2019 endlich das Wunschprojekt umsetzen – die Brückenteilzeit macht’s möglich

Immer mehr Menschen haben das Bedürfnis, sich neben dem Hauptberuf mit einer nebenberuflichen Selbstständigkeit dem persönlichen Herzensprojekt zu widmen. Das Phänomen Side Hustle, so wird die nebenberufliche Selbstständigkeit in Großbritannien und den USA genannt, hat in eben jenen Ländern bereits beachtlichen Erfolg. 44 Millionen Amerikaner haben angegeben, ein Side Hustle zu betreiben. In UK ist die Anzahl der Arbeitnehmer*innen, die neben dem Hauptjob mit einem privaten gewerblichen Projekt beschäftigt sind, in der letzten Dekade um 32 Prozent gestiegen. Zur Freude der dortigen Wirtschaft: Die britischen Side Hustler brachten dem Fiskus 2017 über 14 Milliarden Pfund ein. 2019 wird es auch in Deutschland einfacher, ein Side Hustle umzusetzen. Mit der seit Januar geltenden Brückenteilzeit sind die Chancen größer denn je.   

Adieu Teilzeitfalle: Arbeitnehmer haben Anspruch auf zeitlich unbegrenzte Teilzeit

In Deutschland wollen etwa eine Million Menschen zumindest für einen bestimmten Zeitraum ihre Arbeitszeit reduzieren. Die Gründe dafür sind weder eine zu hohe Arbeitsbelastung noch Unzufriedenheit mit dem Alltagsjob, dennoch überraschen sie kaum: mehr Zeit für eigene Interessen, die Familie und Andere wünschen sich die Befragten. Die Wenigsten allerdings haben sich bislang diesen Wunsch erfüllt. Auch hier ist der Grund so simpel wie nachvollziehbar: die Angst vor der so genannten Teilzeitfalle. Nach einer Phase des Kürzertretens nicht wieder in die ursprünglich vereinbarte Arbeitszeit zurückkehren zu dürfen, ist der Faktor, der tatsächlich für Unzufriedenheit sorgt. Zudem macht er aufgrund der geringeren Rentenbeiträge im Alter arm. Besonders von der Teilzeitfalle betroffen sind Frauen. 

Mit der neuen Regelung zur Brückenteilzeit haben Arbeitnehmer*innen einen Anspruch auf eine zeitlich begrenzte Teilzeitphase, verbunden mit dem Recht auf Rückkehr zur ursprünglichen Arbeitszeit, so sie dies möchten. Die Brückenteilzeit hilft Menschen also dabei, ihre Arbeitszeit besser an ihre Lebensumstände anzupassen und damit auch neue Wege zu gehen, indem sie sich Raum schaffen für etwas, das sie unbedingt umsetzen wollen – beispielsweise eine nebenberufliche Tätigkeit, die der ganz individuellen Passion und Motivation Rechnung trägt. Der andauernde Anstieg an Side Hustlern in Großbritannien hat dazu geführt, dass inzwischen von einem way of life, not work gesprochen wird. Interessanterweise sind 44 Prozent der britischen Side Hustler Eltern mit mindestens einem Kind unter 19 Jahren.

Der Eindruck vom Side Hustle als einem ganz persönlichen Ausgleich zur täglichen Routine erhärtet sich dadurch noch.

Das New Work-Modell ist aber auch insbesondere für die zunehmend nach Selbstbestimmung strebende Generation Z relevant. Unter den erwähnten US-amerikanischen und britischen Side Hustlern sind es vor allem die um die Jahrtausendwende geborenen Millennials, die Zeit und Energie in ein eigenes Projekt neben dem regulären Job investieren. Der Digitalisierung kommt hier eine bedeutende Rolle zu. Aufgewachsen mit Smartphone und Laptop, ist für viele junge Berufstätige heute sowohl der grenzenlose Austausch über das World Wide Web als auch das digitale Arbeiten Normalität anstatt Neuland. Das Internet bietet nicht nur reichlich Inspiration für eigene Ideen, es hilft auch bei deren Umsetzung: Nie war es einfacher, selbst kleinste Projekte einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren und im besten Fall schnell Unterstützer*innen und Kund*innen zu finden. Alles, was ein Side Hustle dazu vorerst braucht, ist eine Online-Präsenz.   

Side Hustle und Brückenteilzeit als Chancen auch für Arbeitgeber

Die Situation der Arbeitgeber*innen wird mit der neuen Teilzeitregelung ebenfalls bedacht. So ist der Anspruch auf Brückenteilzeit abhängig von der Zahl der Beschäftigten eines Unternehmens. Damit soll die Balance zwischen den Bedürfnissen der Arbeitnehmer*innen und den Interessen der Betriebe gehalten werden. Der Trend birgt aber auch für Unternehmen und die gesamte Wirtschaft in Deutschland große Chancen: Wer seinen ambitionierten Mitarbeiter*innen ermöglicht, sich auch privat selbst zu verwirklichen, signalisiert Vertrauen und damit Unterstützung. Und wird mit zufriedeneren und womöglich motivierteren Kolleg*innen belohnt, die ihre neuen Erfahrungen sowie erweiterte Perspektiven in den Hauptjob einbringen. Und gegen zusätzliche Einnahmen, generiert aus erfolgreichen Side Hustle-Projekten, dürfte auch volkswirtschaftlich wenig einzuwenden sein.

Quellen: 

https://uk.godaddy.com/blog/entrepreneurial-brits-boost-the-economy-by-14-4-billion-with-side-hustling-parents-leading-the-charge/

https://www.bankrate.com/personal-finance/smart-money/side-hustles-survey-june-2018/

https://www.bmas.de/DE/Schwerpunkte/Brueckenteilzeit/brueckenteilzeit.html

Über Paul Ashcroft:

Paul Ashcroft ist Regional Director Germany bei GoDaddy. Ashcroft studierte International Business & Modern Languages an der Aston University in Birmingham, UK. Nach Stationen bei Nintendo und THQ war er bis 2014 Head of Marketing Communications bei der E-Plus Tochtermarke simyo und leitete anschließend das Online Marketing bei maxdome. Über den Hosting-Anbieter Host Europe kam Ashcroft 2017 zu GoDaddy (https://de.GoDaddy.com).

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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