Man sollte sich auf jeden Fall darüber im Klaren sein, was es heißt Unternehmer zu sein!

Kai Teute Lizenznehmer der Modemarke Adenauer & Co. im Interview, über die Vorteile und Herausforderungen als Franchisenehmer

Stellen Sie sich und das Franchise Unternehmen BK Beachhouse doch kurz unseren Lesern vor!
Kai Teute: Mein Name ist Kai Teute und ich habe die BK Beachhouse Mode GmbH wurde 2015 als Tochtergesellschaft meiner Equity Seven Unternehmensgruppe gegründet. Die Gesellschaft hält Lizenzrechte für die Modemarke Adenauer & Co. in Hamburg und großen Teilen von Schleswig Holstein und betreibt hier drei eigene Adenauer-„Strandhäuser“. Benedikt Beins stieß 2016 als Mitgesellschafter dazu- er hat viel Erfahrung im Modebereich und ist daher ein wertvoller Partner.

Wie ist die Idee entstanden Lizenznehmer von Adenauer & Co zu werden?
Ich habe Adenauer & Co das erste Mal 2014 auf Sylt gesehen und mir gedacht, dass würde auch gut nach Hamburg passen. Ich habe daraufhin Kontakt zu Andreas Adenauer aufgenommen und wir haben über die Zusammenarbeit zuerst in Hamburg gesprochen. Danach haben wir uns auf eine größere Zusammenarbeit auch in Schleswig Holstein und anderen Gebieten geeinigt.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Wir haben uns ausschließlich aus Eigenkapital finanziert. Für die Ladeneinrichtungen arbeiten wir immer mit örtlichen Banken zusammen. Die größten Herausforderungen sind, die Marke bekannter zu machen und, als Neulinge in der Modebranche, die Menschen so neugierig zu machen, dass sie in den Laden kommen um sich von uns zu überzeugen. Im Gegensatz zu anderen Startups setzen wir noch auf den stationären Handel und, was in der Modebranche nicht unbedingt üblich ist, auf Nachhaltigkeit. Wir produzieren nur in Europa, achten auf die gute Qualität der Ware, können daher aber unsere Mode auch nicht zu Billigpreisen anbieten.

Eine weitere Herausforderung ist der Kampf mit manchen Behörden. Ein Beispiel: Zu den Adenauer & Co Läden gehört es, dass immer eine hübsche, orangene Bank und ein retro-Hollandfahrrad vor dem Geschäft steht. Doch das Bezirksamt Mitte möchte uns dieses nicht genehmigen. Obwohl es niemanden stört, dafür sogar das Stadtbild verschönert und wir kein Problem damit hätten, die extra Miete für die Sondernutzung zu zahlen…. An keinem anderen Ort wurden uns bisher so viele Steine in den Weg gelegt- vor allen anderen Filialen in anderen Städten und Gemeinden haben wir keinerlei Probleme mit den Genehmigungen gehabt.

Wie hat sich das Unternehmen seit dem Start entwickelt?
Wir sind bis jetzt sehr zufrieden. Im November 2015 haben wir den ersten Standort in Hamburg in der Gerhofstr. 38 eröffnet. Hier waren wir die letzten Monate zwar sehr stark durch die Baustellen rund um den Gänsemarkt gebeutelt, aber konnten uns trotzdem im Vergleich zu anderen gut halten. Manche Händler bei uns in der Straße berichten sogar von Umsatzeinbrüchen von bis zu 50%. ! Wir haben dazu keine belastbaren Zahlen, da wir seit Beginn mit der Baustelle leben.

In diesem Jahr haben wir dann eine weitere Filiale in Sankt Peter Ording eröffnet. Hier liegen wir seit Eröffnung deutlich über unseren Planzahlen und Erwartungen – und das ohne jegliches Marketing zu betreiben! Im April 2017 eröffnen wir dann einen weiteren Standort auf Föhr. Für 2018 haben wir weitere Standorte geplant und überlegen, neben der Marke Adenauer & Co. noch andere Franchise aufzubauen.

Wie erfolgte die Auswahl der Standorte?
Wir nehmen immer Statistiken zur Hand anhand derer wir zum Beispiel sehen, wie viel Kaufkraft an einem Standort generell vorhanden ist. Leider haben wir an manchen Standorten wie in Hamburg dann temporäre Themen wie eben die Baustelle, die einen Standort auch negativ beeinflussen können. Wenn wir allerdings vorher gewusst hätten, dass es ein solcher Kampf mit dem Hamburger Bezirksamt Mitte wird und die Baustelle viel länger da ist als eigentlich vorgesehen war, hätten wir vermutlich einen anderen Standort in Hamburg gewählt.

Welche Voraussetzungen sollte man als Franchisenehmer erfüllen?
Grundsätzlich sollte man das Unternehmergen im Blute haben und selber etwas bewegen wollen. Man bewegt sich zwar im Rahmen dessen, was der Lizenzgeber vorgibt, muss aber natürlich alles selbst auf die Beine stellen! Trotzdem sollte man als Franchisenehmer auch immer kompromissbereit sein und sich bewusst machen, dass man am Konzept nicht alles ändern kann. Der Franchisegeber gibt in den meisten Fällen die Corporate Identity und die Produkte, sowie das Marketingmaterial vor, an das wir gebunden sind. So auch bei uns.

Welche Vorteile hat man als Franchisenehmer? Wo liegen die Vorteile von Franchise?
Ein Vorteil ist sicherlich, dass man ein erprobtes Konzept in einer Region umsetzt. Dadurch ist das Risiko, dass es nicht klappt, wesentlich geringer und man hat mit dem Franchisegeber auch einen Partner an der Seite der einem einige Aufgaben wie zum Beispiel das Thema Markenbildung und Produktauswahl. Außerdem kümmert er sich um die ganze Produktion und Logistik – das nicht selbst machen zu müssen, ist eine große Erleichterung als Startup. Auch unterstützt einen der Franchisegeber bei der Auswahl der Standorte. Da man in einem guten Franchisesystem schneller wachsen kann, stärken sich die Filialen allein durch ihre Ausbreitung und den dadurch wachsenden Bekanntheitsgrad gegenseitig.

Was sind die Risiken, was muss man beachten?
Man muss vor allem bei der Vertragsgestaltung darauf achten, dass man sich den jeweiligen Standort schützen lässt und somit kein anderer Shop direkt nebenan eröffnen darf und womöglich die gleichen Produkte verkauft. Die größten Risiken sind im Franchisebereich darüber hinaus die Finanzierung, die unabhängig vom Franchisegeber erfolgt, und das operative Geschäft vor Ort.

Ab wann und unter welchen Voraussetzungen denken Sie, dass es sinnvoll wäre für ein Startup selbst zum Franchisegeber zu werden?
Es macht immer dann Sinn, wenn man ein Geschäftsmodell hat, was zum Gegenstand den regionalen Verkauf von Produkten hat. Neben der Risikoverteilung kauft man sich mit einem Franchisepartner know how vor Ort ein.

Wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
In fünf Jahren wollen wir mit Adenauer & Co. und anderen Konzepten weiter gewachsen sein. Unser Ziel ist es dann insgesamt 10 Filialen zu betreiben.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Franchisenehmern mit auf den Weg geben?
Sie sollten sich viel Zeit für Auswahl des richtigen Franchisekonzepts nehmen. Und den Franchisegeber genau prüfen. Kein Konzept läuft von alleine, sondern bedarf immer starker Partner.

Und man sollte lieber einmal mehr nein sagen, wenn man kein gutes Gefühl bei der Zusammenarbeit hat – die Chemie muss einfach stimmen. Darüber hinaus sollte man sich auf jeden Fall darüber im Klaren sein, was es heißt Unternehmer zu sein. In erster Linie bedeutet das nämlich viel arbeiten, aber dann natürlich auch seine eigenen Ideen und Vorstellungen zu verwirklichen.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Kai Teute für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer ist 39 Jahre jung, Gründerin und leitende Redakteurin der StartupValleyNews. Ihre Karriere startete sie in verschiedenen internationalen Direktvertriebsunternehmen. Seit 2007 ist sie hauptberuflich als Journalistin tätig. Während dieser Zeit lernte sie die Startup-Szene kennen und schätzen, was Sie dazu bewogen hat mit StartupValleyNews ein internationales Startup Magazin aufzubauen!

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