Haltet zwischendurch einfach mal an und prüft, ob das Team noch dieselbe Vision verfolgt

Corvolution mit mesana den Gesundheitszustand zu Hause selbst überprüfen

Stellen Sie sich und Ihr Startup Unternehmen Corvolution doch kurz unseren Lesern vor!
Corvolution, das sind Silvester Fuhrhop, Stefan Lamparth und Malte Kirst. Wir Drei sind die Gründungsmitglieder und heutigen Geschäftsführer der corvolution GmbH mit Sitz in Karlsruhe. Unser Unternehmen ist ein innovatives MedTech-Startup, das am Karlsruher Institut für Technologie ins Leben gerufen wurde. Wir entwickeln Medizintechnik zum Gesundbleiben! Unser Kernprodukt ist mesana, ein 48-Stunden-Checkup, das einen 360°-Überblick über den allgemeinen Gesundheitszustand und das psychische Wohlbefinden liefert.

Wie ist die Idee zu corvolution entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Die Idee, gemeinsam eine Firma zu gründen, ist uns bereits während des Studiums an der KIT Karlsruhe gekommen. Dort haben wir zum Thema Langzeit-EKG-Messungen am Institut für Technik der Informationsverarbeitung geforscht. Die Relevanz unserer Forschung wurde unsschnell klar, als folgender Fall eintrat: Ein Familienmitglied unseres Teams litt unter symptomatischen Herzrhythmusstörungen. Jedes Mal wenn diese auftraten, war kein EKG in Reichweite. Auch war es schier unmöglich für unsere Freundin, zeitnah einen Termin beim Facharzt zu bekommen. So kamen wir schließlich auf die Idee, selbst eine EGK-Messung bei ihr vorzunehmen, und zwar dann, wenn die Herzrhythmusstörungenauch auftauchten, also zu Hause. Heraus kam: Die Symptome waren ernst! Dank der Messdaten und der Visualisierung der Störung, konnte unsere „Patientin“noch rechtzeitig operiert werden. Hätte sie allerdingslänger auf ihren Termin beim Kardiologen gewartet, hätte das womöglich irreversible bis tödliche Folgen haben können. Dieser Vorfall gab schließlich die Initialzündung für das, was wir heute sind: Ein Unternehmen, das mit seinen Produkten aus dem abstrakten Begriff Gesundheit, etwas Persönliches, etwas Greifbares macht! Vor allem wollen wir es jedem Menschen ermöglichen, seinen allgemeinen Gesundheitszustand zu Hause selbst zu überprüfen. So kann, bei auffälligen Werten,ein Arztbesuch auch rechtzeitig in Anspruch genommen werden.

Von der Idee bis zum Start – was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
An der Uni kam uns ja die Idee, mit eigenen Produkten den Gesundheitsmarkt „aufzumischen“. Aus dieser Idee wurde sehr schnell eine echte Vision. Die Vision, Produkte zu entwickeln, die Menschen gesundheitlich nachhaltig unterstützen können. Als Ingenieure wussten wir natürlich immer, was wir tun. Aber nur weil wir alle Drei einen Doktortitel haben, sind wir noch lange keine Marketing- oder Vertriebs-Professionals. Wobei ich sagen muss: Auch der Ingenieur wächst mit seinen Aufgaben 😉 Wir haben auf jeden Fall wahnsinnig viel hinzugelernt seit dem ersten Gründungstag. Pressearbeit oder Kundenakquise sind für uns heute keine Faktoren mehr,mit einem dicken Fragezeichen davor, sondern einfach eine Herausforderung, an der wir täglich wachsen.
Finanzielle Starthilfe bekamen wir vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi). Von ihm wurden wir im Rahmen des Programms „EXIST Forschungstransfer“ gefördert. Zudem haben wir Investoren gefunden, die uns Venture Capital zur Verfügung stellen.

Wer ist die Zielgruppe der corvolution GmbH?
Gesundheit geht jeden etwas an! Deshalb gibt es für uns nicht DIE eine Zielgruppe! Im besten Fall, sollte sich jeder so früh wie möglich mit seiner Gesundheit beschäftigen. Aber es ist auch normal, dass man sich oft erst dann mit gesundheitlichen Themenstellungen auseinandersetzt, je älter man wird. Wir haben mit unserem Produkt vor allem Menschen ab 35 im Blick, bei denen der Spaßfaktor vielleicht etwas in den Hintergrund tritt und Gesundheitsfragen relevanter werden. Sie können mit mesana testen, wie es ihrer Gesundheit im Allgemeinen geht, und ob in den Bereichen Schlaf, Stress, Aktivität, Fitness oder Ernährung, konkreter Handlungsbedarf besteht. Aber auch spezifische Fragestellungen können mit dem mesana-Checkup beantwortet werden, zum Beispiel: Wenn Sie acht Stunden schlafen und morgens trotzdem gerädert aufwachen, dann können wir mit unserer Gesundheits-Messung die Ursachen hierfürfeststellen undauch konkrete Handlungsempfehlungen geben, zum Beispiel: Ein Seminar zum Thema Schlafstörungen zu besuchen oder einen Schlafmediziner hinzuzuziehen.

Was für Produkte entwickeln Sie?
Unser Schwerpunkt liegt bei der Entwicklung medizintechnischer EKG-Sensorik. Das erste Produkt, was wir zur Marktreife gebracht haben ist mesana, der 48-Stunden-Checkup für zu Hause. mesana ist quasi unser „Startup-Baby“. Das Produkt selbst kann man sich vorstellen wie ein Navigationssystem, das die eigene Gesundheit zum Ziel hat. Egal in welcher Position man startet, mesana zeigt die nächsten Schritte, die gemacht werden müssen, um dieses Ziel auch zu erreichen.
Oder technischer formuliert: mesana ist ein 48-Stunden-Checkup für zu Hause, der den persönlichen Gesundheitslevel objektivierbar und visualisierbar macht.

Wie funktioniert mesana? Was wird damit gemessen?
mesana ist ein hautfreundliches Pflaster mit integrierten Sensoren, das 48 Stunden am Körper, direkt unter der Brust, getragen wird. Die Sensoren messen Schlaferholung, Herzgesundheit und Stresslevel. Auch Ernährung, Aktivität und Fitness fließen in die Messung mit ein. Insgesamt werden 16 Werte berücksichtigt. Der abschließende Gesundheitsbericht, der auch konkrete Handlungsempfehlungen liefert, gibt einen 360°-Überblick, sowohl über das physische als auch das psychische Wohlbefinden. Dieses Know-how hilft dabei, Vorsorgemaßnamen da zu ergreifen, wo auch wirklich Bedarf besteht. Bei medizinischen Auffälligkeiten kann der Nutzer dann auch rechtzeitig an einen Arzt weiterverwiesen werden.

Bieten Sie auch Beratung an?
Eine kompetente Beratung ist für uns ein wesentlicher Faktor im Anschluss an den mesana Gesundheits-Checkup. Deshalb bieten wir unseren Nutzern eine Gesundheits-Hotline an, die kompetent alle Fragen rund um die Messung beantwortet. Für Unternehmen mit betrieblichem Gesundheitsmanagement (BGM), Fitnessstudios oder Gesundheits-Coaches haben wir noch einmal spezielle Schulungen im Programm. In diesen Experten-Workshops geht es uns vor allem darum, dass die Gesundheits-Berater den Nutzern, auf Grundlage des Berichts, gesundheitliche Zusammenhänge näherbringen undschließlich individuelle Empfehlungen aussprechen können. Zum Beispiel: Vorschläge, welche Angebote sich im Rahmen von Präventionsangeboten besonders gut eignen würden.

Corvolution, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Unser Ziel ist es, dass Menschen gute Gesundheitsentscheidungen für sich treffen können – und das funktioniert einfach mit mesana! Natürlich werden wir unser Produkt weiter optimieren, um den Nutzern zukünftig noch mehr relevante Gesundheitsdaten liefern zu können. 2017 soll mesana den „Schlafmediziner“ und „Kardiologen“ nach Hause bringen.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründerinnen mit auf den Weg geben?
Wie sagte Mark Zuckerberg so schön: „Done ist better than perfect!“ In diesem Satz steckt viel Wahrheit. Um seine Ziele zu erreichen und sich nicht im Irrgarten der „todo’s“ zu verlieren, ist dieser Satz ein gutes Motto, den man sich immer mal wieder vor Augen halten sollte. Ansonsten habe ich die Erfahrung gemacht, dass externe Berater durchaus hilfreich beim Start ins eigene Business sein können. Mindestens genauso wichtig ist es jedoch, sich am Ende seine eigene Meinung zu bilden und vor allem auf sein Bauchgefühl zu hören. Haltet zwischendurch einfach mal an und prüft, ob das Team noch dieselbe Vision verfolgt. Die meisten Startups zerbrechen an divergierenden Zielvorstellungen.

Wir bedanken uns bei Dr. Silvester Fuhrhop für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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