Scheitern Sie, aber kapitulieren Sie nicht! Niemals

Interview mit Dagmar Wöhrl, Schirmherrin des StartupSpot Female Founders.

Dagmar Wöhrl ist in der Startup-Szene vor allem bekannt als “Löwin” in der beliebten VOX Gründershow “Die Höhle der Löwen”. Sie ist Politikerin, Juristin, Investorin und führt gemeinsam mit ihrem Mann und ihrem Sohn ein erfolgreiches Familienunternehmen. Zudem setzt sich Dagmar in zahlreichen Bereichen für wohltätige Zwecke ein. Wer würde sich also besser als Schirmherrin für unseren neuen StartupSpot Female Founders eignen? Für Dagmar war es sofort eine Herzensangelegenheit das Projekt zu unterstützen und wir freuen uns, dass wir mit Dagmar nun eine erfolgreiche Unternehmerin und starke Frau als Vorbild an unserer Seite haben. Im Interview verrät uns Dagmar wie sie alles unter einen Hut zu bekommt und wie ihre Sicht auf das deutsche Startup-Ökosystem ist.

Liest man Deine Vita ist man schnell beeindruckt: Du bist Volljuristin, hast hohe politische Ämter bekleidet – bis hin zur Staatssekretärin -, stehst an der Spitze eines erfolgreichen Familienunternehmens, parallel stehst Du als Investorin bei “Die Höhle der Löwen” vor der Kamera und unterstützt inzwischen zahlreiche junge Unternehmen. Erkläre uns doch bitte in drei Sätzen, wer ist Dagmar Wöhrl?

Wenn ich meinen Werdegang mit einem Wort beschreiben würde, wäre es: untypisch. Eher Quereinsteigerin als Berufspolitikerin: Eine Unternehmerin in der Politik. Eine politisch denkende Unternehmerin. Pragmatische Träumerin, die Menschen mit Ideen und Kinder auf der Schattenseite des Lebens unterstützt. Und die sich so lange und hartnäckig verbeißt, bis alle genervt sind und die Sache klappt.

Warum liegt Dir das Thema Female Foundership so am Herzen?

Dagmar Wöhrl:Ich halte sehr viel von Frauen: Sie können die Welt verändern, wenn sie ihr Potenzial ausschöpfen! Aus öffentlichen Veranstaltungen und persönlichen Begegnungen kenne ich so viele Frauen, die tough, mutig, kreativ und erfolgreich sind. Unser Land ist auf das Know-how und die Leistung qualifizierter Frauen angewiesen.
Frauen sind heute so gut ausgebildet wie nie zuvor. Mädchen sind besser in der Schule. Mehr als die Hälfte der Abiturienten und der Hochschulabsolventen sind weiblich. Aber sehen Sie sich doch in der Gründerszene oder in den Chefetagen der Wirtschaft um: Ein Meer aus Krawatten!

Wir brauchen mehr Frauen, die selbstbewusst sind, groß denken und unternehmerisch handeln. Dafür mache ich mich stark. Mir ist es wichtig, dass junge Frauen sich trauen, ihren Traum zu leben und zu realisieren. Ich will eine weiblichere Unternehmenskultur und mehr Gründerinnengeist hierzulande.


Du vertrittst ja die Meinung, dass diverse Teams, die erfolgreichsten Teams sind. Was zeichnet gemischte Teams aus Deiner Sicht am meisten aus?

Dagmar Wöhrl: Studien belegen: Gemischte Führung (Mixed Leadership) führt dazu, dass Unternehmen innovativer werden und mehr Gewinne erwirtschaften. Aber eigentlich liegt es auf der Hand, ich brauche keine Studien, um zu wissen: Ohne Frauen läuft nichts! Weibliche Stärken wie Kreativität, Intuition, Teamfähigkeit, Flexibilität und emphatischer Führungsstil sind schlichtweg die Schlüsselqualifikationen der Arbeitswelt 4.0. Kein Wunder also, dass gemischte Teams erfolgreicher sind!

Zwar zeigen die Zahlen des StarupsSpot Female Founders, dass ein Viertel aller Startups in Deutschland von Frauen mitgegründet werden, dennoch liegt insgesamt die Zahl der weiblichen Gründer im technischen Bereich bei nur ca. 14%. Was braucht es um diese Zahl zu erhöhen?

Dagmar Wöhrl: In der Tat gründen Frauen seltener technologieorientiert. Aber gerade hier brauchen wir starke Unternehmerinnen – schließlich geht es in diesen zukunftsträchtigen Bereichen um die Welt von morgen! Während Männer häufiger in den sogenannten MINT-Bereich gehen, gründen Frauen eher im soziokulturellen und Dienstleistungsbereich. Diese verschiedenen Interessen beginnen schon im Studium und ändern sich auch bei der Gründung eines Unternehmens nicht. Es gibt mittlerweile überall im Land Mentorinnen-Programme, in denen Frauen aus technischen Berufen ihre Erfahrungen als „Role Models“ weitergeben, es gibt Förderprogramme und Workshops. Bislang hat es nicht allzu viel geholfen. Wichtig ist: Frauen selbst müssen umdenken, sich mehr zutrauen und mehr wollen – und das technologische Spielfeld nicht den Jungs überlassen! Schließlich haben Frauen nicht nur die Wegwerfwindeln und die Currywurst erfunden sondern auch die Geschirrspüler und die Scheibenwischer… Der erste programmierte Computer wurde 1843 schon von Augusta Ada Lovelace erfunden. 125 Jahre bevor Bill Gate Microsoft gründete.

Wenn Du frei entscheiden könntest, was würdest Du auf politischer Ebene ändern, um für mehr Frauen das Gründen attraktiver zu machen?

Dagmar Wöhrl: Der digitale Wandel bietet ganz neue Möglichkeiten, von denen Frauen besonders profitieren: Intelligentes Zeitmanagement, flexible Arbeitszeiten, Home-Office statt Präsenzpflicht! Wir brauchen mehr familienfreundliche Unternehmen, die diese Chancen nutzen und eine Politik, die Frauen mit neuen Flexibilitätsangeboten und Betreuungsmöglichkeiten den Rücken freihält und hilft, berufliche Selbständigkeit und Familie unter einen Hut zu bringen.

Insgesamt wird es mit der Gründungsdynamik zunehmend besser und dass so viele Frauen erfolgreich gründen – finde ich toll. Aber insgesamt hat Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern eine große Aufholjagd vor sich: Wir müssen dynamischer und unerschrockener werden. Wir brauchen eine neue Gründermentalität – mehr Menschen, insbesondere mehr Frauen – die risikofreudiger sind, die in den Erfolg verliebt sind, die bereit und entschlossen sind, ganz neue Wege zu gehen und auch glorreich zu scheitern.

Du selbst stehst an der Spitze eines erfolgreichen Familienunternehmens und arbeitest eng mit Startups zusammen. Was macht die Zusammenarbeit spannend und wo liegen die größten Herausforderungen?

Dagmar Wöhrl: In meiner „Doppelrolle“ als langjährige (Wirtschafts-)Politikerin und Unternehmerin kenne ich „the Big Picture“, also die Bedingungen und Hintergründe, die es einem Gründer schwer oder manchmal auch leichter machen, am Markt zu bestehen. Ich kenne die Stärken des Systems (tolle Fördermöglichkeiten) aber auch die Schwächen (Bürokratie, risikoscheue Mentalität, Wagniskapital-Mangel). Das hilft sehr bei der Zusammenarbeit.

Als Politikerin, die selbst Unternehmerin ist, habe ich mich immer mit aller Kraft dafür eingesetzt, Deutschland zu einem Gründerland zu machen. Dadurch kenne ich die Gründerszene gut, habe viel mit Gründern/Innen zu tun gehabt, junge Unternehmen besucht, auch als Abgeordnete mit Rat und Tat geholfen. Ich weiß, wo der Schuh drückt, wann die Banken eine gute Idee finanziell begraben, wie viel Power und Selbstvertrauen man als Jungunternehmer/in braucht. Deswegen weiß ich sehr konkret, womit Gründer und Gründerinnen zu kämpfen haben, welche Hürden sie überwinden müssen, um durchzustarten oder weiterzukommen.

Überraschungen gibt es immer wieder, manchmal wird gerade das, was erst unmöglich erscheint, zum Erfolgsschlager. Junge Startups sind erstaunlich, disruptiv – hier wird sozusagen die Zukunft „programmiert“. Das finde ich aufregend – und wichtig für Deutschland. Deswegen mag ich Männer und Frauen, die unerschrocken sind, die groß, quer, bunt denken. Und an sich und ihre Idee glauben. Denn wie soll ein Investor an jemanden glauben, Geld und Energie reinstecken, wenn der Gründer nicht selbst für seine Sache brennt. Gleichzeitig achte ich aber bei der Zusammenarbeit darauf, dass der Enthusiasmus durch Geschäftstüchtigkeit flankiert ist, man muss auch rechnen können und Ausdauer haben – sonst wird aus dem Feuer schnell ein Strohfeuer. Wichtiger als eine Geldinvestition ist das persönliche Engagement – man soll nach Kräften beraten und unterstützen, jedoch nicht bevormunden, hier ist wichtig, die Balance zu finden.


Wer so eine erfolgreiche Karriere gemacht hat, hat alles richtig gemacht. Oder? Gibt es dennoch Dinge die Du heute anders machen würdest? Welchen Rat würdest Du Deinem 20-jährigen Ich geben?

Dagmar Wöhrl: Die „Karriere“ war nicht geplant, sie hat sich ergeben, als Nebenwirkung sozusagen – wie Schwielen an den Händen, nachdem man tagelang Holz gehakt hat… Seitdem weiß ich: Erfolg ist nur ein Nebenprodukt von Leidenschaft und Hartnäckigkeit.
Meinem 20jährigen Ich würde ich sagen: Trau dich ruhig, mehr Fehler zu machen! Denn jeder Fehler ist eine Erfahrung – und Erfahrungen machen den Erfolg erst möglich. Edison hat mal gesagt: „Ich bin nicht gescheitert – ich habe 10.000 Wege entdeckt, die nicht funktioniert haben“.

Das würde ich auch jeder jungen Gründerin sagen: Scheitern Sie, aber kapitulieren Sie nicht! Niemals.

Weitere Informationen finden Sie hier

Quelle: StartupSpot (HHS Net UG)

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