BigRep größter, serienmäßige verfügbarer 3-D-Drucker der Welt

René Gurka CEO von BigRep Technologie Startup aus Berlin im Interview über die Zukunft des  3 D Drucks

StartupValleyNews: Stellen Sie sich und Ihr Startup Unternehmen BigRep doch kurz vor!
René Gurka: Mein Name ist René Gurka und ich bin der CEO von BigRep, einem Technologie-Startup aus Berlin. Wir sind der Entwickler und Hersteller des größten, serienmäßig verfügbaren 3-D-Druckers der Welt: Dem BigRep ONE. Mit einem Volumen von mehr als 1m3 schließt der BigRep ONE die Lücke zwischen 3-D-Druckern im Modell- und Industrieformat. BigRep wurde 2014 gegründet und ist in nur 18 Monaten zum Markt- und Technologieführer im Bereich des großformatigen, seriellen 3-D-Drucks geworden. Mittlerweile besteht unser Team aus über 50 Mitarbeitern aus zwölf Nationen. Wir arbeiten gemeinsam und mit großer Leidenschaft an unserem Ziel, Design, Prototyping und die industrielle Produktion von Grund auf zu verändern.

StartupValleyNews: Wie ist die Idee zu BigRep entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
René Gurka: Meine beiden Co-Gründer waren Künstler und haben den ersten Prototypen gebaut, um großformatige Objektedrucken zu können, die mit einem herkömmlichen Desktop-Drucker nicht zu schaffen waren. Im Herbst 2013 kamen sie mit der Idee zu Newten Ventures, dem
Seed-Finanzierungsunternehmen, bei dem ich damals arbeitete. Wir haben als erster Investor BigRep unterstützt. Damals war die technische Expertise im Unternehmen bereits sehr gut vorhanden, was fehlte war jemand für das Wirtschaftliche. Ich habe nicht lange überlegt und bin eingestiegen – mich hat überzeugt, dass BigRep sofort weltweit den 3D-Großdruck revolutionieren kann, weil mit seiner Hilfe eine Kostensenkung von 90% möglich ist.

StartupValleyNews: Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
René Gurka: Hardware zu entwickeln und finanzieren ist viel schwerer, als ich dachte – und von den klassischen VCs fallen 80% weg, weil sie nach „online“ schreien. Wir sind natürlich Teil der digitalen Industrie 4.0, aber zuerst kam die Hardware. Zum Glück gibt es die KfW Bankengruppe, die uns bereits seit der Seed-Runde unterstützt.
Nach der Seed-Finanzierung in der Gründungsphase konnten wir im November 2015 im Rahmen der Serie-A-Finanzierungsrunde erneut bestehende und neue Investoren überzeugen. Das neue Kapital setzen wir vor allem für die Forschung und die Entwicklung unserer Produkte ein. Außerdem nutzen wir das Kapital, um unsere Internationalisierung und den Ausbau unserer globalen Marktpräsenz voranzutreiben und den Vertrieb weiter zu stärken. So haben wir in diesem Jahr schon Mitarbeiter in den USA und Singapur eingestellt.

StartupValleyNews: Wie hat sich Ihr Startup seitdem Start entwickelt?
René Gurka: Wir sind Anfang 2014 definitiv mit der richtigen Idee zur richtigen Zeit gestartet. Wir waren DER Pionier für großformatigen, erschwinglichen 3-D-Druck und sind bis heute Markt- und Technologieführer in diesem Bereich geblieben. Seit unserem Launch haben wir dabei einen weiten Weg zurückgelegt. Sechs Wochen nachdem wir im Januar 2014 unseren ersten Prototypen gebaut hatten, fuhren mit ihm zur 3D Print Show nach New York – und die Leute drehten durch: Wir haben im Anschluss an die Messe hunderte Anfragen von Kaufinteressenten und den Medien aus der ganzen Welt erhalten, was dazu beitrug, dass BigRep in der internationalen 3-D-Druck-Community von einem auf den anderen Tag ein Begriff wurde. Das alleine hat BigRep aber natürlich nicht erfolgreich gemacht. Nach der ersten überwältigenden Aufmerksamkeit, die wir bekommen haben, mussten wir unser Unternehmen aufbauen – und sind innerhalb von nur 18 Monaten von drei auf 50 Mitarbeiter gewachsen. Bis heute bin ich positiv überrascht über den sofortigen internationalen Erfolg von BigRep. Schon drei Monate nach der Gründung waren wir 90 Prozent international tätig. BigRep hat von Beginn an die Kosten im Markt massiv gesenkt und ich bin überzeugt, dass wir es schaffen werden, als
„Game-Changer“ für günstigen großformatigen Druck in die 3-D-Geschichte einzugehen.

StartupValleyNews: Wer ist die Zielgruppe von BigRep?
René Gurka: Wir haben unsere Wurzeln im Kunst- und Designbereich, fokussieren uns nunmehr verstärkt auf industrielle Anwendungsbereiche, vor allem in der Automobil- und Luftfahrtbranche sowie in der Medizintechnik. Die Nachfrage nach dem BigRep bei Industriekunden wächst sehr stark und hier liegt meiner Meinung nach auch das größte Potential für den großformatigen 3-D-Druck: Vermutlich
99 Prozent unserer potenziellen Kunden sind sich der Möglichkeiten des großformatigen 3-D-Drucks noch gar nicht bewusst. Für uns ist es deshalb wichtig, in einem ersten Schritt ein Bewusstsein für den großformatigen 3-D-Druck zu schaffen und verständlich zu machen, welche konkreten Vorteile er mit sich bringt, wie er die Produktion flexibler gestaltet und dabei vor allem Zeit und Kosten spart. Durch „Additive Manufacturing“ können Designwünsche von Kunden noch spezifischer behandelt und kurzfristig und individualisiert umgesetzt werden. Auch Ersatzteile lassen sich durch 3-D-Druck schnell und einfach nachproduzieren – das bietet auch im Logistikbereich große Vorteile.

StartupValleyNews: Wie hat sich die 3-D-Druck-Technologie in den letzten Jahren entwickelt?
René Gurka: Kurz gesagt: Der 3-D-Druck ist erwachsen geworden. Er ist nicht mehr nur Spielerei, sondern hat seinen Platz in der Industrie gefunden. Dabei ist der 3-D-Druck nicht nur in vielen etablierten Herstellungsprozessen integriert worden, sondern löst teilweise auch überholte Methoden ab. Prozesse, die Ingenieure und Designer über Jahre hinweg gelernt und angewendet haben, müssen komplett umgestellt werden. Wir bei BigRep denken traditionelle Produktions- und Herstellungsprozesse komplett neu, denn mit dem 3-D-Druck ist es möglich, lokal, individualisiert und kosteneffizient zu produzieren. Really Disruptive, aber eben Hardware.

StartupValleyNews: In welchen Bereichen ist die 3-D-Druck Technologie nicht mehr wegzudenken?
René Gurka: Allen voran in der Luftfahrt, aber auch in der Automobilindustrie und Medizintechnik wird der industrielle 3-D-Druck bereits erfolgreich angewendet, bietet gleichzeitig aber auch noch große Entwicklungsmöglichkeiten. In der Automobilindustrie ist vor allem Prototyping ein wichtiges Thema, wobei vor allem die Größe des BigRep ONE positiv zum Tragen kommt. Die Luftfahrt ist schon heute sehr 3-D-affin, da sich bionische Strukturen für den Leichtbau exzellent mit 3-D-gedruckten Produkten umsetzen lassen. Auch hier gibt es aber noch Potenziale. In der Medizintechnik lautet das Stichwort „Individualisierung“: Jeder Patient ist anders und der 3-D-Druck ermöglicht es einfach und günstig individualisierte Prints herzustellen. Zu unseren Kunden zählen aber auch Architekten und Designer sowie Produzenten aus der Möbelindustrie. Sie drucken mit dem BigRep ONE Modelle, aber auch ganze Stühle, Tische und Verbindungsstücke.

StartupValleyNews: BigRep, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
René Gurka: Von Anfang an hatten wir bei BigRep die Vision, den großformatigen 3-D-Druck für jedermann verständlich und erschwinglich zu machen. Unser Ziel ist es nun, BigRep weltweit zum Synonym für kostengünstigen, großformatigen 3-D-Druck mit Produktionen in Europa, Asien, Afrika und Amerika zu machen.

StartupValleyNews: Zum Schluss: Welche Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
René Gurka: Ich bin davon überzeugt, dass die richtige Umsetzung einer Idee oft noch wichtiger ist, als die Idee selbst. Dabei immer die richtigen Entscheidungen zu treffen, ist unmöglich – man muss auch Fehler machen, um den passenden Weg für sich und das Unternehmen zu finden. Damit es aber nicht zu viele werden, lautet mein Tipp: Scheut Euch nicht, Euch Hilfe zu suchen und so auf die Erfahrung anderer kompetenter Unternehmer zurückzugreifen!

Wir bedanken uns bei René Gurka für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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