Die einzige Limitierung liegt in mangelnder Vorstellungskraft

Capjob Online Job-Portal speziell für Menschen mit Behinderung

Stellen Sie sich und das Startup Capjob doch kurz unseren Lesern vor!
Hallo und danke für das Interview. Mein Name ist Felix Hüning, ich bin 30 Jahre alt, habe zwei Kinder und lebe in Karlsruhe. Ich habe an der Dualen Hochschule Karlsruhe Wirtschaftsinformatik studiert und arbeite hauptberuflich als E-Commerce Manager für das Softwareunternehmen Nero AG.

Capjob ist ein Online Job-Portal speziell für Menschen mit Behinderung, auf dem inklusiv arbeitende Unternehmen (also mit behinderten Mitarbeitern), offene Stellen des ersten Arbeitsmarkts veröffentlichen und dabei pro Stelle die „passenden“ Behinderungen angeben. Sprich, der Arbeitgeber gibt an, dass der Koch gerne Autist sein darf, aber wählt eben nicht „Rollstuhlfahrer“, wenn die Arbeit schlicht und ergreifend nicht möglich ist. Das sorgt für Transparenz und auf Jobsucherseite kann dann entsprechend nicht nur nach Stellenbezeichnung und Wunschort, sondern auch nach dem eigenen Handicap gesucht werden. Das ist meines Wissens nach einzigartig.

Unser Team besteht seit neuestem aus vier ehrenamtlichen Mitarbeitern, wovon zwei selbst schwerbehindert sind und dadurch enormes Insider-Wissen bereitstellen können.

Wie ist die Idee zu Capjob entstanden?
Die Idee kam auf, als ich mich mit einem langjährigen sehbehinderten Arbeitskollegen über das Thema Bewerbung als Behinderter unterhalten habe und er meinte, dass er kein spezielles Jobportal kenne. Das konnte ich kaum glauben und habe mich an das Konzept gemacht.

Warum haben Sie sich entschlossen ein Unternehmen zu gründen?
Um ein Produkt anzubieten, was es so noch nicht gibt, ist in der Regel ein neues Unternehmen von Nöten. Für mich bedeutet ein Unternehmen zu gründen, ein Produkt zu erschaffen, was ein konkretes Problem löst, und man dabei alle Freiheiten hat, das Produkt und die Vermarktung selbst zu gestalten, was ein schöner Anreiz ist.

Von der Idee bis zum Start, was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Von der Idee bis zum Start gab es keine größeren Herausforderungen. Schwierig war dann aber der Start, da ein Jobportal dem Henne-Ei Problem unterliegt: ohne Stellen kommen keine Bewerber und ohne Bewerber-Traffic will ein Unternehmen keine Stellen veröffentlichen. Also mussten wir den Unternehmen die Vision in Aussicht stellen und den Sinn hinter Capjob erklären. Als dann die ersten Unternehmen zugesagt hatten, war es dann nicht mehr so schwierig und es kommen mittlerweile auch ohne unser Zutun Arbeitgeber auf Capjob und veröffentlichen Stellen.

Da ich ein großer Fan der „Lean Startup“ Methode bin, habe ich versucht, alles so schlank und günstig zu starten wie möglich, und um sich jederzeit an die Kunden anzupassen, um den passenden „Product-Market-Fit“ zu erreichen. Von daher ist Capjob bislang nur von mir selbst finanziert.

Wer ist die Zielgruppe von Capjob?
Die Zielgruppe ist ziemlich eindeutig. Auf der Arbeitgeberseite sind es Integrationsbetriebe, bei denen über 40% der Mitarbeiter mit Behinderung arbeiten und regelmäßig neue Mitarbeiter suchen. Dann sind es Unternehmen aus der freien Wirtschaft, die ja gesetzlich dazu verpflichtet sind, 5% ihrer Belegschaft durch Schwerbehinderte abzudecken (viele zahlen leider lieber die Ausgleichsabgabe). Und dann gibt es noch kleinere Firmen und Einrichtungen, die entweder bereits Erfahrungen mit behinderten Mitarbeitern haben, oder es gerne versuchen möchten und sich ihrer sozialen Verantwortung bewusst sind.

Auf der Bewerberseite sind es Menschen mit Behinderungen jeglicher Art im erwerbsfähigen Alter, die körperlich und/oder geistig in der Lage sind einer Arbeit nachzugehen und einen neuen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt suchen.

Wie funktioniert Capjob?
Capjob funktioniert so: Ein Arbeitgeber registriert sich kostenlos und erstellt dann unter Angabe der „geeigneten“ Behinderungen eine Stellenausschreibung. Bei der Veröffentlichung kann zwischen kostenlosem (für gemeinnützige Vereine & non-Profit Betriebe) und bezahltem Premiuminserat (für alle gewinnorientierten Unternehmen) gewählt werden. Die Stellenanzeige erlangt dann durch Social-Media-Verbreitung einige Tausend Sichtkontakte durch die Wunschzielgruppe. Der Arbeitgeber sieht pro Stellenausschreibung die Anzahl der Sichtkontakte & Klicks und kann dort auch die Bewerbungen und Stellen verwalten.

Interessierte Bewerber können sich direkt mit wenigen Klicks auf die veröffentlichten Stellen bewerben und wenn es gerade keine passende Stelle gibt, dennoch in ihrem kostenlosen Jobsucher-Profil ihren Lebenslauf inklusive Angabe der benötigen Hilfsmittel bei der Arbeit, eintragen, um von Premium Unternehmen gefunden werden zu können.

Welche Vorteile bietet Capjob?
Der Vorteil liegt vor allem darin, dass das Zusammenfinden von Arbeitgeber und Jobsucher durch Transparenz beschleunigt wird. Alle Arbeitgeber, die auf Capjob inserieren, haben ernsthaftes Interesse an der Einstellung von Menschen mit Behinderung und geben die möglichen Behinderungsarten an, um von Beginn an Transparenz zu schaffen. Bewerber sparen sich die zähen und nervigen Bemühungen, sich bei Unternehmen zu bewerben, die dann aufgrund der Behinderung doch nicht einstellen (das wurde mir persönlich mehrfach so gesagt).

Capjob, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Das Ziel ist, weiter an Reichweite und Stellenangeboten zu wachsen und in Deutschland für Menschen mit Handicap die erste Anlaufstelle bei der Online-Jobsuche zu werden. Dafür brauchen wir noch mehr Sichtbarkeit und Partnerschaften. Aktuell arbeiten wir mit dem NetzwerkInklusion e.V. (netzwerkinklusion.de), dem FreiesSehen e.V.(freiessehen.org) und neuerdings auch mit GoodJobs (goodjobs.eu) zusammen, um mehr Bewusstsein und Reichweite für Inklusions-Jobs zu erlangen. Außerdem möchte ich das Unternehmen zu einer gemeinnützigen UG oder GmbH führen und wenn das Konzept weiterhin gut funktioniert, könnte Capjob in fünf Jahren in sozial starken Ländern als die effiziente und faire Jobbörse für Menschen mit Handicap bekannt sein.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Erstens: die einzige Limitierung liegt in mangelnder Vorstellungskraft. Ansonsten ist wirklich alles möglich, also niemals einschüchtern lassen. Zweitens: es ist nie die Idee, sondern die Umsetzung, die den Unterschied macht. Selbst wenn es schon etwas gibt und man denkt, dass man es besser machen kann -> machen. Drittens: die beste Idee löst ein vorhandenes oder zukünftiges Problem. Ideen, die keine Probleme lösen, sind meist schwerer zu verstehen und somit schwerer zu vermarkten.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Felix Hüning für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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