Nicht unterkriegen lassen!

bravaria individuellen BHs bei Brustasymmetrie

Stellen Sie sich und das Startup bravaria doch kurz unseren Lesern vor!
bravaria ist ein kleines aber feines Startup direkt im Herzen Münchens. Unsere Vision ist es, Frauen mit unterschiedlich großen Brüsten passende BHs zu bieten und damit endlich eine Marktlücke zu schließen!

Wie ist die Idee zu bravaria entstanden?
Die Idee zu bravaria ist eigentlich unbewusst bereits seit dem 14. Lebensjahr von mir, der Gründerin, entstanden: Eine damalige Bekannte hatte mir damals von ihren ungleich großen Brüsten erzählt und dass sie immer zwei BHs in den Größen A und C kaufen musste. Diese hatte sie dann in der Mitte zerschnitten, neu zusammengenäht und als einen umfunktionierten „75 A/C“ BH getragen. Schon damals stelle ich ihr die Frage, weshalb sie sich keinen BH kauft, der für ungleich große Brüste gemacht ist. Ihre Antwort war „Würde ich ja, gibt es aber nicht!“.

2016 hat mir dann eine weitere Freundin eine ähnliche Geschichte erzählt. Seitdem sie Gewicht verloren hatte, waren ihre Brüste ungleich groß. Auch sie meinte, dass es keine BHs für asymmetrische Brüste gibt. Und dann begann meine Recherche. Als ich tatsächlich auf kein Angebot, jedoch auf eine riesige Nachfrage gestoßen bin, beschloss ich, selbst aktiv zu werden. Und seit 2017 gibt es bravaria.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Die Gründungsphase war bis vor Kurzem eine einzige Talfahrt. Von Näherinnen, die ihre Versprechen nicht eingehalten hatten bis zu Betrügern, die mich um gut 500€ erleichtert haben war alles vertreten. Meine größte Herausforderung war es tatsächlich Lieferanten zu finden, die 1.) verstehen, was ich produzieren möchte und 2.) bereit sind, ihre Maschinen für diese Marktneuheit umzurüsten.

Mittlerweile habe ich zwei zuverlässige Lieferanten gefunden, die sowohl verstanden haben was ich möchte, als auch ihre Produktpalette um meinen abgewandelten Herstellungsprozess erweitert haben.

Finanziert habe ich mich komplett selbst. Als ehemaliger Schwabe bin ich tatsächlich von Natur aus sparsam und konnte somit jeden Monat 500€ meines Gehalts zurücklegen. Außerdem habe ich mein Auto verkauft und bin zusätzlich immer noch 40h Vollzeit als Unternehmensberaterin beschäftigt und investiere alles, was ich nicht an Miete und Fixkosten brauche, in bravaria.

Warum haben Sie sich für ein Crowdfunding entschieden?
Der Hauptgrund ist definitiv die Finanzierung. Ich bin alleinige Inhabern von bravaria und hafte somit komplett mit meinem Privatvermögen. Natürlich hätte ich mir auch Investoren suchen können, allerdings möchte ich nach wie vor unabhängig bleiben und vor allem beim Preis keine Summen verlangen, die ich selbst auch nicht zahlen wollen würde.
Vermutlich könnte ich auch ohne Crowdfunding bravaria nach und nach aufbauen, allerdings viel langsamer und schwerfälliger. Bei erfolgreicher Finanzierung kann ich die Produktpalette wesentlich schneller erweitern und Kundinnen somit die Wartezeiten auf ihre individuelle Größe verkürzen.

Wo sehen Sie für sich die Vorteile gegenüber anderen Finanzierungen?
Die tatsächliche Nachfrage. Es wurden bereits unzählige Projekte über Crowdfunding finanziert und da waren sicherlich auch viele spannende Projekte dabei. Allerdings sehe ich oft Projekte, über die ich denke „Ich hätte auch gut ohne dieses Produkt weiterleben können“.
Mich erreichte gestern eine Nachricht von einer Frau, die mir sagte „Auf sowas habe ich schon mein ganzes Leben lang gewartet“. Das ist nicht nur ein riesiges Kompliment, sondern zeigt auch, dass bravaria wirklich wichtig und richtig ist.

Was bekommen Unterstützer?
Das ist ganz unterschiedlich. Unterstützen kann man bereits ab 2€, ab 10€ gibt es eine handgeschriebene Postkarte, ab 35€ gibt es bereits den ersten early-bird bravaria BH, ab 100€ gibt es ein Social-Media Posting, eine handgeschriebene Postkarte und eine kleine Aufmerksamkeit (Tipp: Typisch Bayrisch!) und wahlweise auch einen bravaria-BH dazu. Die genauen Belohnungen kann man gerne jederzeit auf der Kickstarter-Kampagne einsehen.
Der BH ist nicht sehr teuer und man muss auch keine hohen Beträge spenden, falls man aber morgens mit Spendierhosen aufgestanden sein sollte, gibt es trotzdem die Möglichkeit dazu.

Was werden Sie nach erfolgreicher Finanzierung umsetzen?
Zunächst den bravaria Online-Shop befüllen um so viele individuelle Größen wie möglich umzusetzen (auch große Größen!) Danach kommt die Entwicklung des BH-Designs für Größenunterschiede bis zu 3 Körbchengrößen. Und dann wird es diese Modelle ebenfalls als Bademode geben, damit sich Frauen am Stand oder keine Gedanken mehr darüber machen müssen, ob man ihnen ihre Brustasymmetrie ansieht.

Wer ist die Zielgruppe von bravaria?
Jede, die feststellt, dass bei den BHs im Einzelhandel entweder eine Brust eingequetscht wird oder die andere sich verliert und immer wieder zurechtgerückt werden muss – und darauf keine Lust mehr hat. Brustasymmetrie kommt in den unterschiedlichsten Situationen vor.
Genetische Faktoren und Vererbung, während der Pubertät, hormonelle Schwankungen oder Veränderungen, während und nach der Schwangerschaft – z. B. nach der Stillzeit, Veränderung des Drüsengewebes durch Bestrahlung der Brust, Fehlbildungen durch Infektionen oder Entzündungen, Nach operativen Eingriffen, z. B. bei einer Tumorentfernung. Grob gesagt: Frauen zwischen 14 – 120 Jahren.

Was ist das Besondere an den BH´s?
Bei der Umsetzung habe ich mich tatsächlich an der Vorgehensweise meiner damaligen Bekannten orientiert. Außer mit dem Vorteil, dass man den bravaria-BHs das kleinere Cup nicht ansieht. Bedeutet: Äußerlich sieht der BH wie ein „normaler“ BH aus, den man auch im Einzelhandel erhält (z. B.: 75B). Im Inneren befindet sich jedoch auf einer Seite ein eingenähtes, kleineres Körbchen, welches am BH-Steg angepasst ist (z. B.: 75A).
Somit sitzt die kleinere Brust minimal höher und mittiger, jedoch bequem im kleineren Cup um das fehlende Volumen auszugleichen. Um auch die minimalsten Unterschiede noch vollends ausgleichen zu können, hat der BH zusätzlich herausnehmbare Polster. Somit lässt sich dieser komfortabel tragen und äußerlich ist das kleinere Körbchen nicht zu erkennen.

Silikoneinlagen oder ständig neues Ausstopfen von gleich großen BHs ist somit nicht mehr notwendig. Wenn der BH einmal sitzt, dann sitzt er immer.

bravaria, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
In 5 Jahren hoffe ich, eine eigene Herstellung der BHs eröffnen zu können, um Jobs zu schaffen und nahe am Fertigungsprozess zu sein.
Allerdings bin und bleibe ich Realistin und kann daher noch nicht garantieren, wo ich tatsächlich in 5 Jahren stehen werde. Lieber kleine, jedoch stetige Schritte nach vorne.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
1.) Nicht unterkriegen lassen! Ich bin selbst über sehr viele Steine gestolpert, bevor ich mein Projekt veröffentlichen konnte und oft habe ich an mir gezweifelt. Jedoch niemals an meinem Projekt.

2.) Ein Kollege von mir sagte mal: „Eines Tages mach ich mich selbstständig. Eine Idee habe ich zwar nicht, aber mit irgendwas mache ich mich selbstständig, weil das cool ist“. Mach nicht irgendwas. Mach, was du liebst, worauf du Lust hast und letztendlich auch stolz sein kannst.

3.) Begeistere Leute mit! Ich möchte, dass bravaria-Kundinnen ihre BHs nicht nur mögen, sondern lieben. Überlege dir, wie du deine Kunden begeistern und an dich binden möchtest. Bleibe fair, transparent und setze dir Kundenzufriedenheit als oberste Priorität.

Link zum Crowdfunding

Wir bedanken uns bei Jasmin Neuefeind für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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