Freitag, September 17, 2021

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Sabine Elsässer
Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

Rui Manuel und Joao Carlos Duarte Ramalheiro Gründer von Classplash, Musik Lernapps für Kinder, in der Höhle der Löwen

Stellen Sie sich und das Startup Classplash doch kurz vor!

Mein Name ist Rui Duarte Ramalheiro, Mitgründer und Geschäftsführer der Classplash GmbH. Wir sind ein europäischer Videospielentwickler mit Sitz in Deutschland und Portugal. Unsere Apps ermöglichen Kindern ab 2 Jahren eine qualitativ hochwertige musikalische Ausbildung, die jederzeit, überall und für alle zugänglich ist. Mit neu entwickelten Methoden machen wir das Erlernen von Instrumenten nicht nur spielerisch einfach, sondern auch zu einem einzigartigen Erlebnis. 

Im Fokus unserer Apps steht der didaktische Inhalt, sowie dessen spielerische Vermittlung über Storytelling, musikalische Untermalung und liebevolle Animationen. Besonders ist vor allem die neu entwickelte Tonerkennung, die einen praktischen und fehlerfreien Lernprozess ermöglicht. Wir bieten die perfekte Kombination aus spielerischem Lernen, innovativer Technologie und nachhaltiger Bildung mit sozialem Impact. Das gefällt auch immer mehr erwachsenen Fans, die unsere Apps insbesondere zum Ukulele-Lernen nutzen.  

Wie ist die Idee zu Classplash entstanden?

Classplash selbst wurde 2013 von meinem Bruder João Carlos Duarte Ramalheiro in Portugal gegründet. Als Musiklehrer bestand seine Motivation vor allem darin, Kindern unabhängig von ihrer geographischen und sozialen Herkunft Musik auf eine innovative und auch nachhaltige Weise näherzubringen. Beim Lernen von Instrumenten sollte der Spaß für die Kinder im absoluten Vordergrund stehen.

2012 wurde die Mehrheit aller Grundschulen in Portugal mit Notebooks und digitalen Whiteboards ausgestattet. Hintergrund war ein schlechtes Abschneiden Portugals im sog. PISA-Test. Dabei wurde allerdings nicht bedacht, dass zu einer guten technischen Ausstattung auch passende Software, sowie eine gezielte Ausbildung für die Lehrer*innen benötigt wird.

Für Carlos war beim ersten Betreten eines dieser digitalen Klassenzimmer sofort klar, dass er diese Geräte und deren unerschöpfliches Potential nutzen musste. 

Er hatte die Idee, seine Schüler*innen auf die Reise in eine wunderbare virtuelle Welt der Musik zu führen – und begründete damit “Oratio Classroom – Die Welt der Musik”. 

„Oratio Classroom“ begann als ein Softwarekonzept, dass gemeinsam mit über 200 Grundschüler*innen entwickelt wurde. Die Kids haben in Form von Erzählungen oder Zeichnungen selbst Einfluss auf die Gestaltung ihrer Welt der Musik genommen. 

Über Powerpoint führte Carlos seine Schüler*innen in die „Welt der Musik“ ein, gemeinsam mit dem fiktiven Piraten Oratio, heute noch Held aller Classplash Produkte. Ab diesem Zeitpunkt gestaltete sich der Unterricht als bunte und spielerische Erkundung der Musik-Lernwelt auf den Spuren des Piraten. Die Schüler*innen liebten dieses Konzept von der ersten Unterrichtsstunde an.

Schließlich wurde Microsoft auf Carlos aufmerksam und lud ihn ein, sein Unterrichtskonzept auf dem weltweiten Forum „Partners in Learning“ vorzustellen. In diesem Format präsentieren einfallsreiche Lehrer ihre Konzepte, die wiederum von einer Jury bewertet werden. Carlos und der Pirat Oratio räumten ab: Carlos erreichte im Mai 2012 den zweiten Platz und im November 2012 den ersten Platz weltweit als innovativster Lehrer.

Mit diesen Auszeichnungen im Rücken gründete Carlos am 26.02.2013 in Portugal die Firma Insignio Labs, welche 2017 in Classplash umbenannt wurde. Aus dem  “Oratio Classroom – Die Welt der Musik” wurde nun der Name “World of Music”. Alle von Classplash veröffentlichen Lernapps basieren auf dieser Methode.

Um verstärkt neue Märkte zu erschließen, wurde im Mai 2017 in Deutschland die Classplash GmbH gegründet, welche ab Januar 2018 alle Vertriebs- und Marketingrechte übernommen hat. Die Konzeptionierung, Entwicklung sowie das dazugehörige Testing findet weiterhin in Portugal statt. Die Geschäftsführung der GmbH habe ich übernommen und dafür meine Festanstellung aufgegeben. Das war als angehender Familienvater durchaus ein Schritt.

Welche Vision steckt hinter Classplash?

Classplash ist für alle da. Dieser Gedanke ist untrennbar mit unserer weltoffenen Vision verbunden. Jeden Tag setzen wir uns dafür ein, dass der Classplash Community keine Grenzen gesetzt sind.

Egal ob jung oder alt, mit oder ohne Behinderung, auf Portugiesisch oder Swahili, in Südamerika oder Ostasien: Die Sprache der Musik verbindet uns alle. Das ist in heutigen Zeiten wichtiger denn je. Und alle zusammen schaffen wir einen Impact in dieser Welt. Dabei gehe es unter anderem um die Förderung von Selbstbewusstsein, Sozialverhalten und Persönlichkeitsbildung, die Entwicklung des logisch mathematischen Verständnisses. Aber auch das Wortgedächtnis, die Sprachentwicklung, die Anregung zu Bewegung, die Steigerung von Rhythmus-Gefühl und Glücksempfinden sind wichtige, durch das Musizieren geförderte Eigenschaften bzw. Skills.

Menschen unabhängig ihres Umfeldes etwas beizubringen, ob im Bereich der Musik oder im Umgang mit nachhaltigen Themen, ist etwas Großartiges. Es sollte keine Pflicht sein, sondern mit Spaß, Freude und intrinsischer Motivation vermittelt werden. Bildung ist ein Privileg, das durch unsere Technologien mehr jungen Menschen zugänglich gemacht werden kann.

Unsere Videospiele setzen dies in Realität um – und machen die Welt damit jeden Tag ein kleines bisschen besser.

Für uns ist es selbstverständlich, dass wir als Unternehmen Verantwortung für die Umwelt und die nächste Generation zu übernehmen. Mit der Auswahl unserer Instrumenten-Sets haben wir einen großen Einfluss auf unseren eigenen CO2-Fußabdruck. Es liegt auf der Hand, dass die Herstellung von Instrumenten-Sets nicht komplett emissionsfrei und (aktuell) auch nicht ohne Langstrecken durchgeführt werden kann. Die überkontinentale Produktion ist momentan noch notwendig, um die hohe Qualität der Instrumente sicherzustellen und möglichst vielen Menschen Zugang zur „world of music“ zu ermöglichen. Aber hier hört es nicht auf: Carlos und ich sehen es als unsere tägliche Aufgabe, die Konditionen noch nachhaltiger zu machen, Schritt für Schritt.

Auch unser Investor, Ralph Suikat von der 4L Vision GmbH, ist hier ein wichtiger und konstruktiver Treiber. Bei dem Flöten-Set haben wir es schon geschafft und sind stolz unser erstes vollständiges Made-in-Germany Produkt zu haben. Für das Verpacken unserer Classplash Produkte kooperieren wir mit einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung in Isny im Allgäu und wir sind seit Gründung von Classplash, Teil der gemeinnützigen Unternehmensinitiative Fairantwortung. Gemeinsam mit einigen Instrument-Herstellern versuchen wir darüber hinaus, jungen Menschen in besonders herausfordernden Lebenssituationen (z.B. Flüchtlingscamps) unsere „World of Music“ zugänglich zu machen. So können wir ein wenig Abwechslung in den tristen Camp-Alltag bringen und den oft verzweifelten jungen Menschen Gelegenheit geben, zumindest ein paar Skills zu erwerben.   

Wer ist die Zielgruppe von Classplash?

Wir richten uns an Musikanfänger und Musiklehrer, da wir unsere Lern-Apps sowohl für das autodidaktische Lernen zu Hause als auch im Unterricht eingesetzt werden können. Zunehmend mehr entdecken aber auch Erwachsene, dass es nicht nur auf Partys Spaß machen kann, mit unseren Apps spielerisch Instrumente zu lernen. Der Renner ist hier die Ukulele. 

Wie sind Sie auf die Idee gekommen sich für die Sendung Die Höhle der Löwen zu bewerben?

Da wir gerade dabei sind, unser Produktportfolio mit Instrumenten Sets zu erweitern und eigens zu vermarkten, benötigen wir Kapital. Natürlich ist auch das Know-How der Löwen für uns sehr interessant. Ganz besonders in den Bereichen Vertrieb und Distribution.

Wie haben Sie sich auf die Sendung vorbereitet?

Carlos und ich haben uns die letzten Staffeln nochmals genau angeschaut und die kritischsten Fragen herausgesucht. Wir haben analysiert, an welchen Themen sich die Löwen häufiger „fest“ gebissen haben. Carlos und ich haben intern sehr viele Runden gedreht und den Pitch bestimmt 50-mal durchgespielt und vorgesprochen. Auch vor unserem Investor haben wir mehrmals gepitcht. Das war gar nicht so einfach, da wir ja geographisch so weit getrennt sind. Wir wollten den Pitch gemeinsam als Brüder abhalten, daher hatten wir diesen tonseitig aufgenommen und mehrmals bei Alltagsituation angehört. Am Ende saß dann alles und wir hatten nachts sogar von unserem Pitch geträumt. 

Dann der Schock-Moment: Kurz vor dem geplanten Drehtag hatten wir uns trotz aller Vorsichtsmaßnahmen beide mit Corona infiziert. Das hat uns ziemlich mitgenommen, wir waren echt frustriert. Nach all der Vorbereitung auf der Zielgeraden gescheitert? Zum Glück konnten wir mit dem Team von Höhle der Löwen dann schnell einen Alternativ-Termin nach vollständiger Genesung finden. Bei aller Vorbereitung und Aufregung war es dann doch eine einzigartige Erfahrung, unseren Pitch vor den Löwen abzuhalten. 

Sie sind eines der wenigen Startup Unternehmen, dass es in die Sendung Die Höhle der Löwen geschafft hat. Wie motivierend war das für Sie?

Das war für uns der absolute Hammer. Unser erstes Bewerbungsvideo hat uns sehr viel Zeit gekostet. Es hat sehr lange gedauert, bis Carlos und ich mit uns selbst zufrieden waren. Wir sind Zuschauer von der Höhle der Löwen seit der ersten Stunde. Damals waren wir selbst noch keine Unternehmer. Wir fanden einfach das Format sehr interessant, haben manchen Gründer für Ihren Mut bewundert und über manche Geschäftsideen gestaunt. Das wir ein paar Jahre später hier mal selbst als Gründer auftreten werden, war damals völlig außerhalb unserer Vorstellungskraft.  Von daher war es für uns anfangs ebenso surreal wie genial, unser „kleines Baby“ Classplash einer „Fachjury“ präsentieren zu dürfen. Das der Pitch vor den Löwen dann tatsächlich zustande kam, war wie ein Ritterschlag für unseren unermüdlichen Einsatz. 

Wie wichtig war dieser Schritt für Sie als Startup Unternehmen? Auch unter dem Gesichtspunkt, dass durch Die Höhle der Löwen viele Interessenten und auch Medien auf Classplash aufmerksam werden?

Unser Hauptziel ist es, einen guten Deal mit einem Löwen abzuschließen. Natürlich ist auch der mediale Präsenz ein potenzielles Asset. Unsere größte Sorge ist natürlich: „Was, wenn die Löwen kein Interesse zeigen und unser Produkt schlecht machen?“ Dann geht der mediale Schuss veritabel nach hinten los… Mit diesem Risiko geht man nun mal ins Rennen, doch wir sind selbst von Classplash so überzeugt, dass wir dieses Risiko eingehen wollten und weil wir bisher nur sehr gutes Feedback unserer Kunden erhalten haben. 

Welchen Investor hatten Sie im Fokus?

Ralf Dümmel und Dr. Georg Kofler. Ralf Dümmel, aufgrund seiner Expertise im Einzelhandel und Dr. Georg Kofler durch die Expertise im Online-Marketing. Zwei Bestandteile, die wir gut gebrauchen können. Auch sind wir der Meinung das beide menschlich sehr gut in unser Team und die Gesellschafterstruktur passen würden.

Classplash, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Mit unserem bestehenden Investor 4L Vision, möchten wir jetzt kurzfristig die erste Bestellung unsere Instrumentensets tätigen können und dabei die Vermarktung der Produkte generell voranzutreiben. 

Mit diesen Instrumentensets expandieren wir gerade nach Spanien, Italien und Frankreich. Danach soll es in den USA und Kanada weiter gehen. Gleichzeitig möchten wir aber auch die Einzelvermarktung unserer Apps vorantreiben, sodass wir hierauf einen gezielten Fokus darauflegen werden. Bspw. mit unserer neuesten App Harmony City, mit welcher man das Spielen auf einer Ukulele oder Gitarre lernen kann, kooperieren wir direkt mit YouTube Cover Artisten und starten hierzu nun unsere ersten Werbekampagnen. 

In 5 Jahren möchten wir unser komplette App-Suite, die „World of Music“ fertig gestellt haben. Unsere Vision ist es, jede Schule dieser Welt, die Computer und Tablets besitzen, mit unseren Apps und ggf. auch Instrumenten auszustatten. Ob wir da in fünf Jahren schon so weit sind? Wir arbeiten jedenfalls daran und können hier auf die starke Partnerschaften mit Microsoft und JP Sá Couto setzen. Das gleiche gilt für die privaten Kinderzimmer – denn umso mehr Menschen wir erreichen, umso größer ist unser sozialer Impact in dieser Welt. 

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Den richtigen Fokus zu setzen und sich nicht in zu viele Ideen zu verzetteln. Aufgrund der vielen Konzepte hatten wir am Anfang nicht gewusst auf was wir uns zuerst konzentrieren sollten und hat uns etwas Zeit gestohlen. Deshalb zuerst die Veröffentlichung einzelner Apps, dann die der Instrumente. 

Den Social Impact bei seinen Produkten stets zu berücksichtigen. Das mag vielleicht nicht bei allen Produkten gehen, aber man kann trotzdem seine Wertschöpfungskette möglichst sozial und gerecht auslegen. Das sollte definitiv als Teil der Firmen-Kultur verankert werden.  

Den richtigen Gesellschafter / Investor mit an Bord zu holen, der auf derselben Wellenlänge ist. Da es bei Finanzierungsrunden auch mal heiß her geht, ist es umso wichtiger, einen Investor mit dabei zu haben, der genauso für die Sache brennt, wie man selbst und auch menschlich zum Team passt. Unser Motto: Augen auf bei der „Partner-Wahl“

Bild: Die Brüder Rui Manuel (l.) und Joao Carlos Duarte Ramalheiro aus Karlsruhe präsentieren mit „Classplash“ Musik-Lernapps für Kinder. Sie erhoffen sich ein Investment von 350.000 Euro für 10 Prozent der Anteile an ihrem Unternehmen. Foto: TVNOW / Bernd-Michael Maurer

Sehen Sie Classplash am 6. September 2021 in der Höhle der Löwen

Wir bedanken uns bei Rui Manuel Ramalheiro für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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