Sprecht „Einfach“ mit euren Kunden

Codamic Webseiten, Webshops, Apps: Für Startups bieten wir mit RELAS einen Web-Desktop an

Stellen Sie sich und das Startup Codamic doch kurz unseren Lesern vor!
Hallo, mein Name ist Daniel Mertins. Ich habe 2010 mit einem Kollegen aus der Ausbildung zum Fachinformatiker im Statistischen Bundesamt meine erste Firma gegründet. Wir haben PC-Schulungen für Senioren gegeben, Laptops repariert, Webseiten entwickelt. Mit der Softwareentwicklung habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht. Mit 14 habe ich meinen ersten PC bekommen. Da habe ich angefangen Spiele zu entwickeln. Erst in VB / VBA, später im Web. Mit zwei Browsergames, die ich eher aus Langeweile programmiert habe, bekam ich einen Überblick über viele Technologien. Ich erweiterte meinen Horizont mit der Backend-Entwicklung in Java.

Wie ist die Idee zu Codamic entstanden?
„Du hast doch was mit PCs zu tun. Kannst du da mal…“. Die typischste Frage, die ein IT-ler gestellt bekommt. Meistens von Verwandten. Als dann aber die erste Anfrage kam, ob ich ein größeres Projekt mit Bezahlung übernehmen möchte, war ich quasi gezwungen ein Unternehmen zu gründen um Rechnungen ausstellen zu können. Es entstand eine GbR, die Aufträge wurden mehr, ein erster Mitarbeiter kam 2015 hinzu. Daraus folgte eine Neugründung als Codamic Innovations UG. Neben den Projektarbeiten für Kunden wollten wir aber auch ein Produkt entwickeln, dass uns langfristig finanzieren soll.

Da wir bereits eine eigene Kunden-, Termin-, und Rechnungsverwaltung entwickelt hatten (wir waren mit bestehenden Lösungen nicht zufrieden, da diese nicht so konfigurierbar waren, wie wir es benötigten oder aber zu kompliziert), entschieden wir uns dazu, aus unserer Lösung ein Produkt zu machen. Das ist unser heutiges RELAS-Office. Auf der CeBit 2017 haben wir es vorgestellt und die Reaktionen waren durchweg positiv. Es wurde unter anderem „SAP-Light“ genannt, das hat uns ziemlich stolz gemacht.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Die größte Herausforderung für uns ist Vertrieb und Marketing. Wir sind Programmierer und es fällt uns schwer unser Produkt so darzustellen, dass es glänzt. Ein Marketing-Mensch oder ein Vertriebler finden die richtigen Worte um ein Produkt so anzupreisen, dass potentielle Kunden darauf reagieren.

Finanziert haben wir uns komplett selbst. Wir (zwei) Gründer haben Grundkapital für ein Büro und Möbel investiert. Darin waren Kaution, Makler-Provision und die ersten drei Monatsmieten. Durch die ersten Kundenprojekte haben wir aber sehr schnell eine finanzielle Null-Line erreicht und uns durch Auftragsarbeiten finanzieren können. Danach ging es immer weiter bergauf.

Codamic Daniel Mertins
Daniel Mertins

Wer ist die Zielgruppe von Codamic?
Grundsätzlich arbeiten wir mit B2B Kunden, die Unterstützung im Web / App Bereich suchen. Weiter eingeschränkt ist die Zielgruppe für die Firma nicht, denn die Entwicklung ist grundsätzlich immer gleich. Wir haben eine Lasertag-Halle, Friseure, andere Softwarehäuser, große Reiseveranstalter, einen Buchverlag und mehr im Portfolio.

Mit unserer RELAS-Software gehen wir nun branchenspezifischer vor. RELAS-Office ist hauptsächlich für Startups gedacht um die Büroverwaltung zu vereinfachen, Hairbooker.de ist für Friseurbetriebe, die eine Online-Termin-Reservierung anbieten wollen.

Welchen Service bieten Sie an?
Zum einen die Entwicklung im Web. Darunter fallen Webseiten, Apps, Webshops und Webanwendungen. Wir arbeiten mit verschiedenen Designern (eigene und auch vom Kunden), Anwälten und externen Entwicklern.

Für Startups bieten wir mit RELAS einen Web-Desktop an. Dies ist ein Desktop, wie man ihn von Windows/Linux/Mac kennt, allerdings vollständig über eine Weboberfläche. Somit kann man per Laptop, PC, Tablet, Smartphone und mehr auf seinen Desktop zugreifen. Man erhält überall und jederzeit Zugriff auf seine Daten, egal ob beim Kunden, im Office oder im Workspace.

Derzeit sind weitere branchenspezifische Produkte geplant. Wir arbeiten allerdings immer mit mindestens einem Unternehmen aus der jeweiligen Branche zusammen um ein bestmögliches Produkt für eben diese Branche zu erhalten.

Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?
Individualität. Wir haben kein Produkt von der Stange. Sowohl unsere Webseiten als auch die sonstigen Entwicklungen (inkl. RELAS) sind auf die jeweiligen Betriebe oder Branchen angepasst. Dank langjähriger Erfahrung in der Entwicklung (inzwischen fast 15 Jahre) finden wir schnell und zuverlässig eine passende Lösung für unsere Kunden.

Wie ist das Feedback?
Wir haben heute noch unsere allererste Kundin unter Vertrag. Mit ihr zusammen haben wir inzwischen zwei Webseiten entwickelt und als unser RELAS-System fertig war, hat sie sich als Testerin der Online-Terminreservierung für Ihr Friseurgeschäft angeboten. Mit inzwischen über 700 Online-Buchungen in 10 Monaten ein voller Erfolg. Der Papierkalender wurde eingelagert und es wird ausschließlich das RELAS-System für die Verwaltung der Termindaten genutzt.

Weitere langjährige Kunden bestätigen uns auch immer wieder gerne, dass die individuellen Webseiten und Webanwendungen, die Kosten senken (weniger Telefonanrufe durch Online-Buchung, schnellere Verwaltung der Kundendaten und Rechnungen) und die Kundenzufriedenheit steigen lässt.

Codamic, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Google, Amazon, Facebook, SAP, Salesforce, Codamic Innovations. In dieser Reihe. Zugegeben ist das natürlich ein sehr hohes Ziel, aber ich denke, je größer der Traum, desto mehr arbeitet man auch darauf hin und desto mehr kann man erreichen.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Tipp 1) Habt einen Steuerberater. Die kosten zwar eine Menge Geld, aber das Finanzamt ist alleine nicht zu bewältigen. Auf lange Sicht kostet es mehr, wenn man versucht das alles selbst zu machen.

Tipp 2) Sprecht „Einfach“ mit euren Kunden. In der Regel wollen Kunden eine Dienstleistung weil Sie selbst es (was auch immer es sein mag) nicht können. Bei einem Produkt suchen die Kunden eine Vereinfachung (von was auch immer). Auf jeden Fall wollen Sie nicht mit Fachwörtern (beispielsweise technisches oder BWL) bombardiert werden. Wenn wir einem Geschäftsführer erklären wollen, warum wir unsere Systeme in Docker Containern lagern und warum ein Bundling im Webfrontend wichtig ist, oder was die Testautomatisierung mit Jenkins für Vorteile hat, schaltet er in der Regel ab. Es interessiert ihn grundsätzlich nur die Dienstleistung / das Produkt. Das muss er verstehen, am besten in seiner eigenen Sprache.

Ein weiterer Grund für eine einfache Sprache: Zu oft redet man aneinander vorbei. Die einzelnen Gewerke oder Branchen nutzen manchmal dasselbe Wort für unterschiedliche Dinge. Fragt mal einen Programmiere und einen Designer, was er meint, wenn man sagt „Der Abstand oder die Flucht stimmt nicht“. (Wer keine Kollegen zur Hand hat: Der Designer schaut auf Höhen und horizontale Ausrichtungen, der Programmierer eher auf Breiten und vertikale Ausrichtungen eines Entwurfes). Wenn das bei euren Kunden passiert, habt ihr ein Problem.

Tipp 3) Es gibt den schönen Satz „Schuster, bleib bei deinen Leisten“. Haltet euch daran. Denn wenn ein Designer anfängt eine Webseite zu programmieren, mag das zwar irgendwie funktionieren, aber der Programmierer wird die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Andersherum genauso. Wenn der Programmierer Design macht, sieht das am Ende doch eher unspektakulär aus. Und so weiter. Das gilt für alle Bereiche. Holt euch Hilfe, wenn ein Bereich nicht euer Fachgebiet ist. Nur so kann ein gutes Produkt oder eine gute Dienstleistung entstehen.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Daniel Mertins für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer ist 39 Jahre jung, Gründerin und leitende Redakteurin der StartupValleyNews. Ihre Karriere startete sie in verschiedenen internationalen Direktvertriebsunternehmen. Seit 2007 ist sie hauptberuflich als Journalistin tätig. Während dieser Zeit lernte sie die Startup-Szene kennen und schätzen, was Sie dazu bewogen hat mit StartupValleyNews ein internationales Startup Magazin aufzubauen!

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