Nie unterkriegen lassen, egal was auf einen zukommt

Jonas Piela, Mitgründer und Geschäftsführer von Avuba, im Interview zum Thema „Scheitern“

Stellen Sie sich und Ihr Unternehmen doch kurz unseren Lesern vor!
Millennials zahlen mit Avuba schnell, einfach und übersichtlich überall und jederzeit. Ob Geld senden und empfangen unter Freunden und Familie (Peer-to-Peer) oder Zahlung mit der Avuba MasterCard® oder Maestro®-Karte: Avuba bietet einen besonders einfachen, übersichtlichen und unkomplizierten Umgang mit dem eigenen Geld. Die App zeichnet sich dabei durch eine hohe Usability sowie eine Vielzahl praktischer Funktionen wie Direktsperre, Zahlungen in Sekundenschnelle sowie digitaler und physischer Mastercard-Kreditkarten aus. Gegründet wurde Avuba 2013 in Berlin von Jonas Piela und Oliver Lukesch. Damals startete das Start-up mit einer reinen Peer-to-Peer Payment-App. Der Relaunch des Unternehmens mit neuer Ausrichtung erfolgte im August 2016.

Warum haben Sie sich entschlossen ein Unternehmen zu gründen?
Banking – so wie es bisher funktioniert – hat mich einfach nur frustriert. Ich hatte mir immer gewünscht, dass es so einfach und unterhaltsam wie die Facebook-App ist. Dazu analysierte ich zunächst mit einem Kumpel zahlreiche Geschäftsmodelle im Silicon Valley. Dieser Analyse zur Folge wäre es am rationalsten gewesen, ein Fashion-Start-up zu gründen. Doch ich bin überhaupt nicht der Typ dafür. Statt diesem „Scorecard“-Ansatz zu folgen, habe ich mich daher für den „Dream-Passion-Ansatz“ entschieden. Ich bin meinem Traum gefolgt: Das Banking von einer öden und lästigen in eine einfachen und unterhaltsamen Tätigkeit zu verwandeln.

Was war bei der Gründung Ihres Unternehmens die größte Herausforderung?
Die größte Herausforderung bestand darin die passenden Partner zu finden. Viele waren in ihrer alten Bankenwelt gefangen. Produktentwicklung hießtProduktentwicklungen fürhieß für sie, wie sie durch dieses noch mehr Finanzleistungen, die nicht im direkten Zusammenhang mit dem Produkt standen, an ihre Kunden verkaufen können. Wir mussten sie davon überzeugen, mal etwas neuesNeues anzugehen und dass sie mit uns einen innovativen als auch sicheren Partner an ihrer Seite haben. Dazu sprachen wir mit vielen unterschiedlichen Partnern, darunter auch sehr bekannten Playern. Letztlich entschieden wir uns für Raphaels, einer renommierten Vollbank mit sechs Millionen Karten und 100 Euro Millionen und mehr als Kundeneinlagen. Darüber hinaus arbeiten wir mit einem internationalen Team von Partnern aus und in Deutschland, Großbritannien und Frankreich.

Wie und wann haben Sie für sich erkannt, dass Ihr Konzept so nicht funktioniert?
Peer-to-Peer ist an sich eine gute Sache. Das Konzept hat sich für uns auch bestätigt. Jedoch: Wer mit seinem Geld hantiert, der will es auch verwenden. Es bringt nichts, wenn man es nur irgendwo hinschickt ohne es verwenden zu können, denn dann ist es wertlos. Nutzer wollen es auch abheben können, denn dann können sie ihr Geld auch uneingeschränkt so einsetzen wie sie wollen. Das Partnersetup dafür stimmte aber zu dem Zeitpunkt nicht, daher konnten wir genau die Option anbieten.

Wie hat es sich angefühlt, dass die Idee so nicht funktioniert, wie man es sich vorgestellt hat?
Es gab kein Gefühl in dem Sinne, denn es hat ja nicht „nicht“ funktioniert. Wir mussten lediglich den Partner wechseln, was eine tatsächlich recht emotionslose Angelegenheit für uns war. Dem neuen Partner an unserer Seite musste klar sein, warum Avuba einfach zu benutzen und schlichtweg Spaß macht. Ihm sollte klar sein, dass wir alles dafür geben ein Produkt zu bauen, das genau diesem Anspruch gerecht wird.

Im Nachhinein hätten Sie es früher erkennen können?
Auch hier waren definitiv die Partner ausschlaggebend: Mit den vorherigen hat es vor allem nicht geklappt, weil sie nicht 100-prozentig unser Produkt verstanden haben. Jetzt weiß ich: Wenn kein Verständnis für unsere Vision vorhanden ist, braucht man erst gar nicht auf die potenziellen Partner zutreten. Missverständnisse verwässern dann die Message des Produktes, erzeugen falsche Erwartungen beim Nutzer und führen letztlich dazu, dass das Produkt nicht konvertiert. Deshalb: Neue Partner, neues Glück!

Haben Sie sich Hilfe von Außen geholt?
Ganz klar, ja! Avuba gehört einem Board an Advisern an und zudem wurde auch ein Beirat mit einem der Hauptinvestoren gegreründet sowie mit einem Experten der in Irland ein großes Kartenprogramm gestartet hat. So wurden wir gecoacht und gementort – und holen uns nach wie vor immer mal externe die Hilfe ran.

Wie schwer war es wieder aufzustehen?
Sehr einfach für uns: Die eigene Überzeugung von unserem Produkt, die richtigen Partner dafür und insgesamt einfach die Motivation an sich etwas mit Avuba bewegen zu wollen. Hinzukam noch das positive Feedback von anderen Leuten, die allesamt begeistert von dem Produkt waren und noch immer sind. Das alles befeuerte unsere Motivation.

Was waren die wichtigsten Erfahrungen die Sie mitnehmen konnten?
Meine wichtigste Erfahrung war: Es gibt kein Problem, was man nicht lösen kann. Man muss schlichtweg immer am Ball bleiben und dann kriegt man es schon gelöst. Außerdem braucht man Durchhaltevermögen, so dass man auch keine irrationalen Entscheidungen trifft und man sich nicht unterkriegen lässt.

Was sind die nächsten Ziele?
Das Produkt an den Markt zu bringen und zu zeigen, dass man in einem nächsten Schritt das Banking sozialer machen kann. Ja, auch und gerade für Familie, Freunde. Wir planen Peer-to-Peer mit neuen Funktionen anzureichern und weiter in Richtung Social zu gehen, das heißt stärker das soziale Umfeld im Konto zu repräsentieren und aktivieren.

Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Meine drei Tipps sind die folgenden: Erstens braucht es Passion, denn gründen ist eine sehr emotionale Sache und muss aus dem tiefsten Inneren gewünscht sein. Zweitens: Nie unterkriegen lassen, egal was auf einen zukommt. Und schließlich drittens: Zuhören. Sei stets sensibel für das Feedback aus der „echten“ Welt, damit dein Unternehmen sich auch immer weiter verbessert.

Bildquelle © Max Threlfall Photo

Wir bedanken uns bei Jonas Piela für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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