Christoph Sonntag: Mach genau das, was du kannst

Christoph Sonntag im Interview wie wichtig Persönlichkeit, Vitalität und Charisma für den Erfolg eines Startups sind

Roberto Bevilacqua: Wie kamen Sie von Ihrer soliden Ausbildung als Landschaftsplaner und den Umweg als Journalist zu ihrer heutigen Berufung als Entertainer und Comedy-Star?
Christoph Sonntag: Ich habe relativ schnell nach dem Abitur alle drei Lebenswege gemeinsam beschritten. Das hatte große emotionale Vorteile; nach jeder verhauenen Prüfung habe ich mir gesagt: „Egal, ich bin ja eh Journalist!“ – und immer, wenn die Redaktion einen Beitrag von mir abgelehnt hat: „ich bin ja sowieso Kabarettist!“ So konnte ich mich immer auf die Plattform retten, die gerade funktioniert hat.

Können Sie uns schildern welche Faktoren Sie zu dem was Sie heute tun geführt haben?
Kabarett hat mir einfach immer am meisten Spaß gemacht, am besten funktioniert und mir immer am meisten entsprochen. Das hat sich fast schon zwangsläufig ergeben.

Was treibt Sie tagtäglich an?
Ich glaube tatsächlich, dass es nur zwei Arten von Menschen gibt, die Kabarettist werden. Das eine sind Deutschlehrer, die mit Kinder nichts anfangen können, das andere sind solche, die tatsächlich versuchen, diese Welt zu verbessern. So bin ich dann auch zu meiner „Stiphtung Christoph Sonntag“ gekommen, die in diesem Jahr zehnjähriges Jubiläum feiert und mittlerweile schon fast viereinhalb Millionen Euro an Geld und Sachleistungen in gute, vor allem sozialen Projekte lenken konnte.

Sehen Sie ihre Kunst auch als Medium an, den Leuten für eine kurzweilige Zeit an ein Lachen zu vermitteln?
Aber natürlich! Vor allem sehe ich mich als Unterhalter, ich schenke den Menschen, die alle auf ihre Art harte Zeiten durchzustehen haben, in meiner Liveshow zwei völlig glückliche Stunden, in denen sie sich die Seele aus dem Leib lachen! Das ist übrigens auch nachweislich gesundheitsfördernd! Ich hätte eigentlich einen Orden von den Krankenkassen verdient!

Wie kam es zu den Auftritten am Broadway und wie fühlt es sich für einen deutschen Künstler an dort aufzutreten?
Ein mir befreundeter Veranstalter aus Metzingen hat mehrere Jahre in New York gelebt und dort ein schwäbisches und deutsches Netzwerk aufgebaut; so kamen wir auf die Idee, dort eine schwäbische Comedyshow am Broadway zu bieten. Die im übrigens an einem Tag ausverkauft war. Trotzdem habe ich ganz New York zugepflastert mit meinen Plakaten und dem roten Störer: „SOLD OUT!“ Die Show an sich war ähnlich wie bei uns zu Hause, nur ist mir aufgefallen: Exil-Schwaben sind sehr konservativ und richtige Amerikaner. Bush-bashing fanden die damals ziemlich blöd und haben sofort lauthals gebuht, bei uns in Deutschland war das immer der Knaller!

Welche 3 Dinge würden Sie jungen Talenten mit auf den Weg geben wollen in Zeiten von Castingshows und YouTube Klicks?
Sei du selbst!
Mach genau das, was du kannst
Rechne damit, dass es nicht funktioniert und habe einen Plan B in der Tasche

Schätzen Sie die allumfassende Digitalisierung und somit auch für den Comedy Bereich eher als Chance oder als Risiko für Künstler?
Ich bin da etwas hin- und hergerissen, wobei ich das Risiko größer sehe als die Chancen. Vor 20 Jahren war Spaß nur in der Stadthalle zu kriegen, wenn ein Komödiant oder Kabarett dort auftritt. Heute sitzen Leute auf dem Balkon, haben das Tablet auf dem Schoß und klicken sich durch YouTube. Ich bin mir nicht sicher, ob uns das mehr Leute in die Show treibt. Ich nehme eher eine allgemeine Flaute bei den alten Größen wahr und hin und wieder einen Mordshype bei neuen YouTube-Sternchen, die schneller abkühlen, als sie aufkochen konnten. Wenn Sie eine Schlagzeile brauchen: Sonntag ist skeptisch!

Wie wird man aus Ihrer Sicht zu einer Marke im Comedy Bereich und welche Parallelen sehen Sie zur Gründerszene im Business Bereich (Existenzgründung / Startup), für die ich dieses Interview mit Ihnen mache?
Ich bleibe dabei: Deine künstlerische Fähigkeit, das, was du automatisch kannst, was du geschenkt bekommen oder dazugelernt hast, ist nur die Hülle. Füllen musst du sie mit deiner Persönlichkeit, deine Vitalität, deinem Charisma. Dann wird deine Idee – so sie grundgut ist – Erfolg haben, ob auf der Bühne oder beim Startup!

Wenn Sie ganz neu anfangen würden und Ihnen alle Wege offen stünden, gäbe es etwas das Sie anders machen würden bzw. Dinge Sie evtl. sogar bereuen?
Ich habe in den frühen Jahren versäumt, manche Chancen konsequent zu nutzen. Ich erinnere mich daran, dass ich vor zwei Jahrzehnten mal die Möglichkeit hatte, die Moderation für eine 24-teilige TV-Comedy-Serie zu übernehmen und ich bin damals völlig unvorbereitet und unausgeschlafen zum Casting gekommen. Damals hatte ich weder Plan noch Berater und habe eine grosse Chance vertan; wer weiß, ob ich heute viel mehr bundesweit Fernsehen machen würde wenn ich in diesem Moment konzentriert und vorbereitet gewesen wäre.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Christoph Sonntag für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Roberto Bevilacqua

Roberto Bevilacqua arbeitet seit vielen Jahren als erfahrener Songwriter und Produzent für nationale als auch internationale Künstler sowie renommierte Unternehmen vorwiegend im Bereich Markensongs & Werbejingles und betreibt ein eigenes Tonstudio. Der Initiator mehrerer erfolgreicher regionaler Talentwettbewerbe arbeitet seit 2016 auch als Musikjournalist und Experte. www.sanduhr-productions.com www.markensongs.com www.sing-box.de

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