Businessplan war gestern – so werden Kapitalgeber heute überzeugt!

Sie haben eine gute Geschäftsidee? Sie wollen damit schnell und kraftvoll auf den Markt, um die eigene Marktposition direkt zu festigen? Dann brauchen Sie auch Kapital und somit einen Businessplan.

Ohne Businessplan wird Ihnen weder ein Bank noch ein Investor dieses zusätzliche Kapital geben. So zumindest ein auch heute noch weiterverbreiteter Mythos.

Aber stimmt das überhaupt?

Die Wahrheit über Businesspläne

Ein Businessplan, wie er an der Uni, aber auch von vielen anderen Instituten vorgeschlagen wird, ist ein Dokument, das schnell auch mal mehr als 60 DIN A4 Seiten haben kann. Hierin wird von der Unternehmerpersönlichkeit über den Markt und Wettbewerb geschrieben, die Geschäftsidee mit SWOT-Analysen unter die Lupe genommen, um dann in dem Finanzplan auch noch Zahlen sprechen zu lassen. Um den geneigten Leser schnell in die Thematik einzuführen, wird empfohlen, dass Sie eine Executive Summary vorwegstellen sollten.

Das passiert mit Ihrem Businessplan

Egal ob nun Banker, Business Angel, Inkubator oder Venture-Capital-Geber. Alle machen dasselbe. Zuerst wird die Summary gelesen, um sich zu versichern, ob die Geschäftsidee überhaupt auf grundsätzliches Interesse stößt.

Wenn ja, wird der Finanzplan auf Herz und Nieren geprüft. Da läuft im Kopf Ihres Kapitalgebers regelrecht ein Film ab. Dabei stellt er sich Fragen wie:

• Sind alle wichtigen Informationen enthalten?
• Sind die Annahmen nachvollziehbar?
• Sind dem Gründer Fehler unterlaufen?

Sobald in diesem Zahlenteil Besonderheiten auffallen, wird der Kapitalgeber im Rest des Textes nach passenden Erklärungen suchen. Aber auch nur dann.

Somit wird in vielen Fällen der Großteil Ihres Textes im Business-Plan gar nicht gelesen. Überlegen Sie mal, wieviel Zeit und Nerven Sie in die Formulierung dieser Passagen gesteckt haben?

Warum ist das so?

Die Antwort ist fast zu banal, um Sie hier zu schreiben. Es ist schlichtweg die fehlende Zeit. Dass zusätzlich auch noch täglich viele verschiedene Businessplänen auf den Schreibtischen der Kapitalgeber landen, macht die Situation nicht besser.

Diesem Fakt haben Sie sich zu stellen.

Die spannende Frage ist nun: Können Sie diesen Fakt für sich zum Vorteil nutzen?

Ja. Das können Sie.

Der tiefe Sinn eines Businessplans

Über den Businessplan prüft der Kapitalgeber, ob eine Investition in Ihre Geschäftsidee auch für ihn selbst rentabel ist. Das ist schließlich das Geschäftsmodell von Investoren und Banken. Es wird Geld zur Verfügung gestellt, das sich bis zum Ende der Geschäftsbeziehung möglichst stark vermehren soll

Die Lösung: Der richtige Fokus

Um diese Prüfung vornehmen zu können, wird zwingend der Finanzplan benötigt. Ohne diesen wird nur in den seltensten Fällen Kapital vergeben und zudem sollte der vorgelegte Finanzplan wasserdicht sein.

Die 3 Prinzipien eines wasserdichten Finanzplans:

1. Vollständigkeit: Die beiden großen Unternehmensziele „Rentabilität“ und „Liquidität“ müssen über einen angemessenen Zeitraum (3-5 Jahre) nachgewiesen werden.
2. Plausibilität: Es ist ganz normal, dass Ihr Zukunftsszenario auf Annahmen basiert. Wichtig ist nur, dass alle Annahmen plausibel sind. Das erreichen Sie am einfachsten über objektive Belege, wie z.B. Experten-Studien.
3. Fehlerfrei: Gerade wenn Sie Ihren Finanzplan mit Excel selbst erstellen, achten Sie unbedingt darauf, Formelfehler zu vermeiden. Setzen Sie dazu auf Checksummen, die evtl. auf einem gesonderten Arbeitsblatt zentral gesammelt werden. Über ein solches Arbeitsblatt können Sie nicht nur Formeln, sondern auch betriebswirtschaftliche Zusammenhänge (z.B. die Summe der Abschreibungen ist nicht größer als Anschaffungskosten) prüfen.

Sobald Ihr Finanzplan diesen Prinzipien folgt, werden Ihre Zahlen eine Geschichte erzählen. Diese Geschichte sollten Sie dann in einem Erläuterungsteil aufnehmen und ausschmücken.

Storytelling im Finanzplan: So geht‘s

Ein grobe Richtschnur könnte sein: Der Erläuterungsteil sollte im Wesentlichen der Executive Summary entsprechen, aber an kritischen, d.h. besonders wichtigen Stellen ausführlicher sein.

Gerade Themen wie Umsatz und die Entwicklung erfolgskritischer Kostenpositionen, sollten nicht nur in 1-2 Sätzen abgehandelt werden. Führen Sie den Leser durch ihren Finanzplan. Stellen Sie sich vor, Sie möchten über die betriebswirtschaftlichen Chancen und Risiken Ihrer Geschäftsidee erzählen. Erläutern und belegen Sie Annahmen mit Studien oder anderen objektiven Quellen.

Verzichten Sie auf unwichtige Informationen und konzentrieren Sie sich auf die wirklichen Eckpunkte Ihrer „Story“.

Bitte zögern Sie auch nicht, auf Risiken und besondere Herausforderungen hinzuweisen.

So wird der Erläuterungsteil sicher umfangreicher als die Executive Summary eines Businessplans aus dem Lehrbuch. Aber Sie werden trotzdem viel Zeit und Nerven sparen, weil Sie viele andere Themen eben nicht ausführlich oder sogar gar nicht im Text beschreiben.

Mit solch einem Erläuterungsteil beweisen Sie, dass Sie als Unternehmer den Blick für die wirklich wichtigen Themen haben. Sie zeigen, dass Sie den richtigen Fokus setzen können. Das wirkt professionell und wird Ihnen erste Bonuspunkte bei vielen Kapitalgebern einbringen.

Das i-Tüpfelchen ist nicht die Kür, sondern Pflichtaufgabe

Wenn Sie es geschafft haben einen wasserdichten Finanzplan und einen aussagekräftigen Erläuterungsteil zu erstellen, haben Sie es fast schon geschafft. Jetzt fehlt nur noch eine Kleinigkeit.

Bringen Sie die P.S. auf die Straße – das heißt, präsentieren Sie Ihren Finanzplan sicher und souverän. Wenn Sie es schaffen, mit den Kapitalgebern auf Augenhöhe über Ihren Finanzplan zu diskutieren, wird die Wahrscheinlichkeit immens steigen, dass Sie auch das Kapital erhalten.

Denn dann zeigen Sie, dass Sie aus dem Holz eines erfolgreichen Unternehmers geschnitzt sind. Diese können nämlich nicht nur innerhalb des eigenen Fachgebiets diskutieren, sondern wissen auch, den Finanzplan als wichtigstes Unternehmenswerkzeug zu interpretieren und kommentieren.
Als Unternehmer, der um das Geld von Kapitalgebern buhlt, müssen Sie diese auch von Ihrer Unternehmerpersönlichkeit überzeugen. Das klappt nun mal ausschließlich im direkten Gespräch über Ihr eigenes Business.

Machen Sie sich bewusst: Mit dem Finanzplan haben Sie ein Navigationsgerät in Ihren Händen. Dieses wird Ihnen den Weg aufzeigen, wie Ihren Traum auch wirklich leben können. Aber nur, wenn Sie dieses bedienen und interpretieren können.

Bild: pexels.com

Jörg Roos

Jörg Roos ist Finanzplan-Experte und Business-Mentor. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht Unternehmern dabei zu helfen, schnell und überraschend einfach einen wasserdichten Finanzplan zu erstellen. So sammeln seine Kunden das benötigte Kapital ein, um aus guten Geschäftsideen ein hochprofitables Business zu formen. Auf seiner Webseite joerg-roos.com verrät er hierzu regelmäßig praxiserprobte Tipps & Tricks zum Nachahmen!

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