Bleibt authentisch und seid ehrlich

cruilder Web-App für Filmschaffende

Stellen Sie sich und das Startup cruilder doch kurz unseren Lesern vor!
Mein guter, langjähriger Freund Toni Schultz (Filmschaffender) und ich, Sebastian Loth (Softwareentwickler) haben gemeinsam die Plattform cruilder ins Leben gerufen. Mit cruilder wollen wir die Planung von Filmprojekten einfacher und zeitsparender gestalten, sowie die Kommunikation zwischen allen Beteiligten über unsere Plattform ermöglichen, um berufliches besser von privaten trennen zu können. Nach ca. 3 Jahren Ideensammlung, Konzeption und Entwicklung „im Stillen“ haben wir im Sommer 2016 die cruilder UG (haftungsbeschränkt) gegründet und sind im Frühjahr 2017 in die Open Beta gestartet.

Wie ist die Idee zu cruilder entstanden?
Ein Großteil der Filmschaffenden ist freiberuflich tätig und muss sich stets selbst organisieren und um neue Buchungen sorgen. Das bedeutet, dass es nicht wie bei einem Unternehmen einen Vorgesetzten gibt, der die Auslastung und Verfügbarkeit aller Teammitglieder im Blick hat.
Toni arbeitet selbst als Filmschaffender in der Filmbranche und wurde daher sehr häufig mit den Problemen konfrontiert, die dadurch entstehen und die wir mit cruilder lösen möchten. Zum Beispiel hat er ständig Buchungsanfragen für Filmprojekte erhalten, an deren Einsatztagen er gar nicht verfügbar war. Oder ein Kollege ist kurzfristig ausgefallen und es musste schnell Ersatz gefunden werden, der dann auch noch verfügbar sein und die notwendigen Qualifikationen mitbringen musste. Dabei wurde sehr viel Zeit aufgebracht und telefoniert, bis ein geeigneter Ersatz gefunden wurde.

Wir haben uns dann mit anderen Filmschaffenden verschiedenster Ebenen unterhalten, darunter Produktionsleiter und Crews, wodurch uns klar wurde, dass es für die Probleme tatsächlich noch keine vernünftige Lösung gibt. Das war der Moment in dem für uns fest stand: Wir wollen diese Lösung schaffen, die eine effiziente Zusammenarbeit aller an einem Filmprojekt beteiligten Personen ermöglicht.

Warum haben Sie sich entschieden ein eigenes Unternehmen zu gründen?
Dass wir für die Plattform ein Unternehmen gründen stand von Anfang an fest. Wir wollen die Plattform professionell betreiben, nicht nur „Just-For-Fun“. Mit der Gründung als Unternehmen ist das für uns nochmal verbindlicher geworden und es entsteht ein gesunder Druck, die Plattform auch voran zu bringen und rentabel zu werden.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Unsere größte Herausforderung war die Motivation bei der langen Entwicklungszeit nicht zu verlieren. Die lange Entwicklungszeit ist vor allem dadurch entstanden, dass ich zu Beginn noch im Bereich App- und Webentwicklung Vollzeit-Selbstständig war und eine hohe Auslastung durch Kundenprojekte hatte.
Dass die Motivation trotzdem nicht verloren ging ist unter Anderem einigen der heutigen Nutzern zu verdanken, die wir vor der Umsetzung befragt haben. Diese haben immer wieder mal nachgefragt, wann unsere Lösung denn fertig sei, da sie aktuell wieder eines der Probleme haben.
Finanziert ist die Plattform komplett aus eigenen Mitteln. Die für ein Software-as-a-Service Unternehmen meist hohen Entwicklungskosten sind bei uns nicht angefallen, da ich selbst die Entwicklung übernommen habe. Die Vermarktung und Grafik-/Oberflächengestaltung hat Toni übernommen. Die Zeit die wir dafür aufgebracht haben sehen wir als Investition.

Wer ist die Zielgruppe von cruilder?
Filmschaffende quer durch alle Departments und Tätigkeiten (z.B. Aufnahmeleitung, Licht, Ton, Maske & Make-Up, Ausstattung und Produktion). Genauer: Produktionsleiter die einen Film-Dreh planen und organisieren müssen sowie Filmschaffende, die auf der Suche nach alten und neuen Kontakten sind oder sich mit ihrem Profil präsentieren wollen um neue Buchungsanfragen zu erhalten.

Wie funktioniert cruilder?
Nach der Anmeldung in der Web-App kann der Nutzer sein Profil mit weiteren Angaben wie Arbeitsorten, ausgeübte Berufe/Tätigkeiten, Qualifikationen und Führerscheinklassen ergänzen. Das ist vor allem dann sinnvoll, wenn er auf der Plattform neue Buchungsanfragen erhalten möchte. Um nur zeitlich relevante Anfragen zu erhalten sollte der Nutzer stets seine Sperrzeiten/Verfügbarkeiten (verfügbar, vielleicht verfügbar und nicht verfügbar) aktuell halten. Diese kann er in seinem persönlichen Kalender hinterlegen und mit privaten Notizen ergänzen.
Mit der Suchfunktion können Nutzer sich gegenseitig finden und Kontaktanfragen versenden, Kontakte mit Schlagworten versehen und diese so besser organisieren. Um eine direkte Kommunikation zu ermöglichen, steht außerdem ein Chat zur Verfügung.
Produktionsleiter können in der Web-App neue Filmprojekte anlegen, dazugehörige Stellen und Einsatztage planen und ihre Kontakte hinzufügen oder mittels Suche (Beruf/Tätigkeit, Arbeitsort, Einsatztage) passende Kandidaten finden.

Welche Vorteile bietet cruilder und wo liegt Ihr USP?
Wichtigster Vorteil ist die Zeitersparnis für alle Nutzer. Produktionsleiter können mit wenigen Klicks Projekte planen, mehrere potentielle Kandidaten gleichzeitig anfragen/anschreiben und müssen nicht mehr jedem einzeln hinterher telefonieren. Filmschaffende, die Buchungsanfragen erhalten möchten, erhalten nur noch Anfragen für Termine, an denen Sie auch Zeit haben. Das heißt für beide Seiten keine zeitraubenden Anrufe mehr, die von vornherein nicht zu einer Buchung geführt hätten.

Dazu soll auch die Kommunikation in der Web-App beitragen, mit der zusätzlich auch eine bessere Trennung zwischen privatem und beruflichem ermöglicht werden soll. Im Moment wird häufig noch über Facebook und private Kontaktmöglichkeiten kommuniziert.

Wie ist das Feedback?
Das Feedback der angemeldeten Nutzer ist sehr positiv. Unser Fokus ist die Lösung von Problemen und die Schaffung von Mehrwert. Wenn wir dann Feedback erhalten das geschafft zu haben fühlen wir uns in unserem Handeln bestärkt und wir freuen uns sehr!
Wir erhalten außerdem tolle Ideen und Anregungen, wie wir die cruilder für Filmschaffende noch attraktiver machen können und den Mehrwert weiter verbessern können.

cruilder, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
In den kommenden Wochen und Monaten wollen wir unsere Nutzerbasis deutlich vergrößern, um noch mehr Feedback zu erhalten und die Web-App damit bis zum Jahresende auf einen Stand zu bringen, mit dem wir die Open Beta verlassen können.
Was in fünf Jahren ist können wir nicht vorhersehen. Unser Ziel ist es aber, einen so großen Mehrwert zu bieten, dass Filmschaffende unsere Plattform nicht mehr missen möchten. Wir haben noch sehr viele Ideen, mit denen wir das Leben unserer Nutzer in Bezug auf Filmprojekte vereinfachen können. Die Umsetzung/Priorisierung machen wir dabei von den Nutzerbedürfnissen abhängig. Außerdem wird es mobile Apps für iOS und Android geben.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Tipp 1: Lernt eure Nutzer/Kunden und deren Bedürfnisse kennen. Hinterfragt eure eigenen Annahmen, führt Befragungen durch oder beobachtet. Geht mit eurem MVP so schnell wie möglich an den Start. Vermeidet dabei Fehler wie bereits beim MVP zu sehr an Umsätze zu denken, dann baut man meist doch mehr als nur ein MVP. Das haben wir zum Beispiel falsch gemacht.

Tipp 2: Bleibt authentisch und seid ehrlich. „Fake it til you make it“ ist unsympathisch und keiner braucht noch einen „CEO der das nächste Facebook schafft“. Auf dem Boden bleiben macht euch und euer Produkt sympathisch. Wenn ihr so wie wir nah beim Nutzer seid, könnt ihr dadurch viel leichter Begeisterung auslösen und erhaltet echte Fans die euer Produkt weiterempfehlen und aktiv weitere Nutzer an Bord holen.

Tipp 3: Legt los! Nur so könnt ihr Erfahrungen sammeln und etwas schaffen. Vorab nicht immer zu viel nachdenken, sondern einfach mal machen. Dann habt ihr was zu erzählen und vorzuweisen. Und wenn es „nur“ die Erfahrung ist, die ihr dabei gesammelt habt.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Sebastian Loth für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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