Internationaler Standard als Sprungbrett

Unternehmen, die in Zukunft Erfolg haben wollen, müssen auf die Stärken der Community setzen

Digitalisierung bedeutet immer Vernetzung, ganz gleich, ob firmenintern oder innerhalb einer Lieferkette bzw. eines Marktes. Unternehmen, die Digitalisierung rein auf die Analyse und Optimierung firmeninterner Abläufe reduzieren, werden ihre Kunden langfristig kaum halten können. Bei der Ausarbeitung einer Digitalisierungsstrategie sind vielmehr alle an der Supply Chain beteiligten Gewerbe zu berücksichtigen und einzubinden – von der einzelnen Abteilung über den Lieferanten bis hin zum Kunden und dessen Kunden. Je effizienter alle miteinander vernetzt sind, je transparenter der Informationsfluss, umso produktiver die Lieferkette. Das gilt für alteingesessene Konzerne und junge Unternehmen gleichermaßen.

Der Blick auf die individuelle Wertschöpfungskette reicht nicht mehr aus

Wenn ein produzierendes Unternehmen den Lagerbestand seines Lieferanten kennt, sinkt die Wahrscheinlichkeit von Materialengpässen gegen null, da frühzeitig auf Schwankungen reagiert und Lösungen gefunden werden können. Der Blick auf die individuelle Wertschöpfungskette reicht nicht mehr aus, es bedarf vielmehr eines kooperativen Wertschöpfungsnetzwerks, in dem Daten gesammelt, transparent allen Beteiligten zugänglich gemacht und einzelne Prozesse der Wertschöpfung für den Endkunden optimal aufeinander abgestimmt werden.

Wer mit erfolgreichen, bereits digital aufgebauten Start-ups und den Top 5 am Markt mithalten will, dem gelingt dies nicht als Einzelkämpfer, sondern nur als Teil einer vernetzten Community, von deren Stärke und Erfolg wiederum jeder Einzelne profitiert. 

Durch die immer stärkere Vernetzung werden internationale Standards vermehrt Benchmarks setzen und zur Erreichung gemeinsamer Ziele verpflichten – seien es Marktführerschaft, Kostenreduktion, weniger Ressourcenverbrauch oder mehr Umweltschutz. Dabei bedeutet eine vermehrte Standardisierung nicht automatisch Freiheitsentzug für den Einzelnen. In gleichem Maße wie der weitere Verlauf der Digitalisierung seine Grenzen zukünftig in Fragen der Ethik finden wird – etwa in Bezug auf Künstliche Intelligenz und Robotics –, geht die Debatte um internationale Standards fließend über in eine philosophische Polemik. Wo endet Freiheit und wo beginnt Freiheitsberaubung?

Wenn dem Einzelnen durch internationale Standards Auswahlmöglichkeiten genommen werden, ist er dann bereits in seinem Recht auf freie Entfaltung und eigene Entscheidungen beschnitten? Sicherlich gehen Standards in manchen Fällen mit einer gewissen Einschränkung einher. Führen sie aber zu besserer Leistung für den Einzelnen und die Community, haben sie dann nicht ihre Berechtigung?

Standardisierung ist heute einfacher denn je

Standardisierung ist nicht immer gleichzusetzen mit weniger Auswahl, vielmehr gibt der Einzelne Prozesshoheit in einem Teilbereich ab, um neue Vielfalt zu gewinnen. Schon heute werden Standards erfolgreich zum Zwecke des Umweltschutzes eingesetzt, etwa durch Recycling. Einwegverpackungen werden zukünftig ganz verschwinden und durch Mehrwegprodukte ersetzt. Das Gebot, die endlichen Ressourcen besser zu nutzen – sei es durch Recycling, eine automatisierte Logistik oder Verpackungsstandards –, ist längst bei der Mehrheit der produzierenden Gewerbe angekommen. Eine Standardisierung insbesondere im Verpackungs- und Logistikbereich ist schon heute einfacher denn je.

Durch die Verwendung standardisierter KLTs (Kleinladungsträger) wird alles gleich sortiert, verpackt und kann unmittelbar wiederverwertet werden. Standards sind hier nicht der Feind, sondern die Lösung des Problems. Halten sich alle an die gleichen Verpackungsstandards, gehören verpackungsintensive Sonderkonfektionierungen bald gänzlich der Vergangenheit an. Was langsam auch im Lebensmittelhandel ankommt, gehört heute in vielen Industriebereichen schon längst zum Alltag. Erhöht man anhand international geltender Standards den Druck auf die Nachzügler, bleibt ihnen nur der Weg in die Community, wodurch wiederum neue Maßstäbe für andere Sektoren gesetzt werden.

Im Zuge der globalen Vernetzung verlieren Nationalitäten an Stellenwert, der Trend geht eindeutig hin zu größeren, eng vernetzten Staatseinheiten. Dank der Digitalisierung wird es künftig nicht mehr darauf ankommen, wo jemand studiert hat oder wo er lebt. Eine globale Einsatzfähigkeit, das Arbeiten von jedem Ort aus und zu jeder Zeit macht den klassischen 9-to-5-Job obsolet. Hat jeder Mitarbeiter eines Unternehmens von einem beliebigen Ort zu einer beliebigen Zeit Zugriff auf sämtliche Daten, sind alle Informationen für alle Beteiligten transparent, können gute Mitarbeiter gebunden werden, auch wenn sie nicht unternehmensnah wohnen.

Die Versteifung auf isolierten Individualismus und Produkthoheit wird sich sukzessive als nicht tragfähig erweisen

Ein Unternehmen, das um jeden Preis seine eigenen, allein entwickelten Produkte durchsetzen will, wird es schwer haben, sich am digitalen Markt zu behaupten, denn die maßgebliche Ausrichtung an den Kundenbedürfnissen gelingt nur durch Total Customer Solutions. Die Produkte werden von den Kundenbedürfnissen vorgegeben und in intensiver Zusammenarbeit mit dem Kunden und anderen Beteiligten aus dem Wertschöpfungsnetzwerk entwickelt. So wird nicht nur der individuelle Kundennutzen gesteigert, sondern der Nutzen für die gesamte Community. Wissen gilt es nicht mehr um jeden Preis geheim zu halten und zu schützen, sondern gewinnbringend mit dem Kunden zu teilen. Die Formel, die hinter einer erfolgreichen Digitalisierungsstrategie steht, lautet: Wissen in Form von Daten & Services in Form von Customer Experience (CX).

Buchtipp: „Digital Insights – Digitalisierung: 7 Sichtweisen aus der Praxis“

Weiterführende Informationen zum Thema und zum Autor Matthias Koppe finden sich im Buch „Digital Insights – Digitalisierung: 7 Sichtweisen aus der Praxis“, in dem sieben erfolgreiche Interim Manager direkt aus der Praxis berichten und Megatrends, technische Innovationen sowie unternehmerische, prozessuale, ethische, gesellschaftliche und globale Fragen beleuchten. „Digital Insights – Digitalisierung: 7 Sichtweisen aus der Praxis“ ist im Best Practice Verlag erschienen und kostet 39,90 Euro. Weitere Informationen: https://bestpractice-media.de/digital-insights-digitalisierung-7-sichtweisen-aus-der-praxis

Matthias Koppe

Matthias Koppe ist gelernter Maschinenschlosser und Dipl.-Ingenieur im Maschinenbau mit Schwerpunkt Logistik, Fertigung und Konstruktion. Als Interim Manager und Berater begleitet er KMU und internationale Konzerne aus den Bereichen Maschinenbau, industrielle Fertigung, Automobilindustrie, Energiewirtschaft sowie Luftfahrt, Transport und Logistik. Seine Erfahrung in der IT, dem Qualitäts-, Lieferanten- und Projektmanagement macht ihn zum ganzheitlichen Strategen, der komplexe technologische Prozesse genauso optimiert wie menschliche Leistungspotenziale.

www.koppe-interim.de

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