Beharrlichkeit, Selbstdisziplin und der Glaube an die eigene Idee sind unabdingbar

Codedfood erleichtert Menschen mit Nahrungsmittelallergien und/oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten die Suche nach einem passenden Restaurant

Stellen Sie sich und das Startup codedfood doch kurz unseren Lesern vor!
Codedfood ist eine ist eine App, die die Speisekarten teilnehmender Restaurants anhand der EU-weit kennzeichnungspflichtigen Hauptallergene auf dem eigenen Smartphone dahingehend filtert, dass jeder Mensch mit Nahrungsmittelallergien und/oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten wieder sorgenfrei essen gehen und genießen kann, indem er vorab „seine“ Speiseangebote sieht. Hinter der Geschäftsidee stecke ich, Heike Maria Bähr, Solo-Unternehmerin und selbst Betroffene von Nahrungsmittelunverträglichkeiten/-Allergien seit vielen Jahren.

Die Idee zu codedfood ist in einer ganz alltäglichen Situation entstanden, in der ich wenig Zeit und großen Hunger hatte: in einer ganz gewöhnlichen Mittagspause.

Mit meinen Nahrungsmittelunverträglichkeiten ist eine qualitative Mittagspause, mit einer guten Mahlzeit, utopisch. Da ich nichts zu essen, aber mein Smarthone zur Hand hatte, hatte ich das Ersatzbedürfnis zu shoppen. Dabei ist mir aufgefallen, dass im Internet alles mit Filtern so einzuschränken ist, dass man schließlich nur noch eine geringe Auswahl deren Produkte erhält, nach denen man sucht. Zeitgleich lief eine Reportage im Radio über eine App namens codeddress/codedcloth, an den genauen Namen erinnere ich mich nicht mehr. Aber ich habe mir gedacht, warum gibt es nicht auch codedfood? Eine App, die mir ausschließlich die Speisen aus den einzelnen Speisekarten der Restaurants anzeigt, die ich genussvoll – und mal eben – essen kann. Das war die „Geburtsstunde“ meiner Geschäftsidee und das Kind hatte gleich einen Namen.

Warum haben Sie sich entschieden ein Unternehmen zu gründen?
Ich habe mich nicht sofort entschieden zu gründen, am Anfang waren die Zweifel groß, zumal ich in einem „sicheren“ Angestelltenverhältnis in leitender Funktion in Vollzeit tätig bin und mich in einer gewissen Komfortzone bewege. Je mehr ich allerdings über mein Vorhaben gesprochen habe, umso mehr kam positives Feedback. Der soziale Aspekt in meinem Unternehmen wurde sehr schnell erkannt und die Unterstützung von allen Seiten nahm deutlich zu: durch meine Familie und Freunde, meinen Arbeitgeber und nicht zuletzt durch das Social Impact Lab Duisburg.

Das waren meine Antreiber zu gründen.

codedfoodWelche Vision steckt hinter codedfood?
Menschen mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder gar Nahrungsmittelallergien erfahren oft eine subjektiv empfundene Stigmatisierung und scheuen sich zunehmend ein ihnen unbekanntes Restaurant zu besuchen. Sie müssen sie sich absichern, dass ihre gewählte Speise frei von bestimmten Zutaten ist, die entsprechende Unverträglichkeiten oder Allergien auslösen. Dies ist nicht immer ganz einfach. Entweder die Hauptallergen in den Speisekarten sind mit Zahlen und Buchstaben kodiert oder es muss eine Allergenkarte eingefordert werden. In jedem Fall erfordert es immer eine Beratung durch das Servicepersonal im Restaurant. Hier entsteht schnell ein Überforderungsmoment, da das geschulte Servicepersonal oft die offensichtlichen Hauptallergene benennen kann, beispielsweise enthält gewöhnliche Pasta Gluten oder eine Sahnesauce enthält Milch – aber was enthält die in der Küche verwendete Gewürzmischung? Hier sind oft versteckte Allergene enthalten, die dem Servicepersonal nicht bekannt sind.

Der Gast hält in diesen Momenten die Arbeitsabläufe im Gastronomiebetrieb auf. Das merkt er selbst und auch das Servicepersonal gerät in solchen Situationen unter Druck. Keine schöne Situation für keinen der Beteiligten. Codedfood kann diesen Vorgang erleichtern, indem der Gast bereits vorab die Speisekarte des infrage kommenden Restaurants auf seinem Smartphone, unterwegs oder zu Hause, einsehen und anhand seiner Hauptallergene filtern kann. Somit sieht jeder Nutzer von codedfood was er in welchem Restaurant verzehren kann und zwar ausschließlich das. Natürlich steht dem gegenüber auch die gesamte Speisekarte.

Ich habe die Vision, dass jeder Mensch mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten wieder barrierefrei das Ereignis der gesellschaftlichen Teilhabe in Form eines Restaurantbesuches genießen kann.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Die größte Herausforderung kann ich gar nicht so genau definieren, es gibt viele verschiedene Herausforderungen auf unterschiedlichen Ebenen. Schaffe ich den Markteintritt? Bringe ich die Selbstdisziplin und notwendige Zeitmanagement auf, um die Familie, das Angestelltenverhältnis und meine Selbstständigkeit unter einen Hut zu bringen? Um zumindest das finanzielle Risiko nicht zu sehr auszureizen, habe ich mein Unternehmen bisher aus eigenen Mitteln finanziert. Über die Unterstützung eines Business Angels, der mich mit seinem Wissensfundus, seinem Netzwerk und einem gewissen Maß an Kapital unterstützt, würde ich mich jetzt allerdings sehr freuen.

Wer ist die Zielgruppe von codedfood?
Die Zielgruppe von codedfood ist auf der einen Seite die Gastronomiebranche und auf der anderen Seite der Restaurantbesucher, und somit der App-Nutzer.

Ich bringe beides auf eine unkomplizierte Weise gesellschafts- und gesetzeskonform zusammen.

Wie funktioniert codefood?
Das Prinzip von codedfood funktioniert auf eine ganz simple Art und Weise. Der Gastronom/Restaurantinhaber loggt sich über die die Website www.codedfood.com in das Portal ein und legt dort seine Gerichte, einschließlich der kennzeichnungspflichtigen Hauptallergene, an. Noch einfacher ist es für den Gastronom mich kurz zu kontaktieren und ich übernehme die Pflege der Speisekarte für ihn.
Der App Nutzer legt nach dem Download im jeweiligen App-Store sein Profil an und markiert seine Hauptallergene. Codedfood matched dann die in Frage kommenden Gerichte, so dass jeder App-Nutzer ausschließlich unter „meine Gerichte“ jene Speisen angeboten bekommt, die er in dem jeweiligen Restaurant verzehren kann.

Unter „alle Gerichte“ ist die gesamte Speisekarte hinterlegt, so dass auch alle anderen Gerichte eingesehen werden können.

Wie ist das Feedback?
Bisher ist das Feedback sowohl vonseiten der Gastronomiebetriebe als auch vonseiten der App-Nutzer sehr positiv. Gastromonen beschreiben eine Erleichterung im Führen ihrer Allergenkarte und in Bezug auf die Optimierung ihrer Betriebsabläufe im Alltagsgeschäft. Ich höre immer wieder, dass unglaubliche viele unterschiedliche Bestimmungen erfüllt sein müssen und das wenig Zeit vorhanden ist, um alle Allergene und Zusatzstoffe nachzuhalten. Umso erleichternder wird es empfunden, wenn die Aufgabe der Allergenkennzeichnung – und zukünftig auch der Zusatzstoffe – auf einfache Weise digital und analog durch codedfood hinterlegt wird.

Die App-Nutzer beschreiben ebenfalls eine große Erleichterung. Bisher wurde mir zurückgemeldet, dass die App gut funktioniert und der Gast durch seine Unverträglichkeiten wieder „ganz normal“ essen gehen kann. Das spart Zeit, Nerven und nimmt gibt einer möglichen Stigmatisierung keine Anhaltspunkte. Das schönste Feedback was ich von Nutzern von codedfood bekommen habe war, dass es ihnen während und nach dem Restaurantbesuch einfach gut ging und sie den Abend mit ihrem Gegenüber uneingeschränkt genießen konnten.

codedfood, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Wünschenswert ist ein flächendeckendes Angebot an teilnehmenden Restaurants, so dass Menschen im gesamten Bundesgebiet überall uneingeschränkt essen gehen können – sowohl in den Städten als auch in den ländlichen Gebieten. Dazu ist eine Zunahme der teilnehmenden Restaurants dringend erforderlich, so dass Gäste mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten/-Allergien eine bessere und höhere Auswahl an teilnehmenden Restaurants erhalten und somit ihren Wirkungskreis erweitern können.

In fünf Jahren ist dieses Ziel idealerweise erreicht.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründerinnen mit auf den Weg geben?
Durchhalten, durchhalten und durchhalten…

Beharrlichkeit, Selbstdisziplin und der Glaube an die eigene Idee sind unabdingbar. In der Gründungsphase gibt es unglaublich viele Höhen und Tiefen und manchmal fühlen sich die Tiefen nach einem völligen Versagen auf ganzer Linie an. Umso wichtiger ist es einen guten Austausch mit anderen Gründern zu haben, denen es ganz ähnlich geht. Geht raus, besucht Netzwerkveranstaltungen, redet miteinander und sorgt auch für einen ganz persönlichen Ausgleich, der bei jedem anders aussehen kann (bei mir ist es der Sport). In dieser Kombination könnt ihr gut für euch sorgen und das eigene, wie auch das gemeinsame Brennen, zu einem noch größeren Feuer entfachen.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Heike Maria Bähr für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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