Brigitte Zypries: Junge, agile Unternehmen sind die Innovatoren, der künftige Mittelstand von Morgen

 

Brigitte Zypries Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie

Frau Zypries, stellen Sie sich doch kurz unseren Lesern vor.
Brigitte Zypries : Mein Name ist Brigitte Zypries. Ich bin seit Dezember 2013 Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie mit besonderer Zuständigkeit für Digitalpolitik und Außenwirtschaft. Zudem bin ich die Koordinatorin der Bundesregierung für die Deutsche Luft- und Raumfahrt. Von 2002 bis 2009 war ich Bundesministerin der Justiz. Seit 2005 bin ich direkt gewählte Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Darmstadt.

Sie sind auf dem Event InnovationM Round Table als Talkgast auf der Bühne. Was erwartet den Zuhörer?
Brigitte Zypries :Das Event bringt all diejenigen zusammen, die in der Region Rhein Main Teil der Gründerszene sind. Darunter fallen natürlich Startups, aber auch Innovationstreiber aus der etablierten Wirtschaft, aus Wissenschaft und Politik. Wir werden vor Ort über das Potential der Region Rhein Main als Startup Standort sprechen. Natürlich wird es auch darum gehen, welche Rolle Politik in diesem Kontext spielen kann.

Was kann die Politik für Gründer und Startups tun?
Brigitte Zypries :Wir können die Rahmenbedingungen verbessern, damit es in Deutschland mehr Gründerinnen und Gründer gibt. Sie bringen Innovationen voran und schaffen Arbeitsplätze. Im internationalen Vergleich gibt es noch erhebliches Potenzial zur Stärkung der Gründungsbereitschaft.
Die Unterstützung junger IT-Unternehmen und Startups ist daher ein Schwerpunkt der Digitalen Agenda 2014-2017 der Bundesregierung. Startups brauchen vor allem Geld – insbesondere, wenn es sich um innovative Gründungen handelt. Erklärtes Ziel der Bundesregierung ist es, die Rahmenbedingungen für Wagniskapital international wettbewerbsfähig zu gestalten und mehr privates Kapital zu mobilisieren. Mit dem „Eckpunktepapier Wagniskapital“ haben wir ein ganzes Maßnahmenbündel beschlossen. Kernpunkt ist dabei der massive Ausbau von INVEST, mit dem private Investoren Anreize erhalten, in junge, innovative Unternehmen zu investieren.
Unter anderem ist eine Verdopplung der förderfähigen Investitionssumme auf 500.000 €, eine Erweiterung des Adressatenkreises und eine Erstattung der Steuer auf Veräußerungsgewinne vorgesehen.

Was tut die Politik schon für Gründer und Startups?
Brigitte Zypries : Seit Beginn der Legislaturperiode haben wir wichtige Fortschritte erzielt, z.B. weniger Bürokratie, einheitliche Anlaufstellen und schnellere Verfahren. Das Bürokratieentlastungsgesetz entlastet Gründerinnen und Gründer in den ersten drei Jahren von Statistik- und Meldepflichten, damit sie sich auf ihr Geschäftskonzept konzentrieren können.
Nur jede dritte Gründung in Deutschland erfolgt durch eine Frau, bei Startups ist das Potenzial bzw. die Lücke noch deutlich größer. In der Initiative „FRAUEN unternehmen“, die Bundesminister Gabriel im vergangenen Herbst gestartet hat, machen inzwischen rund 180 „Vorbildunternehmerinnen“ bundesweit Frauen und Mädchen Mut zur beruflichen Selbstständigkeit. Erfolgreiche Gründungen können Mutmacher und Vorbilder für noch mehr Menschen sein, damit sie ein Unternehmen gründen.
Das BMWi hat über die letzten Jahre ein umfangreiches Angebot zur Start-up-Förderung aufgebaut und die bestehende Förderarchitektur weiter optimiert. So wurde z.B. die Förderung für Gründungen aus dem Hochschulumfeld noch attraktiver gestaltet. Wir haben die EXIST-Gründerstipendien erhöht und bei EXIST-Forschungstransfer insbesondere kapitalintensivere Gründungen aus den Bereichen Hardware, Energie und Biotechnologie besser adressiert. Zusätzlich ist der INVEST – Zuschuss für Wagniskapital seit diesem Jahr auch rückwirkend von der Einkommensteuer befreit.
Daneben bieten wir mit dem „German Accelerator“ ein interessantes Programm für Startups in der Internationalisierungsphase an. Das Accelerator Programm soll deutschen Startups den Eintritt in den US-Markt und vor allem in das einzigartige „Ökosystem“ Silicon Valley erleichtern und Zugang zu Venture Capital und Know-how erleichtern. Neben den beiden Standorten im Valley haben wir auch einen Accelerator in New York, ein weiterer in Boston wird folgen.
Der wesentliche Schwerpunkt in dieser Legislaturperiode soll in der dringend notwendigen Verbesserung der Rahmenbedingungen und des Angebots an Wachstumsfinanzierungen für junge innovative Unternehmen liegen. Gemeinsam mit dem Europäischen Investitionsfonds werden wir Anfang 2016 einen Wachstumsfonds mit einem Volumen von 500 Mio. € auflegen. Damit sollen Wachstumsfinanzierungen in einer Größenordnung von 30 Mio.€ bis 40 Mio. € ermöglicht werden.

Aus Ihrer Sicht: Wie hat sich die Startup Szene in den letzten Jahren in Deutschland entwickelt?
Brigitte Zypries : Die Gründerszene ist sehr heterogen. Gerade in den Zentren ist viel Potenzial für Neugründungen. Das Zusammenwirken von Hochschulen, guter Forschungslandschaft, Standortattraktivität, qualifizierten Fachkräften und weiteren Push-Faktoren begünstigen das Gründer-Ökosystem. Wir können gerade in den letzten Jahren feststellen, dass sich Berlin immer mehr zu einem internationalen „hotspot“ für die internetgetriebene Startup-Szene entwickelt. Das hat Signalwirkung für die gesamte Startup-Szene in Deutschland, die mit Gründungszentren etwa in Hamburg, München oder dem Rhein-Main-Gebiet weit über Berlin hinausgeht.

Wie wichtig ist die Startup Szene für Deutschland?
Brigitte Zypries : Die Startup-Szene ist für den Wirtschaftsstandort Deutschland von immenser Bedeutung. Junge, agile Unternehmen sind die Innovatoren, der künftige Mittelstand von Morgen, die das Rückgrat unserer Wirtschaft darstellen. Das gilt insbesondere im Zeitalter der Digitalisierung, wo es darum geht, unsere Wirtschaft fit für das digitale Zeitalter zu machen. Viele Startups bewegen sich in der digitalen Wirtschaft. Die Vernetzung von Unternehmen mit den Startups bekommt eine immer größere Bedeutung. Anfang November diesen Jahres habe ich im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie eine erste Matching-Veranstaltung, die erste Startup Night Luft- und Raumfahrt organisiert. Es war ein voller Erfolg! Deshalb wollen wir ab nächstem Jahr bei den sogenannten „Startup Nights“ Newcomern gezielt die Chance geben, sich den Schwergewichten einer Branche zu präsentieren und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Das soll alle zwei Monate stattfinden – und bewusst nach Feierabend.

Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Brigitte Zypries : Vielleicht als Gründerin eines Startups .

Welche Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Brigitte Zypries : Die Idee, das Konzept und den Mut sollten Gründerinnen und Gründer schon mitbringen. Bei der Umsetzung gibt es viele Informations-, Beratungs- und Unterstützungsleistungen – man darf sich helfen lassen.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Brigitte Zypries für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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