In keinem Startup läuft alles perfekt

CatchEye: Differenz zwischen Videotelefonie und echten Gesprächen verkleinern

Stellen Sie sich und Ihr Startup Unternehmen CatchEye doch kurz vor unseren Lesern vor!
Ein Gespräch über Skype fühlt sich nicht gleich an, wie ein persönliches Treffen. Diese Erfahrung hat jeder schon einmal gemacht. Der fehlende Augenkontakt und allerlei Ablenkungen machen es schwierig, Vertrauen aufzubauen und sich auf das Gespräch zu konzentrieren. Mit CatchEye möchten wir die Differenz zwischen Videotelefonie und echten Gesprächen verkleinern. Wir haben ein Videotelefonie Plugin entwickelt, welches  die Bildqualität von Videochats erhöht, und es den Gesprächspartnern ermöglicht, Augenkontakt herzustellen. Dabei verbessern wir nicht die Bildqualität im klassischen Sinn, was alle anderen schon machen, also mit mehr Megapixeln oder mehr Bildern pro Sekunde. Stattdessen stehen bei unseren Verbesserungen die Nutzer im Vordergrund. Ein Beispiel: Statt möglichst viel Bildinhalt zu übertragen, was klassischerweise als „Verbesserung“ angesehen wird, löschen oder verschwimmen wir sogar etwas vom Hintergrund. Das hilft, auf den Gesprächspartner zu fokussieren und Ablenkungen zu minimieren.

Wie ist die Idee zu CatchEye entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
CatchEye ist aus einem Forschungsprojekt am Computer Graphics Lab der ETH Zürich entstanden. Während meinem Doktorat haben wir neue Technologien für Telepräsenz entwickelt. Diese sollen es Personen ermöglichen, sich an einem entfernten Ort anwesend zu fühlen. Ein bisschen also wie das Holodeck von Star Trek.
In diesem Zusammenhang entwickelten wir einen Algorithmus, der mithilfe von Bildverarbeitung das Problem des fehlenden Augenkontakts in Video Gesprächen löst. Darauf bekamen wir viele positive Rückmeldungen und Anfragen, ob die Software bald auf dem Markt erhältlich sein würde. Wir entschieden uns, ein Skype Plugin zu entwickeln und so unsere Lösung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Schnell fand sich das Gründerteam aus dem Umfeld des Computer Graphics Lab zusammen.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Eine grosse Herausforderung war, aus unserem Forschungsprojekt einen Business Case zu entwickeln. Als Startup ist das richtige Business Model genau so wichtig, wie eine innovative Technologie. Finanziell werden wir in der ersten Zeit von Stiftungen und einem Pioneer Fellowship der ETH Zürich unterstützt. Gleichzeitig suchen wir im Moment nach Funding von Business Angels, um das Projekt nächstes Jahr weiterzuführen.

Wie hat sich das Unternehmen seit dem Start entwickelt?
Wir konnten seit dem Start schon einige Erfolge verbuchen. Wir haben zum Beispiel bei diversen Startup-Wettbewerben mitgemacht und sind bei Venture Kick und dem Swisscom Startup Challenge schon eine Runde weiter. Zugleich konnten wir aber im Gespräch mit Testnutzern und potentiellen Kunden schon viele Erfahrungen sammeln. Nicht zuletzt haben wir in der Zwischenzeit auch unser Team von Mitarbeitern und Beratern vergrössert.

Welche Wege gehen Sie, um Ihr Startup am Markt zu etablieren?
Da wir einen grossen Nutzen unserer Software für alle sehen, versuchen wir eine möglichst grosse Anzahl Leute zu erreichen. Das heisst zum Beispiel, dass wir nicht ein neues Videosystem entwickeln, sondern einfach ein Plugin. So können alle Nutzer ihre bestehende Software (sei das nun Skype, Google Hangouts oder Facebook Messenger) weiterverwenden, und trotzdem von CatchEye profitieren. Das gleiche gilt für die Hardware: Die erste Version unserer Software funktionierte mit einer sogenannten 3D Kamera, welche zusätzlich zum Farbbild auch Informationen zur Geometrie der Szene liefert. Da diese Kameras aber auf dem Markt noch nicht so verbreitet sind, entwickeln wir nun eine Version für gewöhnliche Webcams. Dafür suchen wir übrigens zur Zeit gerade Beta-Tester .

Wer ist die Zielgruppe von CatchEye?
Grundsätzlich alle, welche von angenehmeren Videogesprächen und verbesserter Kommunikation profitieren möchten. Sowohl privat, als auch geschäftlich wird Videotelefonie ja immer mehr Teil unseres Alltags. Im Speziellen denken wir, dass CatchEye besonders in Situationen helfen kann, wo persönlicher Kontakt und Vertrauen zwischen den Gesprächspartnern wichtig ist, zum Beispiel bei Interviews, oder im Bereich Telemedizin.

Wie funktioniert CatchEye?
Das Bild der Kamera wird durch unsere Sofware in Echtzeit während dem Gespräch optimiert und an Skype/Hangouts, etc weitergeleitet. CatchEye erkennt das Gesicht und erstellt im Hintergrund ein dreidimensionales Modell, woraus dann die Blickkorrektur berechnet wird. Ausserdem werden die Farben und der Bildausschnitt auf das Gesicht angepasst.

CatchEye, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Langfristig würden wir uns wünschen, dass wir unsere Technologie in einem bestehenden Videotelefonie System (zb Cisco, Skype) integriert wird. Dann müssten die User kein Plugin mehr installieren und wir könnten so noch mehr Nutzer erreichen.Auch mit unseren nächsten Produkten hoffen wir, die Online Kommunikation weiter zu verbessern und der Vision des Holodecks näher zu kommen. Neue Entwicklungen im Bereich Virtual Reality machen einen grossen Schritt in diese Richtung.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Vernetzt euch mit anderen Startups und integriert euch ins Startup Ökosystem. Am Anfang geht es vielen Gründern ähnlich und es tut gut, die Höhen und Tiefen zu teilen. Sprecht so früh wie möglich mit zukünftigen Kunden und Partnern, von ihnen kann man am meisten lernen und unter Umständen viel Zeit sparen. Oft geht es nicht so schnell voran, wie man gerne hätte, oder ein Plan funktioniert nicht. Das ist normal. In keinem Startup läuft alles perfekt. Es braucht viel Durchhaltewillen, ein gutes Team und eine positive Einstellung.

Wir bedanken uns bei Claudia Plüss und Jan Rüegg für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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