Früh den Kontakt zur Zielgruppe suchen

CareerFoundry: Online-Weiterbildung mit Mentor und Job-Garantie

Stellen Sie sich und Ihr Start-up-Unternehmen CareerFoundry doch bitte kurz vor.
CareerFoundry ist Europas größte Online-Weiterbildungsplattform für Berufe im Technologie-Bereich. Wir bieten praxisnahe, mentorengeführte Online-Kurse für Web Development, UX und UI Design sowie iOS Development an. Wir sind der Überzeugung, dass Weiterbildung heute flexibel, orts- und zeitunabhängig für jeden Interessierten machbar sein sollte – das geht am besten online. Trotz Digitalisierung legen wir aber auch großen Wert auf die persönliche Komponente: Mentoren und Career Coaches unterstützen, motivieren und inspirieren die Lernenden aus inzwischen mehr als 50 Ländern der Welt.

Wie entstand die Idee zu CareerFoundry?
Nach meinem Studium in Großbritannien und einigen Jahren als Investment-Strategin in London baute ich mehrere Unternehmen für Rocket Internet in Südostasien auf. Zurück in Deutschland sollte ich für ein anderes Projekt etwa 150 Entwickler einstellen, hauptsächlich aus dem Web-Development-Bereich. Das war eine schier unlösbare Aufgabe, denn der Arbeitsmarkt war beinahe leergefegt. Das machte mich nachdenklich. Was mir auffiel: Obwohl immer mehr Fachkräfte in der digitalen Wirtschaft gesucht werden, gibt es viel zu wenige Aus- und Weiterbildungen, deren Lerninhalte sich nach dem richten, was im beruflichen Leben wirklich gebraucht wird. Wenig später lernte ich in Berlin Martin Ramsin kennen, mit dem zusammen ich schließlich CareerFoundry gründete. Er bestätigte meine Analyse und trug vor allem praktische Erfahrung bei: Er hatte mehrere Online-Kurse belegt, um seine Web-Development-Kenntnisse aufzufrischen und sich vieles auch per Selbststudium durch Online-Tutorials beigebracht. Er brachte viele Ideen ein, was wir bei CareerFoundry anders und besser machen könnten.
Denn die bisherigen Erfahrungen zeigten zwar die Vor-, aber auch die Nachteile des E-Learnings: So kann sich der Lernende seine Zeit flexibel einteilen und auf alle Ressourcen des Internets zugreifen. Aber man verzettelt sich schnell, verliert die Motivation oder hat am Ende kein vorzeigbares Arbeitsportfolio, um sich erfolgreich auf einen Job zu bewerben. Wichtig ist uns deshalb, unsere Studenten beim Lernen zu begleiten. Während des gesamten Kurses steht ihnen ein erfahrener Mentor zur Seite, der fachspezifische Fragen beantwortet, aber auch motiviert und inspiriert. Zusätzlich unterstützen unsere Karriere-Coaches bei der Wahl des späteren Arbeitsumfeldes und bei der Jobsuche. Wir legen großen Wert darauf, dass jeder Absolvent ein Portfolio an Praxisprojekten vorweisen kann.

An welche Zielgruppen richtet sich das Angebot von CareerFoundry?
Unsere Kurse sind für jeden geeignet, der sich in der entsprechenden Richtung weiterbilden möchte. Das können Menschen sein, die bereits in der Branche arbeiten und ihr Know-how ausbauen möchten. Genauso viele unserer Studenten sind Quereinsteiger und kommen aus den verschiedensten Bereichen – von den Geisteswissenschaften bis zum Einzelhandel. Sie planen einen Karrierewechsel oder bereiten den Weg in die Selbständigkeit vor. Man benötigt keine besonderen Informatik-Kenntnisse, um einen CareerFoundry-Kurs belegen zu können. Die Affinität zur digitalen Welt und die Lust, etwas Neues, Kreatives zu lernen, genügen völlig. Und es funktioniert: Deshalb gibt es bei uns auch die „Job You Love Guarantee“. Das heißt, wir garantieren unseren Alumni, dass sie nach erfolgreichem Abschluss eines unserer Kurse einen Job finden, der sie begeistert – andernfalls erstatten wir die Kursgebühren zurück.

Was waren die größten Herausforderungen bisher und wie finanziert sich CareerFoundry?
Auch für uns war und ist es nicht einfach, ausreichend Experten zu finden, die bei uns als Mentoren fungieren können. Wir haben hohe Ansprüche an unsere Mentoren: Sie sollen natürlich extrem fit in dem jeweiligen Fachgebiet sein und möglichst viel Praxiserfahrung mitbringen. Inzwischen können wir auf einen Pool von über 130 Experten zurückgreifen.
Was die Finanzierung angeht: Gerade vor wenigen Wochen haben wir eine Serie-A-Finanzierung erfolgreich abschließen können. Wir sind sehr glücklich, dass eine Investorengruppe aus Tengelmann Ventures, Bauer Venture Partners und der IBB Beteiligungsgesellschaft das Potenzial unseres Angebotes ebenso positiv einschätzt wie wir und bereit ist, rund fünf Millionen US-Dollar zu investieren. Zuvor konnten wir bereits zweimal Kapital von mehreren Business Angels nutzen.

Wie hat sich das Unternehmen seit seiner Gründung entwickelt?
Wir starteten Ende 2013 mit einem Web-Developer-Kurs. Seitdem konnten wir unser Angebot stetig erweitern. Die Anzahl der Kursteilnehmer steigt exponentiell und hat sich in den letzten Monaten vervielfacht. Mehr als 2.500 Studenten haben inzwischen einen Sechs-Monats-Kurs abgeschlossen, fast ebenso viele belegten einen unserer Short Courses. Die Anzahl der festen Mitarbeiter und die der Experten steigt in einem gesunden Tempo – ich bin überzeugt, dass wir auf einem sehr guten Weg sind.

Wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie CareerFoundry in fünf Jahren?
Ich denke, der Fachkräftemangel wird auch weiterhin ein brennendes Thema sein. Die Digitalisierung hält Einzug in jeden Bereich des geschäftlichen und privaten Lebens, sodass noch auf absehbare Zeit zahlreiche Web Developer, UX-Designer und iOS-Entwickler gebraucht werden. Außerdem werden wir weitere Kurse etablieren und unser Expertennetzwerk ausbauen.
Ich bin der festen Überzeugung, dass sich unser Verständnis für die Art und Weise, wie wir uns weiterbilden, ändern wird. Lernen ist nicht etwas, was man ab und zu einmal tut, wenn man eine anspruchsvolle Aufgabe bekommt. Wir lernen ein Leben lang, entwickeln und verändern uns. Jeder hat Talent und Potenzial in vielen Bereichen – oft sogar, ohne dass es ihm oder ihr bewusst ist. Wir brauchen deshalb flexible und zeitgemäße Weiterbildungsangebote und den Mut, Veränderung als Chance zu begreifen.

Zum Schluss: Welche Tipps würden Sie Gründern mit auf den Weg geben?
Ich finde es sehr wichtig, sich immer wieder Meinungen und Ratschläge von außen einzuholen. Freunde können helfen, ein selbstbewussteres Erscheinungsbild aufzubauen oder die Geschäftsidee auf ihre Praxistauglichkeit hin zu prüfen. Früh den Kontakt zur Zielgruppe zu suchen, hilft, das Geschäftsmodell zu testen und Verbesserungsmöglichkeiten zu identifizieren. Mentoren, die selbst aus der Branche oder ebenfalls Unternehmensgründer sind, können wertvolle Tipps geben und auf Dinge aufmerksam machen, die einem selbst vielleicht gar nicht auffallen. Ich finde, es ist eine wundervolle Herausforderung, selbst ein Unternehmen zu gründen. Bei allem Feedback und allen Ratschlägen sollte man aber auch bei sich selbst bleiben und unbedingt einen langen Atem haben. Wenn ein Geschäftsmodell keine Hürden enthält, es nicht zwischendurch auch mal richtig schwer wird, dann könnte es ja schließlich jeder umsetzen.

Wir bedanken uns bei Raffaela Rein für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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