wie funktioniert Daheim?
Tanja Denker: ‚Daheim‘ macht die deutsche Willkommenskultur mobil und unterstützt den Spracherwerb, um das Ankommen zu erleichtern – jederzeit, überall und kostenlos. Hier treffen Menschen, die Deutsch lernen möchten, auf Engagierte, die ihnen die deutsche Kultur und Sprache gerne näherbringen. ‚Daheim’ ist eine Art Skype zum Deutschlernen. ‚Daheim’-Nutzer legen ein Profil an, bei dem sie u. a. Muttersprache, Sprachlevel sowie eigene Interessen angeben. Gesprächspartner, deren Interessen und Sprachlevel zueinander passen, werden mittels Matching-Algorithmus miteinander verbunden. Auch können bereits bestehende Kontakte wieder getroffen und Gesprächsthemen vertieft werden. Darüber hinaus sollen unterschiedliche Blended-Learning- und E-Learning-Konzepte integriert werden. Auf diese Weise werden Kontakte geknüpft, Spracherwerb und gegenseitiges Verständnis gestärkt sowie Integration gefördert.

Warum sollte man Daheim nutzen?
Tanja Denker: ‘Daheim’ ist als Ergänzung zu bestehenden Deutschlern-Angeboten gedacht. Wir verstehen unsere Plattform als zusätzliches Angebot für Menschen mit mangelnden Deutschkenntnissen, um das auf anderen Wegen Gelernte zu praktizieren und zu üben, und für engagierte Muttersprachler als ein Online-Angebot für “ehrenamtliches Engagement für zwischendurch”. Unsere Videotelefonie-Plattform kombiniert kostenloses, orts- und zeitunabhängiges Lernen mit der Möglichkeit des interkulturellen Austausches und des gegenseitigen Kennenlernens. Das Projekt ist zudem explizit auf die Bedürfnisse und Ressourcenausstattung von Geflüchteten ausgerichtet. Der intelligente Matching-Algorithmus, welcher die Sprachpartner interessenbasiert zusammenführt, vervollständigt das Angebot von ‘Daheim’.

Was sind Ihre Ziele mit Daheim?
Madita Best: Die Bevölkerungsstruktur ändert sich durch zugezogene Geflüchtete derzeit stark. Nun gilt es, das gemeinsame Zusammenleben zu gestalten und Integration und Verständnis aufzubauen. Nur wenn man den Anderen und seine Kultur versteht, kann dies gelingen. Hierzu müssen wir mehr miteinander reden!
Deutsch sprechen und Deutschland verstehen sind für Neuankömmlinge die Grundlagen für eine möglichst rasche Integration in Schule, Arbeitsmarkt und Gesellschaft. Der Umfang staatlicher Hilfe ist allerdings begrenzt – für rund 500.000 Geflüchtete, die 2015 in Deutschland einen Erstantrag auf Asyl gestellt haben, wurden nur rund 220.000 Integrationskursplätze angeboten. Dies macht ehrenamtliches Engagement unverzichtbar.
„Integration ist ein Prozess, an dem sich viele, möglichst alle, beteiligen sollten,“ forderte Bundespräsident Joachim Gauck in seiner Rede auf dem Symposium ‚Flüchtlinge in Deutschland’. Unser Projekt ‚Daheim’ will dabei helfen diese Forderung umzusetzen. Über unsere digitale Plattform kommen Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen ins Gespräch, um Deutschkenntnisse von Neuankömmlingen zu verbessern und interkulturellen Austausch zu fördern.

Daheim, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Tanja Denker: Derzeit testen wir unsere Plattform kontinuierlich und realisieren parallel den Relaunch unserer Website. Um die erhoffte Wirkung – Spracherwerb, gegenseitiges Verständnis und Integration – zu erreichen, muss eine kritische Masse an Nutzern unser Angebot kontinuierlich nutzen. Zu ihrer Aktivierung führen wir Offline- und Online-Kommunikationsmaßnahmen durch. „Traditionelle“ Pressearbeit und Informationsveranstaltungen sind ebenso geplant wie eine Crowdfunding-Kampagne mit prominenter Unterstützung von Dietmar Bär starten.
Um eine kontinuierliche Nutzung sicherzustellen, planen wir in Zukunft auf Gamification sowie intuitive Lern- und Lehrkonzepte zu setzen. Hierbei geht es vor allem darum, den Nutzern eine einfache und spielerische Nutzeroberfläche zu bieten, sowie um pädagogisch fundierte Konzepte, die ihnen helfen, Sprache zu lehren bzw. zu lernen.
Ein weiterer Plan für den zukünftigen Ausbau von ‘Daheim’ ist die Initiierung von Regionalgruppen, in denen sich Nutzer vernetzen und auch „offline“ kennenlernen können.
Auch Kooperationen mit Verbänden sind in Zukunft angedacht, um den Zugezogenen die Vermittlung in den deutschen Arbeitsmarkt zu erleichtern.
‘Daheim’ soll eine etablierte Austausch- und Sprachlernplattform werden, die sowohl für Hinzugezogene in Deutschland als auch für Leute, die sich unkompliziert engagieren möchten, eine der ersten Anlaufstellen ist. Langfristig wollen wir so einen Beitrag zu Integration und gesellschaftlicher Teilhabe leisten.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Beide: Erzählt immer und überall von eurem Projekt (und kümmert euch früh um Visitenkarten!).
Alles dauert länger als man denkt!
Gebt nicht auf – after rain comes sun

Wir bedanken uns bei Tanja Denker und Madita Best für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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