Mutig handeln

ClickStraw Mehrweg Trinkhalm der sich zum Reinigen einfach öffnen lässt

Stellen Sie sich und das Startup Hely Produkte doch kurz unseren Lesern vor!

Wir, das sind die Gebrüder Frank und Philip Healey aus Bonn. In unserem Startup arbeiten wir seit ca. 1,5 Jahren an unserem Debut-Produkt ClickStraw Mehrweg Trinkhalm und sind nun soweit an den Markt zu gehen! Unsere Firma, Hely Produkte, entwickelt und vertreibt Produkte im haushaltsnahen Umfeld, dabei steht das Thema Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung immer im Fokus unserer Bemühungen.

Hinter uns liegen 1,5 emotionale und arbeitsreiche Jahre. Diese Zeit hat uns bis vor die Tore der Höhle der Löwen geführt. Dort mussten wir uns aufgrund gebrochener Hersteller-Zusagen kurzfristig wieder zurückziehen. Aber wir haben nicht aufgegeben, sondern unsere Ziele konsequent weiter umgesetzt. Wir sind angetreten, um ein 5000 Jahre altes Produkt, den Trinkhalm, neu zu erfinden. Und genau das haben wir geschafft.

Warum haben Sie sich entschieden ein Unternehmen zu gründen?

,,Baue deinen Traum oder jemand stellt dich ein, um seinen Traum zu bauen“. Vielleicht bin ich zu stur, aber ich konnte mir nicht vorstellen mich für eine Mission zu begeistern die nicht meine Eigene ist und Ownership zu entwickeln, unter der Führung von Menschen die eigentlich keine Führung können. Und eine Beschäftigung ganz ohne Ownership käme für mich nie in Frage, da man sich wirklich jeden Tag die Frage stellen muss: warum gehe ich überhaupt hin? Unser Elternhaus gab uns den unternehmerischen Mindset sozusagen mit und nun war es an der Zeit was Eigenes aufzubauen. Der ClickStraw wird erst der Anfang für viele weitere Produkte sein. 

Ich habe also eine Marktlücke identifiziert und mich entschieden zu handeln. Immer häufiger fand ich dabei die Unterstützung meines Bruders, der mit seiner langjährigen betriebswirtschaftlichen Berufserfahrung stets wertvolle Tipps gab. Er erkannte das Potential des ClickStraw und stieg als Sidepreneur ins Unternehmen ein. 

Welche Vision steckt hinter ClickStraw?

Es mag sich abgedroschen anhören, aber es ist die Wahrheit. Wir hatten ein Bedürfnis, für das es noch kein passendes Produkt gab und wir wollen die Welt besser machen. 

Egal wo wir in der Welt hinreisen, unser Müll ist uns voraus. Viele Start-ups haben sich daran versucht, einen umweltverträglichen Einweg-Trinkhalm zu entwickeln. Dabei sind die abenteuerlichsten Produkte aus vielen Materialien entstanden. Stroh, Apfel und sogar Pasta Trinkhalme – um nur einige zu nennen. Das wirkliche Problem dahinter wurde nicht verstanden. Die Mentalität hinter ,,single-use“ ist das, was unseren Planeten schädigt. Man stelle sich vor, welchen wertvollen Dienst Äpfel, Stroh und Pasta leisten, gerade in unterentwickelten Ländern. Und dann entwickelt man ein Produkt aus einem Rohstoff, der eigentlich Nährstoffe liefern soll, um ein Getränk zu sich zu nehmen. Wenn das nicht schon schlimm genug wäre, wird dieses Produkt dann auch noch nach einmaliger Nutzung entsorgt. All dieses Potential und die verschwendete Energie für einen kurzen Trinkspaß. Es ist grotesk.

Trotzdem muss Nachhaltigkeit auch praktikabel sein, sonst wird sie vom Verbraucher nicht angenommen.

Dieses Problem haben gewöhnliche Mehrweg Trinkhalme, der Mehraufwand durch die Reinigung ist einfach zu hoch. Nachhaltigkeit darf nicht mehr Synonym für Kompromiss stehen. Unsere Produkte müssen so praktikabel sein wie sie nachhaltig sind. Nur so können wir unseren Planeten retten! Denn der beste Trinkhalm der Welt muss nicht umständlich gereinigt werden und landet auch niemals im Müll! Natürlich rettet ein Trinkhalm allein nicht die Welt aber die Absicht hinter dem Produkt ist ganz klar eine Verbesserung der aktuellen Situation herbei zu führen. Dabei ist uns klar geworden, dass wir auch noch mehr tun können und wollen deshalb das 1 x 1 Prinzip umsetzen. Für jede gekaufte Packung ClickStraws wird 1 KG Ozean Abfall aus dem Meer geholt. Jeder Halm zählt!  

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?

Die größte Herausforderung für den Entwicklungsprozess des ClickStraw war das Prototyping. Der 3D Druck bietet nur eine kleine Palette an möglichen Materialien und selbst der Industrie-3D Druck kann die Materialien, die in der Serie eingesetzt werden, bestenfalls simulieren. Da wir aber sowohl das Filmscharnier als auch den Verschluss-Mechanismus testen mussten, brauchten wir ein Material mit sehr spezifischen Anforderungen. Es muss weich genug sein, dass sich das Scharnier überhaupt bedienen lässt und gleichzeitig hart genug, damit der Verschluss funktioniert. Wir haben insgesamt 1,5 Jahre lang über 30 verschiedene Designs testen müssen. Von ineinandergreifenden Krallen zu starren Schienen, war alles dabei. Sogar eine zweiteilige Lösung wurde entwickelt, aber aufgrund ihrer unpraktischen Anwendung wieder verworfen. Schon kleinste Veränderungen zwischen der Wanddicke des Scharniers und des Verschlusses haben den Trinkhalm direkt unbrauchbar werden lassen. Es war viel Tüftelei nötig, um die richtige Kombination herauszufinden! 

Die Schwierigkeiten endeten aber nicht mit der Prototyping-Phase. Auch als die finale Geometrie beschlossen und getestet war, rissen die Probleme nicht ab. Unser Hersteller in Deutschland konnte das Teil, trotz Zusage und geleisteter Vorkasse, auch nach 6 Monaten nicht erfolgreich fertigen. Wir mussten sogar unsere Teilnahme, mit unterschriebenen Verträgen und bestätigtem Sendetermin, in der Show „Die Höhle der Löwen“ kurzfristig absagen, weil der Hersteller seine Zusagen nicht einhalten konnte. Das war ein schwerer Rückschlag und zeigt einmal mehr, dass man auf alles gefasst sein muss, wenn man neue und innovative Produkte entwickeln will.

Letztlich mussten wir den Hersteller wechseln und konnten nun, trotz finanzieller Verluste, Serienmuster fertigen. Auch hier haben wir wieder auf Kompetenz aus Deutschland vertraut. Wir haben den Glauben an unsere Idee nie aufgegeben. Wer neue Wege gehen will, der muss sich darauf einstellen Hindernisse zu überwinden.

Der Unterschied zwischen Erfolg und Versagen ist: Aufgeben. Wer niemals aufgibt, der kann auch nicht verlieren. 

Bis jetzt sind mehr als 50.000 EUR in die Entwicklung des ClickStraws geflossen. Komplett aus eigenen Ersparnissen. Boot-Strapping wie man so schön sagt. Trotzdem haben wir es geschafft die Serienvorbereitungen abzuschließen. Wir haben Schutzrechte, Homepage, Keimtests, Musterformen und vieles mehr finanzieren können. Jetzt stehen wir kurz vor dem Anstoßen der Serienbestellung und da brauchen wir nochmal einen Push! Deswegen haben wir uns für eine Crowd-Finanzierung entschieden und ein Kickstarter-Projekt ins Leben gerufen. Mit der Hilfe von Familien, Freunden und Kickstartern werden wir den ClickStraw endgültig zu einer Erfolgsgeschichte machen!

Wer ist die Zielgruppe von ClickStraw?

Obwohl der ClickStraw eine sehr intuitive Lösung ist, wollen wir uns nicht einfach auf dem Reinigungs-Vorteil ausruhen. Ja, der ClickStraw wird besser, einfacher und schneller sauber als jeder andere Mehrweg-Trinkhalm und ja, unsere Keimtests haben ergeben, dass ClickStraw nach dem Spülen in der Spülmaschine sauberer ist als Halme aus Glas oder Bambus, aber das ist nicht alles. Unser Ziel ist es die Welt nachhaltig zu verbessern. Natürlich tut das jeder der den ClickStraw kauft automatisch, weil er die Menge an Einweg-Produkten reduziert, aber wir wollen noch weiter gehen. Wir nehmen unsere Verantwortung sehr ernst. Um zu verhindern, dass ClickStraw den gleichen Weg wie die circa 100 Mio. Tonnen Plastikabfall die jedes Jahr aus Deutschland verkauft werden geht, garantieren wir eine lebenslange und kostenlose Rücknahme der Trinkhalme.

ClickStraw Mehrweg Trinkhalm

Solltet ihr euren ClickStraw nach seinem langen Leben nicht mehr lieben, könnt ihr ihn zu uns zurücksenden und wir sorgen dafür, dass er seinen Weg zurück in den Verwertungskreislauf findet. Das bedeutet, der Halm wird zu Sekundär-Granulat verarbeitet und fließt zurück in den Nutzungskreislauf. Aufgrund seines sortenreinen Materials ist das nämlich, anders als bei „Bio-Plastik“ sehr leicht möglich!

ClickStraw ist also etwas für alle Menschen die wertebasiert einkaufen.

Denen bestimmte Normen, wie Nachhaltigkeit wichtig sind und die sich über Ihren Einkauf und den Impact, den sie damit haben informieren. Gleichzeitig möchten wir auch die Menschen ansprechen, die zwar gerne Trinkhalme benutzen, denen der Mehraufwand für die manuelle Reinigung mit einer Bürste zu aufwändig ist. Bürsten sind selbst auch aus Plastik und müssen periodisch getauscht werden, sie werden während ihrer Nutzung selbst zu Keimschleudern und danach eben zu Plastikabfall. Auch wenn man seinen Mehrweg-Trinkhalm gern fleißig schrubbt, von innen trocknen werden ihn wohl die wenigsten. Residuale Feuchtigkeit bleibt im kleinen Umfang herkömmlicher Mehrwegtrinkhalme gefangen und bietet guten Nährboden für weitere Keime. Nicht sehr appetitlich! Und zuletzt wollen wir die Menschen erreichen, die mit und trotz ihres Konsums etwas Gutes tun möchten. Hier kommt das 1+1 Prinzip ins Spiel. Mit jedem Kauf entfernt ihr 1 KG Ozen-Abfall, ganz automatisch! 

Wie funktioniert ClickStraw? Wo liegen die Vorteile? Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Der größte Vorteil von ClickStraw ist sicherlich sein innovatives und formschönes Design. Durch das Filmscharnier auf der rückseitigen Längsseite lässt sich der Halm über seine Verschlussflügel öffnen und schließen. An deren Enden befindet sich der Verschlussmechanismus. Über diesen lässt sich der ClickStraw frei von Saugkraft Verlust, dicht verschließen. Anders als bei anderen Mehrweg Trinkhalmen ist so keine Bürste nötig. Das macht den ClickStraw auch zu einem perfekten Begleiter im Alltag. Egal ob bei Frucht-Smoothies, der täglichen Kaffee-Kreation oder einem schnellen Milchshake. Überall kann der ClickStraw zum Einsatz kommen. Danach öffnen, kurz mit Wasser durchspülen und ab in die Tasche! Keine angetrockneten Getränkereste, keine verstopften Halme. 

Natürlich ist der ClickStraw auch spülmaschinengeeignet. Durch die längsseitige Öffnung des Halms gelang das Spülmittel schnell in den Innenraum. Spülschatten, also Stellen die nicht erreicht werden, werden vollständig vermieden. Man braucht auch keine manuelle Nachbehandlung. Wenn der Maschinengang durch ist, einfach mit dem anderen Besteck zusammen in den Besteckkorb geben. Anders als zweiteilige Lösungen rutscht der ClickStraw auch nicht durch den Besteckkorb, sondern bleibt sicher stehen, man muss sich auch keine Gedanken darüber machen ein Bauteil zu verlieren, denn der ClickStraw ist einteilig! Das weiche Material eignet sich perfekt für Kinderhände. Es besteht keine Gefahr, wie bei Glas Trinkhalmen, dass bei Bruch gefährliche Stechwerkzeuge entstehen. 

Soviel also zu den technischen Vorteilen. Aber was ist mit dem Anspruch der Nachhaltigkeit? Darüber haben wir uns auch Gedanken gemacht. Unser Plan ist es, nach dem Vorbild des 1+1 Prinzip für jede verkaufte Packung ClickStraws 1 Kilogramm Plastik aus dem Ozean zu entfernen (1+1). Dies erreichen wir durch Kooperationen mit NGOs vor Ort in Indonesien. Und um maximale Transparenz zu gewährleisten, drucken wir auf unsere Verpackung einen QR Code, mit dem jeder Käufer direkt erfahren kann, wie sein Beitrag in der Realität umgesetzt wird! 

Wie ist das Feedback?

Das Feedback ist durchweg positiv. Nicht nur von Zielgruppen die wir in Fokus-Gruppen zum ClickStraw befragt haben. Es kommt auch von Seiten, mit denen wir zuerst nicht gerechnet haben. Jeder, der zu Hause Gäste bewirtet oder einen Mojito/Caipi mixen will kennt das. Es gehört einfach ein Trinkhalm rein. Bis jetzt griff man mit schlechtem Gewissen zu Einweg-Plastik oder kaut auf einem nassen Papier-Halm herum und ärgert sich. Jetzt greifen die Menschen zu ClickStraw und nach der Party wandern unsere fabelhaften Halme einfach mit dem Geschirr in die Spülmaschine! Einfach clever! 

Gewerbekunden sind besonders dankbar für den ClickStraw. Nachhaltig orientierte Gastronomen kommen um Mehrweg-Lösungen nicht herum. Der hohe Zeitdruck in der Gastronomie beißt sich aber mit dem Mehraufwand von herkömmlichen Halmen. Nach dem Spülgang eine Arbeitskraft abstellen die nur Trinkhalme putzt, das geht nicht. Einweg Lösungen wie Bambus, Pasta oder Apfel vergammeln auch dann, wenn sie ungenutzt im Schrank liegen. Bei organischen Materialien, ganz klar! Und welcher Gastronom will auf das Mindesthaltbarkeitsdatum seines Trinkhalms achten oder seinen Gästen verschimmelte Trinkhalme anbieten? Mit ClickStraw gehört das der Vergangenheit an. So wenig Aufwand wie Einweg, so nachhaltig wie Mehrweg! 

Hely Produkte, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Wir haben zahlreiche Variationen des ClickStraws in der Pipeline und können aufgrund der Erfahrung mit ClickStraw viel schneller mit neuen Variationen an den Markt gehen. Wir wollen an dieser Stelle nicht zu viel verraten, aber das ClickStraw-Prinzip ist noch längst nicht erschöpft. Darüber hinaus haben wir über 130 weitere Produkte in verschiedenen Entwicklungsstadien auf Abruf. Sobald wir Vertriebsstrukturen aufgesetzt haben und der Stein ins Rollen gebracht wurde, beginnt der Produkt-Entwicklungszyklus von neuem! Dabei steht stets soziale Verantwortung und Nachhaltigkeit im Fokus unserer Bemühungen!

In 5 Jahren führen wir ein motiviertes und energiegeladenes Team in zweistelliger Höhe. Dabei sind wir mit mindestens 4 Produkten und zahlreichen Variationen am Markt, nicht nur in der DACH-Region, sondern darüber hinaus werden ClickStraws in jedem Hotel, Restaurant oder Café eingesetzt, dass ein Zeichen für mehr Nachhaltigkeit setzen will. Über unsere Gewerbekunden geht die Expansion ins Ausland weiter. Erst in der EU, aber in 5 Jahren sicherlich auch darüber hinaus.

Was aber am allerwichtigsten ist: wir haben den Einsatz von Einweg-Trinkhalmen auf der Welt reduziert und gleichzeitig Millionen Kilogramm von Plastik aus dem Meer entfernt!

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Niemals aufgeben, optimistisch denken und mutig handeln

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Frank und Philip Healey für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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