Durch Rückschläge nicht unterkriegen lassen

chili-feet innovative Einlegesohle die beim Gehen die Füße wärmt

Stellen Sie sich und das Startup chili-feet kurz unseren Lesern vor!

Ich wohne in der Schweiz im Kanton Zürich, bin verheiratet und habe zwei erwachsene Kinder. Nach dem Studium an der ETH Zürich als Elektroingenieur habe ich mich berufsbegleitend in einem Zweitstudium in technischen Betriebswissenschaften weitergebildet. Seit über 20 Jahren bin ich Inhaber eines Ingenieurbüros für technische Anlagen. Daneben interessiere ich mich für technische Probleme und habe dabei auch das Thema der kalten Füsse studiert. Daraus sind schliesslich die selbstwärmende Einlegesohle chili-feet und die zur Vermarktung dieser chili-feet gegründete Startup Firma Wafe Technology GmbH entstanden.  

Warum haben Sie sich entschieden ein Unternehmen zu gründen?

Der Entscheid kam sukzessive mit dem Entstehen des chili-feet Produktes. Ich habe die Idee mehrere Jahre lediglich  im Kopf gewälzt. Erst als ich nach dem Motte „ausser man tut es“ die Thematik wirklich aufgriff und konsequent verfolgte, reifte auch der Gedanke, dass es dazu eine Firme braucht. Und so gründete ich  die Startup-Firma parallel zur Produkteentwicklung.

Welche Vision steckt hinter chili-feet?

Die visionäre Idee bestand darin, ohne chemische Umwandlungen, Batterien oder andere technische Hilfsmittel die beim Gehen verfügbare Energie zu nutzen und in Wärme zu wandeln. Als Ingenieur wollte es mir nicht in den Kopf, dass weltweit noch kein Material erfunden worden war, mit dem sich die Energie beim Gehen in Wärme umwandeln liess. Eine erste Machbarkeitsprüfung hat gezeigt, dass ein derartiges Material zu entwickeln sei. Trotz einiger Skepsis  des Umfeldes haben wir dann die Entwicklung vorangetrieben.  

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?

Wir haben das Grundmaterial durch mehrere Teams parallel und voneinander unabhängig erforschen und entwickeln lassen. Unzählige Proben wurden getestet und verglichen. Ein Team unter der Leitung eines Professors meinte sogar, dass es praktisch nicht möglich sei, ein derartiges Material zu entwickeln. Schliesslich hat ein Team den erfolgversprechenden Weg identifiziert und in intensiven, iterativen Prozessen wurde das Material auf grösstmögliche Wärmeproduktion getrimmt. Nach ausgiebigen Tests erfolgte schlussendlich die Entwicklung vom Grundmaterial zur fertigen chili-feet in der Form, wie wir sie heute verkaufen. Kurz vor dem Verkaufsstart erlitten wir einen herben Rückschlag im Produktionsprozess beim Verkleben des Ober- und Untermaterials (Kaschierung). Das führte dazu, dass wir knapp 20’000 Stück chili-feet einzeln nach-kaschieren mussten. Aber auch dies meisterten wir!

Finanziert habe ich das gesamte Projekt aus privaten Mitteln, was mir einerseits Unabhängigkeit garantierte, anderseits natürlich auch gewisse Limitationen auferlegte.

Wer ist die Zielgruppe von chili-feet?

Die chili-feet werden von allen gerne genutzt, die im Winter kalte Füsse haben und dies zukünftig vermeiden wollen. Handwerker, Hündler, Winter-Outdoor-Sportler wie Langläufer oder Schneehschuh-Trecker. Eine im Frühling 2019  durchgeführte Marktstudie zeigt ein riesiges  Potential auf, leiden doch 40% der Bevölkerung manchmal  bis häufig unter kalten Füssen. Diverse bekannte Persönlichkeiten wie die Abenteurerin Evelyne Binsack nutzte bei ihrer Expedition zum Nordpol oder am Mount Everest die chili-feet. Und Susi Meinen vom schweizerischen Biathlon Nationalkader trägt stets chili-feet bei ihren Wettkämpfen. Seit 2019 schliesslich vertraut auch das Frauen-Curling Team Tirizoni auf chili-feet. Sie gewannen im März 2019 die Weltmeisterschaften.

Wie funktionierten die Wärmesohlen? Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Dank der speziell optimierten Materialbearbeitung produziert chili-feet aktiv Wärme durch den Druck, der bei den Gehbewegungen auf die Sohle ausgeübt wird. Damit wird ein maximaler Teil der mechanischen Leistung des Gehens in Wärme umgewandelt. Dies ist absolut einzigartig und kein anderes Produkt produziert Wärme nach diesem Prinzip. Die chili-feet sind dank dem Optimierung der Materialeigenschaften in der Lage, pro Sohle bis zu 2,5 Watt (5mm Dicke) Wärmeleistung zu erzeugen, was einen Temperaturanstieg von bis zu 10 Grad ergibt.  Die Sohlen sind waschbar, robust und halten sehr lange. Zudem ist die chili-feet mit einer sanften Mikrofaseroberfläche ausgestattet, die für einen angenehmen und bequemen Tragekomfort sorgt. Die Grössen sind passend zum gewünschten Schuh, in zwei Dicken (3mm / 5mm) erhältlich und auf die  Grössen 35 bis 47 zuschneidbar.

Wie ist das Feedback?

Wir erhalten  viele positive Feedbacks. Stellvertretend sei folge Rückmeldung einer Kundin zitiert, welche die chili-feet beim Winterwandern, Langlaufen und Schneeschuh-Laufen ausgiebig getestet hat. „Bin absolut begeistert!!! Und zwar nicht nur während des Sports, sondern auch danach! Ich gehöre zu der Sorte Mensch, die schnell ganz erbärmlich an die Zehen friert. Das ist nun wirklich Schnee von gestern! Ich habe ausserdem herausgefunden, dass die Sohle viel eher als nach den von Ihnen beschriebenen 10 Minuten wirkt. Bereits nach 4-5 Minuten spürt man die Wärme deutlich. Das ist jetzt wirklich mal eine sinnvolle und taugliche Erfindung gegen Eiszapfen an den Füssen. Das kann ich 100% unterschreiben!“

Chili-feet, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Wir müssen nun weitere Vertriebspartner und Vertriebskanäle erschliessen, denn nur mit einer massiven Volumenausweiterung können wir am Markt langfristig bestehen. Dabei helfen auch immer wieder spezielle Marktaktivitäten. So haben wir uns für den Auftritt bei der Sendung «Die Höhle der Löwen Schweiz» beworben und nach einem erfolgreichen Test-Pitch konnten wir uns  schliesslich im  Frühling 2019 bei fünf  Investoren vorstellen. Leider biss keiner der «Löwen» an, unter anderem mit der Begründung „dass ich eigentlich alles richtig gemacht hätte und Sie auch nicht wüssten, was sie zu meinem Unternehmen noch beitragen könnten.“ Der Pitch ist unter folgendem Link zu sehen: https://www.tv24.ch/hoehle-der-loewen/startups/chili-feet-die-selbstwaermende-schuhsohle-134347265

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Tipp 1: Wenn man eine Idee hat und von ihr überzeugt ist, dann darf man sich durch nichts abhalten lassen, sondern muss unbeirrt seinen Weg gehen. Und zwar auch nicht, wenn Skeptiker einem das Vorhaben ausreden wollen oder wie in meinem Fall ein Fachhochschulprofessor wissenschaftlich versucht nachzuweisen, dass die Idee nicht umsetzbar sei. 

Und als Tipp 2 sollte man an sich glauben und sich auch durch Rückschläge nicht unterkriegen lassen. Mich begleitet seit vielen Jahren das Zitat von Walt Disney „Alle Träume können wahr werden, wenn wir den Mut haben, Ihnen zu folgen“.

Als Tipp 3 schliesslich sollte der Work-Life-Balance ausreichend Beachtung geschenkt werden.  Gerade bei Innovationsprozessen und Neugründungen sind die Arbeitstage lang und intensiv. Mal was anderes tun wie Sport, Meditation oder was auch immer gibt einem nicht nur Ausgleich, sondern regt zu neuen Ideen an und fördert den Kreativitätsprozess, beides Unverzichtbar für erfolgreiche Gründer. 

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Roland Brüniger für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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