Samstag, Dezember 4, 2021

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Sabine Elsässer
Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

Circuit Booking digitaler Marktplatz für weltweite, exklusive Rennstreckenbuchungen

Stellen Sie sich und das Startup Circuit Booking doch kurz unseren Lesern vor!

Sebastian Herke: Motorsport-Nerd klingt zwar nicht unbedingt schmeichelhaft, trifft es aber ganz gut. Ich habe nämlich das große Glück, gleich zwei Leidenschaften in meinem Beruf vereinen zu können –für den Motorsport und für digitale Prozesse. So habe ich nicht nur Technische Informatik an der RWTH Aachen studiert, sondern konnte als langjähriger Head of Formula BMW auch meine Begeisterung für den Motorsport voll ausleben. Als Gründer von circuit-booking.com kann ich nun seit zehn Jahren beide Leidenschaften verbinden. Unser Start-up circuit-booking.com ist ein digitaler Marktplatz für weltweite, exklusive Rennstreckenbuchungen. Heißt konkret: Wir unterstützten Autohersteller, Automobilclubs oder Veranstalter und seit Kurzem auch private Motorsportfans, in allen Phasen des Buchungsprozesses für Strecken, die zum Beispiel im Rahmen von Fahrzeug-Tests, Trackdays, Incentives oder Trainings benötigt werden.

Warum haben Sie sich entschieden ein Unternehmen zu gründen?

Sebastian Herke: Onlinemarktplätze funktionieren seit Jahren sehr gut. Was bei Hotelzimmern oder Flügen längst Standard ist, fehlte bisher im Motorsport komplett. Die Geschäftsvorgänge sind in der Branche immer noch recht analog und zudem kompliziert. Während meiner BMW-Zeit hat es mich deshalb oft genervt, Rennstrecken zu buchen und zu beauftragen. Kundenservice wurde aus Rennstreckensicht nicht großgeschrieben. Eine Rennstrecke kostet bis zu 30 TEUR / Tag und man wurde oft nicht ernst genommen, wenn man mal 4-5 Tage am Stück angefragt hat.
Hier gab es ganz viel verschenktes Potenzial, das wir, Dr. Carsten Tilke und ich, ändern wollten – die Geburtsstunde von circuit-booking.com.

Welche Vision steckt hinter Circuit Booking?

Carsten Tilke: Wir wollen mit circuit-booking.com das Trackday- und Motorsport-Training-Business digitaler, transparenter und einfacher machen und die Wertschöpfungskette so konsequent ausbauen.  

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?

Sebastian Herke: Wir haben uns zu Beginn selbst finanziert und dann aus den laufenden Einnahmen das Geschäft sukzessive ausgebaut. Echte Investoren sind erst später dazugekommen. Eine Herausforderung war dabei ganz klar die Erschließung neuer Märkte. Wir haben bereits im ersten Jahr nach der Gründung versucht, den Nordamerikanischen Markt zu erschließen und dachten, den Markteintritt aus dem Cashflow, über Bootstrapping und bestehende Kontakte zu OEMs zu finanzieren. Das parallele Wachstum in beiden Ländern mit einem kleinen Team und keiner klassischen VC-Finanzierung war schlichtweg unmöglich, so dass wir uns nach 1,5 Jahren wieder aus dem US-Markt zurückziehen mussten. Wir haben daher mit dem Nordamerikanischen Markt noch eine Rechnung offen und werden zurückkommen! Eine weitere Herausforderung: Gute Programmierer zu finden.

Wer ist die Zielgruppe von Circuit Booking?

Carsten Tilke: Wir sind ein digitaler Marktplatz für Autohersteller, Automobilclubs, Motorsportveranstalter und seit Kurzem auch private Motorsportfans, die ihr Hobby im Rahmen von Motorsporttrainings und Trackdays auf der Rennstrecke ausleben wollen.

Wie funktioniert Circuit Booking? Wo liegen die Vorteile? Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Sebastian Herke: Eine gute Zugänglichkeit, einfache Buchbarkeit und konsequente Digitalisierung sind entscheidende Wettbewerbsvorteile für Veranstalter, gehören allerdings selten zu deren Kernkompetenz. Genau hier liegt der Vorteil für Veranstalter: Mit unseren digitalen Dienstleistungen sorgen wir für mehr Kunden, eine bessere Auslastung sowie eine schlanke Personal- und Kostenstruktur. Die Trackday-Veranstalter können sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren und mit den durch uns gewonnenen Daten ihren Kunden künftig noch individuellere und damit relevantere Angebote machen. Der Vorteil auf Kundenseite liegt in der leichten und transparenten Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Angebote. Die Buchung ist mit wenigen Klicks erledigt, Bezahlvorgänge und Abrechnungen sind transparent und sicher. Der Kunde kann seine gesamte Trackday-/Trainings-Saison optimal planen und hat dafür während des Buchungsprozesses nur einen Ansprechpartner. Circuit-booking.com ist eine One-Stop-Shopping-Solution – das gibt es in der Form aktuell kein zweites Mal. 

Wie hat sich ihr Unternehmen mit Corona verändert?

Carsten Tilke: Corona hat auf Seiten unserer Kunden zu einem stärkeren Digitalisierungsfokus geführt und eine verstärkte Nachfrage nach White-Label-Software-Lösungen. Wir haben im Bereich der Vermittlung von Exklusivanmietungen von Rennstrecken einen deutlichen Umsatzrückgang verzeichnet, den wir durch unsere anderen Erlössäulen kompensieren konnten ohne unsere Kostenstruktur groß ändern zu müssen. Der Umsatzrückgang hat uns „nur“ im organischen Wachstum gehemmt und dazu geführt, dass wir mit geringerem kaufmännischem Risiko in die Produktentwicklung und Personalstruktur investieren, als wir es ohne Corona gekonnt hätten. Im Vergleich zu anderen Firmen im Motorsport-Umfeld klagen wir aber noch auf relativ hohem Niveau. Wir haben gleichzeitig die Chance ergriffen, mit dem B2C-Trackday- Marketplace ein neues Produkt zu launchen, das für alle Marktteilnehmer neue, professionelle Buchungs- und Vermarktungschancen anbietet, die jeder einzelne Marktteilnehmer auf die Schnelle nicht erschließen kann.

Wie haben Sie sich darauf eingestellt und welche Änderungen haben Sie vorgenommen?

Carsten Tilke: Wir wussten schon länger, dass wir für jede Art von B2C-Business weitere Investoren benötigen würden, da ein B2C-Geschäft typischerweise in der Anfangsphase sehr kapitalintensiv ist. Im Rahmen eines bestehenden Consulting-Projektes konnten wir Michael Mücke, Geschäftsführer von Mücke Roth & Company als neuen Investor gewinnen. Durch unsere neue Gesellschafterstruktur sind wir jetzt „VC-ready“ aufgestellt, um unsere B2C-Wachstumsstory zu starten und haben die Chance, durch Michaels Netzwerk und Expertise gezielt strategisch interessante Business Angels und VCs anzusprechen.

Wo sehen Sie in der Krise die Chance?

Sebastian Herke: Wir gehen davon aus, dass insbesondere Rennstrecken offen sind für neue Kooperationsformate, denn ihre bisherige wesentliche Erlösquelle „Exklusivvermietung“ wird rückläufig sein, so dass sie selber neue Erlösquellen erschließen müssen. Genau für die Erschließung dieser haben wir aufgrund unserer langfristigen Erfahrung im Rennstrecken-Markt eine Vielzahl von Konzepten parat. Unsere Rennstrecken- und Motorsport-Kunden hatten bereits 2020 mangels Tagesgeschäft mehr Zeit für die Konzeption neuer (digitalen) Kooperationen, wodurch wir schnellere Fortschritte machen konnten, als dies im Rahmen einer normalen Motorsport-Saison möglich gewesen wäre

Wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Carsten Tilke: In 5 Jahren ist Circuit Booking der weltweit führende B2C-Trackday Marketplace, der über einer Vielzahl von technischen Schnittstellen tief im Ökosystem der Automobilkonzerne verankert ist.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Sebastian Herke: Die klassischen Tipps für Gründer haben ja bereits andere gegeben. Deshalb hier ganz allgemein die Tipps, die eigentlich immer weiterhelfen – vor allen Dingen im Geschäftsleben.

Aufrichtigkeit gegenüber Kunden, gerade im B2B-Bereich, in dem die persönliche Beziehung eine wichtige Komponente ist. Ehrliche Beratung ist wichtiger als kurzfristige Gewinnmitnahme. Es hat immer wieder gezeigt, dass es für uns nicht zum Nachteil war, etwa zu sagen „Dieses oder jenes wollen wir nicht für Sie programmieren, denn das können andere besser und wir müssen das Rad nicht neu erfinden.“

Geduld, Hartnäckigkeit und Biss zahlt sich insbesondere im B2B-Bereich aus: Wir haben Kunden, die sechs Jahre gebraucht haben, um zu erkennen, dass die IT-Lösung, die wir ihnen ursprünglich angeboten hatten, für sie die beste ist – und haben dann auch unterschrieben. Ein anderer Kunde hat nach der achten Angebotsänderung exakt das Angebot unterschrieben, das dem 1. Angebot entsprach. 

Stellt Mitarbeiter ein, die Dinge besser können, als ihr selber, denn nur so kommt ihr wirklich voran. Naturgemäß erntet ihr als Gründer im Falle eines Exits in der äußeren Wahrnehmung eh den gesamten Ruhm, daher hat ‚Ego‘ in der Firma und im Tagesgeschäft absolut nichts zu suchen.

Titelbild: Carsten Tilke

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Sebastian Herke und Carsten Tilke für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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