Burda erobert Brüssel!

5. September, 9.30 Uhr, Vertretung des Freistaates Bayern bei der EU: Der Startschuss für die dritte DLD Europe-Konferenz in Brüssel vor rund 300 Teilnehmern ist gefallen mit nachdenklichen, aber nicht minder motivierenden Begrüßungsworten von DLD-Gründerin Steffi Czerny. Die anhaltende Macht der großen US-Technologieunternehmen, der zunehmende Einfluss von chinesischen Internetgiganten und die schwierigen transatlantischen Beziehungen seien für Europa sehr belastend. „Wir glauben trotzdem an die Europäische Union, die Vision eines vereinten Europas sowie die wirtschaftliche Stärke unseres Kontinentes“, so Czerny. Das Ziel der heutigen DLD-Konferenz sei es, die Europäische Idee wieder mit mehr Optimismus aufzuladen und eine offene, interdisziplinäre Diskussionsplattform für Meinungsführer, Entscheidungsträger und Disruptoren zu bieten.

Von Freiheit und europäischer Exzellenz

„Die großen Tech-Monopolisten zerstören kleinere Unternehmen. Und Datensammler zerstören unsere Demokratie“, proklamierte die ehemalige EU-Kommissarin Viviane Reding im Panel zur Freiheit des Internets. Dabei sei Freiheit essentiell für die Wettbewerbsfähigkeit Europas und man müsse aufhören, zu klein zu denken. Dies sei nur durch einen gemeinsamen Schulterschluss, einen globalen Plan von Europa möglich. Ihr Wake-up-Call: „Lasst uns die Talente zurück nach Europa holen und hier investieren!“ Burda-Vorstand Stefan Winners stimmte ihr weitestgehend zu, zeigte sich aber deutlich optimistischer. „Digitale Bildung ist mittlerweile essentieller Bestandteil an europäischen Universitäten. Dadurch schaffen wir es, Talente direkt hier in Europa besser auszubilden“, so Winners.

Künstliche Intelligenz auf dem Vormarsch – ohne Europa?!

Europa habe den Kampf um Künstliche Intelligenz noch nicht verloren, müsse aber deutlich an Tempo und Priorisierung zulegen, erklärte die Leiterin des Europäischen Zentrums für politische Strategie Ann Mettler. Paul Daugherty, CIO und CTO von Accenture, ergänzte: Noch sei der Kampf nicht verloren, „die Frage ist aber, wie schnell Europa nach vorne gehen und in diesem Bereich investieren kann.“ In Punkto R&D sei Europa stark, aber die großen Plattformen seien derzeit in den USA und China. „Auf diesem Level wird es für Europa sehr schwer mitzuhalten“, so Daugherty.

DSGVO als Gamechanger

100 Tage nach Inkrafttreten der neuen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) sieht Věra Jourová, dass das Thema Datenschutz in der Breite angekommen ist und EU-Bürger das Gefühl haben, eine bessere Kontrolle über ihre Daten zu haben. GDPR sei ein Gamechanger, nicht nur für Europa, erklärte die Justizkommissarin im Gespräch mit Burda-Vorstand Andreas Rittstieg. Ein Jahr nach Inkrafttreten des Gesetzes müsse aber detailliert analysiert und diskutiert werden, inwieweit die Datenschutzgrundverordnung auch wirklich ihre geplante Wirkung erzielt habe.

Schlagabtausch der Medienbosse

Ist das goldene Zeitalter des Journalismus vorbei? Mit dieser zentralen Frage startete die Moderatorin und Ex-Bild-Chefredakteurin Tanit Koch das mit Spannung erwartete Aufeinandertreffen der CEOs Paul-Bernhard Kallen (Hubert Burda Media) und Mathias Döpfner (Axel Springer) am Ende des DLD Europe Konferenztages in Brüssel. „Demokratie kann nicht ohne guten Journalismus überleben und vice versa“, erklärte Burda-Chef Paul-Bernhard Kallen. Weitere Informationen zu diesem Panel finden Sie in Kürze auf diesem Blog.

Terrassentalk der Einflussreichen

Im Anschluss an die DLD-Konferenz versammelten sich rund 500 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Medien zur Burda…Summernight auf den Terrassen des Restaurants „Kwint“ mit Blick auf die eindrucksvolle Kulisse der Grand Place. Burda-CEO Paul-Bernhard Kallen sowie die Vorstände Philipp Welte, Andreas Rittstieg und Stefan Winners begrüßten unter anderem EU-Haushaltskommissar Günther H. Oettinger, den Bayerischen Digitalminister Georg Eisenreich, den designierten deutschen Botschafter in Belgien, Martin Kotthaus, Axel Springer-CEO Mathias Döpfner und Bernhard Mattes, Präsident des Verbandes der deutschen Automobilindustrie (VDA). Auch die Abgeordneten des Europäischen Parlaments erschienen zahlreich: Daniel Caspary, Axel Voss, Viviane Reding, David McAllister, Jens Gieseke, Bernd Lange sowie Tiemo Wölken.

Bekenntnis zum Europäischen Verlegerrecht

Mit dem Europäischen Verlegerrecht nimmt eines der am heißesten diskutierten Themen vor der Sommerpause erneut an Fahrt auf. Denn der 5. September war neben dem Datum der diesjährigen Burda…Summernight gleichzeitig Deadline für einzureichende Änderungsanträge am Urheberrechtsbericht, der auch das Verlegerecht enthält.

„Ein europaweites Leistungsschutzrecht bietet zum ersten Mal eine realistische Chance darauf, dass die Erlöse aus der Verwertung journalistischer Inhalte in der digitalen Wertschöpfungskette fairer verteilt werden.“

Philipp Welte, Burda-Vorstand

Verlage seien unverändert diejenigen Akteure, die hochwertige journalistische Inhalte teuer erstellten, während Dritte wie etwa Suchmaschinen diese Inhalte monetarisierten, ohne sich an den entstandenen Kosten zu beteiligen.

„Wenn die Politik jetzt nicht die richtigen Weichenstellungen schafft, um die Asymmetrien in der Monetarisierung journalistischer Inhalte im digitalen Umfeld zu beheben, gefährdet sie nicht nur die freie und unabhängige Presse, sondern sie legt Hand an die vierte Säule jeder wahren Demokratie und dadurch an den einzigartigen Pluralismus der westlichen Welt“, so Welte.

Bild: EU-Kommisar Günther H. Oettinger, DLD-Gründerin Steffi Czerny, EU-Justizkommisarin Vera Jourova und Burda-CEO Paul-Bernhard Kallen @ Melanie Wenger/Picture Alliance for DLD

Weitere Informationen finden Sie hier

Quelle: Hubert Burda Media

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