Verabschiedet euch von etablierten Denkmustern

Civey digitalisiert den Markt für Meinungsforschung

Stellen Sie sich und Ihr Startup Unternehmen Civey doch kurz vor unseren Lesern vor!
Mit Civey digitalisieren wir den Markt für Meinungsforschung. Dabei haben wir ein einfaches Ziel: Jeder soll repräsentative Umfragen selbst durchführen können, unabhängig vom Geldbeutel. Wir haben deshalb ein Umfrage-Widget entwickelt, das man kostenlos auf der eigenen Website einbinden und dort repräsentative Umfragen starten kann.

Wie ist die Idee zu Civey entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Wir sind – ganz untypisch – fünf Gründer und kennen uns als Freunde oder Kollegen seit vielen Jahren. Was uns schon immer alle verbunden hat, ist die Wahrnehmung, dass digitale Medien die öffentliche Meinung scheinbar viel schneller zugänglich machen, dabei aber massiv verzerren. Stichwort: Online-Kommentare und Shitstorms. Letztlich können sich nur wenige seriöse und wissenschaftlich fundierte Meinungsforschung leisten, alle anderen müssen versuchen, aus dem Getöse im Internet schlau zu werden.
Der entscheidende Auslöser für uns war dann der Civic-Tech Boom in den USA ab 2014. Nachdem sich immer mehr Start Ups damit beschäftigt haben, wie man öffentliche Entscheidungsprozesse effektiver gestalten kann und schließlich sogar Facebook-Gründer Sean Parker auf den Zug aufsprang, war für uns klar, dass die Zeit auch in Europa reif ist für unsere Idee. Angetrieben hat die Gründung damals unser CEO Gerrit Richter, der als erster die Reißleine gezogen und seinen damaligen Job gekündigt hat. Prof. Dr. Oliver Serfling, unser CTO Michael Vogel, unser Dev-Op Sven Hauser und ich sind dann in den darauffolgenden Wochen nachgezogen.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Die größte Herausforderung war bislang, aus unserer grundlegenden Idee, Meinungsforschung vollständig zu automatisieren, ein direkt anwendbares technisches Konzept zu entwickeln. Das war zum Teil echte Grundlagen-Forschung. Nachdem wir aber die wissenschaftliche Machbarkeit unter Beweis gestellt hatten, haben wir die Investitionsbank Berlin (IBB) und mehrere Business Angels überzeugt, uns zu finanzieren. Mit diesen Mitteln konnten wir in die konkrete Produktentwicklung gehen.

Wie hat sich Ihr Unternehmen seit dem Start entwickelt?
Wir sind seit unserer Gründung stetig gewachsen und haben auf unserem Weg viel gelernt. Am Anfang haben wir den klassischen Fehler gemacht: Wir wollten zu schnell zu viel. Wir mussten unsere Vision erst einmal auf einen schaffbaren MVP runterbrechen. Nun steht unser Team mit 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor dem Launch der Beta.

Welche Wege gehen Sie, um Ihr Startup am Markt zu etablieren?
Gemeinsam mit bekannten Medienpartnern starten wir in den Markt. Mehrere Online-Redaktionen binden unser Umfrage-Widget ein. Das ist natürlich super, da es für uns entscheidend ist, dass von Anfang an viele Menschen teilnehmen. Gleichzeitig denken wir schon einen Schritt weiter und sprechen mit Verantwortlichen in verschiedenen Städten in Deutschland, um Beteiligungsformate auf kommunaler Ebene zu diskutieren. Das ist für uns wichtig, um die Bedürfnisse am Markt noch besser kennenzulernen.

Wer ist die Zielgruppe von Civey?
Alle, die sich für die öffentliche Meinung interessieren oder Daten über ihre Zielgruppen brauchen. Das können Zeitungen, Politikerinnen, Bürgerinitiativen oder Unternehmen sein.

Wie funktioniert Civey?
Civey ist ein Tool für repräsentative Meinungsforschung. Du bindest unser Widget mit deiner Frage auf deiner Website ein und erhältst repräsentative Antworten. Civey funktioniert dabei als Panel und als Netzwerk. Abstimmen kann prinzipiell jeder. Doch wenn Abstimmende repräsentative Ergebnisse sehen wollen, müssen sie sich registrieren. So können wir ein Panel aufbauen. Gleichzeitig werden die Fragen – ähnlich wie YouTube-Videos – zwischen den Widgets ausgetauscht, um sie an möglichst viele Menschen auszuspielen.

Warum sollte man Civey nutzen?
Um aus seiner ganz persönlichen Filter Bubble herauszukommen! Denn um gute Entscheidungen zu treffen, benötigt man valide Daten. Aus Ermangelung an Möglichkeiten verlassen sich heute viele Entscheider, egal ob Politikerin oder Unternehmen, auf ihr Bauchgefühl. Das ist natürlich Quatsch.

Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?
Wir brechen mit der Exklusivität der Meinungsforschung. Unsere Ergebnisse sind öffentlich. Auch bei der Bezahlung drehen wir den Spieß um: Bei Civey bezahlt man nicht pro Umfrage, sondern man abonniert den Zugriff auf unsere Ergebnisdatenbank. Wir ermöglichen damit hochwertige und professionelle Analysen, aufgrund derer unsere Kunden Entscheidungen treffen können. Einfache Umfrageergebnisse bleiben hingegen kostenlos.

Civey, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
In fünf Jahren wollen wir der führende Anbieter für Meinungsforschungs-Tools in Europa sein. Dabei stehen wir nicht unbedingt in Konkurrenz zu den herkömmlichen Instituten, sondern sind vielmehr ein Technologie-Enabler: Wir stellen die Technologie bereit, mit der jeder Meinungsforschung umsetzen kann. Das können wie bisher Institute sein, aber auch einzelne Bürgerinnen, Politiker, Unternehmen, Behörden.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Tauscht euch aus! Niemand kann alles von Beginn an wissen. Aber der Job verlangt von euch, wahnsinnig schnell zu wachsen. Das geht nur über Abkürzungen. In Berlin gibt es dafür super Netzwerke. Als Frau kann ich insbesondere Venture Ladies empfehlen. Was als kleine Runde um Eva Jerratsch angefangen hat, ist mittlerweile ein offener großer Stammtisch mit tollen Frauen geworden.
Verabschiedet euch von etablierten Denkmustern: 19-jährige Entwicklerin? Sales-Verantwortliche ohne Uni-Abschluss? Im Zweifel sind sie es, die dein Unternehmen mit vorantreiben. Du brauchst nicht zwingend Leute, die von Top-Unis kommen, sondern pragmatische Menschen, die Bereiche aufbauen und mindestens genauso schnell wachsen können wie du. Nur sie können dich permanent challengen.
Bleibt phantasievoll: wenn du einmal losgelegt hast, geht alles schneller, als du denkst. Wir haben innerhalb von fünf Monaten unser Team vervierfacht. Was gestern noch ganz weit weg schien, kann morgen schon anbrennen. Als Gründerin bist du dafür verantwortlich, dass sich dein Team auf das Wesentliche konzentrieren kann und weiß, dass du die Herausforderungen der kommenden Monate bedenkst und im Griff hast.

Bild: © Goetz Schleser

Wir bedanken uns bei Janina Mütze für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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