casenio lange selbstbestimmt zu Hause leben

casenio Smart-Home-Systeme

Stellen Sie sich und Ihr Startup Unternehmen casenio doch kurz unseren Lesern vor?
Wir von casenio wollen, dass Menschen möglichst lange selbstbestimmt zuhause leben können und dass Familien sicher sein können, dass es ihren Angehörigen gut geht. Dafür haben wir das intelligentes Hilfe- und Komfortsystem casenio entwickelt, das allein lebende Menschen in ihrem Alltag unterstützt. Es erkennt ungewöhnliche Situationen, macht den Bewohner darauf aufmerksam und benachrichtigt bei Bedarf Angehörige oder Pflegende. Im Gegensatz zu herkömmlichen Notrufsystemen kann casenio auch kombinierte Ereignisse in einer Wohnung erkennen und bewerten, ob diese eine mögliche Gefahr darstellen – zum Beispiel, wenn jemand zu Bett geht oder das Haus verlässt, während der Herd noch an ist. Zudem erinnert das Gerät an wichtige Routinen wie die Medikamenteneinnahme.

Wie ist die Idee zu casenio entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Die Initialzündung war die Erzählung eines unserer Kollegen beim Berliner IT-Systemhaus Die Netz-Werker, unserer heutigen Muttergesellschaft: Seine Oma hatte viele Stunden hilflos in der Wohnung gelegen, da sie nach einem Sturz ihren Notruf-Knopf nicht zur Hand hatte und nicht in der Lage war, selbstständig Hilfe zu rufen. Wir hatten dann die Idee, ein System zu entwickeln, das ungewöhnliche oder gar gefährliche Situationen selbstständig erkennt und das so einfach zu bedienen ist, dass auch Senioren damit zurechtkommen. Mit unserem IT-Know-how im Hintergrund und dem Wissen etwas wirklich Sinnvolles zu schaffen, entstand in Zusammenarbeit mit zahlreichen regionalen Partnern das casenio-System, das wir Mitte 2015 auf den Markt gebracht haben.
Das Gründerteam der casenio AG– bestehend aus Tim Lange, Stefan Busch, Mateusz Gwara, Daniel Lehmann und Thomas Petter– kennt sich bereits seit vielen Jahren durch die Zusammenarbeit bei Die Netz-Werker AG.

Von der Idee bis zum Start, was waren die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Aufgrund unserer langjährigen Tätigkeit bei den Netz-Werkern hatten wir zwar ein umfassendes Wissen im Bereich IT-Infrastrukturen und Netzwerksicherheit, aber ein Hardware-Produkt zu entwickeln stellte uns natürlich vor völlig neue Herausforderungen. Wir sind es aus dem IT-Bereich gewohnt, dass die Prozesse von der Entscheidung bis zum Produkt sehr kurz sind. Bei casenio aber sind wir aber auf die Zuarbeit von Hardware-Lieferanten angewiesen. Das hat den Prozess zwischenzeitlich sehr verzögert, was wir anfangs doch ziemlich unterschätzt hatten. Eine weitere große Herausforderung war es, den Bedarf der potenziellen Nutzer genau zu ermitteln. Das regelmäßige Feedback von Testgruppen und Experten aus Vereinen, Verbänden und Forschung sind die Basis für den Erfolg von casenio.

Das Grundkapital der casenio AG wurde zu 65 Prozent von der Muttergesellschaft Die Netz-Werker AG eingebracht. Die restlichen 35 Prozent entfallen auf einzelne Stammaktienhalter. Anfänglich noch unter dem Mantel der Netz-Werker AG tätig, wurde das casenio-Projekt außerdem vom Bundesministerium für Wirtschaft gefördert.

Wie hat sich casenio seit dem Start entwickelt?
Sämtliche Forschungsergebnisse zu Smart-Home-Produkten und insbesondere zu Ambient-Assisted-Living-Technologien zeigen, dass – neben den Kosten und dem Datenschutz – in erster Linie die Nutzerfreundlichkeit eines Systems und seine intuitive Bedienung entscheidend für den Erfolg am Markt sind. Das war von Anfang an unser Ziel und dem haben wir alle anderen Faktoren bei der Weiterentwicklung von casenio untergeordnet. Das durchweg positive Feedback von Nutzern und Partnern, sowie diverse Erfolge bei Awards wie etwa dem SmartHome Deutschland Award, zeigen uns, dass wir mit unserem Produkt auf dem richtigen Weg sind.
Stark angepasst haben wir unsere Vertriebsstrategie, denn wir haben mittlerweile festgestellt, dass ein Fokus auf Multiplikatoren im B2B-Umfeld für uns sinnvoller ist als ein reiner Online-Direktvertrieb.

Wer ist die Zielgruppe von casenio?
Zum einen natürlich die Nutzer selbst, also Senioren und Pflegebedürftige, die durch die Technologie Unterstützung und mehr Sicherheit im Alltag erfahren und möglichst lange in ihren eigenen vier Wänden bleiben wollen. Sie und ihre Angehörigen können casenio derzeit über den Sanitätshausfachhandel beziehen. Zum anderen richten sich unsere Lösungen an die Pflegebranche, die unser System im Betreuten Wohnen und in Pflegeheimen einsetzt, sowie an Vertreter aus der Wohnungswirtschaft, Versicherungen, Energieversorger und Architekten.

Wie funktioniert casenio?
Das System basiert auf dem Zusammenspiel von Hauszentrale, verschiedenen Sensoren und einem Service-Portal. Die Hauszentrale sammelt alle Informationen, die von den Sensoren gesendet werden und dient gleichzeitig als zentrale Kommunikationsschnittstelle.So übermittelt das System Bild- und Sprachnachrichten an den Bewohner und ermöglicht in Notsituationen über die eingebaute Freisprechanlange eine direkte Ansprache durch Kontaktpersonen von außen.Im Service-Portal können alle Funktionen den individuellen Bedürfnissen angepasst werden. Hier lässt sich einstellen, welche Situationen casenio erkennen und wer wann worüber informiert werden soll. Je nach Bedarf können Sensoren und Geräte jederzeit ergänzt oder austauscht werden. Casenio lässt sich kabellos montieren und benötigt keinen zusätzlichen Internet- und Telefonanschluss.

Mit welchen Kosten ist es für den privaten Nutzer verbunden?
Private Nutzer zahlen eine Nutzungsgebühr für den Betrieb des Systems, die ab 20 Euro pro Monat beträgt. Sie erwerben eine Guthabenkarte für mindestens einen Monat bis maximal 24 Monate und laden ihr Gerät entsprechend auf. Der Verkaufspreis für die Hardware ist niedrig gehalten, so dass der Einstiegspreis für das casenio-System für eine 2- bis 3-Zimmer Wohnung bei unter 500 Euro liegt.Für eine umfassendere Ausstattung kann das System nach Bedarf um weitere Komponenten ergänzt werden.

Casenio, wo geht der Weg hin?
Neue Ideen und Vorschläge von Nutzer und Partnern werden fortlaufend eingebracht und führen zu einer kontinuierlichen Verbesserung und Erweiterung unseres Produktspektrums. Aktuell arbeiten wir gerade an der Integration von Vitalmessgeräten in das casenio-System. Dann können Angehörige aus der Ferne sicherstellen, dass ihre Eltern oder Großeltern zum Beispiel regelmäßig ihren Blutdruck und Blutzucker messen und bei auffälligen Messwerten mit ihnen einen Arzt aufsuchen. Und natürlich kann sich der Nutzer selbst an die Messung erinnern lassen und seine Werte unkompliziert beobachten und auswerten.
Außerdem wollen wir zukünftig auch weitere Komfortfunktionen anbieten, die das Leben für ältere und in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen vereinfachen. So arbeiten wir an einem Türschloss, das die Möglichkeit bietet, die Wohnungstür mit einem generierten Code zu öffnen. Daneben wird casenio auch Funktionen aus dem Bereich Heizungs- und Lichtsteuerung bieten.
Um unsere First-Mover-Stellung im Markt weiter auszubauen, sind neben den genannten Weiterentwicklungen noch weitere Aktivitäten geplant, darunter eine Light-Variante der casenio-Hauszentrale als quadratische Set-Top-Box mit integriertem WLAN. Diese bietet dadurch ergänzende technische Möglichkeiten, hat aber gleichzeitig nur einen reduzierten Funktionsumfang, da beispielsweise auf ein Display verzichtet wird.

Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Natürlich liegt unser Fokus zunächst auf dem deutschen Markt. Hier wollen wir casenio bis Ende 2016 etablieren.Aufgrund des sehr starken Interesses auch im europäischen Ausland verhandeln wir aber unterdessen auch schon mit einigen internationalen Partnern über eine Zusammenarbeit. Ganz konkret planen wir für die nächsten Jahre den Markteintritt in Großbritannien, den Niederlanden sowie in Österreich und der Schweiz.
Generell schätzen wir die Aussichten für casenio aufgrund der demografischen Entwicklung und der zunehmenden Marktdurchdringung im Bereich der intelligenten technischen Alltagshilfen insgesamt als sehr positiv ein. Eine kontinuierlich wachsende Zahl an Mitbewerbern am Markt sorgt dafür, dass Smart-Home-Systeme immer selbstverständlicher werden. Unsere offenen Schnittstellen erlauben zudem eine problemlose Integration in bestehende AAL- und Smart-Home-Systeme. Das ist ein enormer Wettbewerbsvorteil für casenio.

Zum Schluss: Welche Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Was natürlich immer gilt: Behaltet den Kunden im Blick und holt euch kontinuierlich Feedback ein. Jede Kritik ist wertvoll und bringt euch weiter. Und ganz wichtig ist auch, das können wir aus eigener Erfahrung sagen: Plant Zeit und Budgetbedarf lieber sehr konservativ. Wenn es am Ende schneller und kostengünstiger geht, umso besser. Ärgerlich ist es aber, wenn man zunächst gesteckte Zeitziele immer weiter nach hinten verschieben muss und die veranschlagten Kosten immer weiter steigen.

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Wir bedanken uns bei Tim Lange für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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