Warum Crowdfunding und Start-ups ein Perfect Fit sind

Auch nach erfolgreicher Gründung bleibt eine der größten Herausforderungen für Gründerinnen und Gründer die Finanzierung ihres Start-ups für weiteres Wachstum. Nicht selten fehlt es an ausreichenden Mitteln. Die jüngste Krise verschärft die Situation zusätzlich. Laut einer aktuellen Umfrage des Branchenverbands Bitkom mache sich jedes dritte befragte Start-up (34 %) Sorgen, dass Investoren sie wegen der Corona-Krise nicht mehr unterstützen. Auch empfinden 71 % die Suche nach neuen Investoren als deutlich schwieriger.

Crowdfunding auf dem Vormarsch

Um die Finanzierung stärker in die eigene Hand nehmen zu können, setzen immer mehr Start-ups als Alternative zu Venture Capital oder Bankdarlehen auf Crowdfunding. Der aktuelle Crowdinvest Marktreport hat ermittelt, dass der Markt im vergangenen Jahr um +41,9 % auf 422,0 Millionen Euro gewachsen ist. Im gleichen Zeitraum sind Unternehmensfinanzierungen lediglich um 5,1 % angestiegen, wobei Start-ups mit 19,5 Millionen Euro einen nicht unerheblichen Teil ausmachen. Es gibt verschiedene Gründe und Vorteile, die mit einer Crowdfunding-Kampagne einhergehen und die Gründerinnen und Gründer dazu motivieren sich abseits der üblichen Finanzierungsangebote zu informieren.

Crowdfunding-Kampagnen aus unterschiedlichsten Motiven 

Ein Grund können etwa unterschiedliche Vorstellungen der Gründerteams und der Kapitalgeber hinsichtlich der unternehmerischen Ausrichtung sein. Bei Sonos Motors war dies der Fall. In Gesprächen mit herkömmlichen Investoren wurde dem Gründerteam um CEO Laurin Hahn schnell klar, dass sich die jeweiligen Vorstellungen grundlegend unterschieden. Während die institutionellen Investoren ein aggressives Wachstum und schnelle Gewinne anstrebten, steht für den jungen Münchner Elektromobilhersteller ein nachhaltiges Unternehmens- und Fahrzeugkonzept im Vordergrund. Die Gründer entschieden sich für einen anderen Weg – und das äußerst erfolgreich. 

Über eine Crowdfunding-Kampagne sammelte Sono Motors innerhalb von 50 Tagen rund 53 Millionen Euro ein, einen Teil davon mit der White-Label-Software-Lösung von CrowdDesk. Es war die größte Kampagne dieser Art in Europa – und sicherte Sono Motors den Fortbestand ihrer Idee. Mit dieser Summe treibt das Start-up die Serienproduktion ihres Solarautos weiter voran. Für Laurin Hahn habe die erfolgreiche Kampagne erneut bewiesen, wie stark die Community ist. Dank der Unterstützung der Crowd sieht das Team von Sono Motors seine Vision bestätigt: Die Welt mit einer nachhaltigeren Mobilität besser zu machen. 

Das Beispiel verdeutlicht einen Vorteil alternativer Finanzierungsformen: Indem die Crowd anstelle von institutionellen Investoren genutzt wird, behalten Start-ups die Entscheidungsgewalt über ihr Unternehmen und dessen zukünftigen Werdegang. Auf der anderen Seite erhalten Privatinvestoren die Chance, die Gründer- und Unternehmenskultur ihres Landes mitzugestalten und nachhaltige Start-ups und Innovationen aktiv zu fördern. 

Die Crowd sucht nach sinnvollen Investments – Start-ups bieten sie

Der Crowd-Gedanke steht auch bei Enapter im Vordergrund. Das Start-up will mit seiner AEM-Elektrolyse (Anion Exchange Membrane) den Energiemarkt verändern. Wie vielversprechend die Versorgung mit klimafreundlicher Wasserstoffenergie ist, hat übrigens auch die Politik erkannt. Nach dem Willen der Bundesregierung soll Deutschland bei ihrer Nutzung Vorbild werden. Anfang Juni verabschiedete das Bundeskabinett zu diesem Zweck eine Nationale Wasserstoffstrategie, die Milliardenzuschüsse, rechtliche Erleichterungen und konkrete Produktionsziele vorsieht. 

Daher verwundert es auch nicht, dass der Enapter-Geschäftsführer Sebastian-Justus Schmidt immer wieder von Interessenten angesprochen wurde, die das Konzept der dezentralen Nutzung von grünem Wasserstoff finanziell unterstützen oder ihr Geld einfach sinnvoll anlegen wollten. „Bei einigen Interessenten steht mehr im Vordergrund, eine gute Sache zu unterstützen, statt daraus einen monetären Vorteil zu erwirtschaften. Enapter bietet beides”, verrät Schmidt. Eine Crowdfunding-Kampagne ist für ihn daher die perfekte Lösung. Einerseits kann der Geschäftsführer Kapital für sein Unternehmen beschaffen und andererseits Anlegern eine nachhaltige Investitionsmöglichkeit anbieten. Knapp 100.000 Euro hat Enapter bereits eingesammelt. Für Sebastian-Justus Schmidt hat diese Form der Finanzierung einen besonderen Vorteil: „Ich denke, dass ein Crowdinvesting auch eine Art Pulsmessen ist: Es hilft uns dabei, Aufmerksamkeit zu schaffen.” 

Crowdfunding als Teil eines breiten Finanzierungsmix

Crowdfunding kann außerdem als Basis für einen klassischen Bankenkredit genutzt werden. Da viele junge Unternehmen nicht genug Kapital besitzen, um sich für einen Kredit zu qualifizieren. Das gehypte Berliner Start-up Thermondo finanziert den Großteil seines Projektes durch die Berliner Volksbank, ein Teil des Kapitals soll aber auch über die Crowd finanziert werden. So stellt sich das Start-up unabhängiger in Sachen Finanzierung auf. Für Thermondo ist das Crowdfunding aber auch eine klassische Marketing-Kampagne: Es will seine Bekanntheit weiter steigern.

Crowdfunding ist für Start-ups in den unterschiedlichen Phasen des Kapitalbedarfs interessant. Die Crowd lässt sich bei Bedarf immer wieder ansprechen und kann damit einen stetigen Finanzierungsbedarf, den Start-ups zwangsläufig haben, decken. Zusätzlich zum finanziellen Aspekt können junge Unternehmen auf diesem Wege frühzeitig Rückmeldung aus der Crowd zu ihrem Produkt erhalten. Dies kann sinnvoll sein, um mit einem gut geplanten und verbesserten Produkt an den Start zu gehen. Auch muss die Finanzierung über die Crowd nicht als einziges Instrument fungieren, sondern kann ein Teil einer diverseren Finanzstruktur sein. Durch Mischfinanzierungen erhöhen Start-ups ihre Flexibilität und sind weniger abhängig von einzelnen Investoren oder Banken. 

Über den Autor

Johannes Laub ist Gründer von CrowdDesk, einem Spezialisten für die Digitalisierung von Finanzprodukten. Mit der SaaS-Lösung haben Unternehmen die Möglichkeit, einfach und verlässlich online Kapital einzusammeln. Auf Basis seiner jahrelangen Expertise ist der studierte Investmentfondskaufmann bei CrowdDesk für Finanz- und Vertriebsfragen zuständig. Bisher hat CrowdDesk mit seiner Softwarelösung mehr als 500 Projekte mit einem Volumen von rund 550 Millionen Euro begleitet. 

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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