Berufsunfähigkeitsversicherung goes digital!

Digitale Angebote können helfen, damit die junge Generation ihr größtes Vermögen absichert: Ihre Arbeitskraft

Für den InsurTech-Gründer und Gesundheitsmarkt-Experte Dr. Magnus Kobel ist klar: Versicherer müssen die Ansprache der jungen Zielgruppe dringend überdenken. Besonders die Absicherung der Berufsunfähigkeit muss sich vom angestaubten Image befreien und wieder vermehrt im Fokus der digital denkenden Generation stehen. 

Mit dem Berufseinstieg ändert sich viel. Auch das Thema Versicherung steht plötzlich im Raum.  Doch während die Absicherung des Hausrats gerade noch abgeschlossen wird, ist die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) viel zu wenig auf dem Schirm des Verbrauchers. Schätzungen zufolge verfügen lediglich 25 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland über einen Schutz, der im Falle einer Berufsunfähigkeit in Kraft tritt. Erschreckend wenig, wenn man sich überlegt, dass jeder vierte Arbeitnehmer im Laufe seines Arbeitslebens seinen Beruf nicht mehr ausüben kann*.

Daher ist die Absicherung der Arbeitskraft eine der wichtigsten Versicherungen überhaupt, denn sie sichert das wertvollste Vermögen eines jungen Menschen: Die Fähigkeit, sich über Jahrzehnte seines Arbeitslebens seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Fällt dies Fähigkeit weg, geht es bei den allermeisten Menschen schnell um die Existenzgrundlage, da die gesetzliche Erwerbsminderungsrente hier nur in geringem Umfang einspringt. Verbraucherzentralen und Versicherungsexperten sind sich einig: jeder Arbeitnehmer in der Bundesrepublik sollte sich um den Schutz vor Berufsunfähigkeit kümmern. 

Im allgemeinen Verständnis wird zwischen Arbeits-, Berufs- und Erwerbsunfähigkeit kaum unterschieden, dabei sind die Unterschiede groß.

Eine Arbeitsunfähigkeit trifft bei temporärem Ausfall ein, zum Beispiel bei einer Erkältung oder einem kurzen Krankenhausaufenthalt. Berufsunfähig ist, wer den eigentlichen Beruf aufgrund von Krankheit oder einem Unfall nicht mehr ausüben kann. Im Gegensatz zur Erwebsunfähigkeit, bei der eine Person nicht mehr fähig ist, jeglicher Arbeit nachzugehen, kann bei der Berufsunfähigkeit noch auf eine andere Tätigkeit umgesattelt werden.

So können Dachdecker, die einen Bandscheibenvorfall erlitten haben, weiterhin in einem Büro tätig sein. Lange galt der Abschluss einer Versicherung für Berufsunfähigkeit als essenziell für körperlich anspruchsvolle Berufe. Diese führen zwar immer noch häufiger zum Ausfall als Bürojobs, mittlerweile sind es allerdings die psychischen Erkrankungen, welche die häufigste Ursache für eine Berufsunfähigkeit bilden. Und diese machen vor keiner Generation oder Berufssparte Halt. 

Die Abschlussrate für Berufsunfähigkeitsversicherungen ist bei Berufsanfängern so gering wie bei keiner anderen Generation. Doch wie begeistert man die junge Zielgruppe für den Abschluss einer BU? 

Versicherer müssen sich eingestehen: Der Abschluss einer BU-Versicherung ist längst kein Selbstläufer mehr. Früher galt es als Selbstverständlichkeit, sich für den Notfall nach bestem Wissen und Gewissen abzusichern. Versicherungsvertreter oder die Berater vor Ort verkauften das Rund-um-Sorglos-Paket für die ganze Familie. Es wurde in viele Töpfe gespart: Hausrat, BU, Brandschutz, Rechtsschutz. Heute sieht das anders aus, denn die Prioritäten der jungen Leute haben sich verschoben. Wenige besitzen Immobilien oder Eigentum, das sich zu versichern lohnt oder planen ihre Karrieren langfristig. Lieber wird kurzfristig gespart und das Geld zusammengehalten – für den nächsten Urlaub etwa, eine zentrale Wohnung oder gegebenfalls die Altersvorsorge.

Versicherungsexperten und Verbraucherschützer warnen jedoch davor, den Abschluss der BU zu lange herauszuzögern. Zum einen kann eine Erkrankung, wie zum Beispiel ein Bandscheibenvorfall, dazu führen, von der Aufnahme in eine BU ausgeschlossen zu werden. Zum anderen haben Berufseinsteiger, die weniger als fünf Jahre gearbeitet haben, keinerlei Anspruch auf Erwerbsminderungsrente und sollten daher unbedingt vorsorgen. Nicht nur sind die Beiträge ohne Vorerkrankungen deutlich günstiger, viele Versicherungen bieten Prämien und Rabatte für Erstversicherte an und zeigen, dass es viele Vorteile hat, früh genug an den Ernstfall zu denken. 

Doch wie kann der Nachwuchs für diese Argumente zugänglich gemacht und erreicht werden? Und wie kann der Versicherer auch nach Versicherungsabschluss im Kontakt mit dem Versicherten bleiben und sich als Lebensbegleiter bei Beruf und Gesundheit positionieren? 

Es ist naheliegend, aber dennoch in der BU-Absicherung in der Versicherungsbranche gerade erst im Kommen, die junge Zielgruppe digital abzuholen und digital zu begleiten. Die ersten Versicherungen bieten daher App-basierte Bonusprogramme zu Produkten der Arbeitskraftabsicherung an. Es zeigt sich: Die junge Zielgruppe spricht auf Belohnungssysteme an und schätzt eine kontinuierliche Motivation und messbare Erfolge. Digitale Anwendungen können zum Beispiel als Ansporn für einen Lifestyle mit ausreichend Bewegung und bewusster Ernährung fungieren und Nutzer mit geldwerten Vorteilen wie Rabatte auf Konsumgüter, Prämien in Form von Tarifupgrades ohne erneute Risikoprüfung und Rückerstattungen. Zudem wird hierüber ein digitaler Touchpoint zum Versicherten geschaffen, bei dem die Versicherung niederschwellig über gesundheitliche und berufliche Fragenstellungen und Services informieren kann, die auf die Lebenssituation der Zielgruppe zugeschnitten sind.

Im Ergebnis profitieren beide Seiten:

Versicherer binden den Kunden durch Kommunikation auf Augenhöhe in dazu positivem Kontext – anstatt nur im Schadensfall ins Blickfeld zu rücken. Dazu wirkt der bewusstere Lebensstil präventiv. Neben den monetären Vorteilen, stellt sich durch das Ablegen ungesunder Alltagsroutinen der größte positive Effekt ein. Die oft verkannte Gefahr der Berufsunfähigkeit erscheint wieder häufiger auf dem Radar der Arbeitnehmer in Deutschland und wird dank Digitalisierung und moderner Technik endlich ins 21. Jahrhundert geholt.

* laut Informationen des Gesamtverbandes der deutschen Versicherer (GDV)

Über den Autor:

Der ehemalige Unternehmensberater Dr. Magnus Kobel erkannte das Potenzial des deutschen Versicherungsmarktes in Puncto Digitalisierung und gründete 2016 das InsurTech YAS.life für den gesunden Lifestyle. Die App YAS, die sich mit Gesundheits-Apps und Fitnesstrackern digital verbinden lässt, sammelt crossmedial die täglichen Bewegungseinheiten und Gesundheitsaktivitäten ein und wandelt diese in Punkte um. Diese lassen sich gegen Gutscheine bei einer Vielzahl an Prämienpartnern eintauschen. Das Berliner Startup hat das Konzept erfolgreich als White-Label-Version für Krankenkassen, Kranken- und Lebensversicherungen sowie Unternehmen umgesetzt und überzeugt mit einem Full-Service Konzept, das neben Entwicklung, Datenschutz und Wartung, sämtliche Dienste für den B2B-Partner übernimmt. Im Dezember 2017 gewann YAS.life die Deutsche Rück als Leadinvestor, im März 2018 folgte der Healthy Hub – ein Innovationspreis der fünf größten gesetzlichen Krankenkassen. Kürzlich wurde YAS.life als „Insurance Shaper 2019“ von EXECinsurtech ausgezeichnet. 

Website: https://yas.life/

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