Jede noch so gute Idee funktioniert nur, wenn sie jemand umsetzt

Blauer Leben: Ökofuzzi – Das Umweltquiz über Nachhaltigkeit und Umweltschutz

Stellen Sie sich und das Startup Blauer Leben doch kurz unseren Lesern vor!

Wir sind Elisa von Norderney und Matthias aus Hamburg. Seit über einem Jahr organisieren wir im Rahmen eines gemeinnützigen Vereins Veranstaltungen im Bereich Nachhaltigkeit und Umweltbildung. Dabei haben wir gemerkt, dass Umweltschutz nicht langweilig und belehrend sein muss, sondern vor allem Spaß machen kann. Elisa kümmert sich dabei vor allem um die Inhalte und Durchführung der Events und Workshops, während Matthias alles im Hintergrund übernimmt: Finanzen, Buchhaltung und Verwaltung.

Bei unserer Arbeit haben wir gemerkt, dass wir unser Engagement gerne ausweiten würden. Wir wollten ein Unternehmen gründen, das nachhaltige Produkte und Dienstleistungen anbietet und damit als gutes Beispiel für andere Unternehmen vorangeht. So entstand die Idee von Blauer Leben. Das Unternehmen wollen wir als Basis nutzen, um innovative und interaktive Nachhaltigkeits- und Umweltbildungslösungen zu entwickeln und anzubieten. Dabei kann es sich ebenso um physische Produkte wie auch Dienstleistungen handeln. Unser erstes Produkt ist “Ökofuzzi – Das Umweltquiz”. Ein Spiel, bei dem es um unglaubliche Fakten aus verschiedenen Nachhaltigkeitsbereichen geht.

Warum haben Sie sich entschieden ein Unternehmen zu gründen?

Mit dem Gedanken haben wir schon länger gespielt, jetzt war für uns einfach der richtige Zeitpunkt. Wenn Menschen die Wahl zwischen einem nachhaltigen und einem weniger nachhaltigen Angebot haben, entscheiden sie sich immer häufiger für das nachhaltige. Leider gibt es dieses Angebot aber in einigen Fällen noch nicht. Wir wollen dabei helfen, diese Lücke zu schließen. Wenn wir dabei erfolgreich sind, motiviert das gleichzeitig andere Unternehmen, nachzuziehen. So können wir einen kleinen Teil zu einer hoffentlich großen Entwicklung beitragen.

Welche Vision steckt hinter Blauer Leben?

Es gibt viele Wege, sich für mehr Nachhaltigkeit und Umweltschutz einzusetzen. Einer davon ist, selbst etwas anzubieten, das den eigenen Werten entspricht. Wir glauben, dass Nachhaltigkeit nur funktioniert, wenn man alle drei Ebenen einbezieht (die ökologische, soziale und ökonomische). Jeder hat einen anderen Bezug zum Thema Nachhaltigkeit. Wir wollen helfen, den jeweiligen Bezug zu finden und mit den anderen Dimensionen zu vereinen. Wenn dabei jeder mit einem kleinen Schritt beginnt – ohne den Druck, sofort sein gesamtes Verhalten auf einen Schlag überdenken zu müssen – ist es viel realistischer, diesen Weg auch langfristig gehen zu können. Jeder trägt bei, was er beitragen kann.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?

Die meiste Zeit steckt man am Anfang vermutlich immer in das erste Produkt. Nach unzähligen Gesprächen, dutzenden Spaziergängen und schlaflosen Nächten, in denen man noch eben schnell eine Idee aufschreiben muss, hatten wir etwas geschaffen, das wirklich unseren Werten entspricht. Beim Thema Nachhaltigkeit ist die größte Herausforderung, nichts unüberlegtes zu machen. Eine falsche Formulierung, ein schlecht gewählter Versandsticker oder ein Partner, der nicht komplett nachhaltig handelt und schon läuft man Gefahr, seine Glaubwürdigkeit zu verlieren. Der gesellschaftliche Druck um Nachhaltigkeit hat eine Art “Ganz oder gar nicht”-System gefördert, das für viele abschreckend wirkt. Dabei ist es unheimlich schwierig, immer auf alles zu achten. Auch wir haben bestimmt irgendwo eine Lücke, die wir noch nicht gefunden haben. Von daher hoffen wir auch immer auf Anregungen von Kundinnen und Kunden.

Dazu ist die Finanzierung für jedes junge Unternehmen eine der größten Herausforderungen. Da es sich bei unserem Spiel “Ökofuzzi” um ein physisches Produkt handelt, dessen Herstellung recht viel Geld kostet, haben wir uns für die Finanzierung über eine Crowdfunding-Kampagne bei StartNext entschieden. So verkaufen wir das Spiel vor der Produktion, die wir mit den Einnahmen dann finanzieren können. Ein weiterer großer Punkt besteht darin, Leute auf unser Unternehmen und unser erstes Produkt aufmerksam zu machen. Wir können auf ein recht großes Netzwerk in den Bereichen Nachhaltigkeit und Umweltbildung zurückgreifen, das uns den Einstieg etwas erleichtert. Dennoch sollte man nicht unterschätzen, wie viel Aufwand man in die Kundengewinnung stecken muss.

Wer ist die Zielgruppe von Blauer Leben?

Unsere Zielgruppe sind vor allem umweltbewusste Menschen und solche, die es werden wollen. Wir wollen zeigen, dass Nachhaltigkeit und Umweltbildung nicht teuer oder langweilig oder mit Einschränkungen verbunden sein müssen. Stattdessen wollen wir uns auf die positiven Aspekte fokussieren, Chancen erkennen und nutzen und dabei Spaß haben. Denn dann fällt Veränderung viel leichter.

Zudem ist ein großes Ziel von uns, die noch nicht ganz so großen Nachhaltigkeitsfans zu erreichen. Aus dem Grund haben wir zum Beispiel auch den Titel und Slogan des Spiels mit einem zwinkernden Auge gewählt.

Was ist das Besondere an Blauer Leben? Wo liegen die Vorteile? Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Mit Blauer Leben wollen wir Ideen und Konzepte umsetzen, die uns am Herzen liegen. Und dabei Spaß haben und auch vermitteln. Durch unsere gemeinnützige Arbeit im Bereich Umweltbildung erfahren wir, was den Menschen wichtig ist. Und was sie eventuell noch brauchen. Dabei hat jeder eine andere Perspektive, die man für das große Ganze einbeziehen muss.

Wir sind überzeugt, dass große Veränderungen nur gemeinsam möglich sind. Daher setzen wir bei der Umsetzung unserer Ideen auf Kooperation. Mit unserem wachsenden Netzwerk haben wir für viele Vorhaben bereits einen passenden Partner. Die einzelnen Kompetenzen können wir nutzen, um das bestmögliche Produkt anzubieten. Über neue Partnerschaften freuen wir uns darum immer. Uns ist wichtig, dass wir den Menschen nicht nur etwas beibringen, sondern auch Freude bereiten. Wir versuchen für alles offen zu bleiben und verurteilen nicht. Stattdessen wollen wir Chancen erkennen und ergreifen. Daraus entsteht dann Nachhaltigkeit für jedermann.

Wie hat sich ihr Unternehmen mit Corona verändert?

Da wir unser Unternehmen erst im Mai gegründet haben, können wir keinen großen Vorher-nachher-Vergleich machen. Allerdings konnten wir die Zeit, die wir seit März nahezu ausschließlich zuhause verbracht haben, noch intensiver nutzen. Vielleicht konnten wir dadurch sogar etwas schneller an den Start gehen. Unsere Flexibilität ist dabei natürlich ein Luxus, den viele andere nicht haben. Die aktuelle Lage hat dazu beigetragen, dass man Umweltbildung über neue Formate anbieten muss. Workshops und andere Veranstaltungen, bei denen man mit vielen Menschen in einem Raum interaktiv arbeitet, waren in dieser Zeit einfach nicht die richtige Lösung. Ein Spiel aber, das man zuhause ebenso spielen kann wie über eine Videokonferenz, das Spaß macht sowie die Familie oder Freunde enger zusammenbringt, das ist schon eher gefragt.

Wie haben Sie sich darauf eingestellt und welche Änderungen haben Sie vorgenommen?

Viel Zeit zur Vorbereitung gibt es in Situationen wie dieser leider nicht. Von daher muss man kreativ sein, Lösungen finden und schnell handeln. Wie viele andere Unternehmen mussten auch wir digitaler werden. Unser Spiel Ökofuzzi lebt von seinem Wow-Effekt, den man beim Spielen erfährt. Entsprechend wollten wir potentiellen Käuferinnen und Käufern die Möglichkeit geben, diesen Effekt bei einem Probespiel zu erleben. Da diese Spielrunden in der geplanten Form nicht mehr möglich waren, für uns aber ein gutes Verkaufsargument sind, mussten wir uns eine Alternative überlegen. Daher haben wir die Spielrunden online über eine Videokonferenz angeboten. Das ist zwar nicht das gleiche, wie in einem Raum zu sein, kommt dem aber wenigstens sehr nahe.

Wo sehen Sie in der Krise die Chance?

Wir versuchen unser Bestes, in jeder Krise das Positive zu erkennen. Zum Beispiel sieht man derzeit sehr gut, was digital möglich ist. Was passiert, wenn man seine Zeit und seine Tagesabläufe neu strukturiert. Wo man sich ohne Einschränkungen beschränken kann. Was nötig ist und was nicht. Videokonferenzen beispielsweise haben eine ganz neue Akzeptanz gewonnen. So kann man an einem Tag mit Menschen an diversen verschiedenen Orten arbeiten, ohne lange oder teure Reisen zu unternehmen. Die technischen Voraussetzungen dafür gibt es schon länger, aber dennoch werden diese jetzt viel stärker genutzt. Man merkt was wichtig ist und wie man dies besser umsetzen kann. Auch wenn derzeit Gesundheit mehr im Fokus steht als Nachhaltigkeit, gibt uns die extra Zeit enorme Chancen. Man muss nur das Beste draus machen.

Blauer Leben, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

In 5 Jahren haben wir noch mindestens genauso viel Spaß an dem was wir tun, wie jetzt auch. Wir haben ein größeres Netzwerk und mittlerweile einige weitere Projekt- und Produktideen umgesetzt, die andere inspirieren. Und das wichtigste: In 5 Jahren fragen wir immer noch nach den Meinungen und Wünschen der Leute und versuchen diese auch umzusetzen. Alles was wir tun werden, schadet der Umwelt nicht. Und da sich auch die Gesellschaft mitentwickelt, wird es immer leichter, keine Kompromisse machen zu müssen. Junge Menschen mit guten Ideen schreiben uns und fragen, ob wir ihnen bei der Umsetzung helfen können und wir haben die Freiheit ja zu sagen sowie Zeit und Geld zu investieren, um auch diese Ideen umzusetzen. Außerdem haben wir ein Büro mit Hängematte und FairTrade-Ostfriesentee aus dem Unverpackt-Laden. Soweit zumindest der Traum. Bis dahin machen wir einen Schritt nach dem anderen.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Kreativ sein: Viel überlegen, darüber reden und sich nicht scheuen, auch mal unkonventionelle Wege zu gehen. Es gibt viele tolle Produkte, die man auch anders nutzen kann, als der Hersteller es vorgesehen hat. Wenn man offen für Neues bleibt, findet man oft die Besten. Wie eine Biomülltüte als Versandtasche.

Fragen: Das tolle an einem Startup ist, dass man jeden Schritt miterlebt. Dadurch lernt man automatisch eine ganze Menge. Bei manchen Dingen ist ein bisschen Hilfe aber einfach praktisch. Schließlich kann man sich nicht um alles kümmern und alles wissen. Also frag nach Feedback und Hilfe, wenn du sie brauchst. Die allermeisten Situationen hat irgendjemand schonmal erlebt.

Machen: Du hast eine Idee? Dann entwickle sie weiter und setz’ sie um. Natürlich funktioniert nicht alles sofort. Aber rausfinden kann man es nur, indem man es versucht. Nichts ist schlimmer als ein “hätte ich damals mal…”. Und jede noch so gute Idee funktioniert nur, wenn sie jemand umsetzt.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Elisa und Matthias für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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