Donnerstag, Oktober 21, 2021

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Sabine Elsässer
Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

Bitwala Banking Service kombiniert Bankkonto mit dem Zugang zu Kryptowährungen, digitalen Vermögenswerten und blockchainbasierten Finanzdienstleistungen

Stellen Sie sich und das Startup Bitwala doch kurz unseren Lesern vor!

Ben Jones: Mein Name ist Ben Jones und im Oktober 2015 habe ich zusammen mit Jörg von Minckwitz und Jan Goslicki Bitwala gegründet. Bitwala ist der weltweit erste Banking Service, der ein vollständiges deutsches Bankkonto mit dem Zugang zu Kryptowährungen, digitalen Vermögenswerten und blockchainbasierten Finanzdienstleistungen kombiniert. Um rechtlich konforme Finanzdienstleistungen anzubieten, arbeitet Bitwala mit Solarisbank zusammen. Inzwischen zählt Bitwala mehr als 200.000 Kunden in 32 europäischen Ländern. Durch den kräftigen Anstieg des Bitcoin-Preises stieg auch das Gesamtvermögen unserer Kunden zu Ende 2020 auf mehr als 100 Millionen Euro. Auch unser Team wächst stark und zählt mittlerweile über 100 Mitarbeiter. Aktuell haben wir 40 offene Stellen, Tendenz steigend.

Kristina Walcker-Mayer:Ich bin Mitte 2020 als Chief Product Officer bei Bitwala eingestiegen, um das Unternehmen dabei zu unterstützen, sein Produkt für eine breitere Zielgruppe zugänglich zu machen. Ich baue seit über zehn Jahren disruptive digitale kundenzentrierte Produkte – zuletzt habe ich bei N26 und Zalando sehr viel Erfahrung darin gesammelt, Kundenbedürfnisse zu identifizieren und Produkte zu entwickeln, die erfolgreich auf diese Bedürfnisse einzahlen. Ich bin fasziniert von der Blockchain-Technologie, weil sie innerhalb der nächsten Jahre einen großen Einfluss auf zahlreiche Bereiche unseres Lebens haben wird, nicht nur auf Finanzen. Bei Bitwala kann ich den Wandel, den die Blockchain-Technologie ermöglicht, mitgestalten und sie dazu nutzen, bewährte Kundenprobleme auf innovative Weise zu lösen.

Warum haben Sie sich entschieden, ein Unternehmen zu gründen?

Ben: Der Gründung von Bitwala ging der Glaube voraus, dass Kryptowährungen die Welt verändern und eines Tages das traditionelle Finanzwesen auf den Kopf stellen werden. Wir sahen, dass die Technologie das Potenzial hat, unser heutiges Verständnis und die Verwendung von Geld grundlegend zu verändern. Wir wollten einen Weg finden, die Kryptowährung Bitcoin möglichst einfach anwendbar zu machen und in den Alltag zu integrieren. Schon damals wussten wir, dass eine Verwendung in der breiten Masse nur dann möglich sein wird, wenn wir es schaffen, Kryptowährungen direkt mit dem traditionellen Finanzsystem zu verbinden. So entstand die Idee zu Bitwala – dem weltweit ersten Krypto-Bankkonto. 

Welche Vision steckt hinter Bitwala?

Ben: Geld anzulegen und dabei Renditen zu generieren, ist in den letzten Jahren unheimlich kompliziert geworden. Früher zahlte man regelmäßig Beträge auf sein Sparbuch ein und bekam 3-4% Zinsen darauf, doch diese Zeiten sind vorbei. Weder traditionelle Banken noch Fintechs schaffen es heute, attraktive und kompetitive Anlagelösungen anzubieten. Die meisten Sparprodukte auf dem Markt sind sehr komplex, man muss viel Zeit investieren und Wissen aufbauen, um sie zu verstehen.

Für die Bankkunden von heute ist das sehr frustrierend. Wir bei Bitwala glauben, dass innovative Technologien wie die Blockchain es ermöglichen, bei relativ geringem Risiko gute Renditen zu erwirtschaften aber der Zugang zu diesen Möglichkeiten ist noch stark limitiert. Das wollen wir ändern und sie einem Massenpublikum zugänglich machen. Unsere Vision bei Bitwala ist es, den Zugang zu innovativen Finanzprodukten so einfach wie möglich zu gestalten. Unser kostenloses Girokonto mit dem Zugang zu Kryptowährungen ist der erste Schritt auf dem Weg, diese Vision zu erreichen.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?

Ben: Eine große Herausforderung war meine Krebsdiagnose, die ich kurz vor dem Relaunch unseres Geschäftsmodells und nur wenige Tage vor meinem dreißigsten Geburtstag bekam: Ich hatte einen Tumor in meiner Schilddrüse. Ich bin heute zum Glück wieder vollkommen genesen, aber damals war es ein echter Schock und eine große Belastung für mich. Ich wollte mir nicht eingestehen, dass mein Körper Ruhe brauchte und habe mir nicht ausreichend Zeit für die Genesung genommen, weil ich dachte, dass ich dadurch mein Team im Stich lasse. Zu den Investoren von Bitwala gehören Earlybird Venture Capital, coparion, Global Brain und Sony Financial Ventures, G1, High Tech Gründerfonds, ALSTIN und die Digital Currency Group.

 Finanziert haben wir uns anfangs über Bootstrapping. In guten Zeiten konnten wir uns einen kleinen Betrag auszahlen, aber meistens mussten wir uns ohne regelmäßiges Gehalt durchschlagen. Ich fing an, nebenbei freiberuflich als Entwickler zu arbeiten. Im Jahr 2016 schlossen wir unsere erste Finanzierungsrunde ab und konnten uns ab da voll und ganz auf Bitwala konzentrieren.

Wer ist die Zielgruppe von Bitwala?

Kristina: Anfangs bestand unsere Zielgruppe aus Menschen, die sich bereits stärker mit dem Thema Kryptowährungen auseinandergesetzt hatten, doch wir merken, dass das Thema alternative Anlagen auch für den Mainstream immer relevanter wird. Wir befinden uns nun mal in einem Niedrigzinsumfeld und über Sparkonten und Tagesgeld lassen sich keine Renditen mehr generieren. Wir sehen, dass wir immer mehr neue Kunden gewinnen, die eine Buy & Hold Strategie verfolgen, ihre Bitcoin und Ether also eher langfristig anlegen, anstatt damit zu handeln. Mit Bitwala richten wir uns heute an alle Menschen, die es leid sind, dass Anlageprodukte, die attraktive Renditen generieren, kompliziert und zeitaufwendig sein müssen.

Wie funktioniert Bitwala? Wo liegen die Vorteile? Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Ben: Bitwala bietet heute das einzige Bankkonto der Welt, mit dem man direkt und ohne Umwege von seinem Girokonto in Krypto investieren kann. Alltagsgeschäfte lassen sich über unser Girokonto mobil oder über Desktop ganz unkompliziert erledigen. Das Besondere: Die Nutzung unseres Girokontos ist komplett frei von Gebühren, sogar das Abheben von Bargeld an Geldautomaten auf der ganzen Welt ist kostenfrei. Mit unserem Bitcoin Ertragskonto sind wir außerdem der einzige Service in Deutschland, bei dem Kunden ihre gehaltenen Bitcoin für sich arbeiten lassen und sogar mehr als 4% Jahresertrag erzielen können. Unter allen Kunden ist auch die kostenfreie Debit Card sehr beliebt, die seit Beginn der Pandemie europaweit für das mobile Bezahlen genutzt wird und mit der Bitwala- Kunden bereits rund 28 Millionen Euro ausgegeben haben.

Kristina Walcker-Mayer, was sind ihre Aufgaben? Wie sieht ein normaler Arbeitstag von Ihnen aus?

Kristina: Im ersten Schritt geht es in meiner Rolle darum, Probleme zu identifizieren, die Menschen in Sachen Finanzen haben, und zu überlegen, wie wir diese Probleme mit Bitwala lösen können. Meine Aufgabe besteht dann darin, eine Vision für unser Produkt zu entwickeln und eine Produktstrategie abzuleiten, die uns dabei hilft, unsere Vision wahr werden zu lassen. Unsere Vision bei Bitwala ist es, den Zugang zu innovativen Finanzprodukten so einfach wie möglich zu gestalten und die Frage, die ich mir täglich stelle, lautet: Wie können wir innovative Produkte bauen, die auf die heutigen finanziellen Bedürfnisse der Menschen antworten? Welche Technologien können uns dabei helfen, diese besser und effizienter zu erfüllen? Blockchain und Kryptowährungen sind sehr komplexe Themenfelder und ein wichtiger Teil meiner Aufgabe besteht darin, darüber aufzuklären und sie einfach zugänglich zu machen.

Die Produkte, die wir entwickeln, können noch so gut sein – ohne das Vertrauen unserer Kunden werden wir ihre Probleme nicht lösen können. In der breiten Masse haben Kryptowährungen vielfach eine negative Konnotation, Stichwort Betrug im Darknet oder Warnungen in den Mainstream Medien. Natürlich ist es mit einem Risiko verbunden, in Kryptowährungen zu investieren aber so verhält es sich auch mit ETFs und Aktien. Wir müssen besser aufklären, Potentiale aufzeigen, Ängste nehmen und Neugierde wecken.

Wie sieht es mit den Frauen in der Fintech-Branche aus ihrer Sicht aus?

Kristina: Es ist kein Geheimnis, dass Frauen sowohl in der traditionellen Finanzindustrie als auch in der Fintech-Branche unterrepräsentiert sind. Um einen größeren Frauenanteil nicht nur in Fintechs, sondern in der gesamten Tech-Branche zu erzielen, müssen wir bereits früh anfangen: Bei der Kindererziehung und in der Schule. Wie können wir frühzeitig weibliche Vorbilder in technischen Berufen zeigen? Wie schaffen wir es, mehr Mädchen für Mathe, Physik, Technologie und Chemie zu begeistern? Nur so werden sie diese Fächer dann auch später im Studium wählen und sich für Tech-Berufe entscheiden.

Warum sind Themen wie Steuern, Zinsen oder Geldanlage nicht auf dem Lehrplan in den Schulen? Wir müssen früh einen größeren Fokus auf das Thema finanzielle Bildung legen, damit mehr Mädchen sich auf natürliche Weise mit dem Thema Finanzen beschäftigen und später für Berufe in der Finanzindustrie entscheiden. Oft ist in den Familien nach wie vor der Mann für die Finanzen verantwortlich – mit diesem Bild wachsen viele junge Mädchen noch heute auf.

Für mich hat besonders das Thema Frauen und Kryptowährungen höchste Relevanz. Es ist wichtig, dass mehr Frauen beginnen, sich für Kryptowährungen zu interessieren und es als Anlagemöglichkeit nutzen, denn bis heute ist die Gruppe der Krypto-Anleger von Männern dominiert. Es dauert nicht mehr lange, bis die 21 Millionen Bitcoin geschürft sind und dann teuer verkauft werden. Frauen sollten es nicht verpassen, sich einen “Teil des Kuchens” zu sichern, denn es besteht die Gefahr, dass wir zu wenig Diversität in der Aufteilung dieses Assets haben werden.

Wo sehen Sie die Herausforderungen für die Kryptotechnologie?

Ben: Die Blockchaintechnologie ist unheimlich komplex und es ist nicht einfach, den Handel mit Kryptowährungen in eine gute Kundenerfahrung zu übersetzen. Wir bei Bitwala arbeiten deshalb jeden Tag daran, die ganze Komplexität der Blockchain in ein niedrigschwelliges Kundenerlebnis zu übersetzen – das ist der Mehrwert, den wir liefern. Man muss auch sagen, dass das Image von Kryptowährungen noch immer stark an kriminelle Handlungen im Darknet geknüpft ist aber das ist einfach nicht die Realität. Es hat eine Evolution stattgefunden: Vor sieben, acht Jahren wurde Bitcoin tatsächlich noch als Währung genutzt aber heute ist es viel eher eine Wertanlage. Themen wie Geldwäsche sind verschwindend gering, man muss es immer wieder erklären. Insbesondere in den letzten ein bis zwei Jahren hat man gemerkt, dass Bitcoin & Co nicht als “digital cash” sondern als “digital gold”, also als ein Wertaufbewahrungsmittel genutzt werden. Auch immer mehr große Unternehmen investieren ja in Bitcoin zum Zweck der Wertaufbewahrung.

Welche Risiken gibt es für private Anleger?

Kristina: Ein Risiko gibt es immer aber so ist es auch bei ETFs und Aktien. Man sollte sein Portfolio diversifizieren, um das Risiko zu reduzieren. Ein paar Prozent des Anlagevermögens in Kryptowährungen zu investieren, finde ich sinnvoll. Wenn man sich die Historie des Bitcoin anschaut, dann lohnt es sich dabei zu sein und regelmäßig zu kaufen. Um es Einsteigern einfacher zu machen, wollen wir bald auch einen Krypto-Sparplan anbieten.

Bitwala, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Ben: Viele Menschen fangen gar nicht erst damit an, Geld anzulegen, weil sie glauben, dass sie zu spät dran sind oder dass sie nicht über genug Startkapital verfügen, doch sie irren sich. Bitwala wird der Startpunkt für diese Menschen sein, wo sie an die Hand genommen und dazu angeleitet werden, neue Spar- und Anlageverhalten zu etablieren. Innerhalb der nächsten Jahre wollen wir eine neue Ära des Bankings einläuten. Wir werden es Menschen ermöglichen, Geld zur Seite zu legen und es für sie arbeiten zu lassen – so einfach, wie man es früher mit seinem Sparbuch getan hat. Wir werden die Leichtigkeit traditioneller Sparkonten mit innovativen Lösungen, die auf neuartigen Technologien basieren, verbinden und damit das Sparen und Investieren neu erfinden und es dem Mainstream zugänglich machen.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

1. Stelle Dein Team an erste Stelle

Als wir vor einigen Jahren einen Rückschlag mit einem unserer Geschäftspartner erlitten und ein Jahr lang offline waren, haben wir es trotzdem geschafft, unser Team trotz der schwierigen Zeiten zu halten. Das liegt daran, dass wir immer großen Wert darauf gelegt haben, die richtigen Leute auszuwählen und eine starke Unternehmenskultur zu etablieren: Schon in den frühen Tagen bauten wir das Unternehmen auf der gemeinsamen Begeisterung darüber auf, wie Blockchain und Krypto die Welt verändern könnten. Das hat sich bis heute nicht verändert.

2. Stelle sicher, dass es das ist, was Du wirklich willst

Ich spreche mit vielen jungen Gründern, und wenn ich sie frage: „Warum willst Du ein Unternehmen gründen?“ erhalte ich oft ziemlich unrealistische Antworten, zum Beispiel: Ich möchte reich und berühmt werden wie Elon Musk. Die Realität ist nun mal, dass viele Startups scheitern und nur eine sehr kleine Anzahl eine Milliardenbewertung erreicht und zum Einhorn wird. Man sollte sich fragen, ob die Idee für das Startup das ist, was man in den nächsten fünf Jahren tun möchte, in guten wie in schlechten Zeiten.

3. Sei ein mitreißender Storyteller

Du musst spannende Geschichten erzählen können. Das ist übrigens auch der Grund, warum so viele Startups betonen, wie sie ihr Startup in einer Garage gegründet haben. Egal, ob es darum geht, potentielle Mitarbeiter oder Investoren zu überzeugen – es ist wichtig, eine packende Geschichte zu haben, bei der die Leute sagen: „Wow, das ist großartig“ und Teil von dieser Geschichte werden wollen.

Wir bedanken uns bei Kristina Walcker-Mayer und Ben Jones für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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