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Breeze Anbieter für Luftqualitätssensoren, -daten und -analysen

Stellen Sie sich und das Startup Breeze Technologies doch kurz unseren Lesern vor! 

Ich bin Robert Heinecke, Co-Founder und CEO von Breeze Technologies. Wir sind einer der führenden Anbieter für Luftqualitätssensoren, -daten und -analysen. Mit Hilfe des Internet of Things und Künstlicher Intelligenz helfen wir Städten, Unternehmen und anderen Organisationen dabei, ihre Umwelt lebenswerter zu gestalten. 

Wie ist die Idee zu Breeze Technologies entstanden? 

Luftverschmutzung ist die größte Umweltgefahr unserer Zeit – mehr als sieben Millionen Menschen sterben jedes Jahr aufgrund von Smog. Ich selbst habe echten Smog zum ersten Mal eindrucksvoll erlebt, als ich im Winter 2014 in Istanbul gearbeitet habe. Damals war die Luftverschmutzung so schlimm, dass man zeitweise die andere Straßenseite schon nicht mehr sehen konnte. Das hat bei mir nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Als ich mich dann stärker mit dem Thema beschäftigt und gesehen habe, dass die heutigen Messnetze vor allem auf Paradigmen aus den 60ern und 70ern basieren, dachte ich mir – das kann man doch besser machen! 

Welche Vision steckt hinter Breeze Technologies ? 

Wir wollen, dass die Städte der Zukunft gesünder, sauberer und vor allem lebenswerter sind. Hierfür stellen wir zum einen Daten zur Verfügung und erfassen den Ist-Zustand, entwickeln zum anderen aber auch Wege hin zum Soll. Deshalb beschäftigen wir uns mit Fragen wie: Welche Luftreinhaltemaßnahmen helfen ganz konkret für das jeweilige Szenario? Wie können die erfassten Daten heute schon helfen, Menschen zu schützen und ein intelligenteres Stadtmanagement zu betreiben? 

Von der Idee bis zum Start, was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert? 

Der öffentliche Sektor ist für Startups sicherlich nicht das leichteste Feld. Deshalb haben wir uns für einen mehrgleisigen Ansatz entschieden: Zu unseren Kunden gehören Städte wie Neckarsulm und Hennef, aber auch Unternehmen wie Microsoft und SAP. Die Entscheidungswege sind im öffentlichen Sektor – bis auf wenige Ausnahmen – einfach länger und ein Vertriebsprozess kann sich schon über Monate oder sogar ein Jahr hinziehen. Im B2B-Bereich geht es schneller: so können wir unseren Vertrieb im öffentlichen Sektor auch ein Stück weit refinanzieren. 

Wir sind aus eigenen Mitteln, das heißt aus dem Cashflow, finanziert. In der Vergangenheit haben wir auch öffentliche Fördermittel für die Entwicklung und Weiterentwicklung unserer Lösungen erhalten. Dass wir keine institutionellen Investoren an Bord haben, gibt uns sehr viel Freiheit bei unseren Entscheidungen. 

Wer ist die Zielgruppe von Breeze Technologies ? 

Wir arbeiten mit einem breiten Netz an Akteuren, die sich für saubere Luft und eine lebenswertere Umwelt einsetzen. Hierzu gehören Städte, die ihre Luftmessnetze auf Basis unserer Sensorik betreiben, Unternehmen, die eine gesündere Arbeitsatmosphäre für ihre Mitarbeiter herstellen wollen, NGOs und engagierte Bürger. Mit letzteren arbeiten wir in einigen Projekten als sogenannte “Sensor-Hosts” zusammen, das heißt, sie fungieren als Gastgeber für unsere Sensoren im öffentlichen Raum. Die Daten von einigen Projekten stehen über ein Bürgerportal kostenfrei zur Verfügung.
Unsere neueste Initiative zielt auf Industriekunden ab. Wir haben auf Basis unserer Technologie für verschiedene Industrieunternehmen Messnetze um die Produktionsstandorte aufgebaut und helfen, frühzeitig Emissionsevents, also stark erhöhte Immissionswerte, zu detektieren und proaktiv Maßnahmen einzuleiten. 

Wie funktioniert Breeze Technologies ? Wo liegen die Vorteile? Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern? 

Wir haben eigene Luftqualitätssensoren entwickelt. Der Clou dabei: der Großteil der Logik, wie zum Beispiel die Kalibrierung, steckt nicht im Sensor, sondern in der Cloud. Hierdurch sind unsere Sensoren deutlich kleiner und kostengünstiger als bisherige Messgeräte. Gleichzeitig 

erreicht unsere KI-basierte Kalibrierung aber mit den bisherigen, öffentlichen Messnetzen vergleichbare Genauigkeiten. Dadurch wird eine deutlich höhere Mess-Abdeckung möglich. Die so gewonnenen Daten verschneiden wir dann mit anderen Umwelt-, Mobilitäts- und Katasterdaten und erzeugen hieraus konkrete Empfehlungen für Luftreinhaltemaßnahmen. Dieser Ansatz, nicht nur Daten zu liefern, sondern auch konkrete Handlungsempfehlungen abzugeben, macht uns einzigartig. 

Wo geht der Weg für Breeze Technologies hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren? 

Vor allem wollen wir auf Basis der Luftqualitäts- und anderer Umweltdaten neue Anwendungsfelder eröffnen. Nehmen wir das Beispiel der Luftqualitätsvorhersage: So könnten Städte mit vielen Pendlern bei absehbaren Grenzwertüberschreitungen morgens über eine App rabattierte oder kostenlose Tickets für das ÖPNV-Netz ausspielen, um die vorhandenen Park&Rides zu nutzen und die Emissionen aus dem Stadtkern herauszuhalten.

Auf Basis von aktuellen Luftwerten und meiner aktuellen Position könnten Lauf-Apps mir die gesündeste Laufroute errechnen. Und auch wenn ich auf Wohnungssuche bin, interessiert mich vielleicht die durchschnittliche Luftqualität in der Straße, die ich mir gerade anschaue. Für all das brauchen wir Daten, und in fünf Jahren sind wir hoffentlich an dem Punkt, dass wir diese für einen signifikanten geografischen Raum anbieten können. Wir sind gerade Teil des Startup Accelerators SpinLab in Leipzig geworden. Dort sitzt auch der Digital Hub “Smart Infrastructure” , den die Bundesregierung ins Leben gerufen hat. Gemeinsam mit den Unternehmenspartnern des Accelerators versuchen wir nun, erste solcher Datennutzungsszenarien auf den Weg zu bringen. 

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben? 

Man sollte das Thema interne Organisation nicht unterschätzen und sich schon früh Gedanken über Prozesse machen, um Learnings internalisieren zu können. Wenn ich z.B. beim Onboarding eines neuen Kundens in ein Problem laufe, will ich das bei allen darauffolgenden Kunden besser machen können. 

Allgemein sollte man das Thema Kundenbetreuung nicht unterschätzen. Wir haben hier fast zu spät investiert. Wenn man erste signifikante Umsätze macht, sollte man sich auch jemanden ins Team holen, dessen Hauptaufgabe in der Kundenbetreuung liegt.

Und als letztes, gerade für die Startups mit Fokus auf Nachhaltigkeit: Sucht euch Unterstützer! Zum einen gibt es Unterstützungsprogramme, wie den genannten SpinLab Accelerator. Diese zielen auf unterschiedliche Phasen des “Startup-Seins” ab, man sollte also genau hinschauen. Das SpinLab ist super für Startups, die bereits definierte Produkte haben und nun weitere starke Partner suchen. 

Es gibt auch viele Corporates, die gerne mit Startups zusammenarbeiten. Wir werden seit längerem von Microsoft unterstützt, die das Ziel haben, ein komplett emissionsfreies Unternehmen zu werden. Das passt natürlich gut zu unserer strategischen Ausrichtung. 

Bild: v.l.n.r: Omar Morsy, Haris Sefo, Robert Heinecke, Sascha Kuntze, Vitus Lehner, Hannah Bettenhausen / Quelle: Breeze Technologies

Das Interview führte Clara Fischer von SpinLab

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei  Robert Heinecke für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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