Lernt mit dem Kritiker im eigenen Kopf umzugehen

Buzzard tagesaktuelle Medienplattform, die Überblick und Verständnis über Medien schafft

Stellen Sie sich und das Startup Buzzard doch kurz unseren Lesern vor!

Buzzard ist ein Team aus jungen Journalist*innen, die der Wunsch umtreibt, etwas an der derzeitigen Radikalisierung und Spaltung der deutschen Gesellschaft zu verändern. Unser Projekt soll Menschen ermuntern, sich konstruktiv und lösungsorientiert mit Andersdenkenden auseinanderzusetzen, anstatt andere Meinungen aus ihrem Umfeld zu verbannen oder niederzukämpfen. 

Mit Buzzard wollen wir die Art verändern, wie Menschen sich informieren und wie sie sich austauschen. Denn theoretisch ist es derzeit zwar so, dass wir mit dem Internet die Möglichkeit haben, uns so einfach so breit zu informieren wie nie zuvor. Faktisch aber erschlägt uns eine Informationsflut und immer mehr Menschen gewöhnen sich an die Bestätigung ihres eigenen Weltbildes durch Medien. Menschen erschließen sich die Welt überwiegend anhand von Medien, die ihre Grundannahmen wiedergeben und Algorithmen, die konzipiert sind, bestehende Ansichten zu bestärken. Auf der Strecke bleibt die Auseinandersetzung mit anderen Meinungen und die Debatte, die doch so wichtig für unser demokratisches Zusammenleben ist. 

Mit Buzzard schaffen wir eine App, die verschiedene Perspektiven beleuchtet und Menschen dazu anregt, öfter über den eigenen Tellerrand zu gucken. Zu den Top-Themen bekommen Nutzer*innen täglich die wichtigsten Positionen und Perspektiven aus verschiedenen Meinungen mit. Ohne sich selbst durch die Informationsflut des Internets kämpfen zu müssen, kriegen sie so Medienstimmen vom ganzen demokratischen Meinungsspektrum mit – schnell, übersichtlich und von unseren Redakteur*innen journalistisch geprüft und eingeordnet. 

Wie ist die Idee zu Buzzard entstanden?

Die ersten Ideen für eine Debattenplattform stammen noch aus den Studienzeiten unserer Gründer Dario Nassal und Felix Friedrich. Insbesondere in der deutschen Berichterstattung über Griechenland fiel den beiden auf, wie einseitig in den Medien teilweise berichtet wird und wie daraus Wut und polarisierte Debatten entspringen können. Das ist ja das eigentlich Tragische: Im Prinzip sind die verschiedenen Positionen alle online verfügbar, aber niemand hat Zeit sich diese heraus zu recherchieren und anzuschauen.   

Welche Vision steckt hinter Buzzard?

Medien prägen unsere Wahrnehmung der Welt. Wenn wir wollen, dass Menschen ein offeneres Weltbild haben und verständnisvoller miteinander umgehen, müssen wir bei den Medien anfangen. Wir glauben, dass wir mit unserer Plattform, die Debatten unserer Zeit mehr zum positiven wenden können, als wir das könnten, wenn wir als junge Journalisten in einer herkömmlichen Redaktion arbeiten. 

Was waren bisher die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?

Bisher gab es Buzzard in einer ersten Version, bei denen die Nutzer*innen einmal die Woche eine aktuell kontrovers diskutierte Debatte in ihrer Breite vorgestellt bekamen. Von unserer Redaktion wurden dabei verschiedene Medienperspektiven ausgewählt, zusammengefasst und eingeordnet. Ein Hauptproblem war dabei bisher die Finanzierung. Obwohl wir auf viel Bestärkung gestoßen sind und mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet wurden (u.a. Kultur- und Kreativpiloten, Media Lab Bayern und Google Digital News Initiative), hatten wir bisher nicht genügend Einnahmen durch Leser. Auch hatten wir das Gefühl, dass wir in letzter Zeit stagnierten und zu wenig neue Leser*innen für unsere Vision gewinnen konnten. Uns war also klar: Wenn Buzzard auf Dauer erfolgreich sein soll, müssen wir etwas verändern. 

Warum haben Sie sich für eine Crowdfunding Finanzierung entschieden?

Uns war klar geworden, wir wollen Buzzard auf ein neue Stufe heben. Buzzard muss ein Werkzeug werden, das man im Alltag jeden Tag nutzen kann. Eine App, die einem hilft einen neuen Blick auf die Nachrichtenwelt zu bekommen und nicht nur zu wechselnden Themen einmal pro Woche. Nur so können wir wirklich etwas am Medienkonsum verändern und nur so, können wir der zunehmenden Radikalisierung und Hass und Hetze etwas entgegensetzen. Das war nie wichtiger als jetzt. 

Gleichzeitig wollen wir, dass Buzzard unabhängig von einem großen Medienkonzern und werbefrei bleibt. Und wir wollen die Daten unserer Nutzer nicht verkaufen. Weil das nicht unseren Werten entspricht. Deshalb starten wir jetzt das groß angelegte Crowdfunding. Um eine klassische Crowdfunding-Kampagne handelt es sich dabei nicht, vielmehr geht es um eine Mitgliederfinanzierungs-Kampagne. Das heißt: wir wollen 4500 Gründungsmitglieder erreichen, die unser Projekt mit 5€ im Monat unterstützen und dafür vollen Zugriff auf unsere neue Plattform und die App bekommen. Diese können dann unsere Inhalte lesen, mitdiskutieren, über Themen abstimmen und diese neue Form des Journalismus mitgestalten. Und sie garantieren, dass wir als unabhängiges und werbefreies Journalismus-Projekt ein Jahr arbeiten können. 

Wo sehen Sie die Vorteile für sich?

Mit dem Crowdfunding einher geht eine grundsätzliche Neukonzipierung unseres Angebotes. Die erste Version von Buzzard haben wir eingestellt und fokussieren uns stattdessen für die Dauer der Kampagne ganz darauf, noch einmal neue Kreise auf unser Projekt aufmerksam zu machen und die neue App aufzubauen. Durch unseren Entschluss einen radikalen Umbruch einzuleiten, anstatt unseren bisherigen Weg weiterzuverfolgen, sind wir gezwungen, noch größer zu denken und noch mutiger zu werden. Das hat uns bisher sehr gut getan. Und es hat uns als Team und als Community noch viel stärker zusammengeschweißt. 

Was werden Sie nach erfolgreicher Finanzierung umsetzen?

Wenn es uns gelingt, 4500 Gründungsmitglieder für unser Vorhaben zu begeistern, ist die Finanzierung von Buzzard für ein Jahr gesichert. Wir starten dann im Frühjahr 2020 die neue App und Online-Plattform, haben genug Budget, um eine Redaktion zu bezahlen, die tägliche Inhalte bestückt und mit Budget für Entwicklung, Design und Marketing den Grundstein zu legen für die kommenden Jahre. Alle Ausgaben stellen wir für Gründungsmitglieder auf der neuen Homepage transparent dar.

Wer ist die Zielgruppe von Buzzard?

Prinzipiell richten wir uns mit unserem Angebot an alle Leute, die das Gefühl haben durch ihre derzeitige Mediennutzung nicht ausreichend und ausgewogen über das politische Geschehen informiert zu werden. Wir möchten Menschen ansprechen, die den Wunsch haben, öfter ihren Horizont zu erweitern, neue Meinungen kennenzulernen, die sie anderswo nicht so schnell bekommen würden und die sich gerne breiter informieren möchten. Außerdem richten wir uns an Menschen, denen schlicht die Zeit fehlt, um sich durch verschiedene Zeitungen zu lesen und die trotzdem schnell und übersichtlich über die wichtigsten Stimmen und Meinungen in einer Debatte informiert zu werden.

Das sind einerseits liberal-intellektuelle Menschen, die der zunehmenden Radikalisierung in unserer Gesellschaft etwas entgegensetzen wollen. Und es sind Menschen auf dem expeditiven Milieu. Menschen zwischen 20 und 35, die seit langem Services wie Spotify und Netflix nutzen, sich zwar schon lange nicht mehr für ein Zeitungsabo entscheiden, aber denen es wichtig ist differenziert informiert zu sein über Politik und Gesellschaft. Für diese Gruppen bieten wir für fünf Euro im Monat eine gute Lösung an. Sie unterstützen damit ein unabhängiges journalistisches Projekt, das ihnen jeden Tag einen differenzierten Überblick in der täglichen Nachrichtenflut bietet. 

Wo liegen die Vorteile? Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Unsere Vision einer tagesaktuellen Medienplattform, die Überblick und Verständnis über Medien vom ganzen Meinungsspektrum schafft, ist bisher einzigartig. Von einer klassischen Nachrichten-App unterscheiden wir uns nicht nur durch unsere Perspektivenvielfalt, sondern auch dadurch, dass wir alle bei uns erscheinenden Texte journalistisch einordnen und aufzeigen, woher diese kommen und warum diese wichtig für die jeweilige Debatte sind.  Von einzelnen Medienmarken unterscheiden wir uns darin, dass wir einen medienübergreifenden Überblick bieten. Wir sind eine Überblicksplattform, kein Online-Magazin. 

Buzzard, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Von Anfang an haben wir Buzzard gestartet, weil wir eine große Vision haben. Diese Vision verfolgen wir noch immer: Wir wollen mit Buzzard zu einer Welt beitragen, in der Menschen mehr Verständnis füreinander haben. Das erreichen wir, indem wir neue Debatten und einen neuen Medienkonsum möglich machen. In fünf Jahren wollen wir europaweit aktiv sein und wollen auf einem guten Weg sein, um eine der größten Plattformen für politische Perspektiven in Europa zu werden. Aber uns geht es nicht in erster Linie darum, schnell zu wachsen. Uns geht es vor allem darum etwas zu bewegen.

Wir wollen uns in fünf Jahren daran messen lassen, wie viele Menschen wir motiviert haben, verständnisvoller mit Andersdenkenden umzugehen. Wir wollen uns daran messen lassen, ob wir einen Wandel in der Diskurskultur in Deutschland voranbringen konnten. Uns ist wichtig, dass wir in fünf Jahren sagen können: Wir haben einen wichtigen Teil dazu beigetragen, Radikalisierung zu bekämpfen und Demokratie zu stärken. Das ist uns wichtig. Denn so wie es aktuell läuft, kann es nicht weitergehen.

Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Erstens, überlegt euch jeden Tag, bevor ihr euch an die Arbeit setzt, warum ihr tut, was ihr tut. Zweitens, lernt mit dem Kritiker im eigenen Kopf umzugehen und glaubt an euch. Drittens es gibt viele gute Möglichkeiten Startups, coole Projekte und erfolgreiche Unternehmen aufzuziehen. Ihr müsst nicht den Silicon Valley Weg nachahmen und um jeden Preis versuchen, schnell zu wachsen. 

Link zum Crowdfunding

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei den Gründern für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

Schreibe einen Kommentar