Freitag, Oktober 7, 2022

Comidio: Anonymisierung durch die TrutzBox

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Sabine Elsässer
Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

Comidio – anonym und sicher im Internet bewegen

Stellen Sie sich und Ihr Startup Unternehmen Comidio doch kurz vor!
Comidio wurde 2014 gegründet, um die Privatsphäre der Internetnutzer zu schützen. Dafür wurde die sogenannte TrutzBox entwickelt. Mit dieser Box können sich Haushalte und auch Kleinstunternehmen anonym und sicher im Internet bewegen, ohne die üblichen werbe- und trackingrelevanten Spuren zu hinterlassen. Die TrutzBox ist dabei einfach zu installieren, bietet auch sicheres E-Mailen zwischen TrutzBox-Usern. So können über eine verschlüsselte VPN-Verbindung zur heimischen Box auch alle mobilen Geräte wie Smartphone oder Tablet von unterwegs geschützt genutzt werden. Ferner beinhaltet die Box auch einen Kinder- und Jugendschutz vor ungeeigneten Webseiten. Eine gute Nachricht für Eltern, die so für jedes Kind an jedem Gerät individuell gestaffelt Webseiten freigeben bzw. sperren können. Wir arbeiten gerade an einem verschlüsselten Video- und Audio-Chat, um über die Box eine unabhängige und sichere Kommunikation zu ermöglichen.
Das Internet sollte eine demokratische Plattform sein, und wir unterstützen es darin: Keine Datensammler, kein Werbemüll für TrutzBox User.

Wie ist die Idee zu Comidio entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Die Idee entstand auf der Erkenntnis, dass im Internet überall permanent, unbemerkt und ohne unsere Zustimmung unser Surfverhalten, unsere Vorlieben und vieles mehr professionell aufgezeichnet und ausgewertet werden. Diese Informationen werden dann für immer gespeichert und zum Verkauf angeboten. Wer bekommt schon mit, dass beim Aufruf eines Magazins im Internet auch gleich zehn andere Seiten und Verlinkungen geöffnet werden, die alle eines wissen wollen: Was macht der Nutzer, wo kommt er her, wo geht er hin? Auf der Basis haben wir uns – die wir alle alte Hasen im Geschäft sind – zu dieser guten Sache zusammengefunden. Wir decken dabei alle unterschiedlichen Fachkompetenzen in unserem Team ab. Entscheidend ist, dass wir dem Bürger ein Stück Sicherheit, Eigenkontrolle über seine Daten und seine Privatsphäre und dadurch Selbstbestimmung zurückgeben wollen – gegen die Milliardenkonzerne wie Google und Co.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Zunächst musste die Lösung konzipiert und dann programmiert werden. Unsere Lösung ist vollständig quelloffen. Transparenz ist oberstes Gebot. Das ist nicht trivial, weil zunächst eine ausgedehnte Analyse stattfinden musste. Was passiert beim Surfen im Web, wer trackt mit welchen Methoden die Bewegungen mit: Das sind die entscheidenden Fragen. Die Analysephase endete dann in einer Beta-Phase, in der die Technik ersten Einsatz fand und Mängel oder Einschränkungen im Betrieb behoben wurden. Da wir kein Hardwarehersteller sind, war die Suche nach der richtigen Hardwareeine Herausforderung. Kosten und Leistungen, und vor allem die nötigen Stückzahlen, die bestellt werden müssen, sind wohl zu überlegen. Wir finanzieren uns bisher komplett aus der eigenen Tasche. Da wir alle bereits einige Aufgaben im Leben erfüllt haben, war das möglich – zu weiterem Wachstum benötigen wir jedoch Investoren.

Wer ist die Zielgruppe von Comidio?
Die Zielgruppe sind Menschen, die sich der Risiken des Internets bewusst sind. Ob dauernde Werbeeinblendungen oder Tracker, die jegliche Bewegung im Internet ausspähen: Wer diese Gefahren kennt, konnte sich bisher nur mühselig und aufwändig schützen. Mit der TrutzBox benötigt man erstmalig keine technischen Vorkenntnisse. Wir geben mit der TrutzBox dem mündigen Bürger die Macht über seine Internetdaten zurück – Analyse, Auswertung und spezifische Sperrung verschiedener Wege liegen in den Händen der User.

Wie funktioniert die TrutzBox?
Die TrutzBox ist zunächst wirklich eine Box. Sie ist ungefähr doppelt so groß wie eine Zigarettenschachtel und wird an den vorhandenen Internet-Router angeschlossen. So schaltet sich die Box zwischen die Endgeräte und den Router, eine FRITZ!Box beispielsweise. Nach wenigen Minuten ist die TrutzBox eingerichtet und betriebsbereit. Der Benutzer surft wie gewohnt, kann aber jetzt sehen, welche Spuren er ab sofort vermeidet, und er kann selbst entscheiden, bei welchen Seiten und Kaufprozessen er Daten freigibt und in welchem Umfang. Die Anonymisierung verschleiert das verwendete Gerät und andere personenbezogene Daten, die üblicherweise im Netz getrackt werden, um die Person und den sozialen Status sowie Interessen einzugrenzen. Stattdessen spiegelt die TrutzBox ein „Allerweltsprofil“ vor, das für Datenhändlernutzlos ist.
Außerdem beinhaltet die Box einen Mailserver, mit dem Ende-zu-Ende voll verschlüsselt kommuniziert werden kann. Hierzu muss allerdings die Gegenstelle wahlweise auch PGP-Verschlüsselung nutzen, oder eine eigene TrutzBox haben.
Wer viel unterwegs mit seinem Mobiltelefon oder Tablet surft, kann ebenso die Vorteile der Box nutzen: Per VPN ist ein Zugriff von extern möglich, damit wird auch der Traffic von unterwegs anonymisiert. Die TrutzBox beinhaltet auch eine Liste von Webservern mit bedenklichen Inhalten und bekannten Schadfunktionen; diese Liste wird von Comidio ständig aktualisiert. So kann für PCs oder für gefährdete Personengruppen wie z.B. für Kinder und für Jugendliche der Zugriff auf bedenkliche Inhalte eingeschränkt werden. Über diese Funktion können auch die neugierigen Zugriffe von Herstellern auf Smart-Home-Devices wie Fernseher, Fitness-Armbänder oder mobile Geräte beschränkt werden.

Comidio, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Wir hoffen und wünschen uns, dass wir in fünf Jahren das Mittel der Wahl zur Wahrung der Privatsphäre im Internet sind. Durch das Internet of Things wird die Ausspähung und Nutzung unserer Daten im Internet noch weiter zunehmen: Bereits heute gibt es Firmen und Institutionen, die Scorings vornehmen, um darauf basierend Kunden zu beurteilen und in Risikoklassen einzuteilen. Das kann beispielsweise zu Problemen bei Auslandreisen, Jobsuche, Kreditvergabe, Versicherungen führen, oder dazu, dass Personengruppen für das gleiche Produkt im Internet unterschiedliche Preise angezeigt werden. Dem wollen wir entgegentreten und auch dafür eine vertrauenswürdige Marke aufbauen. Bisher kann kein Produkt diese Sicherheit und Funktionsvielfalt bieten, das unterstützt unsere Zielsetzung.

Zum Schluss: Welche Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Durchhalten, Optimismus bewahren, Mut und Hoffnung nicht verlieren. Wer für eine gute Sache kämpft, soll sich auch treu bleiben und dem Vertrauen der Kunden gerecht werden. Die Auswahl des richtigen Teams ist auch entscheidend: Denn es gibt mehr zu tun, als man manchmal glaubt. Daher sollten kleine Rückschläge eher stark machen, als verunsichern.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Hermann Sauer für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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