Denkt einfach und reflektiert viel

Binando optimiert die Logistik von Unternehmen aus der Abfallwirtschaftsbranche

Stellen Sie sich und das Startup Binando doch kurz unseren Lesern vor!
Binando optimiert die Logistik von Unternehmen aus der Abfallwirtschaftsbranche. In unserem ersten Use Case sorgen wir bei diesen für eine Reduktion der beim Einsammeln von Müll wesentlichen Ressourcen Zeit und Treibstoffkosten. Gleichzeitig erhöhen wir durch die Reduktion von CO2-Emissionen die Lebensqualität in Städten. Inzwischen bauen wir bereits weitere Use Cases auf und bezeichnen unser Portfolio als „Smart Waste Lösungen“. Dabei nutzen wir vor allem aktuelle Technologien des Internet of Things.

Das Gründerteam von Binando besteht aus Moritz, der sich um Themen rund um das Produkt kümmert und mir. Ich pflege die Beziehungen zu Kunden und Partnern. Darüber hinaus haben wir inzwischen ein tolles Team mit hohen Kompetenzen in den Bereichen Sensorik, Software und Datenanalyse aufgebaut.

Wie ist die Idee zu Binando entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
In Stuttgart gibt es ein Programm namens ACTIVATR. In diesem geben Corporates Problemstellungen vor, zu denen von sogenannten Startup-Talents Geschäftsmodelle entwickelt werden. Im Recruiting wurden Moritz und ich mit unseren komplementären Kompentenzen als Team zusammengebracht. Sowohl auf der menschlichen Ebene als auch auf der fachlichen wurde im Recruiting ein toller Job gemacht. Die zu bearbeitende Problemstellung hieß damals „Smart City Data“.

Um diesem weiten Feld ein wenig Griffigkeit zu verleihen, haben wir uns auf einen Stakeholder in einer smarten City festgelegt, der uns besonders interessiert: die Müllabfuhr. Anschließend haben wir mittels Brainstorming festgehalten, welche Jobs diese tagtäglich zu erledigen hat und mit welchen aktuellen Technologien wir einen Mehrwert kreieren können. Als die Idee da war, haben wir umgehend Kontakt zu den Unternehmen aufgenommen, um die Relevanz zu besprechen. Das positive Feedback war dann quasi der Startvektor von Binando.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
In einem Startup gibt es eigentlich täglich neue Herausforderungen. Sofern man ein gutes Team und bestenfalls ein Problem gefunden hat, das es wert ist gelöst zu werden, meistert man meines Erachtens alle Herausforderungen und wächst daran. Eine Finanzierung haben wir von unserem Corporate Partner aus dem ACTIVATR-Programm, der Energie Baden-Württemberg AG erhalten. Mit dieser konnten wir ein marktreifes Produkt entwickeln sowie gute unternehmerische Strukturen aufbauen. In der Zwischenzeit wurden wir proaktiv von weiteren interessierten Investoren angesprochen, mit denen wir uns aktuell über eine Finanzierung austauschen, die Binando auf ein noch höheres Level hieven und als Grundlage für das Wachstum dienlich sein kann.

Wer ist die Zielgruppe von Binando?
Die Zielgruppe von Binando sind Unternehmen aus der Abfallwirtschaftsbranche, die für das Einsammeln von unterschiedlichen Abfallarten zuständig sind. Hier haben wir sowohl mit privaten Entsorgungsunternehmen als auch mit kommunalen Entsorgern und Stadtreinigungen zu tun. Die von uns angewandte Technologie kann auch in weiteren Branchen eingesetzt werden. Ohne ins Detail zu gehen, haben wir hier bereits einige Anfragen erhalten.

Wie funktioniert Binando?
In unserem ersten Use Case statten wir Abfallbehälter mit Sensoren aus, die den Füllstand messen. Die Füllstanddaten werden an unser Backend gesendet, wo sie mit weiteren Daten verknüpft werden. Unsere Software visualisiert neben wichtigen KPI’s übersichtlich die Füllstanddaten der zahlreichen Behälterstandorte. Daraus werden dann optimierte Routen für das Einsammeln von Abfall abgeleitet, die bis ins Fahrzeug gepusht werden. Ich denke, die Grundlogik dieses Use Cases ist sehr einfach verständlich. Die Komplexität steckt darin, ein massenfähig zuverlässiges Produkt bei einer gleichzeitigen hohen Integrationstiefe von Hardware mit Konnektivitätsanforderungen über Software bis hin zum Routing anzubieten. Außerdem zeichnet sich der Optimierungsalgorithmus über eine hohe Intelligenz aus.

Welche Vorteile bietet Binando?
Bislang fahren die Entsorgungsunternehmen standardisierte Routen, d.h. auf Verdacht immer in derselben Reihenfolge. Mit Binando kennen die Entsorgungsunternehmen die Füllstände der Behälter und können die Tour dynamisieren. Sie sind immer zur richtigen Zeit am richtigen Behälter. Das schont deren Ressourceneinsatz und schont infolge geringerer CO2-Emissionen die Umwelt. Außerdem sind die Entwsorgungsunternehmen ohne Binando sehr von der Erfahrung der Fahrer abhängig. Falls mal ein Fahrer krank wird oder kündigt, kann der neue Fahrer die Routen bei weitem nicht gleich gut umsetzen. Mit Binando gibt es diese Abhängigkeit nicht mehr; die Prozesse funktionieren weiterhin. Aus der engen Zusammenarbeit mit unseren Kunden haben sich bereits weitere Produkte und Benefits abgezeichnet.

Wie ist das Feedback?
Das Feedback ist hervorragend. Ein wesentlicher Grund, dass wir die Abfallwirtschaft als unseren Zielmarkt definiert haben, ist die Innovationsbereitschaft der Unternehmen aus dieser Branche. Diese haben ein großes Interesse daran, die Branche in das digitale Zeitalter zu bringen. Dabei sind sie sehr offen für Unternehmen wie uns, die Smart Waste Lösungen anbieten. Wir arbeiten inzwischen mit nahezu allen großen privaten Entsorgungsunternehmen sowie einigen kommunalen Entsorgern zusammen.

Binando, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
In fünf Jahren ist das Binando-Produktportfolio mit seinen Smart Waste Lösungen aus der Abfallwirtschaft nicht mehr wegzudenken. Vor allem im DACH-Raum werden alle Entsorgungsunternehmen die Produkte über verschiedene Abfallarten hinweg operativ nutzen und dadurch ihre Wirtschaftlichkeit steigern sowie einen positiven Beitrag zur Umwelt leisten. Die Abfallwirtschaft wird digital auf einem ganz neuen Level sein.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
1. Stellt ein zum Start nicht zu großes Team auf, das komplementäre Kompetenzen mitbringt. Hier funktioniert das Grundprinzip: einer baut, einer verkauft, ganz gut. Die Einsatzbereitschaft und die Leidensfähigkeit sollten sehr hoch sein. Der Weg wird sicher nicht einfach und gerade. Hindernisse müssen aus dem Weg geräumt und Umwege genommen werden.

2. Findet ein Problem, das es wert ist, gelöst zu werden. Irgendwann muss ein Startup hohe Profite abwerfen. Ob das möglich ist, findet ihr nur heraus, indem ihr frühzeitig mit euren zukünftigen Kunden sprecht und deren Zahlungsbereitschaft abklärt. Wenn diese Zahlungsbereitschaft vorhanden ist, habt ihr möglicherweise ein solches Problem gefunden.

3. Denkt einfach und reflektiert viel. Wenn ihr mit erfahrenen und kompetenten Menschen sprecht, werdet ihr sehr wertvollen Input erhalten. Dabei solltet ihr euer eigenes Ego zurückstellen und kritikfähig sein. Letzten Endes werden so viele Meinungen zusammenkommen, aus denen ihr dann die für euch richtigen Handlungen ableiten müsst. Denn das ist euer Ding und ihr müsst Verantwortung übernehmen.

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Wir bedanken uns bei Nikolaos Baltsios für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer ist 39 Jahre jung, Gründerin und leitende Redakteurin der StartupValleyNews. Ihre Karriere startete sie in verschiedenen internationalen Direktvertriebsunternehmen. Seit 2007 ist sie hauptberuflich als Journalistin tätig. Während dieser Zeit lernte sie die Startup-Szene kennen und schätzen, was Sie dazu bewogen hat mit StartupValleyNews ein internationales Startup Magazin aufzubauen!

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