curassist vernetzt Patienten mit Pflegekräften

curassist hilft Pflegekräften auf dem Weg in die Selbstständigkeit

Stellen Sie sich und Ihr Startup Unternehmen curassist doch kurz unseren Lesern vor?
curassist vernetzt die Patienten direkt mit festen Pflegekräften. Um dies zu ermöglichen, hilft curassist den Pflegekräften bei dem Weg in die Selbstständigkeit und übernimmt all die komplizierten Verfahren, die typisch sind für das deutsche Gesundheitssystem. Ziel ist es zum einem, jedem Patienten einen Pflegeprofi an die Seite zu stellen, und zum anderen das Selbstbild der Pflegeberufe durch ein neues und zeitgemäßes Angebot zu stärken. Eben „Pflege, wie du sie dir wünschst!“.
Schaut unter www.curassist.de nach, oder folgt und auf www.facebook.de/curassist.de

Wie ist die Idee zu curassist entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Ich habe als Pfleger in einer neurologischen Früh Reha gearbeitet. Sei es durch einen Unfall mit dem Auto oder im Haushalt, Leichtsinn weil der Alkohol zu mutig machte oder eben ein Schlaganfall, gemeinsam haben alle Patienten einer Neurologischen Früh Reha das sie in kürzester Zeit pflegebedürftig wurden. Und dies trifft alle Altersbereiche. Schwer ist es vor allem für die „Sandwich Generation“ da von drei Seiten eine Pflegebedürftigkeit eintreten kann: Kinder, Partner oder Eltern. Was sie wissen ist, dass sie noch 25 Jahre bis zur Rente arbeiten müssen. Für diese Angehörigen passen die klassischen Pflegeangebote oft nicht.
Ebenso konnte ich als Pfleger erfahren, wie hart der Job und wie schlecht Wertschätzung und Gehalt ist, obwohl Qualität und Ruf eines Krankenhauses mehr von „wie die Pfleger mit einem umgehen“ geprägt wird als von „wo der Arzt überall studiert hat“. Ich musste einfach etwas ändern, am besten für beide Parteien und so entstand curassist.
Ich selbst habe von 22 bis 31 eine IT Firma geleitet bis ich entschloss in die Pflege zu wechseln. Jessica ist Pflegerin in der 4. Generation, sie habe ich als Kollegin in der Reha kennengelernt und unser Programmierer ist der Schlagzeuger einer ehemaligen Band, in der ich Gitarre spielte.

Von der Idee bis zum Start, was waren die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Die größte Herausforderung für ein soziales Startup ist definitiv die Finanzierung! Pflege ist „nicht so sexy“ wie eine Drohne mit Kamera oder ein Schwenkarm für Handys, also etwas was man wirklich anfassen kann. Pflege ist auch nicht so cool wie eine App, mit der man Fotos von Katzen hochladen kann. Wenn sich jemand für Pflege interessiert, dann meist nur, wenn es die eigene Familie selbst betrifft. Der zweite schwierige weg der Finanzierung ist die Kompliziertheit des Gesundheitssystems, das in vielerlei Hinsicht völlig unlogisch ist. Kaum ein Investor kann sich dort hineindenken. Während Systeme, bei denen es um Putzkräfte geht, Millionen an Investments erhalten, bekommen soziale Projekte meist nur wenig, auch wenn sie ein gesellschaftliches Problem, wie beispielsweise curassist die Vorbereitung auf den Demografischen Wandel, angehen. Dort fehlt einfach die Risikobereitschaft und Erfahrung der Investoren.
Für unseren Start haben wir einen KFW Kredit mit privater Bürgschaft, der den Start und die erste Entwicklung finanziert. Im Moment suchen wir nach einem Investor, um die Entwicklung zu beschleunigen und vor allem den Start richtig zu Boosten.

Wie funktioniert curassist?
Zu einfach für das Gesundheitssystem 😉
Pflegekräfte melden sich an, und können ein Abo Modell wählen, je nachdem wie weit sie Bürokratisch entlastet werden möchten. Sie bekommen dann digitale Werkzeuge, Coaching und Co. zur Verfügung gestellt.
Angehörige haben 2 Möglichkeiten. Die einfachste ist über die Suche in unserem Portal eine Pflegekraft zu finden. Die wesentlich coolere ist aber sich zu registrieren und selbst den Patienten anzulegen. Dann kann man diesen nach der Suche einer Pflegekraft übergeben und so die Pflege online Tracken. Der Sohn aus Köln kann der Mutter in Büdingen eine Pflegekraft buchen, und ist stets informiert, was passiert.

Wie werden die Pflegekräfte von Ihnen begleitet und unterstützt?
Sehr umfassend. Im Moment machen wir neben unser Pflegemanagement Software noch das meiste per E-Mail, telefonisch oder mit Webinare. Aber unser Angebot soll in Zukunft durch Videos, Videochat und eine Wiki Anwendung erweitert werden, die wir zusammen mit Berufsverbänden entwickeln. Qualitätssicherung ist unser größtes Gebot! Schließlich geht es um Gesundheit und letztlich auch um Menschenleben.

Wie hat sich die Pflegebranche in den letzten Jahren entwickelt? Wie viel Bedarf besteht und wie ist das Angebot?
Die Pflegebranche baut rapide ab, während die Pflegebedürftigkeit stetig steigt. Pflegekräfte sind oft Frustriert oder können mit ihrem persönlichen Leben nicht mehr in der Pflege Arbeiten. Ein Beispiel: 90 % der Pflegekräfte arbeiten in Schichtdienst und 84 % sind Frauen. Bekommen diese ein Kind, lässt sich der Schichtdienst mit dem Kinderwunsch selten vereinbaren. Aus diesem Grund verlieren wir, je nach Schätzung, zwischen 60.000 und 120.000 Pflegekräfte jährlich. Und das meist für immer. Das veraltete Gesundheitssystem bietet keine Alternative, aber nun gibt es ja curassist.
Ebenso wird der Pflegeberuf stetig neu definiert, da die Politik stetig versucht den Beruf attraktiver zu machen und die Karrierechancen zu verbessern. So wird ständig die Ausbildung verändert und viel versprochen, was in den Einrichtungen eher negativ ankommt. Es gibt beispielsweise das Studium Pflege.Die wenigsten Einrichtungen können mit den akademischen Pflegekräften etwas anfangen und zahlen ihnen den gleichen Gehalt wie ihren 3 jährig ausgebildeten Kollegen. Pflegekräfte dürfen trotz ihrer qualitativen Aus- und Weiterbildungen oft wenige Entscheidungen selbst treffen (aufgrund von veralteten Kompetenzkonflikten mit den Ärzten). Deswegen ist es curassist auch wichtig, das Berufs-Verständnis zu stärken.

curassist, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Wir hoffen, das in 5 Jahren curassist die Alternative für Pflegekräfte wird und von den Kassen eine generelle Anerkennung bekommt. Ebenso ist unser Ziel die Gesundheitsbrache durch ein neues Selbstbewusstsein der Pflegekräfte zeitgemäß zu verändern. Die Kreativität dieser Pflegekräfte eröffnet neue, vor allem Bedarfsgerechte, Angebote im Gesundheitssektor. Auch hoffen wir dadurch die Ausbildung viel attraktiver zu machen. Wenn sich Arbeitgeber dann nicht mit Wertschätzung und fairer Bezahlung den selbstständigen Pflegekräften anpassen, werden sie es noch schwerer haben ihr Unternehmen zu führen. Aus diesem Grund sprechen wir gerne von einer Revolution im Pflegemarkt.

Zum Schluss: Welche Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Unser Team besteht aus Pflegekräften. Wir wissen, wo es Patienten und Pflegekräften wirklich weh tut. Wären wir beispielsweise nur Techniker und Betriebswirtschaftler, die durch eine Marktanalyse den Bedarf feststellen, würden wir an den realen Situationen Vorbeiarbeiten. Deswegen: Egal wie HiTech euer Produkt ist, nehmt einen aus der Basis in euer Team!
Und: durchhalten!

Bild: curassist Gewinner Rheinland-Pitch 2015 Lizenz: CC BY 3.0 DROID BOY

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Thomas Müller für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

KOSTENLOSER NEWSLETTER

Erhalten Sie regelmäßig die neuesten Updates der internationalen Startup-Szene!

Hier finden Sie unsere Datenschutzerklärung

X