Einen langen Atem und den Humor nicht verlieren

Booktype ist eine online Plattform, mit der man Bücher erstellen kann

Wie ist die Idee zu Booktype entstanden?
Booktype ist eine online Plattform, mit der man Bücher erstellen kann. Booktype bildet dabei alle Arbeitsschritte der Bucherstellung – vom Entwurf bis zum fertigen Buches- ab: das Ergebnis sind veröffentlichungsfertige Dateien: Druck- oder Bildschirm-Pdf, E-Book (.epub und.mobi), aber auch andere Formate, um etwa direkt auf Internetseiten zu veröffentlichen.
Neben den kollborativen Aspekten und der Plattformunabhängigkeit, ist die wichtigste Idee hinter Booktype das sogenannte „Single Source Publishing“. Gerade für Verlage, aber auch für Unternehmen und Organisationen, ist dieser Aspekt besonders interessant: Also ein Buch zugleich als „Quelle“ für eine Vielzahl verschiedener Veröffentlichungskanäle nutzen zu können. Dies reduziert die redaktionellen Aufwände enorm, insbesondere auch da das Layout automatisch vom System erstellt wird.In der heutigen Zeit für alle die mit Publikationen zu tun haben, ganz wichtiger Aspekt.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Der „Urahn“ von Booktype war eine Anwendung, die für sogenannte „Booksprints“ entwickelt wurde. Booksprints sind Workshops, in denen ein Buch im Team vom Entwurf bis zum fertigen Ausgabe in wenigen Tagen erarbeitet wird. Die damals – rudimentäre – Anwendung wurde an unserer heutigenMuttergesellschaft Sourcefabricherangetragen. Sourcefabric entwickelt Open Source Software für Journalisten und Medien. Unter dem Namen Booktype wurde diese 2012 dann in einer Version 1.6 veröffentlicht und war sogleich erfolgreich. Mit der Version 2.0 haben wir im März 2015 die Booktype GmbH als Tochterunternehmen ausgegründet und stehen seitdem auf eigenen Füßen.
Die Ausgründung macht schon aus Sicht der Produktentwicklung Sinn, weil sich die Bucherstellung sehr stark von den Arbeitsabläufen von Journalistenbüros unterscheidet (die unsere Muttergesellschaft bedient). Ein noch wesentlicherer Grund ist aber, dass Booktype als Produkt einen komplett anderen Markt anspricht.

Wer ist die Zielgruppe von Booktype?
Vordergründig sind vor allem Verlage und Dienstleister rund um das Thema Selfpublishing. Hier haben wir bereits seit Jahren große Kunden wie BoD, TwentySix, aber auch kleine Verlage wie Mikrotext, die verschiedene Strecken ihrer Arbeitsabläufe mit Booktype abwickeln – vor allem um interne Kosten zu sparen.
Noch mehr Potenzial sehen wir allerdings im Corporate Publishing Markt mit seinem enormen Ausstoß jährlichen an Berichten, Papieren und anderen Veröffentlichungen. Hierzu zählen wir ganz besonders auch die vielen Institutionen und NGOs, die ihre Arbeit vor der Öffentlichkeit dokumentieren wollen und müssen.
Mit der Plattform Omnibook(www.omnibook.pro) wenden wir uns nun aber auch direkt an „Endkunden“, also (Selfpublishing, freie) Autoren und kleine Agenturen, die ihre Publikationen selbst veröffentlichen.

Wie funktioniert Booktype?
Wie schon erwähnt folgt Booktype der Idee des Single Source Publishing. Die Nutzer erstellen ihre Bücher dabei komplett in einem Editor im Browser. Alternativ bietet Booktype den Import ganzer Manuskripte aus Word (.docx) und von E-Books (.epub) zur weiteren Bearbeitung.
Booktype bildet den gesamten redaktionellen Arbeitsablauf und Teams (Rollen!) ab – vom Schreiben und der Materialzusammenstellung über Lektorat mit Kommentarfunktion und Korrektorat mit Änderungsnachverfolgung bis hin zum Layout, das automatisch erstellt wird: verschiedene Layout „Themen“ können hinterlegt – individuell für jedes Veröffentlichungsformat. Ganze Bücher können so mit einem Klick neu layouten werden.

Welche Vorteile hat man, wenn man mit Booktype sein Buch erstellt?
Vorneweg sei hier auf die Grenzen hingewiesen – es liegt in der Natur der Sache, dass man mit einem automatischen Layout und einem Single Source Ansatz keine elaborierte Bildbände erstellt.
Man benötigt keine spezielle und teure Software wie InDesign, egal auch, ob man einen PC, Mac oder Linux Rechner hat – ein Browser und eine Internetverbindung reichen vollkommen.
Die einfache Handhabung – wer einen Browser und Word bedienen kann, kann Booktype bedienen. Das bedeutet, dass jeder Schreiben, Korrekturen einarbeiten kann und auch eine veröffentlichungsfertige Datei erstellen kann.
Zudem kann man gemeinsam an Büchern arbeiten, mit verschiedenen Rollen, buchinternen Chat, Änderungsnachverfolgung, Versionierung, Kapitelstatus nach Bearbeitungsstand etc. und zwar ohne Medienbrüche – etwa Ausdrucke für das Korrektorat – denn alles kann in Booktype direkt abgewickelt werden.
Das genannte Single Source Publishing bietet die Möglichkeit, sein Buch IMMER für jeden Veröffentlichungskanal parat zu haben und zwar in der aktuellsten Version.
Kurzum: Booktype ist ein effektives und kostengünstiges Werkzeug für alle „Buchmacher“.

Welche Kosten entstehen?
Grundsätzlich ist Booktype Open Source (AGPL), jeder kann es installieren und nutzen. Es fallen auch bei kommerzieller Nutzung keine Lizenzgebühren an. Wir müssen aber zwischen B2B und B2C Kunden unterscheiden.
Unseren Unternehmenskunden (B2B) bieten wir Dienstleistungen rund um das Produkt – also Beratung. Anpassungen, Einrichtung, Schulungen, Hosting, Supportund Updates. Eine Standard Installation beginnt hier bei rund 1000 Euro und unsere Managed Services, wie Hosting, Support etc., haben wir in verschiedenen Paketenfür verschiedene Kundengruppen gebündelt(https://booktype.pro/en/booktype/services/).
Alle weiteren Dienste, wie individuelle Anpassungen, werden einfach nach Entwicklersätzen abgerechnet.
Autoren und kleinen Agenturen (B2C) bieten wir die Plattform Omnibook. Sie ist bis zu einem (aktiven) Buch kostenlos nutzbar. In Zukunft werden wir aber auch sukzessive kostenpflichtige Funktionen mit Zusatznutzen anbieten.Das kann ganz einfach die Möglichkeit sein,

Booktype, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Die rasante und dynamische Entwicklung des Selfpublishing in den letzten Jahren hat auch etablierte Verlage zu Nachdenken gebracht. Um weiter bestehen zu können müssen diese ihre Marktstrategien grundsätzlich hinterfragen. Mit der Vielzahl an Print-on-Demand und E-Books Anbietern sind Autoren längst nicht mehr von Verlagen abhängig. Immer mehr Autoren nehmen ihre Veröffentlichungen selbst in die Hand und emanzipieren sich – entscheiden von Fall zu Fall, ob sie mit ihnen zusammenarbeiten wollen. Verlage müssen entsprechend attraktive Angebote machen – in Hinblick auf die Bucherstellung (insbesondere Lektorat und Korrektorat), aber auch in Vertrieb und Vermarktung.
Wir wollen in den nächsten Jahren Booktype bzw. Omnibook weiter ausbauen, zu einer Plattform, auf der nicht nur (freie)Autoren bewegen, sondern Verlage ihnen begegnen könnenschon während Bücher verfasst werden.
Booktype bietet eine ideale Basis: Autoren können Verlagen fein skalierbar und mit unterschiedlichen Rollen/Rechten Einblick gewähren oder sie sogar in den Schaffensprozess einbeziehen. Verlage können ihr klassisches Handwerk anbieten und abwickeln, vor allem aber auch frühzeitig und aktiv an den aktuellen Entwicklungen teilnehmen, etwa um neue Bestseller-Autoren zu entdecken.
Die Möglichkeit Bücher auch gleich fix und fertig aus der Plattform zu exportieren, ist da eigentlich nur ein Sahnehäubchen…

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Ein Geschäftsmodell, einen langen Atem, Humor…

Wir bedanken uns bei Julian Sorge für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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