Coolar: Kühlsystem das statt mit Strom mit Warmwasser kühlt

Coolar einer der Finalisten beim Startup Wettbewerb Chivas The Venture

Stellen Sie sich und Ihr Startup Unternehmen Coolar doch kurz unseren Lesern vor
Wir sind Coolar, ein junges Unternehmen, das ein Kühlsystem entwickelt hat, das statt mit Strom mit Warmwasser kühlen kann.

Wie ist die Idee zu Coolar entstanden und wie haben Sie sich als Team zusammengefunden?
Die Idee zu Coolar kam Julia Römer während einer Summer School für grüne Gründungsideen. Zuvor hatte sie bereits für einen Hersteller nachhaltiger Industriekühlaggregate gearbeitet und dort Expertise im Umgang mit Adsorptionskältemaschinen gewonnen. In der Summer School kam ihr die Idee, diese für Kühlschränke nutzbar zu machen. Nachdem dieses Konzept im Verlauf der Summer School auch von einer Expertenjury viel Zuspruch bekam, schrieb Julia ihre Masterarbeit über die technische Machbarkeit eines solchen Adsorptionskühlschranks. Nachdem diese mit kritischer wissenschaftlicher Betreuung seitens der Kältetechnikexperten der TU Berlin nachgewiesen wurde, begann sie mit ihrem Kommilitonen Arno Zimmermann ein unternehmerisches Konzept dafür zu entwickeln und nach weiteren Teammitgliedern zu suchen. So stießen letztendlich noch Kilian Mähne und Christoph Göller zum Team hinzu. In dieser Zusammensetzung arbeitet das Team von Coolar seit Ende 2014 zusammen.

Von der Idee bis zum Start was waren die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Da Julia mit der Idee des Coolar Kühlschranks den Preis der Expertenjury der bereits erwähnten Summer School gewann, konnte die Prototypenentwicklung mit einem kleinen Materialbudget starten. Darüber hinaus wurde Coolar im Frühjahr 2015 in den Climate-KIC Accelerator aufgenommen, welcher uns ein Büro auf dem EUREF Campus in Berlin Schöneberg und zwei Stipendien für die Arbeit an Coolar ermöglicht. Darüber hinaus finanzieren wir die Materialkosten für die weitere Prototypenentwicklung aus Preisgeldern, Eigenmitteln und befinden uns in der glücklichen Situation, dass uns viele begeisterte Studenten mit ihrem technischen Know-How z.B. in Praktika oder im Rahmen von Abschlussarbeiten unterstützen.

Wer ist die Zielgruppe von Coolar?
Als erste Zielgruppe fokussiert sich Coolar auf medizinische Einrichtungen mit Bedarf für Kühlgeräte (z.B. für die Aufbewahrung von Impfstoffen) in Regionen mit unzuverlässigen oder gar nicht verfügbaren Stromnetzen, oder die auf ausfallsanfällige Inselnetze angewiesen sind. Coolar kann für den Betrieb des Kühlsystems solare Wärme nutzen, in heißen Entwicklungsregionen ist diese häufig problemlos verfügbar. Zudem kann die Wärme in robusten Warmwassertanks zwischengespeichert werden und schafft so eine größere Ausfallssicherheit als beispielsweise eine mit Photovoltaikstrom betriebene Kühlung, die auf kurzlebige Batterien angewiesen ist. Käufer dieser Kühlgeräte wären internationale (z.B. UNICEF, GAVI) oder nationale Organisationen (z.B. die Gesundheitsbehörde des jew. Landes) die den Ausbau der Gesundheitsinfrastruktur betreiben. Tendenziell können aber alle Nutzer mit geeigneten Wärmequellen (d.h. günstiger und nachhaltiger als Strom, weil z.B. solare Wärme oder Abwärme genutzt werden) mit dem Coolar System effizienter und nachhaltiger kühlen, als mit herkömmlichen Kühlgeräten. So wäre das Coolar System auch für Haushalte in Deutschland interessant, wenn beispielsweise Heißwasser erzeugende Solarthermie-Installationen die nötige Wärmeenergie bereitstellen, die aktuell meist in 9 von 12 Monaten nicht voll ausgenutzt wird. In Ländern in Südeuropa hat diese Kombination noch höheres Potenzial als in Deutschland.

Sie sind eines von drei Finalisten des Startup Wettbewerbs Chivas The Venture. Wie motivierend ist es, dass Sie diesen Schritt geschafft haben?
Wir freuen uns sehr darüber, dass wir die Chance bekommen, uns bei The Venture als einer der Finalisten zu präsentieren. Die sehr positive Rückmeldung seitens der Veranstalter hat unserem Team einen echten Motivationsschub gegeben.

Was hat Sie dazu bewogen am Wettbewerb Chivas The Venture teilzunehmen?
Der Wettbewerb Chivas The Venture wurde von verschiedenen Kontakten an uns herangetragen, beispielsweise über das Netzwerk des EIT Climate-KIC Accelerators, über den wir derzeit finanziert sind. Als dann noch Frank Thelen unter einem unserer Facebook Postings kommentierte, dass wir uns bewerben sollen, war klar, dass wir diese Chance nicht auslassen wollen.

Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein?
Wir spielen natürlich auf Sieg. Dadurch, dass es bei Coolar um ein handfestes Hardware-Konzept gepaart mit einer sozial-nachhaltigen Zielsetzung geht, glauben wir fest daran, Leute für unser Projekt begeistern zu können und würden dies auch gern auf der globalen Ebene des Chivas The Venture Wettbewerbs tun. Allerdings sind unsere Mitbewerber sicherlich auch bemerkenswerte Projekte mit starken Teams. Wir sehen das ganz daher sportlich und freuen uns erst einmal wahnsinnig über die Chance im Finale zu präsentieren!

Was sind Ihre Ziele für die nächsten fünf Jahre?
Kurzfristig wollen wir mit Pilotprojekten in medizinischen Einrichtungen zweifelsfrei nachweisen, dass das Coolar Kühlsystem die günstigste und nachhaltigste Lösung für die Aufbewahrung von Medizin und Impfstoffen in Entwicklungsregionen darstellt. Mittelfristig soll dann die Serienproduktion aufgebaut werden mit der möglichst viele Kühlgeräte für diejenigen Gesundheitseinrichtungen bereitgestellt werden, die Sie dringend zur Aufrechterhaltung der medizinischen Kühlkette benötigen. Parallel dazu wollen wir das Produkt weiterentwickeln, sodass es auch für Gastronomiebetriebe oder andere Kleinunternehmen und letztendlich auch für Privathaushalte attraktiv ist. Auch deutsche Haushalte mit freien Wärmekapazitäten z.B. aus Solarthermie-Installationen sind langfristig als Zielgruppe interessant. Wir wollen unsere nachhaltige Kühltechnologie so weit verbreiten wie möglich, um den größtmöglichen positiven Effekt für unsere Umwelt zu erzielen. Da unserer Meinung nach ein großer Hebel dafür in der nachhaltigen technologischen Entwicklung von momentan noch ärmeren Regionen liegt, planen wir mit dem Geld, das wir bei zahlungskräftigen Kunden (z.B. in Deutschland oder in Südeuropa) einnehmen, immer mehr nachhaltige Kühlgeräte in Entwicklungsregionen einzusetzen.

Zum Schluss: welche Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Es wird immer Rückschläge geben, wenn ihr aber an eure Idee glaubt und eure Argumentation mit Informationen aus robusten Quellen unterfüttert habt, dann lasst euch nicht entmutigen.

Bildquelle Coolar

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Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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