Was man gibt kommt immer irgendwann zurück

Creoptix bioanalytische Instrumente für die Arzneimittel- und biowissenschaftliche Forschung

Stellen Sie sich und das Startup Creoptix doch kurz unseren Lesern vor!

Mein Name ist Line Stigen Raquet und ich bin seit Januar 2020 CEO von Creoptix, einem Schweizer Unternehmen mit Sitz in Wädenswil bei Zürich. Wir entwickeln, bauen und vertreiben modernste bioanalytische Instrumente für die Arzneimittel- und biowissenschaftliche Forschung sowohl für industrielle als auch akademische Labors in Europa und den USA. Unser Team von Kinetik Experten ermöglicht es Wissenschaftlern, die Grenzen der Protein-Interaktionsanalyse dank hoher Empfindlichkeit und robuster Mikrofluidik zu erweitern.

Bevor ich zu Creoptix gekommen bin, habe ich bei Mettler Toledo, QIAGEN und ThermoFisher gearbeitet. Ich leitete Geschäftseinheiten in den Bereichen Laborautomation, In-vitro-Diagnostik und Infektionskrankheiten in China, den USA und Europa. Nach meinem Abschluss in Biochemie und Biowissenschaften, habe ich noch ein Studium am Keck Graduate Institute of Applied Life Sciences in Claremont, Kalifornien, abgeschlossen.

Welche Vision steckt hinter Creoptix?

Creoptix ist bestrebt, Forschung und Entwicklung zu verändern. Wir unterstützen unsere Kunden darin, die Grenzen der Wissenschaft stetig zu erweitern. Wir tun dies, indem wir Lösungen für markierungsfreie kinetische Messungen in verschiedenen Medien und unter Bedingungen anbieten, die viel näher an physiologischen Bedingungen liegen. Unser Antrieb ist es, bessere Medikamente schneller auf den Markt zu bringen. 

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?

Creoptix ist ein privat finanziertes Unternehmen und wir haben unsere letzte Finanzierungsrunde (Serie C) im September 2019 erfolgreich mit einem Ergebnis von über 8 Millionen Schweizer Franken abgeschlossen.

Der Markt, in dem Creoptix tätig ist, wird von Giganten auf dem Gebiet der biomolekularen Interaktionsanalyse dominiert, daher war die erste Herausforderung unsere neue Sensor- und Mikrofluidik-Technologie bekannt zu machen. Als junges Unternehmen, das ein bahnbrechendes System einführt, hat man nur wenige Gelegenheiten potenzielle Kunden persönlich zu treffen, daher ist es wichtig, einen starken Eindruck zu hinterlassen und sicherzustellen, dass man in Erinnerung bleibt.

Mit unserem innovativen Gerät der zweiten Generation – dem WAVEsystem – das seit 2017 auf dem Markt ist, befinden wir uns nun in der Kommerzialisierungsphase und die Rekrutierung von neuen Talenten ist sicherlich eine der grössten Herausforderungen.

Wer ist die Zielgruppe von Creoptix?

Unsere Kunden kommen aus den Bereichen Arzneimittelforschung, Pflanzenwissenschaften und Diagnostik und arbeiten sowohl in der Industrie als auch in der akademischen Forschung. Wir unterstützen innovative Anwender, die daran interessiert sind, die Wissenschaft weiter zu bringen.

Wie funktioniert Creoptix? Wo liegen die Vorteile? Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Das Geheimnis hinter unserem bioanalytischen Gerät, dem WAVEsystem, liegt in der Kombination unserer proprietären GCI-Technologie (Grating-Coupled Interferometry) und innovativen Mikrofluidik-Technologie, die es Forschern ermöglicht, die Kinetik in verschiedensten Medien – Puffer, unfiltrierten Reaktionsgemischen, Plasma, Serum und andere – mit hoher Empfindlichkeit zu untersuchen.

Was Creoptix unterscheidet – abgesehen von unserer Technologie – ist der einzigartige Kundenservice. Unser Team zeichnet sich dadurch aus, dass es jedem unserer Kunden einen persönlichen Service bietet. Alle unsere Spezialisten sind Anwendungswissenschaftler, welche die Endbenutzer schulen, beraten und ihr Know-how mit ihnen teilen. Zusätzlich sorgt unser Team von Ingenieuren dafür, dass unsere Instrumente reibungslos funktionieren und qualitativ hochwertige Daten liefern.

Wie hat sich ihr Unternehmen mit Corona verändert?

Aufgrund der Corona Situation hat Creoptix seinen Fokus auf die gesteckten Ziele weiter geschärft. Auch sind wir sehr stolz darauf, dass unsere Technologie zur Bekämpfung von COVID-19 eingesetzt wird. Wir haben Kunden auf der ganzen Welt, die an verschiedenen Projekten zur Erforschung von COVID-19 arbeiten. Von gross angelegten serologischen Studien über In-Vitro-Diagnostika-Entwicklung und Therapeutika bis hin zur Erforschung von Impfstoffen. Erst kürzlich haben wir unsere Zusammenarbeit mit Prof. Adriano Aguzzi von der Universität Zürich bekannt gegeben. Ziel der Zusammenarbeit ist es, Anti-SARS-CoV-2-Antikörper zu charakterisieren und so zu messen, ob eine Person dem Coronavirus ausgesetzt war. Wir können es kaum erwarten, bis die ersten Ergebnisse dieser Studie vorliegen.

Unser Unternehmen musste sich auch an die eingeschränkte Mobilität anpassen, die mit den Reisebeschränkungen einherging, und neue Wege finden, um effektiv sowohl mit unseren Kunden als auch intern mit den Mitarbeitenden zu kommunizieren.

Wie haben Sie sich darauf eingestellt und welche Änderungen haben Sie vorgenommen?

Schon sehr früh haben wir das Gespräch mit unseren Mitarbeitenden gesucht und das gesamte Team bereits im Februar auf das Home-Office vorbereitet. Einer der positiven Aspekte eines eigenen Labors ist, dass wir unser eigenes Handdesinfektionsmittel – zum Schutz unserer Mitarbeitenden – herstellen konnten, als Desinfektionsmittel überall ausverkauft war.

Da wir wussten, dass sich die Menschen bei der Arbeit von zu Hause isoliert fühlen können, erhöhten wir die Häufigkeit unserer Teambesprechungen, virtuellen Happy Hours und sogar einer wissenschaftlichen Vortragsreihe. Die Home-Office Zeit war auch eine gute Gelegenheit, gemeinsam mit der Entwicklung unseres Leitbilds zu beginnen.

Darüber hinaus initiierten wir Coachingsitzungen zu Themen der Psychologie und Hirnforschung im Zusammenhang mit einer Ausgangsbeschränkung (Lockdowns) und stellten Instrumente vor, die den Mitarbeitenden helfen sollten, besser mit dieser Art Stress umzugehen.

Wo sehen Sie in der Krise die Chance?

Die Gesellschaft wurde menschlicher und hat sich zusammengeschlossen, um das Coronavirus gemeinsam zu bekämpfen. Die Coronavirus-Krise kann für uns alle auch eine Chance sein, den Alltag zukünftig etwas langsamer anzugehen und uns auf das Wesentliche zu konzentrieren. Auch hat diese Zeit sicher dazu beigetragen, die Art und Weise zu überdenken, wie wir die Dinge in Zukunft angehen, beispielsweise wie wir kommunizieren, erziehen oder von zu Hause arbeiten.

Creoptix, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Creoptix ist ein globales Unternehmen, das es Wissenschaftlern auf der ganzen Welt ermöglicht, Grenzen der Kinetik zu überwinden, innovative Forschungsergebnisse zu veröffentlichen und der Menschheit zu helfen, die Herausforderungen von heute (und morgen) zu bewältigen. Wir werden dies auch zukünftig zu tun, indem wir weiterhin die innovativsten Biosensoren herstellen und unsere Installationsbasis in den kommenden 5 Jahren erweitern.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründerinnen mit auf den Weg geben?

Ein Netzwerk von Mentoren und anderen Führungskräften aufbauen, auf das man sich für Unterstützung, Feedback und Ratschlägen – sowohl von Frauen als auch von Männern – verlassen kann.

Als Frauen werden wir schnell kategorisiert. Ignorieren Sie das, bilden Sie Ihre eigene Kategorie. Seien Sie, wer Sie sein wollen und sind Sie authentisch.

Was wir „Versagen“ nennen, ist einfach das Schicksal, das versucht, uns auf einen anderen Weg zu bringen. Lernen Sie daraus und schauen Sie nach vorne. Versuchen Sie, die beste Version von sich selbst zu sein.

Wichtig ist, dass Sie Beziehungen aufbauen, sich vernetzen und sich einbringen, wo immer möglich – was man gibt, kommt immer irgendwann zurück.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Line Stigen Raquet für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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