Move and improve

besser zuhause mit der Vision: Das Leben zuhause für Menschen in Pflege so angenehm wie möglich gestalten

Stellen Sie sich unseren Lesern doch bitte kurz vor!

Wir von besser zuhause erfüllen Pflegebedürftigen den Wunsch, länger und komfortabler in ihrer gewohnten Umgebung leben zu können statt ins Pflegeheim zu müssen. Dafür bieten wir ein Rundum-Sorglos-Angebot für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen von bodenebener Dusche bis oder erhöhtem WC bis zu innovativen Technologien für Senioren an.

besser zuhause übernimmt dabei neben der Planung und Durchführung der nötigen Veränderungen durch zertifizierte Partnerunternehmen auch die Koordination der Abrechnung des gesetzlichen Zuschusses von bis zu 4.000 € pro Person (lt. §40 SBG XI) durch die jeweilige Pflegekasse. Dadurch wird Pflegebedürftigen und pflegenden Angehörigen geholfen, ihren heute nur selten genutzten Anspruch geltend zu machen. Das Ergebnis: Sie wohnen komfortabler – und häufig ohne Mehrkosten – in den eigenen vier Wänden. Durch ausgewählte Kooperationspartner sorgt besser zuhause außerdem dafür, dass sie ein wertvoller Teil der Gesellschaft bleiben, statt zu vereinsamen.

Warum haben Sie sich entschieden, ein Startup zu gründen?

Der demografische Wandel ist mehr als real mit über 4,1 Millionen Menschen, die 2030 pflegebedürftig sein werden. Dies stellt uns als Gesellschaft vor gewaltige Herausforderungen und ein ganz wichtiger Aspekt ist die Möglichkeit, im eigenen Zuhause wohnen zu bleiben. So lange wie möglich. Uns als Team ist es ein Anliegen, einen Beitrag zu leisten. Das treibt uns an und um dies zu schaffen, koordinieren und begleiten wir wohnumfeldverbessernde Maßnahmen, altersgerechten Einsatz von Smart Home-Technologien im Wohnumfeld sowie lokale Projekte, die die Nachbarschaft fördern und das Gemeinwohl stärken. Dabei starten wir nicht bei null, sondern können auf das Expertenwissen zwei unser Mitgründer, Hans Nolte und Prof. Ronald Richter, zurückgreifen, die schon seit vielen Jahren erfolgreich in der Pflegebranche tätig sind.

Wie lange hat es von der Idee bis zum fertigen Produkt gedauert?

Ein wirklich fertiges Produkt hat man, glauben wir zumindest, nie – gerade in der heutigen Zeit. Es gibt neue Produkte, neue Anforderungen der Kunden oder auch neue Regularien, auf die man reagieren muss und sollte. 

Wenn man das „fertige Produkt“ als „verkaufbare Dienstleistung” beschreibt, hat es bei uns fast ein Jahr gedauert, um die erste Ideenskizze über einen realen Beitrag zum Gemeinwohl bis hin zu einem tragfähigen Geschäftsmodell zu entwickeln.

Wer ist Ihre Zielgruppe?

Wir begleiten Menschen mit Pflegebedarf und ihre Angehörigen dabei, Möglichkeiten zu finden und zu nutzen, ihre Wohnung oder ihr Haus alters- und bedarfsgerecht zu gestalten – und das sind allein in Deutschland zum heutigen Zeitpunkt schon rund 2,8 Millionen ambulant Pflegebedürftige.

Welchen USP haben Sie?

Unsere Kundinnen und Kunden schätzen an uns, dass wir sie persönlich begleiten und entlasten, statt nur zu informieren und vermitteln. In Deutschland gibt es viele unterschiedliche Informationsangebote wie Onlineportale oder Pflegestützpunkte, die über Ansprüche und Möglichkeiten aufklären. Wenn es anschließend darum geht, diese Möglichkeiten Realität werden zu lassen, wird die Luft schnell dünn.

Wir wollen dort ansetzen, wo die meisten Angebote aufhören: Wir gehen auf die individuellen Bedürfnisse der Pflegebedürftigen sowie ihrer Angehörigen ein, beraten bei ihnen zuhause und begleiten sie persönlich, formal und kostenfrei durch den gesamten Prozess – von der Information über die Koordination und Umsetzung der Maßnahme bis hin zur direkten Abrechnung mit der Pflegekasse. 

Zudem haben wir mit einem Partner ein Produktportfolio erstellt, welches uns ermöglicht, das Wohnumfeld sowohl skalierbar als auch kostenoptimiert zu verbessern.

Wie schwer war es für Sie, in den Markt zu kommen?

Obwohl der Bedarf da ist – die Zahlen belegen diesen ja – und auch Unterstützung nachgefragt wird, müssen verschiedene Branchen und Anliegen auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden: Die Interessen der Handwerks- und Pflegebranche sowie ein tragfähiges Geschäftsmodell müssen auf die persönlichen Bedürfnissen der Menschen mit Pflegebedarf abgestimmt werden. Das haben wir sehr gut hinbekommen.

Wo bekommt man eure Produkte zu kaufen?

Sobald jemand Bedarf für eine wohnumfeldverbessernde Maßnahme hat, kommen wir ins Spiel – über unsere Website oder unser Servicetelefon. Ganz gleich, ob nach einer stationären Behandlung im Krankenhaus oder dem Wunsch eines bedarfsgerechten Umbaus des Badezimmers – wir nehmen uns jeder Anfrage an und prüfen die unterschiedlichen Möglichkeiten bei unseren Kunden vor Ort. Momentan agieren wir noch in Hamburg, die Expansion in weitere Städte ist für 2020 geplant.

Wie hat sich Ihr Startup seit der Gründung entwickelt?

In den letzten fünf Monaten – also seit Gründung im Sommer 2019 – hat sich der Umfang unseres Angebotes enorm erweitert, wir haben erfolgreiche Kooperationen mit vertrauensvollen Partnern geschlossen und ein großes Netzwerk in der Pflegebranche aufbauen können. Wir sind auch schon konkret am Markt, beraten Kunden, und die Zahl steigt jede Woche. 

Welches waren die größten Hürden bei der Gründung?

Bei unserem Service stehen die Kundinnen und Kunden im Mittelpunkt und alle Prozesse müssen auf darauf angepasst werden. Deswegen haben wir viel Zeit und viele persönliche Gespräche darauf verwendet, alle Zusammenhänge zu verstehen und aufzubauen. In unserer Position sind wir auf ein starkes Partnernetzwerk für die Ansprache und Umsetzung angewiesen, dieses zu schaffen, war und ist eine der größten und gleichzeitig elementarsten Hürden.

Aktuell müssen wir allem vor allem zwei Herausforderungen bewältigen:

  1. Wir müssen Menschen über die Möglichkeiten des besseren Lebens in den eigenen vier Wänden aufklären. Denn den meisten ist ihr Anspruch nicht bewusst, sie wissen nicht, wie sie diesen geltend machen können oder scheitern bei der Koordination.
  2. Wir müssen unser Netzwerk aus verantwortungsbewussten und vertrauenswürdigen Handwerkern aufbauen, die sich ebenfalls unsere Mission anschließen und Menschen mit Pflegebedarf helfen wollen. Unsere bisherigen und zukünftigen Partner kennen die Probleme unser Kunden und priorisieren diese Aufträge, sodass man für Haltegriffe oder ein erhöhtes WC keine sieben Monate warten muss. 

Wie bewerten Sie die deutsche Startup-Szene?

Hier gibt es auf jeden Fall unfassbar viel Potenzial. Natürlich ist sie nicht 1:1 mit Gebieten wie dem Silicon Valley zu vergleichen, aber dennoch finden sich smarte Menschen mit innovativen Ideen zusammen, die Lust haben, die Zukunft zu gestalten. Insbesondere hoffen wir, dass uns noch viele Gründerinnen und Gründer folgen und sich den Herausforderungen des demografischen Wandels widmen. 

Wie wichtig ist es, für Startups auf Events zu gehen?

Sehr, sehr wichtig. Eine Empfehlung von unserer Seite: Nimm so viele relevante (!) Events mit, wie nur möglich. Gerade am Anfang ist es hilfreich, sich mit Experten auszutauschen (siehe 3 Tipps) und sich und die eigene Idee unbekannten Personen vorzustellen. Das eröffnet neue Sichtweisen und gibt neue Impulse. Veranstaltungen bieten eine einfache Gelegenheit, Kontakte zu potenziellen Kunden, Investoren, Partnern und anderen Gründerinnen und Gründern zu knüpfen.

Wie wichtig ist für Sie, beim EY Public Value Award gewonnen zu haben?

Wir freuen uns natürlich sehr über den Erfolg. Es ist toll zu sehen, dass wir bei immer mehr Menschen das Bewusstsein für die kommenden Herausforderungen wecken. Wir stehen erst am Anfang, sehen aber mit jedem neuen Kunden, dass wir einen positiven Beitrag zum Gemeinwohl leisten. 

Wie schwer ist es Ihrer Meinung nach, an Investoren und Wachstumskapital zu kommen?

Darauf gibt es keine pauschale Antwort, denn vieles spielt eine Rolle: das Gründungsteam, die Unternehmensart, die Branche, der Innovationsgrad, der bestehende Wettbewerb usw. Die Faktoren variieren von Branche zu Branche und auch von Investor zu Investor. Dennoch beobachten wir, dass es immer mehr Möglichkeiten gibt, als Startup schon in einer frühen Phase Unterstützung, finanziell und beratend, zu erhalten. Leider sind wir nicht besonders “digital” daher können einige Investoren – auch wenn sie gerne würden – nicht mit uns ins Gespräch kommen, da sie entsprechende Vorgaben haben.   

Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Der demografische Wandel und die daraus resultierenden Folgen sind enorm, deshalb muss in fünf Jahren das Bewusstsein für die damit verbundenen Herausforderungen und den akuten Handlungsbedarf geschärft worden sein. Und dabei wollen wir von besser zuhause eine treibende Rolle spielen: Heute sind es vor allem Umbauten, in der Zukunft wird auch ein großer Fokus auf die altersgerechte Integration von Technologie in den eigenen vier Wänden liegen. Besonders für ältere Menschen. 

Weiterhin wird das Zusammenspiel aus Technologie und gesellschaftlicher Verantwortung in den nächsten Jahren maßgebend für unsere Arbeit, dem Entgegenwirken der fortschreitenden Vereinsamung sowie die Verbesserung des Wohnumfelds möglichst vieler Menschen sein.

Smart Home, Ambient Assisted Living und sind für Senioren in fünf Jahren genauso einfach in der Handhabung geworden, wie es für Digital Natives in der heutigen Zeit ist. Da ist enormes Potenzial.

Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Move and improve. Versuch, so schnell wie möglich Deine erste Version zu testen, und verbessere stetig durch neue Erfahrungen und Impulse.

Tausch Dich aus. Ganz gleich, ob Du Einzelunternehmer bist oder im Team arbeitest, sprich mit anderen: Lernt voneinander und unterstützt Euch gegenseitig.

Sei geduldig. Der Aufbau eines erfolgreichen Unternehmens ist kein Sprint sondern ein Marathon. Lass Dich nicht von kleinen Stolpersteinen aufhalten.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei den Gründern für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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