Cargonexx läutet mit künstlicher Intelligenz eine neue Ära des LKW-Transports ein

Mit Cargonexx werden Leerfahrten im LKW-Transport reduziert

Jeder dritte LKW ist eine Leerfahrt. Die Gründe: Keine transparenten Preise, extreme Fragmentierung und traditionelle Prozesse. Die Folgen: Die Speditionen verdienen kaum, leere LKW verstopfen die Autobahnen und der Umweltschaden ist enorm. Diese Probleme löst das Logistik Start-up Cargonexx mit einem neuen Geschäftsmodell. Das Kernstück ist ein selbst lernendes, künstliches neuronales Netz (KI). Es analysiert Millionen Frachtdaten und prognostiziert als weltweit erstes System Spotmarktpreise für einzelne Touren auf Knopfdruck.
So konnte Cargonexx die Organisation eines LKW-Transports auf wenige Mausklicks reduzieren. Ein Spediteur stellt seine Tour ein, erhält sofort einen attraktiven Preis und kann mit einem Klick den Auftrag erteilen. Cargonexx matcht automatisch die Tour mit den Kapazitäten seiner registrierten Frachtführer. Auch die Frachtführer können den Auftrag mit einem Klick annehmen. Wie bei AirBnB laufen alle Prozesse über die Plattform. Cargonexx garantiert die Abwicklung und Bezahlung. Der Service ist kostenlos, da Cargonexx eine Marge zwischen Ankauf- und Verkauf der Tour verdient.
Cargonexx wurde 2016 gegründet und ist seit Oktober schrittweise in den Markt gegangen. Die Reaktion war überwältigend. Die Top Speditionen Deutschlands wollten von Anfang an dabei sein. Sie versprechen sich günstigere Preise, niedrigere Transaktionskosten und eine höhere Transparenz. Langfristig könnte ein großer Teil des Marktes über Plattformen wie Cargonexx abgewickelt werden, kommentierte jüngst ein Logistikmagazin.

Künstliche Intelligenz (AI) und den Transportmarkt, gleich zwei Megatrends bedient das Geschäftsmodell von Cargonexx aus Hamburg. Nachgefragt:
Wie kam es zur Idee von Cargonexx?
Rolf-Dieter Lafrenz:Die Idee entstand in der Schickler Unternehmensberatung. Wir analysierten Frachtenbörsen und Vermittlungsplattformen in der Logistik. Schnell sahen wir die Möglichkeit, mit innovativen Technologien und Geschäftsmodellen eine vollkommen neue Lösung zu schaffen. Wir diskutierten die ersten Ideen mit Praktikern aus der Branche. Schnell wurde deutlich, dass wir auf dem richtigen Weg waren. Das gab uns Mut, weiter zu machen.

Wie kann man sich das Modell der KI vorstellen?
Andreas Karanas: Spotmarkt-Preise schwanken von Tag zu Tag und von Tour zu Tour. Niemand besitzt einen vollständigen Überblick über den Markt. Deshalb basieren viele Kalkulationen auf Bauchgefühl. Diese Situation wollten wir verbessern. Unser Algorithmus ist nun bereit für den Markt und hat sich bislang hervorragend bewährt. Wir vertrauen auf das Prinzip der künstlichen Intelligenz. Selbst lernende Algorithmen (machine learning) bestimmen Spotmarkt-Preise für LKW-Touren, die automatisch auf freie Frachtführer-Kapazitäten verteilt werden.Der Algorithmus wird dabei täglich schlauer – von ganz allein.

Was unterscheidet Cargonexx in der Herangehensweise von anderen Start ups?
Rolf-Dieter Lafrenz: B2B-Geschäftsmodelle sind sehr anspruchsvoll, weil Du für Profis in ihrem Fachbereich arbeitest. Es reicht nicht, schnell ein MVP zu bauen und loszulegen. Wir haben zwölf Monate mit einem großen Team gearbeitet, bevor wir den ersten Auftrag abwickelten. Zwei Finanzierungsrunden lagen hinter uns, bevor wir die erste Rechnung schrieben. Man darf nicht unterschätzen, wie komplex LKW-Aufträge sein können, wenn man sie automatisch über eine Software abwickeln möchte. Und dann haben wir noch den ersten selbst lernenden Algorithmus zur Prognose von Spotmarktpreisen im LKW-Transport entwickelt. Im professionellen Bereich musst Du vom ersten Tag an punkten, sonst nimmt dich niemand ernst.

Wie ist das Feedback im Markt?
Lafrenz/Karanas: Super positiv. Speditionen und Frachtführer sehen uns nicht als Bedrohung, sondern als die Zukunft. Wir bekommen Anrufe von großen Logistik-Konzernen und innovativen Mittelständlern, die mit uns arbeiten möchten. Wir waren überwältigt vom Feedback unserer Kunden und sind es immer noch.

Was ist als Nächstes zu erwarten?
Lafrenz/Karanas: Zwei Perspektiven sind für uns entscheidend: Technologie und Markt. Als Technologieunternehmen ist es unser Ziel, den besten datenbasierten Service für unsere Kunden zu liefern. Dazu werden wir unseren Algorithmus zu einem künstlichen neuronalen Netz ausbauen, das auf Deep Learning basiert. Im Markt werden wir unser Netz aus Spediteuren und Frachtführern weiter ausbauen und mit Schlüssel-Kunden gezielte Partnerschaften eingehen. Denn im B2B-Geschäft entwickelt man großartige Lösungen nur gemeinsam mit den Kunden.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Andreas Karanas und Rolf-Dieter Lafrenz für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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