Sei bereit, Opfer zu bringen

Brabbler bringt Privatsphäre und Vertraulichkeit in die digitale Welt

Stellen Sie sich und Ihr Startup-Unternehmen Brabbler doch kurz unseren Lesern vor!
Brabbler wurde von uns mit dem Ziel gegründet, echte Vertraulichkeit und Privatsphäre in der digitalen Kommunikation herzustellen. Wir, das sind die drei ehemaligen GMX Gründer Karsten Schramm, Eric Dolatre und Peter Köhnkow sowie der Finanzexperte Jörg Sellmann. Im Westen Münchens schaffen wir eine echte Alternative zu den kostenlosen und werbefinanzierten Kommunikationsdiensten. Mit unserem Produkt sprechen wir sowohl Privat- als auch Geschäftskunden an.

Wie ist die Idee zu Brabbler entstanden?
Seit dem Ausstieg bei GMX trafen wir drei uns einmal die Woche zum Mittagessen und sprachen über alles Mögliche, doch kaum über IT. Erst vor knapp 4 Jahren fingen wir an, darüber zu diskutieren, wie sich die Welt des Internets und der IT-Anwendungen in vielen Teilen zum Negativen verändert hat. Das gängige Geschäftsmodell der kostenlosen Leistung für den Endnutzer, die über gezielte Werbung monetarisiert wird, hatte sich verselbstständigt und die Datenkraken hervorgebracht. Man ahnte, was Snowden kurze Zeit später auf dramatische Weise belegen sollte –nämlich, dass das Internet komplett überwacht und der Nutzer quasi nackt im Netz war. Gleichzeitig segmentierte sich die digitale Kommunikation zunehmend. Für alles gab es eine eigene App – Messaging, Email, Kalender, File Sharing, usw. Für den Nutzer – das sahen wir an uns selbst –wurde es immer schwieriger, die Übersicht zu behalten. „Das alles geht auch anders“, waren wir uns einig und fingen an, Schritt für Schritt Brabbler in seinen Grundzügen zu konzeptionieren.

Von der Idee bis zum Start – was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Als Erstes feilten wir drei immer weiter an der Idee. In einem dafür gegründeten Think Tank stellte sich der Gründerspirit aus GMX-Zeiten schnell wieder ein, sodass wir Anfang 2015 dann auch schon in die Umsetzung gingen und mit dem ersten Mitarbeiter am Technical Proof of Concept arbeiteten. Zeitgleich konnten wir Jörg Sellmann als erfahrenen Finanzprofi gewinnen und gründeten gemeinsam im Februar die heutige AG. Als die technische Machbarkeit bestätigt war, stand das Projekt den nächsten Herausforderungen gegenüber. Der Businessplan sah vor, innerhalb eines guten Jahres knapp 50 Mitarbeiter zu gewinnen – ein noch schnelleres Wachstum als seinerzeit bei GMX. Und dieses musste natürlich über die Grund-Investitionen der Gründer hinaus finanziert werden. Die erste Finanzierungsrunde Ende 2015 war in nur 3 Wochen abgeschlossen. Stand heute, Januar 2017, hat Brabbler gerade die zweite externe Runde abgeschlossen und zählt über 50 Mitarbeiter. Auf der einen Seite bestätigt der rasante Zugewinn von Mitarbeitern unsere Gründer-Idee, andererseits ist er aber auch eine der größten Herausforderungen. In so kurzer Zeit eine Organisation dieser Größe zu bilden, in der jeder seine Funktion im großen Bild kennt und lebt und alles reibungslos zusammenarbeitet, klingt simpel auf dem Papier, bedeutet jedoch viel Arbeit und Disziplin. Es ist eine beständige Lernkurve und verlangt dem Middle Management, welches wir sehr früh eingezogen haben, viel ab.

Wer ist die Zielgruppe von Brabbler?
Im Privatkundensegment sind das all diejenigen, die nicht gleich rufen „Ich habe doch eh nichts zu verbergen!“, wenn man die heutige Datensammelwut von Unternehmen und Regierungen in Frage stellt. Und Nutzer, die verstehen, dass gratis nicht kostenlos sein kann. Zielgruppe sind außerdem auch alle jene, die es einfach leid sind, am Morgen als Erstes ein Dutzend Apps zu öffnen, um sich einen Überblick über ihr digitales Leben zu verschaffen. Im B2B-Umfeld sind wir vor allem für Unternehmen und Einrichtungen interessant, die hohen Wert auf die Vertraulichkeit von Daten legen. Daten sind Kapital, ob in Form geistigen Eigentums oder von Kundendaten. Mit der immer weiter voranschreitenden Digitalisierung wird es für Unternehmen zunehmend schwierig, die Hoheit über ihre Daten zu behalten. Wenn dann plötzlich in China oder anderen weit entfernten Ländern eine baugleiche Kopie des eigenen Produktes oder der eigenen Software auftaucht, dann kostet einen das im Kontext der Globalisierung auch Wettbewerbsvorteile im eigenen Land. Das betrifft nicht nur den großen Autohersteller, sondern auch ein kleines innovatives Unternehmen, wie wir selbst eins sind.

Wie funktioniert Brabbler? Wo liegen die Unterschiede?
Der Name unserer App ist noch geheim. Wir können aber schon einiges über die Funktionen verraten: Die App vereint und verwebt verschiedene Anwendungen der digitalen Kommunikation miteinander. Nutzer können sich Nachrichten senden, Termine vereinbaren, Dateien austauschen oder auch ihre Passwörter verwalten. Das Ganze über mehrere Geräte hinweg synchronisiert. Dabei sind sowohl gesendete als auch gespeicherte Inhalte komplett verschlüsselt und vor Dritten sicher. Wir finanzieren uns auch im Privatkundensegment, anders als üblich, nicht über Werbung, sondern werden ganz klassisch für Leistung Geld verlangen. Wir müssen, können und werden weder Inhalte noch das Verhalten unserer Nutzer analysieren oder auswerten. Zudem sind wir „made and hosted in Germany“ und unterliegen den enorm hohen Datenschutzstandards Deutschlands und der EU. Damit können wir allen Kunden, ob privat oder geschäftlich, deutlich mehr Datensouveränität bieten als die meisten Kommunikationsdienste, die oft in den USA ansässig sind und dem datenhungrigsten aller Staatsapparate Rechnung tragen müssen.

Welche Vorteile bietet Brabbler den Nutzern?
Dem Privatnutzer bietet Brabbler volle Transparenz. Das Geschäftsmodell ist klar und lässt keine Fragen offen, wie sich der Dienst finanziert. Der Nutzer allein behält die Kontrolle darüber, welche Informationen er wem preisgibt und nimmt so seinen digitalen Alltag in die eigene Hand. Auch Unternehmen behalten mit Brabbler die volle Kontrolle. Sie können ihren Mitarbeitern ein produktives Tool an die Hand geben und gleichzeitig sicher sein, dass keine vertraulichen Informationen abgegriffen werden. In der täglichen Anwendung bietet Brabbler zudem allen Nutzern den Komfort, nicht über eine Vielzahl von Apps und unterschiedliche Bedienkonzepte hinweg arbeiten zu müssen, sondern alle Aufgaben an einer Stelle erledigen und so einen besseren Überblick behalten zu können.

Wie ist das Feedback?
Wir befinden uns im Moment in einer geschlossenen Beta-Phase und erhalten viel positives Feedback. Natürlich bekommen wir auch Kritik und Verbesserungsvorschläge. So lernen wir dazu – das ist ja schließlich auch das Ziel eines solchen Beta-Tests. Das Feedback zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir dürfen uns jetzt aber auch nicht zurücklehnen, sondern müssen uns und das bisher Erreichte immer wieder herausfordern und auf den Prüfstand stellen. Sobald das Feedback in die Entwicklung eingeflossen ist, starten wir in eine Open-Beta-Phase, in der auch eine breitere Öffentlichkeit die Möglichkeit hat, unsere App zu testen.

Brabbler, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Was wir langfristig erreichen wollen, ist mehr als nur eine App, auch wenn das der erste Schritt ist, um im Markt Fuß zu fassen. Wir haben Großes vor und streben eine digitale Welt an, in der Vertraulichkeit und Privatsphäre endlich wieder Realität sind. Auf dem Weg dahin werden wir in den nächsten Jahren unser Angebot weiter ausbauen und zusätzliche Geschäftsfelder besetzen. Man wird noch einiges von uns hören.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
In jedem Projekt lernt man dazu, das war bei GMX so und auch bei Brabbler. Dazwischen haben wir diverse andere Gründungen direkt oder indirekt begleitet. Hier einige wichtige Erkenntnisse aus nun fast 20 Jahren Unternehmererfahrung:
1. Sei bereit, Opfer zu bringen. Wenn du erwartest, deinen Traum in 40 Stunden pro Woche verwirklichen zu können, wirst du höchstwahrscheinlich enttäuscht, auch wenn du noch so gut organisiert bist.
2. Denk nicht, dass du alles selbst machen kannst, sondern suche dir erfahrene Mitstreiter, welchen du früh Verantwortung übergeben kannst und die deine Idee und Vision mittragen. So kannst du dich darauf konzentrieren, die Gründeridee voranzutreiben und das Unternehmen zu gestalten, das dir vorschwebt.
3. Stelle Angefangenes immer wieder auf den Prüfstand, um es kontinuierlich zu verbessern und sogar, wenn nötig, lieber früh als spät über Bord zu werfen. Das verschafft dem Unternehmen Zeit und erspart den Mitarbeitern Frust.

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Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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