Büroflächen von Großkonzernen und Startups – kein schwarz oder weiß

Inwieweit unterscheiden sich Büros von Großkonzernen und Startups – und welche Anforderungen stellen beide an ihre Büros?

Das werde ich immer wieder gefragt. Eine pauschale Antwort darauf gibt es nicht. Prinzipiell lässt sich für Konzerne wie Startups sagen: Die Anforderungen an Büroflächen hängen stark mit dem jeweiligen Arbeitsgegenstand und der Arbeitsweise zusammen Vereinfacht gesagt: Je digitaler und divergenter der Workflow, desto höher das Bedürfnis, sich direkt auszutauschen. Müssen sich MitarbeiterInnen kontinuierlich abstimmen, bevorzugen sie offene Flächen mit verschiedenen Begegnungsmöglichkeiten – das gilt für Konzerne wie Startups gleichermaßen. Soweit die Theorie. Die tatsächliche Flächennutzung hängt in der Praxis aber auch stark von Struktur und Geschichte eines Unternehmens ab.

Großkonzerne schauen meist auf ein langjähriges Wachstum zurück. Sie haben größtenteils schon fast alle Trends – vom „frühzeitlichen Open Space“ über Einzelbüros bis hin zur modernen Arbeitswelt – ausprobiert. Dennoch halten viele letztlich an klassischen Strukturen fest – besonders wenn es um hierarchische Ebenen wie das Einzelbüro mit Ecktisch für die Bereichsleitung geht. Warum aber zögern viele Konzerne derart vor dauerhaften Veränderungen ihrer Bürolandschaft? Zum Teil hängt das mit Widerständen aus der Belegschaft und Mitarbeitervertretung zusammen. Hinzu kommen mögliche Kosten, die schnell in die Millionen gehen können – und aus Sicht der Entscheider gegen die Einführung neuer Arbeitswelten sprechen. Gerade in großen Unternehmen findet man deshalb häufig Bürokonzepte vor, die dem Arbeitsablauf – oder zumindest dessen gewünschter Form – nicht im Ansatz entsprechen.

Startups hingegen legen aufgrund ihrer meist jungen Unternehmensgeschichte häufig eine andere Mentalität an den Tag. Flache Hierarchien, Innovationsdruck und eingeschränkte finanzielle Spielräume bestimmen den Alltag. Schon bei Gründung des Startups werden deshalb alle Arbeitsfaktoren gründlich beleuchtet. Kreativarbeit und Effizienz stehen im Fokus. Ziele müssen schnell erreicht werden und die Bürofläche spiegelt diesen Anspruch wieder. Gestufte Aufgabensplittung, schnelle Kommunikation und digitaler Austausch sind essentiell. Dazu arbeiten verschiedene Hierarchiestufen vorbehaltlos an einer Workbench zusammen und jeder Raum wird genutzt – egal, ob der Sitzsack in der Lounge der Küchentresen oder eine Eckeaußerhalb der eigentlichen Bürofläche. Hier scheint sich die Grenze der klassischen Büronutzung aufzulösen.

Man sollte Konzernen jedoch nicht pauschal die Fähigkeiten zum Wandel absprechen. Auch, wenn sich der Wandel noch nicht flächendeckend abzeichnet: Immer mehr Großkonzerne versuchen, mit Blick auf Arbeitsweisen und Denkprozesse von Startups zu lernen, um im eigenen Unternehmen neue, kreative Impulse zu setzen. Und um genau das zu ermöglichen, werden dann auch bisher bekannte Flächennutzungen in Frage gestellt. Bürokonzepte lassen sich jedoch in der Regel nicht eins zu eins von Startups auf Konzerne übertragen. Jedes Unternehmen muss bei der Umsetzung genau seine Anforderungen an möglichst effektives Arbeiten definieren und die eigene Identität berücksichtigen. Letztlich gilt für Startups wie Konzerne, dass Büroflächenkonzeption und Arbeitsweise immer auch die Unternehmensphilosophie zum Ausdruck bringen.

Norman Kustos

Norman Kustos (38), ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der neotares Consult GmbH. Neotares wurde im Jahr 2015 gegründet und berät große wie kleine Unternehmen in allen Prozessen der gewerblichen Immobilienberatung. Norman Kustos hat in den vergangenen 16 Jahren mehr als 200 Projekte verschiedenster Größenordnungen betreut. Nach kaufmännischer Ausbildung begleitete er Großprojekte bei der Proplan GmbH. 2008 war er Mitgründer von Vedacon. www.neotares.com

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