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carbonauten produziert Biokohle aus Resten der Holzindustrie, Land- und Forstwirtschaft, Lebensmittelindustrie

Stellen Sie sich und das Startup carbonauten doch kurz unseren Lesern vor!
Ich bin Torsten Becker, Geschäftsführer, Gründer und Inhaber und zuständig für Produktentwicklung und Kommunikation. Die carbonauten produzieren Biokohle aus Resten der Holzindustrie, Land- und Forstwirtschaft, Lebensmittelindustrie. Dazu setzen wir die derzeit effizienteste Karbonisierungstechnologie ein. Diese Biokohlen sind die Plattform für hocheffektive Anwendungen wie Bodenhilfsstoff, Futterkohle, Aktivkohle oder Biogrillkohle. In den ersten drei Anwendungen speichert 1 t Biokohle 3,6 t CO2. Biogrillkohle mutet zunächst banal an, ist aber ob des enormen Jahresbedarfs in Deutschland mit 330.000 t ein ökologisches Thema, da nur 50.000 t selber in Deutschland hergestellt werden und 280.000 t aus den Regen- und Urwäldern Südamerikas, Afrikas, Osteuropas und Sibiriens stammen.

Wie ist die Idee zu carbonauten entstanden?
Vor sieben Jahren habe ich Christoph Hiemer kennengelernt, einen der wenigen Experten für das Thema Biomasse und -energie sowie Karbonisierung.

Schnell hatte ich begriffen, das Biokohlenstoffe einfache und hochwirksame Lösungen auf dringende Umweltprobleme bieten.

Welche Vision steckt hinter carbonauten?
Wir werden Biokohlenstoffe aus der Nische holen, salonfähig machen und in die Breite bringen. Dazu werden wir im industriellen Maßstäben planen und handeln, damit günstige Preise eine hohe Akzeptanz bei Anwendern erzeugen. Zudem werden unsere Biokohlenstoffe zukünftig viele erdölbasierte Produkte wie Kunststoffe oder Dämmstoffe ergänzen oder ersetzen.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Uns war klar, dass wir trotz aller eigener Begeisterung und Leidenschaft und Nichts in der Hand unbedingt eine reale Erstanlage brauchen, damit wir weitere Standorte erschließen können. Denn davon gibt es potentiell hunderte allein in Deutschland. Wir haben dazu im Bekanntenkreis nach Möglichkeiten geschaut und konnten Menschen von unserer Idee begeistern, u. a. auch einen Privatinvestor. Dazu haben wir im Vorfeld einen konkreten Standort ausgesucht, der 40% Förderung erhält – bei einer Gesamtinvestition von 2,2 Mio. Euro ein schlagendes Argument. Anschließend sind wir zu potentiellen Kunden aus den Märkten Aktivkohle, Futtermittelkohle, Bodensubstrate und Grillkohlen gegangen.

Diese haben mit uns Vorverträge geschlossen und Optionen auf den Bezug von Biokohlenstoffen weiterer Standorte. Obwohl die Erstanlage Mitte 2019 in Betrieb geht, haben wir so schon 70% der Produktion verkauft. Eine weitere Herausforderung war, die Story für Investoren attraktiv aufzubereiten. Da Qualität bei uns über allem steht, daher haben wir in einen Profi-Coach investiert.

Wir finanzieren uns seit 2017 aus privaten Mitteln und der Beratung von Unternehmen, die wir nach der ersten Finanzierungsrunde einstellen werden.

Wer ist die Zielgruppe von carbonauten?
Unsere Biokohlenstoffe verkaufen wir an Großabnehmer und die Industrie. Da sind zwar die Margen etwas niedriger, aber wir bekommen langfristige Lieferverträge und müssen nicht noch in Marketing und vor allem teuren Vertrieb investieren. Es gibt aber auch die Überlegung, später einmal lokal erzeugte Biogrillkohle in der jeweiligen Region zu verkaufen.

Was ist Biokohlenstoff?
Kohlenstoff ist das vierthäufigste Element im Universum und Voraussetzung für organisches Leben. Kohlenstoffe kennen wir beispielsweise als fossile Bergbaukohle oder Diamant, Der menschliche Körper besteht zu einem Drittel aus Kohlenstoff. Kohlenstoff hat sensationelle Eigenschaften, die man sich in Anwendungen zu eigen machen kann. Da Erdöl als Kohlenstoffverbindung und andere fossile Kolenstoffe endlich sind und wesentlich zum Klimawandel beitragen, nutzen wir Pflanzenreste, denn in diesen ist CO2 gespeichert, solange sie nicht verrotten oder verbrannt werden. Durch die Karbonisierung (Pyrolyse ohne Sauerstoff) entstehen Biokohlen.

carbonauten
carbonauten Biokohle Biokohlenstoffe

Wofür kann man ihn nutzen?
Es gibt viele sinnvolle Anwendungsbeispiele und sogenannte Kaskadennutzungen der Biokohlen. Drei Beispiele dazu. Jeder kennt es: Bei Durchfall hilft eine Kohletablette. Diesen Effekt nutzt man in der Massentierhaltung bei Rinder, Schweinen und Geflügel. Das Darmklima verbessert sich, es entsteht in den Mägen weniger hochaggressives Klimagas Methan. Die Tiere benötigen weniger Medikamente und Antibiotika, sie werden lebendiger und legen an Gewicht zu, die Krankheits- und Sterberaten sinken. Die Biokohle wird nicht verdaut und saugt nach deren Ausscheidung den Harnstoff des Urins auf, dadurch entstehen weniger Faulgase in der Gülle. Der Fliegendruck lässt nach. Bei der Ausbringung auf die Felder bleiben die Nährstoffe der Gülle wurzelnah bei den Nutzpflanzen. Und das Nitrat sickert nicht ins Grundwasser.
Aktivkohlen in Wasserfiltern sind auch bekannt. Die haben zu 1.200 qm Oberfläche (1/3 Fußballfeld) pro Gramm und holen somit feinste Partikel aus verunreinigtem Wasser.

Im Boden sorgen die Biokohlen für ein exzellentes Klima für Mikroorganismen, die in Symbiose mit Pflanzen stehen und diese bei Wachstum und gegen Krankheiten helfen (Terra Preta).

carbonauten, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Wir kennen die Märkte und Kunden und gehen von mindestens 40 Anlagen bis 2023 aus. Dies entspricht bei den existierenden Märkten einem Umsatz von 40 Mio. € und einem EBITDA von 13,5 Mio. €. Das ist hochattraktiv und nur der Anfang der Skalierung. Aktuell haben wir erste Gespräche mit Arabien, Kanada, Südamerika und Afrika. Insbesondere in den Schwellenländern ist die Technologie interessant, da als Nebenprodukt bei der Herstellung je Anlagenmodul 1 MW Wärme erzeugt wird, die auch in Elektrizität gewandelt werden kann und so dezentral die wirtschaftlichen Entwicklungen auf dem Lande unterstützt.

Aktuell kooperieren wir mit der Universität Hohenheim, die mit uns Verpackungsmaterialien auf Basis Biokohlenstoffen entwickeln will. Aber auch Dämmstoffe, Kompakt und Leichtbaumaterialien sind im Blickfeld. Und die Industrie ist offen dafür, die sagen klar: Wenn ihr was habt, her damit! Wir denken, dass wir auch die Industrie für die Entwicklung mit an Bord holen könne. Interessanterweise weniger die bekannte Großindustrie, sondern die KMU. Die denken mittlerweile disruptiv und nachhaltig, sind schneller und verbindlicher und haben eine faire Kultur der Augenhöhe.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
1. Entwickle neben aller Euphorie für die Idee eine konkrete und nachvollziehbare Umsetzung als Meilenstein für Interessierte. Die Vision für die nächsten 10 Jahre ist nicht so bedeutend.
2. Hol dir einen Profi-Coach an Bord, der dich individuell betreut und der die Sprache der Investoren kennt.
3. Sei nicht profitgetrieben sondern zeige über die Idee hinaus ein hohes Maß an menschlicher Haltung und Kultur. Wenn dann die Idee noch gut ist, kommt das Geld von alleine.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Thorsten Becker für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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