Fokus, Durchhaltevermögen und Lernbereitschaft

Steffen Tröger aus Berlin präsentiert mit BigBoxBerlin die Möglichkeiten von umgebauten Hochseecontainern

Stellen Sie sich und das Startup Unternehmen BigBoxBerlin doch kurz vor!
Wir sind BigBoxBerlin. Wir designen, konstruieren und produzieren moderne und innovative Event-, Gastronomie-, Arbeits- und Wohnarchitektur aus gebrauchten Seecontainern. Unser Ansatz ist Entwicklung & Produktion von hochwertiger, mobil einsetzbarer, langlebiger und ökologisch sinnvolle Architektur sowie die Evaluierung und der Roll-out der dazu passenden Geschäftsmodelle – dabei waren wir den Spagat zwischen „Hardwareentwicklung“ und der Digitalisierung von Geschäftsprozesse. Wir bauen Systemlösungen in der Qualität, wie wir sie uns selbst „auf den Hof stellen“ würden und bieten Services, wie sie selbst gern nutzen. Hochwertig. Umfangreich. Mit Leidenschaft & Spaß an der Sache.

Wie ist die Idee zu BigBoxBerlin entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Haha – die Geschichte dazu ist wirklich lang. Grundlegend wollte ich mich – nach 10 Jahren in der Immobilienwirtschaft, Unternehmensberatung und Wissenschaft – wieder mit einem richtigen Produkt beschäftigen – etwas Handfestem eben. Es sollte groß sein sowie nachhaltig und ökologisch sinnvoll . Es sollte den Freiraum bieten, ganz unterschiedliche Produkte und Geschäftsmodelldelle hervorzubringen. Irgendwann sind wir dann eben auf Hochseecontainer und BigBoxBerlin gekommen – ein toller und vielseitig einsetzbarer Rohstoff, wenn man weiß, wie man mit Ihm umzugehen hat.

Warum haben Sie sich entschlossen ein Unternehmen zu gründen?
Nach unterschiedlichen beruflichen Lebenswegen und verschiedenen Hobbys haben wir uns darauf besonnen was wirklich zählt: Mit Herzblut, Tatgeist und Spaß an der Sache zu arbeiten, nachhaltig zu arbeiten, Menschen zu begeistern, etwas immer ein Stück weit besser zu machen als die Anderen. Nicht zu vergessen – mit Bauklötzen für Erwachsene zu spielen. Es macht einfach Spaß ein Unternehmen aufzubauen – insbesondere wenn man Produkte hat, mit denen man sich sehr stark identifizieren kann.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Die Entwicklung, Produktion, Zertifizierung und der teilweise Eigenbetrieb von Systemlösungen (z.B. der SafeBOX) ist sehr kapitalintensiv. Da war das nötige Kleingeld natürlich immer ein Thema.

Auch das richtige Team zusammenzustellen, das ordentlich „mitzieht“ war eine Herausforderung.

Nicht zuletzt ist es immer eine Herausforderung ein Produkt oder Service zu verkaufen, den es zum Zeitpunkt X noch nicht gibt. Das Vertrauen unserer Kunden mussten wir uns also erstmal hart erarbeiten. Jetzt, wenn man sieht was wir machen und wie wir etwas machen, ist das Thema eher in den Hintergrund gerückt.

Aktuell begleiten uns eher Herausforderungen im Bereich der Organisationsentwicklung, Mitarbeiter zu finden, die nicht nur fachlich sondern auch menschlich ins Team passen und die Optimierung von Produktionsprozessen bei gleichbleibend hoher Produktqualität. Hier kann ich aktuell natürlich nur darüber sprechen, was bis Anfang 2016 passiert ist. Bis dahin war es sehr viel privates Eigenkapital, Lohnverzicht, eine kleine externe Seed-Runde und eine mittlere sechsstellige – ganz klassische – Bankenfinanzierung.

Wer ist die Zielgruppe von BigBoxBerlin?
Wir sind nicht das klassische „one-Size-fits all“ Startup. Jedes BOX-System das wir entwickeln hat einen eigenen Markt, ein eigenes Geschäftsmodell, spezielle Zielgruppen und differenzierte Wettbewerber auf Produkt- und Einsatzebene. Wir entwickeln System-Lösungen vor dem Hintergrund spezieller Kundenwünsche und Problemstellungen. Unsere SafeBOXen bspw. lösen sowohl ein Sicherheitsproblem (Zielgruppe Eventveranstalter) und befriedig gleichzeitig das Bedürfnis nach Strom „Always Online“ zum Laden von Handys und anderen elektronischen Gadgets. Da wir in diesem Fall den Betrieb inkl. Online-Plattform und Service vor Ort selbst tragen, sind unsere Kunden hier die Eventgäste.

Mit unseren PoolBOXen sprechen wir wiederum ganz andere Kunden an – Primär den „Häuslebauer“. Aktuell bauen wir bspw. auch mobile Labore für ein internationales Forschungsinstitut und planen ein wirklich mobiles Hotel – hier sollen sowohl unsere WohnBOXen in unterschiedlichen Größen, als auch unsere Pop-Up-System zum Einsatz kommen.

Woher stammen die Hochseecontainer?
Unsere gebrauchten Hochseecontainer kommen nach ihrem letzten Hochsee-Einsatz per Binnenschiff, Eisenbahn oder LKW u.a. direkt aus Hamburg, Rotterdam oder Rostock. Bei Seecontainer gibt es – vergleichbar mit dem Markt für gebrauchte Autos – unterschiedliche Qualitätsstufen. Auch interessant: Hochseecontainer haben Tagespreise. Das hat u.a. etwas mit der Außenwirtschaft zu tun. Produziert werden Hochseecontainer heutzutage fast ausschließlich in China – teilweise um nur einmal Waren nach Europa oder Amerika zu bringen.

Was bauen Sie aus den Hochseecontainern? Was waren die außergewöhnlichsten Umbauten?
Die Produktpalette reicht zwischenzeitlich von mobilen Schließfachanlagen (SafeBOXen), bis hin zu hochwertigen Poolsystemen (PoolBOXen). Pop-Up-Systemen, WohnBOXen, Office-Spaces – Vieles können wir zwischenzeitlich sehr gut bauen. Neben Pools bauen wir aktuell bspw. auch mobile Labore für ein internationales Forschungsinstitut und planen ein wirklich mobiles Hotel – hier sollen sowohl unsere WohnBOXen in unterschiedlichen Größen, als auch unsere Pop-Up-System zum Einsatz kommen.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen sich für Die Höhle der Löwen zu bewerben?
Wir wurden vor knapp einem Jahr gefragt, ob wir Lust und den Bedarf haben, bei diesem Format mitzumachen. Wir haben dann – und damit meine ich das gesamte Team – lange darüber gesprochen, ob wir das machen wollen und/oder sollten. Am Ende waren es drei entscheidende Punkte die uns bewegt haben, uns zu bewerben.
1) Die Chance, deutlich schneller zu skalieren, sowohl in der Entwicklung als auch in der Produktion und Vermarktung.
2) Die steile Lernkurve sowie neue Sicht- und Handlungsweisen die die Löwen mitbringen
3) Die Bekanntheit, die sich aus dem Netzwerk der Löwen, als auch –selbstverständlich – durch die enorme Strahlwirkung der Show als solches ergeben.

Wie haben Sie sich auf die Höhle der Löwen vorbereitet?
Grundlegend habe ich überhaupt kein Problem damit frei zu sprechen und das Unternehmen und unsere Produkte zu pitchen. Wenn man jedoch vor unzähligen Kameras steht und man zwangsweise im Hinterkopf hat, wie viele Menschen das später im Fernsehen sehen bzw. das man keinen Einfluss darauf hat, was dann am Ende ausgestrahlt wird, ist das aber doch nochmal eine ganz andere Hausnummer.

Es ist ein wenig wie früher in der Schule – den zwei minütigen Pitch haben wir gemeinsam im Team vorbereitet und dann gefühlte 100 mal durchgesprochen. Ein wenig herausfordernd war dann, dass man durch den Außendreh ein wenig aus dem Konzept gerissen wurde und dann doch wieder improvisiert hat. Vll. wäre es einfacher gewesen, sich einfach nicht drauf vorzubereiten und einfach „zu machen“, dann wäre ich möglicherweise deutlich natürlicher rübergekommen.

Sie sind eines der wenigen Startup Unternehmen das es in die Show Die Höhle der Löwen geschafft hat. Wie motivierend ist das für Sie und was versprechen Sie sich von der Show?
Das ist sehr motivierend für mich persönlich, als auch für das gesamte Team. Am Ende versprechen wir uns davon drei Punkte:
I) Die Chance, deutlich schneller zu skalieren, sowohl in der Entwicklung als auch in der Produktion und Vermarktung.
II) Die steile Lernkurve sowie neue Sicht- und Handlungsweisen die die Löwen mitbringen
III) Die Bekanntheit, die sich aus dem Netzwerk der Löwen, als auch –selbstverständlich – durch die enorme Strahlwirkung der Show als solches ergeben.

Wie wichtig ist dieser Schritt für Sie als Startup Unternehmen? Auch unter dem Gesichtspunkt, dass durch die Show viele Interessenten und auch Medien auf BigBoxBerlin aufmerksam werden?
Ich glaube auch vor der Ankündigung oder der eigentlich Ausstrahlung hat es an Interesse für unsere Produkte und an konkreten Projektanfragen nicht gemangelt. Wir sind da in der Außenkommunikation sehr gut aufgestellt, in der Produktion gut ausgelastet und leisten auch viel Aufklärungsarbeit darüber, was mit Hochseecontainer geht, und was ggf. auch nicht. Die Menschen stellen es sich manchmal leichter vor, als es dann am Ende ist. Es gibt in Deutschland allein 16 Bauordnungen, hinzukommen Normen und Richtlinien für fast jedes Bauteil – nicht zu vergessen unzählige bauphysikalische Aspekte die es einzuhalten gibt.

Die zusätzliche Aufmerksamkeit durch DHDL ist natürlich super.

Ziel der Show Die Höhle der Löwen ist es, das die Löwen investieren und der Deal zustande kommt. Welchen der Löwen haben Sie als Investor im Fokus?
Die Frage ist schwer zu beantworten. Alle Löwen haben neben dem nötigen Kleingeld sehr spezielle Stärken und können den Erfolg von BigBoxBerlin maßgeblich beeinflussen. Das liegt schlichtweg an unserem Portfolio – das eben sehr umfangreich ist und auch in der Kombination vieles Neues ermöglicht.

BigBoxBerlin, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Wir sehen uns schon heute – und das hoffentlich auch in 5 oder 10 Jahren noch – als ganzheitlichen Systemanbieter, der weit mehr ist als Unternehmen, dass einfach nur Seecontainer umbaut. Wir erkennen Bedürfnisse und entwickeln daraus innovative und nachhaltige Geschäftsmodelle rund um die BOX. Da kommen sicherlich auch noch Themen, die wir heute noch nicht mal ansatzweise auf dem Schirm haben. Das ganze Team und ich freuen sich riesig auf die weitere Entwicklung.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Einfach mal machen – und nicht nur drüber sprechen. Ein großes Netzwerk schadet natürlich nie während der Gründung. Viel wichtiger sind jedoch aus unserer Sicht Fokus, Durchhaltevermögen und Lernbereitschaft. Die wenigsten Dinge klappen von Anfang an. Beschränkt euch auf die Kernfunktion und führt diese zur Perfektion. Function over features! Ha, ich glaube das waren jetzt mehr als drei Tipps.

Bild Steffen Tröger aus Berlin präsentiert mit BigBoxBerlin die Möglichkeiten von umgebauten Seecontainern. Er erhofft sich ein Investment von 300.000 Euro für 10 Prozent seines Unternehmens. Foto: MG RTL D / Bernd-Michael Maurer

Sehen Sie BigBoxBerlin am 19.September in #DHDL

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Steffen Tröger für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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